Très grün, très chic
Den Aktivisten der ersten Stunde ging es ums Reduzieren, Recyclen und Wiederverwerten. Mode galt als launisch und oberflächlich, statt Trend-Firlefanz gab es Selbstgestricktes und jede Menge alten Filz. Das generell wachsende Bewusstsein für Bio-Produkte und Nachhaltigkeit hat den Weg auch für die alternative Bekleidungsindustrie geebnet und längst kann sich jeder aufhübschen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Anders als bei Bio-Lebensmitteln, die durch das einheitliche EU-Siegel gekennzeichnet sind, fehlen bei Öko-Bekleidung noch verbindliche Standards. Und da "Grün sein" auch unter Fashionistas gerade der letzte Schrei ist und sich damit Image und Umsatz aufpolieren lassen, sind nicht wenige konventionelle Marken dem Etikettenschwindel zugeneigt. So werben große Billig-Ketten mittlerweile mit Bio-Baumwoll-Shirts oder Bio-Bambus-Unterwäsche, dass die auffällig preiswerten Produkte nicht selten unter fragwürdigen Bedingungen produziert wurden, fällt unter den Verkaufstresen. Ein wirklich "cleanes" Kleidungsstück, sollte Arbeitsrechte UND Umweltschutz umfassen, fair und öko! Kein leichtes Unterfangen, denn die Produktionskette ist lang und global gespannt.
Beim Thema grüne Kleidung tut sich ein Fragen-Fass mit einem sehr tiefgelegenen Boden auf: Sind Naturfasern wirklich besser als Chemiefasern? Was kann Bio-Baumwolle? Und wenn die Faser denn "bio" ist, womit wurde sie gefärbt, gebleicht, geglättet, wo, unter welchen Bedingungen, von wem produziert und wie gelangte die fertige Ware in hiesige Geschäfte? Und wie wasche und pflege ich meine grünen Schätze?
Doch die "gute" Chemie?
Ihr Ruf ist mies, dabei sind Schwester Polyester und ihre Synthetics-Verwandten heutzutage in vielerlei Hinsicht attraktive Beklei(d)er. In ihren Trageeigenschaften stehen sie natürlichen Fasern in nichts nach und zu ihrer Herstellung wird weniger Wasser benötigt. Zwar ist dabei oft doppelt so viel Energie nötig, im Gegenzug sind die Textilien in der Pflege sparsamer, da sie weniger heiß gewaschen und meist nicht gebügelt werden müssen. Befürworter betonen zudem die geringe Fläche, die für ihre Produktion zu Buche schlägt, in Anbetracht der wachsenden Monokulturen im Bio-Anbau, der generellen Begrenztheit fruchtbarer Felder und steigender Lebensmittelpreise durchaus ein Argument. Unterm Strich entscheidet die persönliche Einstellung, sich intensiver mit den Synthetics zu beschäftigen, ist definitiv unschädlich.
Organic Cotton - die angesagte Faser
Die Menge land- und leuteschonender Bio-Baumwolle steigt rasant, denn die Akzeptanz beim Endverbraucher ist hoch. 2,6 Milliarden Dollar wurden 2008 mit der Naturfaser umgesetzt und selbst H&M oder C&A offerieren Organic Cotton. Sinn macht das allemal, denn konventionelle Baumwolle ist dreckiger, als zunächst angenommen. Allein ein Viertel aller weltweit eingesetzten Insektizide landen auf Baumwollfeldern, laut Welthandelsorganisation (WHO) sterben jährlich 20.000 Menschen an den Giften.
Nichtregierungsorganisationen (NGOs,) aber auch Mode-Unternehmen unterstützen Bauern bei der Umstellung zu Bio-Anbau, für ihre Ware erhalten sie rund 40 bis 70 Prozent höhere Preise am Weltmarkt. Statt mit chemisch-synthetischen Mitteln wird organisch gedüngt und Schädlinge auf "sanfte" Weise vernichtet, statt Chemie kommen für die Entlaubung der Pflanzen Soda- oder Kochsalzlösungen zum Einsatz. Sagen sie Ja zu fairen Preisen: ein Bio-T-Shirt kostet ein paar Euro mehr, das gute Gewissen ist das wert! Anbieter nennt unter anderem das Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN), sowie das Shopping-Portal "bransparent".
