Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Ratgeber: Strategischer Konsum und Verbrauchermacht

So machen Sie Apple & Co. Beine

Wir, die Konsumenten, können Konzerne direkt beeinflussen. Apples Kehrtwende zurück zum Epeat-Siegel ist nur ein weiterer Beweis dafür. Wer sich als Verbraucher seiner Möglichkeiten bewusst ist, kann erstaunlich großen Druck auf die Wirtschaft ausüben. Utopia zeigt Ihnen die fünf wichtigsten Strategien, um Einfluss zu nehmen.


Apple und Epeat - Ein Drama in zwei Akten

In einer offensichtlich unüberlegten Aktion hat Apple die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Epeat-Umweltsiegel aufgekündigt und sich aus dessen Register streichen lassen. Eine Woche später ist der Konzern nun zurückgerudert. Apple kehrt zum Siegel zurück, weil laut Hardware-Chef Bob Mansfield viele „loyale Apple-Kunden [...] unglücklich mit der Entscheidung waren.“ Den Austritt hatte er damit begründet, dass das Unternehmen mit der Nachhaltigkeit eigentlich schon viel weiter sei. Das stimmt nur teilweise. Apple Produkte sind zwar energieeffizient, dafür jedoch nicht Recycling-tauglich, da viele Teile verklebt und verlötet werden und daher nicht getrennt voneinander recycelt werden können.

Die Macht der Verbraucher

Warum ein Unternehmen überhaupt auf ein Siegel verzichten muss, nur weil es besser sei, ist dabei eine Frage für sich. Wichtig ist aber: Dieser Fall hat gezeigt, dass eben nicht nur die Konzerne am langen Hebel sitzen, sondern auch wir Konsumenten. Wir können Druck ausüben und einen Firmengiganten zur Reaktion zwingen. Die fünf wirksamsten Handlungsweisen dafür möchten wir Ihnen kurz vorstellen. 

  • Nachhaltige Meinungsführer unterstützen

    Ohne den medialen Aufschrei hätte Apple nicht so schnell und entschieden reagiert. Es geht nicht immer darum, selbst alles richtig zu machen. Genau so entscheidend ist, dass wichtige Institutionen und Meinungsführer zum Thema Nachhaltigkeit möglichst breite Unterstützung finden. Greenpeace zeigt zum Beispiel immer wieder, wie viel ein starker Interessensvertreter bewegen kann. Also: Suchen Sie sich die Organisationen, Stiftungen, Blogs, etc., die Ihre Interessen vertreten, und unterstützen Sie diese. 

    Sie sehen sich selbst als Meinungsführer? Probieren Sie es doch mal mit einem Blog in der Utopia-Community.

  • Siegel stärken

    Zahlreiche staatliche und private Einrichtungen hätten ohne das Epeat-Siegel keine Apple-Produkte mehr gekauft. Je stärker und wichtiger Siegel werden, desto größer wird der Druck auf die Produzenten, ihre Produkte zertifizieren zu lassen und dafür ihre Produktionsmethoden anzugleichen. Fragen Sie nach zertifizierten Waren. Kaufen sie, wenn möglich, nur solche und erzählen Sie ihren Mitmenschen davon.

  • Aktiv werden

    Gehen Sie vor die Tür, diskutieren Sie, werben Sie für Ihre Ideale, seien Sie unbequem. Fragen Sie in Ihrer Gemeinde oder Firma nach, ob dort auf Siegel geachtet wird und, falls nicht, fragen Sie nach, warum man das nicht ändert. Trinkt man an Ihrem Automaten Fairtrade-Kaffee? Gibt es bei Ihnen eine Kantine? Wird dort ein Bio-Gericht angeboten? Gibt es bei Ihnen schon eine lokale Greenpeace-Gruppe? Wenn nicht, warum nicht selbst gründen? Und, da wir schon dabei sind: Schon mal darüber nachgedacht, sich als Politiker zu versuchen? Irgendwer muss es machen, also warum nicht die, die das Richtige wollen?

  • Firmen direkt ansprechen

    Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, seine Kundschaft rundheraus zu ignorieren. Schreiben Sie Briefe, E-Mails, führen Sie Telefonate! Die vielfach kritisierte Internet-Plattform Facebook birgt dabei ganz besonderes Potential: Hat eine Firma dort eine Seite angelegt und auf dieser das Kommentieren ermöglicht, dann können Sie dort öffentlich sichtbar Ihre Kritik anbringen. Dadurch werden Zensur und Ignorieren zumindest erschwert, weil diese Reaktionen öffentlich sichtbar sind. Bleiben Sie dabei höflich und konstruktiv! Mit Geschimpfe und Beleidigungen demontiert man sich selbst und nimmt sich die Glaubwürdigkeit. 

