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Soll ich oder soll ich nicht...

Sushi essen?


‚Sushi für Anfänger’ heißt ein Bestseller der irischen Schriftstellerin Marian Keyes. In dem Frauenroman tröstet sich eine Moderedakteurin nach jeder enttäuschenden Affäre mit Sushi.


Kann man irgendwie verstehen. Denn Sushi ist leicht, aber nicht langweilig. Die asiatischen Häppchen besitzen das richtige Quentchen Sinnlichkeit und passen als ausgewogene Proteinquelle perfekt zum Gesundheitsboom. Doch der Gedanke, Sushi mit Affären zusammenzubringen ist gar nicht so abwegig, wenn man auch eher an Staatsaffären denken sollte. Die beliebten Reis-Fischhappen sind ein gutes Beispiel für die Zusammenhänge von Globalisierung und Umweltzerstörung.

Wer rechnet schon damit, dass er der Fisch in seinen Sushi-Röllchen vielleicht aus illegalen Quellen kommt? Seit die Nachfrage in China, Europa und Amerika wächst, das weltweite Angebot jedoch immer knapper wird, boomt die illegale Fischerei und lässt gefährdete Fischbestände noch weiter schrumpfen. Ausgerechnet einer der beliebtesten Fische für Maki, Nigiri und California Rolls gehört zu den besonders gefährdeten Arten: der Rote Tunfisch. Auf dem Markt wird pro Kilo über 150 Euro gezahlt. Das macht ihn ähnlich lukrativ wie Kaviar und zum begehrten Ziel der illegalen Fischerei. So genannte Piratenfischer melden ihre Fänge nicht, verarbeiten sie gleich an Bord und liefern direkt an Importländer. So stimmt der Profit und sie entgehen lästigen Kontrollen und Steuerzahlungen. Laut WWF stammt ein Drittel des teuren Roten Thunfisches heute aus illegalem Fischfang.

Nach einer weiteren Studie der WWF-Umweltschützer spielt auch die EU-Flotte eine äußerst unrühmliche Hauptrolle. So erlaubt sie zu hohe Fangquoten und subventioniert auch speziell den Thunfischfang. Sie ist also indirekt an der Plünderung der Meere beteiligt. Vor allem Flotten aus Frankreich fangen weit größere Mengen als die offiziellen Quoten erlauben.

Wer weiß außerdem, was man bei einem stinknormalen Sushi-Mittagslunch noch so alles mit isst?
Über Quecksilber hat sich ja schon Ebay-Gründer Pierre Omidyar in seinem Blog über „Quecksilber-Sushi“ ausgelassen. Aber wer unschuldig in sein Thunfisch-Nigiri beißt, isst manchmal auch Delfine mit. Vor der südamerikanischen Küste schwimmen beide Fische gerne gemeinsam, die Thunfische weit unten, die Delfine darüber. Natürlich wissen das die Fangflotten und suchen gezielt nach Delfinen. Die werden mit riesigen Netzen umkreist und zack ... wird alles zusammen an Bord hochgezogen. Süße Flipper, Thunfische, Wale, Robben, Meeresschildkröten, Seevögel und tausende kleiner Fische als wertloser Beifang, der einfach halbtot ins Meer zurückgekippt wird. Wer sichergehen will, dass sein Thunfisch delfinsicher gefangen ist, muss auf das Safe-Label des Earth Island Institute achten. Damit verpflichten sich die Importeure und Händler nur Thunfisch anzubieten, der nicht mit Treibnetzen oder durch Umkreisen von Delfinen gefangen wurde.

Kurz zur Aufklärung, wie Fischfang mit Treibnetzen funktioniert: In den senkrecht schwimmenden, oft bis zu 20 Kilometer langen Netztüchern stoßen die Fische mit den Köpfen durch die Maschen. Da sich durch den Druck auf die Kehle die Kiemen spreizen, können sie weder vor noch zurück. Die Fische ersticken oder erhängen sich selbst. Da diese Fangmethode weltweit geächtet ist, arbeiten nur noch Piratenfischer damit. Vor allem Lachs und Thunfisch werden so gefangen.

