„Der Konsument unterschätzt seine Macht“
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besser: wissen - machen - kaufen
Unlängst wollte die Schweiz, genauer gesagt, das Schweizer Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-Swiss, wissen, welche Auswirkungen synthetische Nanomaterialien in Lebensmittel und Verpackungen haben. Mit der Studie wurden Experten des Öko-Instituts beauftragt.
Das Öko-Institut in Freiburg beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Nanotechnologien. Der gemeinnützige Verein widmet sich seit seiner Gründung 1977 unabhängiger Umweltforschung, fungiert als wissenschaftlicher Think-Tank und Berater für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Heute hat der Verein etwa 3.000 Mitglieder und das Institut 120 Mitarbeiter in Freiburg, Darmstadt und Berlin. 80 davon sind Wissenschaftler: Chemiker, Physiker, Sozialwissenschaftler, Juristen, Volkswirtschaftler. Hier im "Sonnenschiff"-Gebäude, dem Plusenergiehaus des Architekten Rolf Disch, merkt man nichts von der Finanzkrise. In den vergangenen sechs Jahren ist das Institut um 20 Mitarbeiter gewachsen. "Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Jahren weiter wachsen", sagt Christiane Rathmann, Pressesprecherin im Öko-Institut. Der Nachholbedarf an Studien ist groß. Der Weg der Wissenschaftler führt immer häufiger nach Brüssel. Der Anteil an internationalen Aufträgen nimmt zu.
Das Ergebnis der Studie in wenigen Sätzen: Die wenigen Nanozusatzstoffe, die bereits seit Jahren auf dem Schweizer Markt in Lebensmitteln verwendet werden, sind toxikologisch überprüft und völlig unbedenklich für den Verbraucher. Für eine umweltverträgliche und gesundheitsfördernde Ernährung haben diese Produkte heute jedoch nahezu keine Bedeutung. Die Studie warnt davor, im Internet riskantes "Nano-Food" aus den USA zu bestellen. Jene Nahrungsergänzungsmittel mit nanohaltigen Edelmetallen seien "ernährungsphysiologisch nicht notwendig" und aus toxikologischer Sicht "bedenklich". Noch sind die Wissenslücken groß und noch gibt es keine Verhaltensrichtlinien für die Branche, einen sogenannten "Code of Conduct."
Die Ergebnisse für die Schweiz sind laut Martin Möller mit wenigen Abstrichen auch auf Deutschland übertragbar. Der Leiter der Arbeitsgruppe Nanotechnologien im Öko-Institut fordert in der komplexen Nano-Welt verschiedenster Disziplinen, Techniken und Anwendungsmöglichkeiten eine transparente Kommunikation - zwischen Hersteller, Verarbeiter und Vertrieb - und Verbraucher. "Es ist erstaunlich, dass die Hersteller ein Debakel wie bei der Gentechnik fürchten, viele von ihnen aber genau wie bei der Gentechnikdebatte Transparenz und Dialogbereitschaft vermissen lassen", sagt Möller. Auch eine offene Diskussion der Chancen sei dringend fällig, nicht zuletzt angesichts der möglichen Umweltentlastung im Verpackungsbereich.
Jeden Tag nehmen wir natürliche Nanostrukturen zu uns - die Molkeproteine und Caseine in der Milch etwa sind sogenannte nanoskalige Teilchen und wenn Stärke zu Pudding einkocht, dann entstehen dabei ebenfalls Substanzen im Nanoformat. Die Nanotechnologien arbeiten mit künstlich hergestellten Nanomaterialien. Diese chemisch, physikalisch und strukturell höchst unterschiedlichen Teilchen verhelfen Stoffen zu neuen Eigenschaften und das bereits seit Jahrzehnten: Autolacke werden kratzfest, Golfbälle fliegen gerader, Kleidung wird schmutzunempfindlich.
"Nano" (das griechische Wort "nannos" bedeutet Zwerg) meint den milliardsten Teil einer Maßeinheit. Zum Vergleich: Der Durchmesser eines Haares beträgt 50.000 Nanometer. In der Nano-Welt gelten nicht nur die Gesetze der Quantenphysik. Nano-Partikel haben zudem im Verhältnis zu ihrem Volumen eine extrem große Oberfläche. Dieser Umstand macht die Winzlinge äußerst reaktionsfähig. Daher sind auch die vorhandenen Risiken durch Rechtsvorschriften, die auf reinen Mengenangaben basieren, nur schwer zu erfassen. ...
Kommentare (2)
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Sindy00
schrieb am 24.08.2010 um 10:49 ¶berniewa
schrieb am 15.07.2009 um 13:31 ¶Kommentar schreiben
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