  • Der Konsum ist unser stärkstes Mittel

    Wir können es nicht oft genug wiederholen: Der strategische Konsum ist unser „Zünglein in der Waage“ für die Zukunft. Kaufen Sie bewusst und informiert! Kaufen Sie zertifizierte Produkte, bei verantwortungsvollen Händlern und so lokal und regional wie möglich! Hier laufen alle Fäden zusammen, und ohne den strategischen Konsum sind alle anderen Instrumente nutzlos. Denn wenn die Verkaufszahlen weiter stimmen, wird ein Unternehmen nur mit halbem Ohr auf die Kritik hören.

    Für Interessierte und Lesebegeisterte gibt es dazu eine Reihe von lesenswerten Artikeln von Peter Unfried:

    Leitfaden für strategische Konsumenten (1) - Was kann strategischer Konsum?

    Leitfaden für strategische Konsumenten (2) - Wann zieht die Masse mit?

    Leitfaden für strategische Konsumenten (3) - Brauchen unsere Kinder Öko-Unterricht?

    Leitfaden für strategische Konsumenten (4) - Wie wollen wir essen?

Keine Ausrede!

Dies sind die fünf wichtigsten Instrumente für eine verbrauchergeführte Wirtschaft. Und bitte jetzt kein „Aber was bewirke ich denn schon als Einzelner? Die Masse macht es doch weiter falsch, es ändert sich nie etwas! Die bösen Unternehmen sind schuld!“ Darauf könnte man jetzt mit Philosophie, Moral, Ethik antworten. Aber eigentlich dürfte es auch genügen, den ersten Absatz dieses Artikels noch einmal zu lesen. Frohes Mitbestimmen wünschen wir!

Stand: 19.07.2012 von

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    schrieb am 25.07.2012 um 12:49
    Interessante Idee. Ein positives Prüfsiegel, das aber regelmäßig seinen Standard synchron mit der Entwicklung anpasst. Kann man sowas politisch durchsetzen? Wer hat damals eigentlich den Grünen Punkt durchgesetzt? War das sogar noch die CDU unter Kohl?
    Also ich wäre für eine Kampagne der Art zu haben....wer macht mit? :) mehr weniger
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    schrieb am 24.07.2012 um 18:58
    Ich empfinde es auch so, dass es immer eine weitere Steigerung in Richtung "Öökologischer und Nachhaltiger" der großen Unternehmen gibt, die sich ihre Produkte und Erzeugnisse mit einem entsprechendem Siegel absegnen lassen.

    Es gibt offensichtlich nur diesen Weg "nach oben", statt Produkte und Erzeugnisse, die diesem Standard nun mal nicht entsprechen, abzuwerten.

    Der Vergleich von "PatrickB", wie die Wahl zwischen einer "Zwiebel" und einer "Chemie-Zwiebel" aussehen würde, wenn wir als Verbraucher die Möglichkeit hätten, zwischen diesen Erzeugnissen mit dieser Bezeichnung zu wählen, empfand ich als sehr treffend.

    Ein weiteres Beispiel dafür ist die Energieeffizienz elektrischer Geräte: es gibt kaum noch neue "B" oder "C"-Geräte: dafür aber "A+++".
    Meiner Meinung nach ist das eine Täuschung der Verbraucher: mit "A" verbindet man das "Beste, was man bekommen kann": und wem diese "Aufwertung des A's" mit den ganzen zusätzlichen "Plus-Zeichen" nicht bekannt ist, kauft schnell in gutem Glauben ein umwelttechnisch fragwürdiges Gerät.

    Es bedarf einer neuen gesetzlichen Regelung, die Güte- und Qualitätssiegel unserer schnelllebigen Zeit anpassen kann.

    Wie wäre es, feststehende Qualitätseinstufungen für Produkte und Erzeugnisse zu schaffen, die jährlich dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik angepasst werden?

    Beispiel Fernseher: ein Fernseher, der 2008 noch mit seiner neuen Technologie LCD als energiesparsam galt, ist heute bereits überholt von der LED-Technik- und auch da gibt es schon wieder Unterschiede in der Energieeffizienz.

