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Stimmen die Vorurteile über grüne Investments?


Vorurteil Nr. 1: „Konventionell zusammengestellte Fonds bringen nach wie vor viel mehr Rendite“.

Diese Behauptung wird durch die Zahlen der letzten Jahre widerlegt: die ethisch-ökologischen Investmentfonds brachten 2006 im Schnitt einen Wertzuwachs von 14,0% (mit Spitzenwerten von über 30%), 2007 waren es im Schnitt 7,5% (mit Spitzenwerten von über 55% bei „New Energy“-Fonds)

Vorurteil Nr. 2: „Die Geldanlage in lange bestehende Fonds ist sicherer, als in Zukunftstechnologien zu investieren, bei denen es nicht klar ist, ob sie jemals rentabel werden.“

Erstens gibt es auch „lange bestehende“ ethisch orientierte Fonds (wie z.B. den „Pioneer“, der seit 1928 überdurchschnittlich gute Renditen geliefert hat), zweitens berücksichtigen auch „junge“ Fonds das Prinzip der Risikostreuung und investieren nur einen Bruchteil des Geldes in Unternehmen, die hohe Forschungsausgaben haben, aber noch keine Gewinne machen. Umgekehrt kann es das Risiko erhöhen, wenn „konventionelle“ Fonds an überkommenen Technologien festhalten, die bald von moderneren, z.B. Energie sparenden Entwicklungen abgelöst werden.

Vorurteil Nr. 3:
„Wenn Sie Ihre Anlageentscheidungen an moralische oder ethische Bedingungen knüpfen, statt allein an die Renditeaussichten, werden Sie zwangsläufig mit einer geringeren Rendite rechnen müssen.“

Es gibt zwar Anlagemodelle wie einige Mikrokredit-Beteiligungen, bei denen man bewusst zugunsten der Kreditnehmer auf höhere Renditen verzichten kann, aber weitaus der größte Teil der ethisch- ökologischen Anlagen liefert marktübliche Renditen, manche sogar weit überdurchschnittliche – und ist oft nicht von Skandalen wie der Enron-Pleite betroffen, weil die Unternehmen, in die man investiert, genauer untersucht werden.

Vorurteil Nr. 4: „Bei der Wahl von Fonds und Aktien habe ich bei konventionellen Angeboten doch eine viel größere Auswahl und bleibe gerade bei der langfristigen Anlage flexibler.“

Vor 10-20 Jahren hätte dieses Argument noch gestimmt, aber inzwischen gibt es eine sehr breite Palette von Möglichkeiten, z.B. jeweils mehr als hundert verschiedene Investmentfonds und Zertifikate. Nur in einem Bereich besteht noch ein Manko: es gibt noch keine „Öko“-Immobilienaktien (sondern nur Direktanlagen in Öko-Immobilien wie z.B. Passiv- oder Plusenergiehäuser).


Vorurteil Nr. 5: „Kleine Banken wie die GLS Bank oder die Umweltbank können doch gar nicht so solide sein wie die Deutsche Bank!“

Wie solide Großbanken sind, hat man jüngst an den horrenden Verlusten diverser deutscher Landesbanken oder der IKB gesehen, die die Steuerzahler eine 2-stellige Milliardensumme gekostet haben. GLS und Umweltbank waren von der „Subprime“-Krise nicht betroffen. Zwar sind Managementfehler – wie seinerzeit bei der Besicherung von Ökobank-Firmenkrediten – nie auszuschliessen, aber Spargelder sind auch bei kleinen Banken meist durch die Einlagensicherung (bis 20.000 Euro) voll abgedeckt.

 

topf altersvorsorge
Bild: Miro Poferl

 

Vorurteil Nr. 6: „Ich spende oft für gute Zwecke, aber bei meiner Altersvorsorge geht es doch allein um meine Existenz, da muss ich auf Nummer sicher gehen. Keiner weiß doch, wie sich Grüne Geldanlagen entwickeln, weil es noch keine Erfahrungswerte damit gibt.“


Bei Altersvorsorgeprodukten gibt es strenge gesetzliche Regelungen zur Risikostreuung etc., denen natürlich auch die grüne Anlagen unterliegen. Ausserdem kann es gerade bei sehr langen Anlagezeiträumen ein zusätzliches finanzielles Risiko bedeuten, wenn man bei der Auswahl der Anlagen nicht auch ökologische Kriterien mit einbezieht. Und schliesslich will man seinen Lebensabend ja nicht nur finanziell absichern, sondern ihn in einer möglichst intakten Umwelt verbringen.

