Biofach 2012 – Lebensbaum
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besser: wissen - machen - kaufen
Von Sabine M. Kempa
Utopia: Sie verleihen das Fairwork-Prädikat an Unternehmen, die faire Arbeitsbedingungen bieten. Die Unternehmen zahlen sogar dafür. Was ist der Vorteil?
Bettina König: Das Gütesiegel wird an Unternehmen vergeben, die sich bewusst dem Anspruch der Fairness stellen. Um die Qualität, Unabhängigkeit und Seriosität des Fairwork-Prädikats zu gewährleisten, wird regelmäßig überprüft, ob sich das Unternehmen auch weiterhin an die Richtlinien für faire Praktika und Berufseinsteigerprogramme hält. Dafür sprechen wir mit Praktikanten, die in dem Unternehmen tätig sind, wir fahren auch hin und überprüfen vor Ort, ob die Bedingungen stimmen. Davon profitieren alle Beteiligten: die Praktikanten leisten zu fairen Bedingungen. Die Unternehmen weisen nach, dass sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und werden damit attraktiv für hochqualifizierte Mitarbeiter.
Sie engagieren sich vehement für faire Praktikums-Bedingungen. Geht es für viele Hochschulabsolventen gar nicht mehr darum, „ordentliche“ Jobs zu finden, sondern darum, überhaupt beschäftigt zu sein? Und kann das Praktikum als Berufseinstieg eine Lösung sein?
B.K.: Es geht vor allem darum, den prekären Berufseinstieg zu vermeiden. Selbstverständlich muss es das Ziel sein, nach dem Studium einen angemessenen Job zu finden. Das dauert bei den später aufgeführten Studienabschlüssen heutzutage in der Regel bis zu einem Jahr. Auf diesem Weg verlieren viele den Mut und nehmen auch unbezahlte Praktika an, um überhaupt in den Arbeitsmarkt zu kommen. Trotzdem sagen wir ganz klar, dass ein Praktikum in dieser Situation nur die allerletzte Wahl sein kann. Aus unserer Sicht ist es als Berufseinstieg ungeeignet und nicht gewünscht. Im Zweifel ist selbst die Arbeit über eine Zeitarbeitsfirma besser, denn hier ist der „Klebe-Effekt“ größer, d. h. die Chance, von der Zeitarbeit in das Auftragsunternehmen übernommen zu werden.
Wir haben grundsätzlich nichts gegen Praktika. So kann ein Praktikum durchaus sinnvoll sein, wenn man z. B. die Branche wechseln oder etwas Neues lernen möchte. Voraussetzung ist dabei, dass der Lern- und Ausbildungsaspekt klar im Vordergrund steht und dass die Arbeitsbedingungen stimmen. Dazu gehören neben sinnvollen Inhalten und einer begrenzten Dauer des Praktikums auch Arbeitszeitregelungen, Urlaubsanspruch und nicht zuletzt eine angemessene Vergütung. Selbst für Auszubildende, die direkt von der Schule kommen, gibt es entsprechende Regelungen. Da ist es nicht akzeptabel, dass Hochschulabsolventen darauf verzichten sollen. Wogegen wir vorgehen, sind „Scheinpraktika“, bei denen die Praktikanten schlicht als billige Arbeitskräfte in einem ganz normalen Job ausgebeutet werden und Angestellte ersetzen.
Immer mehr Hochschulabsolventen finden aber keine feste Anstellung und nehmen stattdessen – oft unbezahlte – Praktika an. Woran liegt das?
B.K.: Das liegt zunächst an der besonders für Berufseisteiger problematischen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Kurz gesagt: zu viele qualifizierte Leute buhlen um zu wenige Jobs. Begonnen hat diese Entwicklung in den Jahren 2001/2002, als die Internet-Blase platzte und sich die Situation im Bereich Neue Medien dramatisch verschlechterte. Von der anschließenden Erholung der Wirtschaft konnten Berufsanfänger jedoch nicht profitieren. Hochschulabsolventen Praktika statt Jobs anzubieten, hatte sich quasi als Selbstverständlichkeit eingebürgert.
Es liegt aber teilweise auch an den Absolvent/innen selbst, die oft zu wenig selbstbewusst auftreten, nicht genau wissen, wo ihre Interessen liegen und wie ihre beruflichen Ziele und Vorstellungen eigentlich aussehen. Nach den ersten Absagen sind sie dann entmutigt und glauben, sie hätten etwas falsch gemacht. Dabei handelt es sich bei der Entwicklung „Praktikum statt Job“ um ein Massenphänomen, das mit der Qualifikation des Einzelnen überhaupt nichts zu tun hat.
Kommentare (4)
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Maria_L
schrieb am 31.10.2011 um 15:22 ¶emmaradio
schrieb am 14.12.2010 um 21:57 ¶Kommentar schreiben
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