    Die jährliche Prüfung ihrer Geräte könnte für die Produzenten freiwillig sein: falls sie dieser nicht nachkommen, dürften sie nur das Ergebnis ihrer zuletzt gültigen Prüfung in dem Jahr für dieses Gerät verwenden: z.B. "Fernseher XY, im Jahr 20xx Energieklasse 1".

    Wir Konsumenten würden uns dann zu Recht fragen, warum dieser Hersteller dieses Gerät zuletzt vor einigen Jahren prüfen lassen hat. mehr weniger
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    schrieb am 20.07.2012 um 19:52
    Stimmt, Konsumentinnen/-en haben viel Macht (auch durch Nicht-Kaufen übrigens), zugleich auch als öffentlich (auf andere Weise) handelnde Bürgerinnen u Bürger. - Gütesiegel, falls sie aussagekräftig sind (und nicht etwa 'Greenwashing' oder dergleichen) sind einerseits für Erstgenanntes eine gute Hilfe. (dass ich solche auch befürworte dürfte unter anderem mein Blog hier klarmachen http://www.utopia.de/blog/freedom-happiness-and-sensitivity-for-beauty-for-all-beings-in-solidarity-berniewa-s-utopia/infos-und-links-zu-fairtrade-siegeln ), andererseits fände ich es langfristig eigtl erstrebenswert, dass solche Qualität nicht die Ausnahme, sondern die Regel wird (und das hoffentlich bald), so dass eigt Gütesiegel fast überflüssig werden (oder die Ansprüche daran enorm steigen), und eher Negativsiegel nötig würden oder schlicht allzu inhumane und umweltschädliche Dinge gar nicht mehr erlaubt werden (wie das teilweise ja schon, aus gutem Grund, der Fall ist; aber eben noch konkret noch bzgl viel zu weniger Dinge, die immer noch Menschen und Umwelt drastisch schaden) mehr weniger
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    schrieb am 20.07.2012 um 17:56
    Ich stimme der Siegel-Schwäche durchaus zu (Kaufentscheidung zwischen 'leckeren Marketing-Bla Tomaten' und 'Bio-Tomaten'). Allerdings ist eine extreme Alternative der Art: alles, in dem auch nur ein Hauch von Chemie steckt soll in Zukunft ein "toxisch"-Label haben - auch problematisch. Ein Zwischenweg und vor allem am besten immer ein gesetzlicher, bzw. staatlicher, zumindest unabhängiger ist wichtig, denke ich (kein privates und auf Geld angewiesenes Ökotest & Co).

    BTW: Die Idee wurde neulich auch bei der 'story of stuff' community gepostet. Die haben auch gerade einen neuen Film/Clip draußen, zum Thema 'wie verändert man wirklich was' > www.storyofchange.org
    Und es stimmt eben nicht, dass 'strategischer Konsum' unsere "stärkste Waffe" ist, liebes Utopia-Team. Es braucht auch gesetzliche Vorschriften und Initiativen.

    Einfach Bio kaufen und sich dann zurücklehnen ist nicht. :-) Es ist letztendlich ein 'paradigm shift' notwendig und insgesamt auch einfach weniger Konsum, weniger Weg-Werf-Gesellschaft (keine 'fast fashion' und Apple-Produkte, die nach 3 Jahren nicht hardware-upgrade-bar oder reparierbar sind). mehr weniger
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    schrieb am 19.07.2012 um 20:28
    Apple hat noch mehr "Baustellen" offen: Die aktuelle Greenpeace-Untersuchung "A Clean Energy Road Map for Apple" zeigt die Schattenseiten der von der Fachwelt bejubelten Ökologisierungspläne des Unternehmens auf und dass die Pläne von Apple, seine drei bestehenden Rechenzentren energietechnisch zu "erneuern", äußerst lückenhaft sind: http://www.greenpeace.de/themen/klima/nachrichten/artikel/apples_emicloudem_immer_noch_zu_dreckig/

    Mal sehen, ob sich Apple auch weiterhin von seinen VerbraucherInnen beeinflussen lässt, denn seit dem Start der "Clean our Cloud-Kampagne" im April haben weltweit mehr als 250.000 KonsumentInnen Apple angeschrieben und eine sauberere Cloud gefordert.

    Und im übrigen: Der beste Konsum ist immer noch der nicht-Konsum!!! mehr weniger
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