Das Safe-Siegel und auch andere Zertifikate wie das MSC-Siegel (Marine Stewartship Council) helfen einem leider beim Frischfisch-Sushi im Restaurant nicht weiter. Sie bieten nur Orientierung beim Kauf von Dosen-Fisch oder zum Nachfragen beim Fischhändler. Aber was spricht eigentlich dagegen, bei der nächsten Sushi-Bestellung nachzuhaken, woher der Fisch stammt? Restaurants, die nur Bio-Fleisch servieren, schreiben das ja auch stolz auf ihre Speisekarten.


Also, soll ich oder soll ich nicht ...?
Utopia meint:
Nein, lieber nicht, da der Fisch sehr häufig aus illegalem Fang stammt und man damit zur Ausrottung bestimmter Fischarten beiträgt. Wer seinen Heißhunger auf Sushi gar nicht bezwingen kann, sollte zumindest versuchen, die Bestellfrequenz zu senken, sprich: seltener Sushi essen.


Weitere interessante Artikel zum Thema

-> Interview mit dem Bio-Experten der Deutsche See Fischmanufaktur

-> jetzt.de-Kolumne: Das Problem mit dem Viktoriabarsch

Weitere Folgen von "Soll ich oder soll ich nicht ...":
-> CO2 ausgleichen


Informationen zu wichtigen Siegeln und Institutionen
-> Mehr zum MSC, Marine Stewartship Council

-> Mehr zur Münchner Gesellschaft zur Rettung der Delfine (GRD), dem
deutschen Äquivalent des Earth Institute

Stand: 04.06.2008 von

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    schrieb am 23.07.2008 um 14:13
    Wer hat eigentlich gesagt, dass in Sushi nur Fisch sein muss??
    Ich bin Vegetarierin, ergo esse ich auch keinen Fisch.
    Aber zb bei uns im Sushi-Restaurant gibt es fast mehr Sushi ohne als mit Fisch. Mit jede Menge Gemüse. Und die sind sau lecker!
    Ein passionierter Sushiesser muss also nicht zwangsweise auf Fisch zurück greifen.

    Probierts doch mal aus! mehr weniger
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    schrieb am 05.06.2008 um 10:36
    Ja auch beim Sushi heist es lieber selber machen. Wie auch schon von anderen erwähnt, ist das kinderleicht und bringt sogar noch eine grösse Vielfalt. So kann mann sogar Bio-Sushireis verwenden und die Füllungen auch selbst bestimmen.
    Roher Fisch ist ja auch nicht jedermanns Sache.
    Eine Frage bleibt doch noch, wie ökologisch ist die Herstellung der Seetankblätter?
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    schrieb am 05.06.2008 um 09:39
    Meine Lieblings-Sushi sind die Maki-Rollen, und niemand ist gezwungen, den Tunfisch-Fang zu unterstützen. Es gibt sie zB auch mit Füllung aus Lachs, der weitgehend aus Lachsfarmen kommt. Das ist zwar nicht wirklich natürliche Haltung, aber es fällt wenigstens der Beifang weg. Und geschmacklich ist der vergleichsweise fette Lachs sowieso sehr gehaltvoll... Und mit Gurke usw sind die Makis auch prima.

    Ich finde, gerade bei Sushi kann man das sehr gut steuern, welche man nimmt. mehr weniger
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    schrieb am 05.06.2008 um 09:33
    Gute Überlegung, ah-tonius. Wenn mir jemand einen Nicht-Fisch zum Essen vorschlägt, dann motiviert das nur so mässig, besser wenn kurz auf negative Dinge des Fischkonsums hingewiesen wird und dann eine gute alternative diskutiert wird. Genausowenig kann man ein Nicht-Auto fahren, mit einem Nicht-Flugzeug auf Reisen gehen oder Nicht-Fleisch essen.
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    schrieb am 05.06.2008 um 09:18
    Auch hier sagt Utopia "lieber nicht" statt Alternativen zu nennen. Der Mensch verzichtet nicht so gerne, steigt aber bei guten Argumenten auf Alternativen um.
    Das nicht nennen von Alternativen schädigt die Umwelt weiter, weniger oder schädigt die Umwelt mehr.

    Bei Sushi kann es natürlich reginonaler Süsswasserfisch sein oder gar anderes Fleisch. Gerade dort wo es viel Fisch gibt, sollte natürlich kein Importfisch verwendet werden.

    Gruss Antonius mehr weniger
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