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Soll ich oder soll ich nicht...

Alufolie benutzen?

Soll ich oder soll ich nicht? So heißt die Serie, in der Redakteurin Anne Henneken alle 14 Tage ein neues Öko-Dilemma unter die Lupe nimmt. Dieses Mal geht es um einen Verpackungsklassiker aus der Küche.


 

Wenn ich früher bei meiner Großmutter zu Besuch war, hat sie nach dem Essen die Reste oft in Stanniolpapier gepackt. Das sagte sie zumindest. Da sie lange in Österreich gelebt hat, dachte ich immer, Stanniolpapier ist einfach das österreichische Wort für Alufolie. Denn die silberne Folie, die wir zuhause hatten, sah genauso aus wie Omas angebliches Stanniolpapier. Das von ihr benutzte Stanniolpapier war ziemlich sicher gar keines mehr, denn nachdem 1910 in der Schweiz die erste Alufolie hergestellt wurde, war es kaum noch im Handel.

Das ursprüngliche Stanniolpapier wurde aus superdünn gewalztem Zinn hergestellt. Im 17. Jahrhundert hat man es unter anderem zum Belegen von Spiegeln benutzt, später wurden damit Schokoladen, Tabak und Seifen eingewickelt oder Lametta für den Weihnachtsbaum hergestellt. Da Zinn aber teurer als Aluminium ist, wurde das Stanniolpapier in den meisten Bereichen durch Aluminiumfolie ersetzt. Wahrscheinlich gibt es nur sehr wenige Haushalte, in denen nicht irgendwo eine Rolle Alufolie in der Küchenschublade steckt. Das Loblied auf ihre Vorteile ist lang: Sie ist praktisch, auch weil sie sich jeder Form ohne Protest zart knisternd anpasst. Sie schützt vor Licht, Oxidierung, Feuchtigkeit, Bakterien, hält auch den Wärmeverlust in Grenzen, wenn man warme Speisen darin einpackt und braucht nur ein Minimum an „Packraum“. In die geschmacksneutrale Folie kann man die krummsten Dinge einwickeln, Folienkartoffeln beim Grillen vorm Verbrennen schützen, Pausenbrote und auch stark knoblauchhaltige Abendbrotreste aromadicht verpacken. 


So viele gute Eigenschaften und keine Schattenseiten? Na ja, nicht ganz. Für die Umwelt ist die Herstellung von Alufolie nämlich nicht ohne, vor allem der hohe Energieverbrauch ist ein massiver Kritikpunkt. Die erforderliche Herstellungsenergie für eine Tonne Alu ist vergleichbar mit dem, was ein deutscher Durchschnitts-Haushalt innerhalb von etwa drei bis vier Jahren an Energie verbraucht. Um ein Kilogramm Aluminium herzustellen, braucht man zirka 14 kWh Strom. Damit lassen sich immerhin 1000 Tassen Kaffee kochen oder – schreckliche Vorstellung – 225 Hemden bügeln. Zum Glück kann dieser Energieaufwand aber durch Recycling stark verringert werden.
So lässt sich Frage, ob Aluminium-Recycling sinnvoll ist, auch schnell und eindeutig beantworten: Ja! Denn natürliche Ressourcen werden geschont und da für das Recyceln nur fünf Prozent der ursprünglichen Herstellungsenergie anfallen – sprich: sensationelle 95 Prozent Energie gegenüber der Erstherstellung von Aluminium eingespart werden – hat das auch enorm günstige Auswirkungen auf den ökologischen CO2-Fußabdruck. Außerdem kann man aus einmal gewonnenem Aluminium nahezu endlos wieder neues Aluminium herstellen.

Eine tolle Sache ist hier recycelte Aluminiumfolie von der Rolle. Aus einem Kilo recyceltem Alu kann man wieder zirka 91 Meter neue Haushaltsfolie machen. Einen Nachteil gibt es allerdings: Die „bessere“ Folie ist bisher nur in England und in den USA erhältlich. Die Idee für Toppits Recycling-Folie liegt wahrscheinlich ganz hinten im Ideen-Safe. Utopia hat gleich mal eine Anfrage bei Melitta gestartet – höchste Zeit, dass da jemand den Code knackt!


