Mein ökorrekter Wintersport


Kleidung

Viele moderne Performance-Textilien sind aus Kunstfasern, bei deren Herstellung Erdöl benötigt oder giftige Chemikalien freigesetzt werden. Das berühmte GoreTex zum Beispiel ist eins der leistungsfähigsten Gewebe der Welt. Eine Jacke aus diesem Material kann atmen, wärmen und vor Wasser schützen. Super! Nur wenn diese Jacke irgendwann ausgedient hat und weggeworfen wird, etwa weil Pink in dieser Saison einfach out ist, dann ist sie dank der chemisch laminierten Polyester- oder Polyamid-Fasern zu Sondermüll geworden. Das vergleichbare SympaTex-Gewebe funktioniert dagegen auf einem physikalischen Prinzip und ist leichter zu entsorgen.

  • Die deutsche Bergsportmarke Vaude stellt Kleidung, Schuhe, Accessoires und Hardware für den alpinen Einsatz her. Vaude arbeitet seit Jahren mit Umweltorganisationen zusammen und richtet die Herstellung ihrer Produkte nach ökologischen Kriterien aus. Im Jahr 2004 fertigte Vaude als erster Sportartikelhersteller eine komplette Kollektion nach dem Schweizer Bluesign-Standard  – einem geprüften Zertifikat, das sicherstellt, dass es keine ökologisch günstigere Alternative gibt.
  • Die Firma Patagonia aus Kalifornien stellt ihre baumwollene Funktionskleidung aus Biobaumwolle und ihr Polyester-Fleece (Sie wissen schon, dieses flauschige Zeug) aus Funktionsbekleidung von ölorrekten Herstellern mit nachhaltiger Produktionrecycelten Plastikflaschen her. Außerdem können alle Baumwoll- und Polartec-Materialien an den Hersteller zurückgegeben werden. Seit etwa einem Jahr hat Patagonia auch Schuhe im Programm, die teilweise aus recyceltem Material bestehen.
  • Schnell nachwachsende Hölzer wie Bambus sind im Kommen. Das bezieht sich aber nicht nur auf die nahe liegenden Brettkonstruktionen, sondern auch auf die vielseitigen Bambusfasern. Daraus fertigt die kalifornische Firma Arbor inzwischen sogar Textilien.
  • Zum Urlaub in den Bergen sollte man dringend an eine Sonnebrille denken. Und ja, auch Sonnenbrillen mit Holzrahmen sind seit letztem Jahr erhältlich, und zwar vom französischen Hersteller Gold&Wood sowie dem italienischen Streetfashion-Label Diesel.
  • Kaufen Sie nicht jede Saison eine neue Ausrüstung. Setzen Sie auf Qualität, die lange hält und auf einen zeitlosen Look, damit Sie ihre Ausrüstung lange genug verwenden können.


Reiseziele

Wie gesagt – es muss nicht immer Aspen sein. Oder Kamtschatka. Obwohl gerade Aspen zu den Skigebieten gehört, wo viel fürs Klima getan wird und man sogar klimaneutral Skiurlaub machen kann, hinterlässt die Flugreise von Deutschland aus dorthin einen gewaltigen CO2-Fußabdruck. Kamtschatka ist ein noch extremeres Beispiel. Die russische Halbinsel mausert sich momentan zum angesagten Wintersportziel – leider auf Kosten der Natur.

Im Rahmen einer Studie des Deutschen Ski Verbands wurde der CO2-Ausstoß für einen zweiwöchigen Skiurlaub in Kamtschatka berechnet. Er beträgt rund fünfeinhalb Tonnen, die in erster Linie durch die bloße An- und Abreise entstehen: vier Stunden Flug bis nach Moskau, dann noch zehn Stunden weiter bis zum Ziel und wieder zurück. Zum Vergleich: Von München aus könnte man bei gleichem CO2-Ausstoß 100 Tage zum Skifahren mit dem Auto in die Berge fahren. Noch Fragen?

