Ausgeglüht!
7Am 1. September geht für die alte 75-Watt-Glühbirne in der EU das... mehr
Wenn ich früher bei meiner Großmutter zu Besuch war, hat sie nach dem Essen die Reste oft in Stanniolpapier gepackt. Das sagte sie zumindest. Da sie lange in Österreich gelebt hat, dachte ich immer, Stanniolpapier ist einfach das österreichische Wort für Alufolie. Denn die silberne Folie, die wir zuhause hatten, sah genauso aus wie Omas angebliches Stanniolpapier. Das von ihr benutzte Stanniolpapier war ziemlich sicher gar keines mehr, denn nachdem 1910 in der Schweiz die erste Alufolie hergestellt wurde, war es kaum noch im Handel.
Das ursprüngliche Stanniolpapier wurde aus superdünn gewalztem Zinn hergestellt. Im 17. Jahrhundert hat man es unter anderem zum Belegen von Spiegeln benutzt, später wurden damit Schokoladen, Tabak und Seifen eingewickelt oder Lametta für den Weihnachtsbaum hergestellt. Da Zinn aber teurer als Aluminium ist, wurde das Stanniolpapier in den meisten Bereichen durch Aluminiumfolie ersetzt.
Wahrscheinlich gibt es nur sehr wenige Haushalte, in denen nicht irgendwo eine Rolle Alufolie in der Küchenschublade steckt. Das Loblied auf ihre Vorteile ist lang: Sie ist praktisch, auch weil sie sich jeder Form ohne Protest zart knisternd anpasst. Sie schützt vor Licht, Oxidierung, Feuchtigkeit, Bakterien, hält auch den Wärmeverlust in Grenzen, wenn man warme Speisen darin einpackt und braucht nur ein Minimum an „Packraum“. In die geschmacksneutrale Folie kann man die krummsten Dinge einwickeln, Folienkartoffeln beim Grillen vorm Verbrennen schützen, Pausenbrote und auch stark knoblauchhaltige Abendbrotreste aromadicht verpacken.
So viele gute Eigenschaften und keine Schattenseiten? Na ja, nicht ganz. Für die Umwelt ist die Herstellung von Alufolie nämlich nicht ohne, vor allem der hohe Energieverbrauch ist ein massiver Kritikpunkt. Die erforderliche Herstellungsenergie für eine Tonne Alu ist vergleichbar mit dem, was ein deutscher Durchschnitts-Haushalt innerhalb von etwa drei bis vier Jahren an Energie verbraucht. Um ein Kilogramm Aluminium herzustellen, braucht man zirka 14 kWh Strom. Damit lassen sich immerhin 1000 Tassen Kaffee kochen oder – schreckliche Vorstellung – 225 Hemden bügeln. Zum Glück kann dieser Energieaufwand aber durch Recycling stark verringert werden.
So lässt sich Frage, ob Aluminium-Recycling sinnvoll ist, auch schnell und eindeutig beantworten: Ja! Denn natürliche Ressourcen werden geschont und da für das Recyceln nur fünf Prozent der ursprünglichen Herstellungsenergie anfallen – sprich: sensationelle 95 Prozent Energie gegenüber der Erstherstellung von Aluminium eingespart werden – hat das auch enorm günstige Auswirkungen auf den ökologischen CO2-Fußabdruck. Außerdem kann man aus einmal gewonnenem Aluminium nahezu endlos wieder neues Aluminium herstellen.
Eine tolle Sache ist hier recycelte Aluminiumfolie von der Rolle. Aus einem Kilo recyceltem Alu kann man wieder zirka 91 Meter neue Haushaltsfolie machen. Einen Nachteil gibt es allerdings: Die „bessere“ Folie ist bisher nur in England und in den USA erhältlich. Die Idee für Toppits Recycling-Folie liegt wahrscheinlich ganz hinten im Ideen-Safe. Utopia hat gleich mal eine Anfrage bei Melitta gestartet – höchste Zeit, dass da jemand den Code knackt!
Also, soll ich oder soll ich nicht ...?
Utopia meint: Ja, Sie können ruhig Alufolie benutzen. Aber es ist gut, sparsam damit umzugehen und zu versuchen, die Folie mehrfach zu gebrauchen, bevor man sie im gelben Sack entsorgt. Stark verschmutzte Folie ist leider nicht mehr zu verwerten und gehört dann in den Restmüll.
Wer die Möglichkeit hat, sollte recycelte Alufolie kaufen. Ansonsten können auch Frischhaltedosen aus Kunststoff, Porzellan oder Glas, Käseglocken, mit Tellern abgedeckte Schüsseln oder auch einfaches Butterbrotpapier eine Alternative zum Verpacken sein.
Fotos: Photocase © farfalla
Mehr Wissenswertes zum Thema
Hier gibt’s Recycling-Alufolie (leider nur im Ausland):
• Nigel’s Ecostore (GB)
• Natural Collection (GB)
• Greenfeet – The Planets Homestore (USA)
Diskussion im Forum
Utopia fragt bei Melitta nach Recycling-Alufolie
Artikel bei Utopia
• Stichwort „Aluminium“ aus dem großen Utopia A-Z
• Worauf man bei Kauf von Geschenkpapier achten sollte
Jeder Protest hat eine positive Kehrseite. Hier mein Beispiel: Wer gegen Atomkraftwerke ...
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Kommentare (5)
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C. Stoldt
wissbegieriger Unternehmer
C. Stoldt
schrieb am 21.07.2008 um 19:30bei d. Herstellung v. Alu entsteht Fluorgas, welches sich in Verbindung mit (Luft-)Feuchte in Fluorsäure umwandelt! Mir sind noch die Bilder v. VAW (VereinigteAluminiumWerke)b. Stade in unguter Erinnerung, als dort dies Gas unkontrolliert i.d. Umwelt gelangte - Folge: lauter tote Kühe mit aufgeblähten Leibern, alle 4 Füße gen Himmel!! Grauenhaft!
Man sieht also wieder mal - i.d.R. gibt es immer einen ganzen Strauß v. Problemen!
Wie gut, daß es kein Staniol mehr gibt - Zinn ist giftig (Legierung aus Blei u. Zink)!
Apropos 'geschmacksneutral' - MCS(Chemikalien sensibilisierte)-Leute können oft keine Schokolade o.ä. genießen, da Alu durchaus Ionen abgibt, nur daß die wenigsten das schmecken.
So verwenden wir denn unsere Glitzerrolle möglichst sparsam!
griznold
begeisterter Radfahrer
griznold
schrieb am 27.06.2008 um 11:01Viel entspannter finde ich es, es einfach über den Preis zu regeln: 14kWh für 91m ist nun mal relativ wenig bei den aktuellen Energiepreisen. Wenn sich dort der Preis verzehnfacht, nimmt die Gastronomie von alleine andere Verpackungsmittel. Der Durchschnittsmensch macht da nur die klassische Preis-Leistungs-Rechnung und keine Nachhaltigkeitsbetrachtung.
Damit können komplett idealistische Menschen jetzt schon die Verwendung einstellen und alle anderen den Verbrauch überdenken und reduzieren.
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