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Soll ich oder soll ich nicht...

CO2 ausgleichen?



Es soll Leute geben, die denken bei "Carbon Footprint" an die "Low Carb"-Diät
von Ally-McBeal-Darstellerin Calista Flockhart. Im weitesten Sinne hat der ökologische Fußabdruck auch tatsächlich etwas mit "Gewicht verlieren" zu tun. Immerhin geht es darum, dafür zu sorgen, dass die Erde auch in Zukunft noch eine gute Figur macht. Allerdings ist dann hier nicht mehr die Rede von ein paar Kilos zuviel, sondern gleich von ein paar Millionen Tonnen mehr oder weniger Kohlendioxid, die das Treibhausklima fördern.

Mal übers Wochenende nach Mallorca oder zum Weihnachtsshopping nach New York fliegen?
Autos mit Klimaanlage fahren? Vom Hochsitz des SUV auf kleine Benzinsparwürstchen runterschauen (vielleicht sollte man den "ökologischen Reifenabdruck" erfinden)? Jeden Samstag schnell mal durch die Waschanlage? Je nach Lebensstil- und Gewohnheiten kommt da schnell einiges an CO2 zusammen. Beim deutschen Durchschnittsbürger sind das derzeit pro Kopf rund elf Tonnen im Jahr, zirka 30 Kilogramm am Tag. Besser fürs Klima wären aber zwei Tonnen im Jahr oder nur sechs Kilo am Tag.

Eine Menge Übergewicht also, das wir da mit uns herumschleppen – das man jedoch mit Hilfe eines jungen Geschäftsmodells schnell und einfach loswerden kann: der so genannten Klimaneutralisierung oder auch CO2-Kompensierung. Darauf spezialisierte Unternehmen bieten zu diesem Zweck so genannte CO2-Rechner an, mit denen man seinen persönlichen "Verbrauch" für verschiedene emissionsstarke Bereiche wie Fliegen, Auto oder Haushalt ausrechnen kann. Nach dem Schritt-für-Schritt-Prinzip klopfen diese Rechner ab, was man verursacht. Bei einem einzigen Mallorca-Flug ist man zum Beispiel mit drei Tonnen CO2 dabei – immerhin schon knapp ein Drittel des aktuellen Jahresdurchschnitts. Zum Schluss sieht man, wie viel CO2 dabei verursacht wird und den Preis, um diesen Verbrauch wieder zu kompensieren oder – wie man oft liest – ihn "klimaneutral zu stellen". Der entsprechende Betrag wird dann in Klimaschutzprojekte wie z. B. Biogas-Anlagen in Thailand oder Baumpflanzungen in Afrika investiert, um den Ausstoß an Treibhausgasen wieder zu neutralisieren. Mit einem Klick wird’s vom Konto abgebucht und schon ist das Gewissen leichter.

Einfach genial oder zu einfach? Oder einfach ungerecht? Im Jahr 2007 war "klimaneutral" auf Platz zwei der Unwörter des Jahres ... Und warum sollte ich das überhaupt machen, diesen CO2-Ausgleich – kriegt doch sowieso keiner mit. Denn zum unverschämten Glück der Verschwender und zum Leidwesen vieler umweltbewusster Menschen ist der persönliche CO2-Rucksack ja erstmal unsichtbar. Sieht so aktiver Umweltschutz aus oder ist das – wie ja oft kritisiert wird – nichts anderes als postmoderner Ablasshandel?

Sein Gewissen per CO2-Ausgleich zu erleichtern, ist auf jeden Fall um Klassen besser, als die Probleme über Verdrängung und Ignoranz auszusitzen. Vom Lerneffekt her betrachtet, scheint es jedoch eher kontraproduktiv zu sein, wenn ich ein "schädliches" Tun von mir so einfach klimaneutral stellen kann. Denn auf diesem Weg werde ich natürlich überhaupt nicht motiviert, tatsächlich etwas an meinem Verhalten zu ändern. Nicht beim nächstbesten Billigflug-Schnäppchen schwach zu werden oder fürs Weihnachtsshopping nicht über den großen Teich zu fliegen, sondern mal über näher gelegene Alternativen nachzudenken. Von daher ist auch schnell klar, dass ein CO2-Ausgleich immer nur die zweitbeste Lösung sein kann.

Viel wichtiger ist es, sich seiner diversen CO2-Pölsterchen- und Sünden bewusst zu werden
und zu versuchen, sie jeden Tag ein bisschen mehr zu reduzieren oder – im besten Fall – ganz abzustellen. Allein für diese Bewusstwerdung sind die ganzen CO2-Rechner- und Erlöser großartig, denn nicht umsonst heißt es: "Man nimmt nur wahr, was man kennt." Und tatsächlich ist es nirgendwo sonst so einfach, mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was man täglich selbst alles an Treibhausgas verursacht. Interessanterweise fast immer mehr als man denkt. Selbsteinschätzung und "Fremdberechung" scheinen in diesem Bereich besonders weit auseinander zu liegen.