In den Alpen gibt es mittlerweile viele Urlaubsorte, in denen Klimaschutz und Nachhaltigkeit großgeschrieben werden. Besonders die Haupt-Einsparmöglichkeiten Verkehr und Immobilien sind Gegenstand der Bemühungen, CO2-Emissionen zu senken und die Natur zu schonen. Winterurlaub: Alpen statt AspenEs gibt einige wirklich clevere Programme, zum Beispiel den Verbund Alpine Pearls, der ein sanftes Mobilitätsprojekt für Wintersportgebiete in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland und Italien entwickelt hat. Wenn Sie zum Beispiel mit dem eigenen Auto anreisen und bei Ankunft Ihren Autoschlüssel abgeben, können Sie gratis oder vergünstigt von öffentlichem Transport, aber auch von individuellen Fahrdiensten Gebrauch machen, Fahrräder mit Elektromotor mieten, ein gratis Mobiltelefon für die Dauer des Aufenthalts bekommen, oder Sie erhalten Vorzüge beim Besuch kultureller und anderer öffentlicher Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Museen. Die Schweizer Skiorte Davos und Sankt Moritz zeigen starkes CO2-Engagement durch Gebäudemodernisierungen, moderne Heizsysteme und lokal generierte Energieversorgung. In einigen Orten erfolgt ein CO2-Ausgleich bereits mit dem Kauf eines Skipasses.

Wir haben eine kleine Auswahl der Orte zusammengestellt, die wir Ihnen für nachhaltigen Wintersport empfehlen möchten. Bitte verstehen Sie diese Auswahl als reine Inspirationsquelle. Es wäre nicht fair, zu behaupten, es gäbe keine anderen nachhaltig ausgerichteten Wintersportgebiete in den Alpen. Die Bemühungen, Wintersportgebiete nachhaltiger zu gestalten, sind deutlich zu erkennen, und es werden ständig mehr. Eine Linksammlung zu Webseiten und Reisezielen finden Sie weiter unten.


DEUTSCHLAND

Bad Reichenhall - www.bad-reichenhall.de
Wintersportmöglichkeiten: Langlauf, Snowboarding, Ski Alpin, Schneeschuhwandern, Rodeln, Eisstockschießen
Besonderheiten: An- und Abreise mit S-Bahn und Bus, kostenlose Busbenutzung im Ort, MOVELO Elektrofahrrad-Verleih

Berchtesgaden - www.berchtesgaden.de
Wintersportmöglichkeiten: Langlauf, Snowboarding, Ski Alpin, Rodeln, Bobben, Schneeschuhwandern
Besonderheiten: An- und Abreise mit S-Bahn und Bus, günstige Fahrtarife, MOVELO Elektrofahrrad-Verleih

ÖSTERREICH


Werfenweng – www.werfenweng.org
Wintersportmöglichkeiten: Langlauf, Snowboarding, Ski Alpin, Rodeln, Schneeschuhwandern, Paragleiten, Drachenfliegen
Besonderheiten: Tourismuskonzept „sanfte Mobilität“: über 20 alternative Fortbewegungsmöglichkeiten, klimaneutrale Winterferien

SCHWEIZ


Arosa – www.arosa.ch
Wintersportmöglichkeiten: Langlauf, Snowboard-Funpark, Ski Alpin, Rodeln, Schneeschuhwandern
Besonderheiten: Gratis Busverbindungen, 70% der Betten direkt in Skipistennähe, 100% klimaneutrale Ferienangebote, wasserstoffbetriebene Pistenfahrzeuge

Davos – www.davos.ch
Wintersportmöglichkeiten: Langlauf, Ski Alpin, Snowboarding, Rodeln, Eissport
Besonderheiten: Co2-neutrale Ausrichtung der Gemeinde, klimafreundliche Gebäude, regionale Holzkreisläufe, Energie aus erneuerbaren Quellen

St. Moritz – www.stmoritz.ch
Wintersportmöglichkeiten: Ski Alpin, Snowboard, Langlauf, Schneeschuhwandern, Rodeln, Curling, Eislaufen, Bobben, Cresta, Winter-Golf, Paragleiten, Kitesailing, Fallschirmspringen, Cricket, Nordic Walking
Besonderheiten: vor Ort generierte Energie aus Wasserkraft, Selbstverpflichtung zum Bezug von mindestens einem Drittel der benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen.

Weitere Wintersportgebiete im Produktguide.
Das komplette Interview mit Tobias Luthe finden Sie hier.

 

Nützliche Links:

Deutscher Ski Verband
Deutscher Alpenverein
Internationale Alpenschutzkommission CIPRA
Alpine Pearls
Mountain Riders
Skiclub Großbritannien

WWF Pandaction


Fotos: Photocase

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