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Ökologische, nachhaltige Damenhygiene für die Periode

Binden & Tampons: Alle Tage wieder jede Menge Müll?

Es gibt sie noch, die letzten Dinge, die den Frauen exklusiv vorbehalten sind. Die Rede ist nicht von Quoten und Parkplätzen, sondern von Binden, Tampons und anderen hilfreichen Monatshygieneprodukten. Ein Thema, das zwar jede Frau betrifft, über das aber noch längst nicht alle locker plaudern können. Bei Utopia brauchen Sie bloß lesen...


Auch heute noch stehen moderne, bauchfrei gekleidete Teenies im Drogeriemarkt, die mit einem geflüsterten „Ich hasse das“ hektisch zu einer Packung Tampons greifen. Mit gesenktem Kopf wird bezahlt und blitzschnell die Packung in der Umhängetasche versenkt. Nur ein Zeichen dafür, dass der „Fluch der Tage“ noch immer existent ist und als peinlicher Makel empfunden wird. Wen wundert es, haben doch sowohl Religion als auch patriarchalisch geprägte Gesellschaften seit Jahrhunderten dazu beigetragen, die Monatsblutung und die Frauen während dieser Zeit als „unrein“ darzustellen. Die Mythen, die heute noch im Umlauf sind, reichen von „Menstruationsblut ist giftig“ bis hin zu „Einkochen von Marmelade misslingt in Gegenwart menstruierender Frauen“.

In der Regel überflüssig

Die Abschaffung der Menstruation, an der Mediziner längst fleissig arbeiten und die mit Hilfe der 90-Tage-Pille oder der Dreimonatsspritze schon umgesetzt wird, ist vielen Frauen sicher sehr willkommen: Immerhin fühlen sich zwei Drittel der Frauen durch ihre Tage beeinträchtigt, sei es durch Schmerzen, PMS und generelles Unwohlsein. Aber nicht alle empfinden die Menstruation als reine Last. Für einen Teil symbolisiert sie auch das Frau sein schlechthin, Fruchtbarkeit, Potenz und Stärke. Doch unabhängig davon, wie eine Frau zu ihrer Menstruation steht, sie benötigt für diese Zeit Hygieneartikel.

Etwa 16.800 (Wegwerf-)Binden oder (Einmal-)Tampons verbraucht eine Frau durchschnittlich im Leben und erzeugt damit einen recht ordentlichen Müllberg. Es sei denn, sie entscheidet sich für ein wiederverwendbares Produkt wie den Menstruationsbecher oder für waschbare Binden. Doch handelt es sich dabei wirklich um ernstzunehmende Alternativen, deren massenhafte Entdeckung kurz bevorsteht? Und gibt es nicht auch ökologische Alternativen zu den konventionellen Binden oder Tampons? Was ist an ökologischen Hygieneprodukten besser oder schlechter? Um das herauszufinden, lohnt es sich zuerst einen Blick auf das konventionelle Angebot zu werfen.

Konventionelle Tampons und Binden

Würde jemand in der Fußgängerzone eine Umfrage zum Thema „Woraus besteht ein Tampon“ starten, wäre außer „Keine Ahnung“ wahrscheinlich „Baumwolle, Watte“ die häufigste und damit jedoch falsche Antwort. Klar, denn Watte gilt als rein, weiß, weich, und äußerst saugfähig. Sie kann Feuchtigkeit und Gerüche so gut absorbieren wie kein anderes Material. Doch unbehandelte Rohbaumwolle ist nicht makellos weiß, sondern hat eine eher gelblich-braune Farbe. Das heißt, Watte wird nur durch den Einsatz von Bleichmitteln schön reinweiß. Früher benutzte man dafür Chlor, heute wird – vor allem für die im Intimbereich verwendeten Produkte – normalerweise Sauerstoff zum Bleichen verwendet. Das Bleichen selbst ist extrem wasser- und energieaufwendig, dient aber dazu die Saugfähigkeit des Zellstoffs zu verbessern und Keime abzutöten. Konventionelle Binden und Tampons werden durch den Einsatz von optischen Aufhellern, die als sehr umweltschädlich gelten, noch einmal extra geweißelt. Ein Vorgang, der nur optischen Ansprüchen dient, aber keine Auswirkung auf den Kernnutzen des Produkts hat - sondern im Gegenteil einen weiteren chemischen Behandlungsprozess hinzufügt.