Außerdem kann man den freiwilligen CO2-Ausgleich auch durchaus als gute Überbrückungs-Maßnahme sehen, die hilft, Emissionen schneller herunterzufahren und so mehr Zeit für echte Innovationen zu gewinnen. Wie war das jetzt gleich noch mit dieser "Low Carbon"-Diät?

Also, soll ich oder soll ich nicht ...?
Utopia meint: Ja, denn seinen ökologischen Fußabdruck zu berechnen und wo es einem möglich ist, einen CO2-Ausgleich zu machen, ist eine Investition in die Zukunft.

Illustration: Katharina Bitzl

 

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Noch nie den eigenen „ökologischen Fußabdruck“ berechnet?
Ganz einfach gehts mit:
www.footprint.ch

Gleich den persönlichen CO2-Ausgleich machen?

Hier sind die bekanntesten Anbieter
www.climatepartner.com

www.globe-climate.com

www.myclimate.org/
www.atmosfair.de/
www.prima-klima-weltweit.de

Lieber lesen statt rechnen?
Pendos CO2-Zähler, Pendo Verlag, 6,90 €

Was sagen andere zum „freiwilligen CO2-Ausgleich“?
• Mehr dazu im Utopia-Forum
Beitrag aus der Utopia-Community 

Stand: 21.05.2008 von

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    schrieb am 11.04.2013 um 15:23
    Hallo Josha,

    die zunächst wichtigste Frage ist, welche Art von CO2-Zertifikat myclimate benutzen möchte, um Deine Emissionen auszugleichen. Der von Dir zitierte Preis von 4,19 € / t bezieht sich wahrscheinlich auf sogenannte EU-Emissionsberechtigungen, die originären Zertifikate des Europäischen Emissionshandelssystems (sog. EU-Allowances oder EUAs). Diese Zertifikate werden an die Betreiber von CO2-Emissionsquellen in der EU verteilt (oder versteigert), sie haben nichts mit internationalen Klimaschutzprojekten nach dem Kyoto-Protokoll - etwa nach dem Clean Development Mechanism (CDM) - oder mit den Klimaschutzprojekten des freiwilligen Markts zu tun.
    CDM-Zertifikate sind nochmals deutlich günstiger. Sie sind derzeit für 40 ct / t zu haben, vgl. https://www.theice.com/emissions.jhtml;jsessionid=5914BBF5E81271D65569D172012E1ECD. Wenn myclimate also CERs (aus CDM-Projekten) benutzt, ist die Differenz noch größer als 19 €. Außerdem muss man sich die einzelnen CDM-Projekte sehr gut ansehen. Viele sind ökologisch fragwürdig, da sie Emissionsreduktionen erzielen, die unabhängig von dem Label als "Klimaschutzprojekt" erzielt worden wären. Hier macht Deine Spende keinen Unterschied.
    Es gibt noch einen weiteren Kyoto-Projekttyp, die Joint Implementation. Dessen Zertifikate - sog. Emission Reduction Units oder ERUs - sind noch preiswerter (siehe vorige Quelle).

    Mich regt das Thema bereits seit einiger Zeit auf. Ich habe daher eine gemeinnützige Klimaschutzstiftung gegründet, die CO2-Neutralisation gegen Kostenerstattung (also quasi gratis) durchführt. Unsere Webseite ist www.climate-comcept-foundation.org. Wir benutzen zur Zeit nur EUAs zur Neutralisation, weil fraglich ist, ob CERs und ERUs überhaupt noch einen Effekt haben.

    Du kannst Dir unser Angebot ja mal ansehen. Feedback erwünscht. mehr weniger
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    schrieb am 11.04.2013 um 14:52
    Hier ein Beispiel... (welches mir so nicht gefaellt)
    myclimate wollte mir heute auf Basis 0,203kg CO2/km einen Preis von 0,023 Euro/kg (also 23 Euro pro Tonne CO2) machen.
    Wenn ich deren System richtig verstanden habe, entziehen die dafuer die Zertifikate, welche ein von myclimate ausgwaehltes Projekt generiert, dem Emissionshandel. Das ist der Deal.

    Nun wurde heute an der ECX am Spotmarkt fuer 4,19 Euro/t das Zertifikat gehandelt. Wo bleiben dann die 19 Euro Differenz? Habe ich hier irgendetwas voellig falsch verstanden?

    Wenn es sich so darstellt, dass Zertifikate von Projekten gekauft werden, die sich ohnehin fuer die Nutzung des Zertifikathandels entschieden haben - ist diese ganze "wir helfen der sich entwickelnden Welt" Sache lediglich eine Marketingmasche. Die Zertifikate des verpflichtenden CO2 Handels koennte ein Anbieter dem Markt auch direkt entziehen indem eben diese gekauft werden.

    Was sagen die Experten der Runde hierzu?