Der Teufel im Detail
Bio-Material schön und gut. Die meisten Textilallergien werden aber nach wie vor durch Farbstoffe, Bleichmittel, Weichmacher oder Fixierer verursacht. In manchen Regionen Chinas, kann die Farbe der Saison leider noch immer am Flusswasser abgelesen werden. Die Textilindustrie treibt es oft zu bunt und einheitliche Deklarationspflicht gibt es nicht. Etliche Dispersionsfarbstoffe sind gesundheitlich bedenklich, aber nicht verboten. Einige Hersteller wie Adidas, Levi's oder H&M verzichten freiwillig auf den Einsatz gefährlicher Chemikalien, nicht zuletzt um imageschädigene Rückruf-Aktionen zu vermeiden. Generell besteht Grund zur Hoffnung: Pflanzenfarben, allen voran Indigo für die Färbung von Jeans, aber auch Resede oder Krapp feiern gerade ein Revival. Diverse Hersteller experimentieren für Wascheffekte und Fixierungen bereits mit Salz, Zitronensaft, Essig, Kamille und Tee. Wer selber färben möchte, greift zu Öko-Textilfarbe. Ansonsten gilt: vermeiden Sie den Kauf von Textilien mit den Pflegehinweisen "getrennt waschen", da die Faser offenbar nicht fest fixiert ist.


Bio-Jeans mit fairem Anspruch
Kommentare (14)
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Ich für meinen Teil bin wieder zum "alten Filz" zurückgekehrt. Wozu mit großem Aufwand einen "Used-Look" herstellen, wenn die Second-Hand-Läden vor Gebrauchtklamotten platzen?
http://www.brennels.nl/home/?s=deutsch&ss=index
Erfüllt gleich drei Wünsche auf einmal: nachhaltig, sozial und regional ;-)
www.bransparent.de
Verschiedenste, schicke Kleidungsstücke mit einem gelben Punkt für fairen Handel und einem grünen für Biomaterialien.
Und wer mehr wissen will, dem hilft sicher die Textilfibel von Greenpeace weiter. Da stehen auch viele Anbieter drin.
Wir sammeln coole Marken in der Gruppe Viva la Style- aber ökorrekt....wer neugierig ist.
Also wenn ihr wirklich was in eurem Konsumverhalten ändern wollt, dann kauft Mode aus LYOCELL. Lyocell gibts übrigens schon bei H&M. Lyocell ist im übrigen auch viel weicher und hat noch bessere Eigenschaften als Baumwolle, antibakteriell, Form und Farbintensität bleibt erhalten, guter Feuchtigkeitstransport sprich Temperaturausgleich ...
Das Problem ist leider nur das der Verbraucher diese wunderbare nachhaltige Fasern nicht kennt.
Infos vom Hersteller: www.lenzig.com
Wusstet ihr wie viel Wasser verbraucht wird um eine Jeans herzustellen? 8000 Liter, also Unmengen! :-(
Also wäre Lyocell eine gute Alternative zur Baumwolle!!!
Bei h&m Lyocell-Produkte zu kaufen finde ich auch unbefriedigend. Die ausgebeuteten Näher_innen haben reichlich wenig davon, dass der Stoff den sie Tag für Tag viel zu lange durch die Maschine jagen ein grüner ist.
Der Versand währe sicher eine Alternatieve, aber da meine Figur nicht so ganz dem gängigen Ideal entspricht =) finde ich die viele hin und her schickerei auch lästig.
Ich suche immer noch nach der Ideallösung für mich
Übrigens, die Idee mit den Verkäuferinnen-nerven finde ich gut. Vieleicht bewegt sich dann ja mal was.
Leider ist auch in meiner Stadt kein Geschäft mit "grünem Schick" zu finden... aber wir haben hier einihe second-hand Shops, die gerade für meinen Sohn tolle Klamotten anbieten. Tauschpartys sind eine tolle Idee und bieten sich nicht nur im Bewreich der Kleidung an.
Übrigends finde ich auch Pflanzenfarbstoffe ein spannendes Thema, aber die meisten von Ihnen müssen auch mit viel Chemie, manche von Ihnen mit ausgesprochen stärkerer Chemie als chemische Farben gefärbt werden, so das der ökologische Vorteil teilweise fraglich ist. Trotzdem sehr spannend.
www.dorotheabecker.com