Reisen mit der Eisenbahn
Die Bahn ist der Klassiker unter den umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln. Im Vergleich zum Auto entstehen bei der Bahn – etwa bei der Fahrt von Hamburg nach Berlin – 80 Prozent weniger Schadstoffe pro Person. Der Anteil erneuerbarer Energien bei der Bahn liegt bei über zehn Prozent.
Ein "UmweltMobilCheck" auf der Website der Deutschen Bahn ermöglicht es Reisenden, für ihren Trip eine private Öko-Bilanz zu erstellen, bei der fast immer die Bahn gewinnt. Doch die Bahn ist auch eine Service-Wüste. Verspätungen, Tarifauseinandersetzungen, die so lange dauern wie früher die Weltkriege, verwirrende Preispolitik, Streckenabbau, das Ende der Zugrestaurants – die Liste ist lang. In einem TV-Film, auf den ich beim Feierabend-Zappen gestoßen war, sagte ein Mann sinngemäß den schönen Satz: "Ich habe vor nichts Angst. Ich habe eine Bahncard."
Das Merkwürdige an der Bahn ist, dass dort Männer den Ton angeben, die nichts so sehr zu hassen scheinen wie die Eisenbahn. Neidisch blicken sie auf das Ticket-System der Fluggesellschaften, das vor allzu spontanen Passagieren schützt. Heimlich bewundern sie die Individualität des Autoreisens. Kein Wunder, dass sich das deutsche Bahnmanagement vorzugsweise im Dienstwagen mit Chauffeur durchs Land bewegt statt in der ersten Klasse eines ICEs.
Dabei könnte die Bahn sich mit ein wenig Inspiration – und Ihrer Hilfe – als Modell-Konzern für die ethisch-ökologische Verbraucherrevolution neu erfinden. Ausbau der erneuerbaren Energien auf 50 Prozent. Alle Bahnfahrzeuge fahren mit Gas oder Bio-Diesel. Die Bahnhöfe bekommen Solarenergie-Anlagen. Sämtliche Papiervorgänge – Fahrkarten, Info-Faltblätter, interne Akten – werden auf Recycling-Papier umgestellt, die Uniformen aus Bio-Baumwolle genäht. Für schadstoffarme Autos gibt es in Bahnhofsnähe freie Parkplätze. Und warum trinkt man in den – ohnehin erbärmlich gestalteten – Bistro-Zügen der Deutschen Bahn eigentlich keinen Fairtrade-Kaffee oder -Tee wie bei Virgin Train in England?


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Käferchen