Also, soll ich oder soll ich nicht ...?
Utopia meint:
Ja, Sie können ruhig Alufolie benutzen. Aber es ist gut, sparsam damit umzugehen und zu versuchen, die Folie mehrfach zu gebrauchen, bevor man sie im gelben Sack entsorgt. Stark verschmutzte Folie ist leider nicht mehr zu verwerten und gehört dann in den Restmüll. Wer die Möglichkeit hat, sollte recycelte Alufolie kaufen. Ansonsten können auch Frischhaltedosen aus Kunststoff, Porzellan oder Glas, Käseglocken, mit Tellern abgedeckte Schüsseln oder auch einfaches Butterbrotpapier eine Alternative zum Verpacken sein.

Stand: 20.06.2008 von

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    schrieb am 03.07.2014 um 15:35
    Die Herstellung von Alu ist eine dunklen Seite der Chemie. Es entsteht giftiger Rotschlamm. Für die Produktion werden riesige Mengen von Strom gebraucht. Alu steht im Verdacht, Krankheiten wie Brustkrebs oder Alzheimer zu fördern. Interessant ist der Film "Die Akte Aluminium".
    Für Einweg-Produkte sollte man es einfach nicht benutzen. Ich habe es seit Jahrzehnten aus dem Haushalt verbannt und lebe immer noch.
    Tipp: Steht im Kochrezept "Braten in Alufolie einwickeln", dann kann man das Teil auch einfach in einen Topf mit Deckel legen. mehr weniger
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    schrieb am 05.12.2012 um 20:34
    Wer Alufolie benötigt: bei "Denns" gibt es recycelte.

    Hier ein link zu diesem Thema:

    http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/alufolie-oder-frischhaltefolie
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    schrieb am 05.12.2012 um 20:24
    Nebenbei bemerkt, soll Alufolie, so Speisen darin erhitzt werden oder worden sind oder säurehaltige Lebensmittel mit ihr in Kontakt kommen, im Verdacht stehen, Alzheimer zu begünstigen.
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    schrieb am 05.12.2012 um 19:56
    Hallo, ich denke so wenig Alufolie wie möglich. Wenn etwas warm halten soll oder mal ein Kuchen im Ofen abgedeckt werden muss, na klar, dann Alufolie; aber ein Pausenbrot gehört in die Brotdose, ein Kuchen oder Salat auf dem Schulfest kann mit einem Tuch abgedeckt werden und auf jede Schüssel, die im Kühlschrank landet und abgedeckt werden soll, kann ein Teller landen! In Düsseldorf gibt es recycelte Alufolie im BioSupermarkt!!! mehr weniger
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    schrieb am 21.07.2008 um 19:30
    Liebe Leute,
    bei d. Herstellung v. Alu entsteht Fluorgas, welches sich in Verbindung mit (Luft-)Feuchte in Fluorsäure umwandelt! Mir sind noch die Bilder v. VAW (VereinigteAluminiumWerke)b. Stade in unguter Erinnerung, als dort dies Gas unkontrolliert i.d. Umwelt gelangte - Folge: lauter tote Kühe mit aufgeblähten Leibern, alle 4 Füße gen Himmel!! Grauenhaft!
    Man sieht also wieder mal - i.d.R. gibt es immer einen ganzen Strauß v. Problemen!
    Wie gut, daß es kein Staniol mehr gibt - Zinn ist giftig (Legierung aus Blei u. Zink)!
    Apropos 'geschmacksneutral' - MCS(Chemikalien sensibilisierte)-Leute können oft keine Schokolade o.ä. genießen, da Alu durchaus Ionen abgibt, nur daß die wenigsten das schmecken.
    So verwenden wir denn unsere Glitzerrolle möglichst sparsam! mehr weniger
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