    Kennt jemand ein ueberzeugendes Konzept - besser einen am Markt bestehenden Systemanbieter zur "Neutralisierung" von CO2 Emissionen? mehr weniger
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    schrieb am 23.05.2012 um 17:36
    Hallo alle, interessante Diskussion hier (wenngleich der Thread offenbar etwas länger abgerissen war)!
    Empfehlenswert finde ich den Leitfaden zur Freiwilligen CO2-Kompensation des Umweltbundesamts (zu finden unter http://www.dehst.de/DE/Klimaschutzprojekte/Freiwillige-Kompensation/freiwillige-kompensation_node.html, wonach man Zertifikate des verpflichtenden CO2-Handels solchen des frewilligen Markts vorziehen sollte.

    Bei vielen Klimaschutzprojekten ist nähmlich fraglich, ob sie nicht auch ohne das finanzielle Engagement des ausgleichswilligen Verbrauchers durchgeführt worden wären. Eine Photovoltaikanlage in Deutschland rechnet sich beispielsweise schon oft wegen der bestehenden EEG-Förderung. Dafür Geld einzusammeln, ist also eigentlich nicht erforderlich. Ähnliche Konstellationen gibt es auch in vielen anderen Ländern, in denen Klimaschutzprojekte stattfinden.
    Die fehlende Zusätzlichkeit der erzielten Emissionsreduktionen ist daher auch ein Kritikpunkt an den sog. CDM-Projekten (i.e. Clean Development Mechanism), die das Kyoto-Protokoll - statt Bemühungen im eigenen Land - gestattet, um die Kyoto-Zielvorgaben zu erfüllen.

    Bei Waldprojekten ist oft problematisch, dass sog. Leakage-Emissionen nur sehr schwer zu berücksichtigen sind. Wird der Wald im Projektgebiet geschützt oder neu aufgeforstet, so stellt sich die Frage, was der bisher dort aktive (illegale?) Holzfäller, der Viehhirt, der Bauer nach Beginn des Projekts tut. Ein paar Kilometer weiter gibt es einen Wald, den er statt der bisherigen Fläche nutzen kann. Und dadurch möglicherweise genauso viel CO2 freisetzt, wie im Projektgebiet eingespart werden kann...

    CO2-Zertifikate des verpflichtenden CO2-Handels sind nur begrenzt verfügbar, werden aber durch unsere Großkraftwerksbetreiber benötigt, um ihre CO2-Emissionen zu rechtfertigen. Pro Tonne CO2 muss ein Zertifikat abgegeben werden. Wenn ein Kompensationsanbieter also solche Zertifikate kauft und stillegt, verringert er damit den Vorrat, der für die Anlagenbetreiber zur Rechtfertigung ihrer Emissionen verfügbar bleibt. Das dürfte zuverlässig zum Klimaschutz beitragen.

    Leider benutzen die meisten Anbieter die preiswerteren Zertifikate des freiwilligen Markts. Wenn hier das zugrundeliegende Projekt (etwa wegen zweifelhafter Additionalität oder Nichtberücksichtigung von Leakage-Emissionen) ökologisch fragwürdig ist, hat der Verbraucher sein Geld umsinst gespendet.
    Viele sind sogar so unseriös, dass sie die höheren Preise des verpflichtenden CO2-Handels berechnen, den Ausgleich für den Verbraucher aber trotzdem mit minderwertigen VERs (Zertifikate des freiwilligen Markts) durchführen.

    Richtig gemacht, ist ein CO2-Ausgleich ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz.

    Herzliche Grüße,
    eridon25 mehr weniger
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    schrieb am 22.10.2009 um 19:20
    Ich hab auch www.footprint.ch ausprobiert, und es kam mir komisch vor. Obwohl ich dachte, dass ich eher bewusst lebe, kam ein ziemlich hoher Wert heraus, sogar über dem Durchschnitt von 2,6. Dann habe ich mal probiert, bei allen Fragen die bestmögliche Antwort anzukreuzen. Es waren immer noch 1,4 Planeten, die ich brauchte. Jetzt bin ich irgendwie ratlos: Ist also die Botschaft: egal was du machst, es ist immer mist? Ich hätte mich gefreut über eine Handlungsempfehlung nach dem Motto: Auch wenn es hart klingt, aber wenn du das und das machst, dann ist alles in Ordnung, dann könnte theoretisch jeder auf der Erde so leben.
    Was ich auch nicht verstehe: Was ist unter dem "Sockel-Footprint" zu verstehen, der in meiner letzten Einstellung über die Hälfte ausmachte? Zusammen mit dem Verbrauch fürs Essen macht er in meinem letzten Szenario schon mehr als einen Planeten aus. Können wir also nur gleichberechtigt leben, indem alle hungern? mehr weniger
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    schrieb am 09.11.2008 um 06:31
    ... 1,4 Planeten verbrauche ich allein... oh, da muss icke noch sehr daran arbeeten... und ich weiß zum Glück schon wie... :D

    Engagierte Grüße
    peppy
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