Ein konventioneller Tampon besteht vor allem aus industriell hergestellter Viskosewatte (Rayon), einem natürlichen Kunststoff, der aus Zellulose industriell hergestellt und gewöhnlich chlorgebleicht wird. Dabei werden Dioxine freigesetzt, die als cancerogen gelten und die Umwelt belasten. Tampons aus 100 Prozent reiner Baumwolle werden nur von ökologisch orientierten Herstellern angeboten. Der verbleibende Baumwollanteil in konventionellen Tampons und Binden, stammt jedoch aus nicht biologischem Anbau. Das heißt, er wurde mittels massivem Einsatz von Pestiziden und Insektiziden erzeugt und kann aus genmanipulierter Saat stammen. Gifte, die durch den Bleichprozess zwar aus den Baumwollfasern ausgewaschen werden, doch der Gedanke an eventuelle Rückstände ist nicht beruhigend. So waren laut "Öko-Test" in verschiedenen Tamponmarken Chemikalien wie das als krebserregend geltende Formaldehyd und andere halogenorganische Verbindungen nachweisbar, die laut Herstellern Rückstände des Bleichprozesses sind.

Always ist viel Plastik dabei

Alle konventionellen Tampons und die meisten Binden sowie Slipeinlagen sind mit einer Kunststoffschicht, meist Polypropylen oder Polyethylen umgeben. Für deren Herstellung werden Petrochemikalien benötigt und das Endprodukt ist dadurch nicht biologisch abbaubar. Hinzu kommt weiteres Plastik für Umverpackung, manchmal auch Einzelverpackung, Wäscheschutz-Klebefolien und Applikatoren. Bei Tampons ist das aus hygienischen Gründen unverzichtbar, aber einzeln verpackte Binden sind unnötig und belasten die Umwelt nur mit zusätzlichem Abfall. Im Jahr 2009 fand "Öko-Test" bei zwei Tampon-Herstellern in der Folie Formaldehyd. Der Grenzwert für den bedenklichen Stoff wurde zwar nicht erreicht, aber wer möchte schon einen eventuell auch bloß leicht kontaminierten Tampon in seinem Körper wissen.

Fast alle konventionellen Binden enthalten ebenfalls saugfähiges Kunststoffgranulat, das Flüssigkeit besser bindet sowie Kunststoffe im Obermaterial, die für ein „trockenes“ Gefühl sorgen. Die Verwendung von Kunststoffen mag hier sinnvoll sein, schränkt aber die Atmungsaktivität der Haut ein und kann dadurch Reizungen und andere Hautirritationen auslösen.

Was die ökologischen Alternativen besser machen

Ökologische Tampons und Binden werden aus zu 100 Prozent biologisch angebauten und abbaubaren Materialien gefertigt. Sie enthalten kein Plastik und sind deshalb hautfreundlich und atmungsaktiv. Die verwendete Baumwolle stammt aus biologischem Anbau und wurde nur mit Sauerstoff gebleicht, aber nicht zusätzlich mit optischen Aufhellern leuchtend weiß gemacht. Dafür sind sie deutlich teurer und bleiben auch Wegwerf- da Einmalprodukte, die egal – ob bio oder konventionell – die häufigste Verstopfungsursache darstellen, wenn sie in der Toilette entsorgt werden. Angeboten werden diese Produkte nur von wenigen Herstellern: Natracare, masmi, corman und pure bio.tampons.

Was ist mit waschbaren Binden?

Was früher Standard war, gibt's heutzutage fast nur noch im Bestell-Versand oder als Anleitung zum Selbernähen. Stoffbinden, die aussehen wie normale Binden, aber nach Gebrauch nicht weggeschmissen, sondern im Kochwaschgang gewaschen und wiederverwendet werden. Die meisten Modelle bestehen aus einer Hülle mit herausnehmbarer Einlage. Je nach Stärke der Blutung wird eine andere Einlagestärke verwendet. Damit sie nicht verrutschen haben einige Modelle Knöpfe. Sie sind in manchen Bioläden erhältlich. Viele nähen sie einfach selber. Im Internet kursieren dazu einige Nähanleitungen. Ihre Vorteile: sie sind luftdurchlässig, sehr günstig da sie sich jahrelang verwenden lassen, pestizid- und gentechnikfrei, wenn sie aus Bio-Baumwolle sind und vergrößern nicht den Müllberg. Eher unpraktisch: Wenn jemand länger unterwegs ist, muss er sie mit sich herumtragen und sie auf jeden Fall auskochen.

Und mit Menstruationsschwämmen?

Ebenfalls ein Nischenprodukt mit eindeutigen ökologischen Vorteilen ist der Menstruationsschwamm. Es handelt sich um ein Stück Naturschwamm, etwa fünf bis sieben Zentimeter groß, das wie ein Tampon die Flüssigkeit aufsaugt. Auch sonst wird es wie ein Tampon verwendet - nur hängt an dem weichen Schwamm keine Schnur dran, das verräterisch unterm Bikinihöschen hervorschauen kann. Das Schwämmchen kann mit Wasser ausgewaschen werden und daher immer wieder verwendet werden. Menstruationsschwämme sind sehr günstig und reduzieren Müll. Ein reiner Naturschwamm enthällt außerdem keine potenziellen Schadstoffe und trocknet die Scheide nicht aus. Leider ist aber auch hier die Menge der Hersteller und Bezugsquellen sehr überschaubar. Kaufen kann man sie zum Beispiel bei www.1bis3.de und bei www.schwammshop.de.

