Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Richtig Reisen mit Fred Grimm (7)

Ferien mit dem Auto


Zwei Drittel aller Urlaubsreisen unternehmen die Deutschen im Auto, zehn Prozent im Bus und nur sechs Prozent mit der Bahn. Verglichen mit einer Flugreise ist eine Fahrt im voll gepackten Familienauto weniger schädlich fürs Klima. Doch der Straßenverkehr trägt 18 Prozent zum gesamten CO2-Ausstoß in Deutschland bei. Ein Liter Benzin verwandelt sich beim Autofahren in 2,4 Kilogramm Kohlendioxid, das in die Atmosphäre geblasen wird.

Trotz aller Sonntagsreden und Klimaschutzabkommen dürfte sich der Schadstoffausstoß des Autoverkehrs zwischen 1990 und 2010 um 27 Prozent erhöhen. Der Großteil dieser ökologischen Schreckensbilanz entfällt auf Kurzfahrten – jede dritte Autofahrt in Deutschland ist kürzer als drei Kilometer. Anlass genug, dieses Verkehrsmittel einmal nach seinem Sparpotenzial abzuklopfen.

Zu allem, was man unter einem "Öko-Auto" verstehen könnte, haben die Deutschen eine wundersame Hassliebe entwickelt. Die deutsche Autoindustrie lag beim Erfinden entsprechender Technologien jahrelang weit vorn – und schaffte es nicht, sie in ein marktfähiges Auto zu übersetzen. Dass "Green Glamour"-Stars wie Cameron Diaz, Leonardo DiCaprio oder George Clooney heute demonstrativ in einer Hybrid-Limousine zur Oscar-Verleihung fahren statt in einem deutschen Fabrikat, verdanken wir der Engstirnigkeit deutscher Auto-Manager. Bei Mercedes experimentierte man bereits in den 80er Jahren mit Hybrid-Motoren, ohne dass daraus ein Auto zum Kaufen wurde. Als Audi sich 1994 mit einem schüchtern beworbenen Hybrid-Modell auf den Markt wagte, war das Auto so teuer, dass es niemand kaufte. Die Serie wurde wieder eingestellt. Eine Sprit sparende Alternative wie das technisch völlig überfrachtete, viel zu teure Drei-Liter-Auto, das Volkswagen im Jahr 2000 unter dem Namen Lupo präsentierte, sah hässlich aus und verfügte nicht mal über einen Rußpartikelfilter. Die Vermarktung war so sexy wie ein Parkverbotsschild. Lupos Produktion endete 2005. Verkauft wurden 27 000 Stück.

Die japanische Konkurrenz von Toyota, die 1997 ihr erstes Hybrid-Modell auf den Markt brachte, verkaufte bis Anfang 2008 über eine Million Prius und Lexus-Modelle in aller Welt. Die meisten davon fahren in den USA, wo 54 Prozent aller Hybrid-Anhänger den Kauf als "persönliches Statement" für ihre ökologische Einstellung begründen. Der US-Marktanteil für Hybrid-Fahrzeuge ist mit 1,6 Prozent zwar noch ziemlich bescheiden, aber Toyota glückte mit dem Prius ein unschätzbarer Imagegewinn.

Ex-Verbraucherschutzministerin Renate Künast war so begeistert, dass sie deutsche Autofahrer zum Kauf eines Prius aufforderte. Und dass obwohl die Japaner in den USA gerade höchst unschön mit allen Lobby-Mitteln gegen strengere Gesetze zur CO2-Drosselung des Autoverkehrs vorgingen... Die grüne Welle hat nicht nur intelligente Politikerinnen verwirrt. Auch die Automobilindustrie scheint sich quasi über Nacht verwandelt zu haben. Wenn man Anzeigen von BMW oder Mercedes sieht, könnte man meinen, Autofahren sei der wichtigste Beitrag zum aktiven Klimaschutz. Porsche-Chef Wiedeking pries seinen wuchtigen Cayenne in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" furchtlos als "ökologisch korrektes Auto".

Seite 1 / 2
Stand: 20.08.2008 von

Kommentare (1)   abonnieren

alle Kommentare (1)
  • gelöscht am 03.01.2010 um 20:12 von Robinson
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
alle Kommentare (1)
Kommentar schreiben
(5000/5000)

Ich habe eine Frage zu ... Auto & Mobilität


Mehr zu Reisen

Mehr zu Mobilität