 

 

Stand: 01.07.2008 von

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    schrieb am 01.07.2008 um 16:30
    Die Frage des Rendite und/oder Zinssatzvergleichs muss man vor allem vor dem Hintergrund eines "echten" und "fairen" Wettbewerbs beantworten. Banken, die als Lockangebot Anlagezinssätze oberhalb der Refinanzierungszinssätze bieten, verzerren den Markt. Bei den gezahlten Zinsen handelt es sich um Marketing- und/oder Vertriebskosten. Sie sind jedoch keinesfalls vergleichbare "Marktzinssätze".

    Eine Anmerkung zur Einlagensicherung habe ich noch: da die GLS Bank in den Einlagensicherungsfonds der Volks- und Raiffeisenbanken einzahlt, sind die Gelder dort in voller Höhe - nicht nur bis 20.000 Euro - abgesichert.

    Ansonsten "Daumen hoch" für diese gute und kompetente Übersicht.
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    schrieb am 02.09.2009 um 16:27
    Ich stimme den Argumenten von Max Deml voll zu. Die GLS-Bank, die strenge Vorschriften gegen Zocker-aktivitäten befolgt, hat in der laufenden Krise keine Verluste gemacht. Auch wenn die mir angebotenen Renditen vergleichsweise gering sind, legte ich einen Teil meines Geldes bei der GLS an - weiß ich doch, dass daraus ökologisch sinnvolle Projekte in der Realwirtschaft finanziert werden. Diese Bank ist nicht darauf aus, kleine und mittelständische Betrieb am strangulierten Kredithahn verdursten zu lassen. Im Gegeteil. Sie spekuliert nicht auf den internationalen Devisenmärkten, um dort 25% Redite zu erwirtschaften. Andere Privatbanken sind dort voll involviert. Sie riskieren den Crash im internationalen Blasen-Zyklus (wie soeben erlebt) und verweigern sich den Kleinkrediten für mittelständische Betriebe, die geringere Gewinne versprechen. Wo die Geldgier regiert, herrscht naturgemäß ein hohes Risiko. In diesem Sinne kann man bei konventionellen Geldanlagen zwar Glück haben (wenn man rechtzeitig aus dem Investment aussteigt - doch welcher Normalbürger erhält schon ein zuverlässiges Signal???). In der Regel jedoch wird kräftig verloren. Gewinnen kann nur der Insider oder der Multimillionär, der über die besten Steuer- und Anlageberater verfügt.
    Ulrich Scharfenorth, Ratingen
    www.stoerfall-zukunft.de
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    schrieb am 09.07.2010 um 16:52
    Genau das glaube ich nicht: dass man mit ökosozialen Investments die Welt verbessern und zugleich "marktübliche Renditen" erhalten kann. Für Investments, die marktüblichen Ertrag bringen, braucht es nicht meine bewusste Entscheidung, hier investieren genug andere! Das ist so wie wenn man fälschlicherweise glaubt, durch den Kauf des billigsten Ökostroms (aus alten, großen Wasserkraftwerken) könne man irgendetwas (außer dem eigenen Gewissen) verändern. Geld ist ein genauso austauschbares Produkt wie Strom.

    Um mit meinem Anlagekapital wirklich etwas zu verändern, müsste ich es dort investieren, wo sonst niemand investiert, weil es zu riskant ist oder zu wenig Ertrag bringt. So eine Geldanlage hat mehr mit einer Spende zu tun und würde ich sehr genau prüfen, denn ich will wissen, was mit meiner Spende passiert.

    Ich könnte aber auch in den "normalen" Geldmarkt investieren und einen Teil meines Ertrags spenden; das hätte meines Erachtens im Wesentlichen die gleiche Wirkung wie ein Investment, bei dem ich zugunsten der Umwelt oder anderer auf Ertrag verzichte.
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