Unvorteilhafter Name, aber ökologisch vorn: der Menstruationsbecher

Nur wenige wissen, dass der erste moderne Tampon und der Menstruationsbecher fast zeitgleich um 1930 entwickelt wurden. Nach großangelegten Werbefeldzügen und vielen Aufklärungskampagnen „gewann“ der Tampon, während der Menstruationsbecher ein nahezu unbekanntes Nischenprodukt blieb. Erst in den 80er-Jahren wurde er wiederentdeckt, als die Nachfrage nach umweltfreundlichen und günstigen Monatshygieneartikeln stieg. Wie der Name schon erahnen lässt, ist ein Menstruationsbecher ein kleiner Becher, der in der Scheide ein Vakuum erzeugt und so das Blut in der Scheide auffängt. Beim Herausnehmen wird er einfach in die Toilette entleert. Es gibt Einwegbecher – so genannte „Softcups“ – die eher einem Diaphragma ähneln und nach Gebrauch im Müll entsorgt werden (Hersteller: www.softcup.com). Und es gibt Mehrwegbecher, auch „Keeper“ genannt (Hersteller: www.mooncup.co.uk, www.divacup.com, www.lunette.fi, www.meluna.org, www.fleurcup.com). Sie bestehen entweder aus Naturkautschuk oder Silikon und können bis zu zwölf Stunden getragen werden. Nach Gebrauch wird der Keeper mit Wasser ausgepült und weiter benutzt. Laut Herstellerangaben kann ein Menstruationsbecher bis zu zehn Jahre verwendet werden - er spart der Anwenderin eine Menge Geld und erspart der Umwelt einen Haufen Müll.

Geht da doch noch was. Aber was?

Es ist auffallend, dass die Auswahl im Bereich Damenhygiene extrem überschaubar ist. Ein halbes Jahrhundert nach der Erfindung des Tampons gibt es tatsächlich nichts Neues. Es entsteht sogar der Eindruck, dass die Entwicklung in Sachen Weiterentwicklung und umweltfreundliche Optimierung abgeschlossen ist. Schade, dass es in diesem Bereich so wenig Fortschritte gibt. Die ökologischen Alternativen zu „ob und Always“ sind kaum bekannt, oft nicht überall erhältlich. Außerdem erscheinen die auf dem Markt erhältlichen „Reusables“ auf den ersten Blick eher wie ein Rückschritt in Sachen Komfort und Sicherheit. Doch Versuch macht klug. Wer seinen persönlichen Müllberg verkleinern möchte, sollte tatsächlich einmal mit einem wiederverwendbaren Produkt experimentieren. Gewöhnungsbedürftig waren alle Damenhygiene-Artikel einmal, warum also nicht mal den Versuch mit einem Mooncup wagen?

Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 18.09.2011 von

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    schrieb am 25.06.2014 um 15:52
    Ich bin neu auf den Artikel gestoßen und finde ihn auch sehr interessant. wie auch viele vor mir muss ich gestehen, dass ich mir weder GEdanken darüber gemacht habe, noch etwas davon gehört habe. Es wäre wirklich toll wenn die Frauenärzte einen darauf aufmerksam machen würden. Wenn ich mir die Kommentare durchlesen muss ich sagen, dass die Mehrheit sehr zufrieden ist mit dem Cup. Danke für den tollen Artikel! mehr weniger
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    schrieb am 01.12.2013 um 18:22
    mh, gibt ja auf toiletten auch klopapier... und ist übungssache, dass man ihn voll rauskriegt ohne dass er ausläuft. ich finds gut zu sehen, wie viel blut ich verliere.
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    schrieb am 30.11.2013 um 21:01
    Ich habe meinen Mooncup seit Jahren in Gebrauch und keine Probleme mit der Hygiene oder gar blutverschmierte Hände gehabt. Beim Entfernen des Cups sollte man das gute Stück natürlich nicht zusammenpressen oder umstülpen:).
    Ob das Ganze "eklig" ist oder nicht, muss jede für sich entscheiden.
    Ich finde Tampons vom hygienischen Aspekt her bedenklicher. mehr weniger
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    schrieb am 30.11.2013 um 19:56
    hallo pakolo,
    genauso ging es mir mit dem mooncup: ich fand es eklig, weil es "kunststoff" ist, nicht atmen kann und mit dem vakuum, das hat sich einfach nicht gut angefühlt. ich habe es ausprobiert, weil wie anja schreibt, es viel müll spart im vergleich zu tampons. ich fand es aber nicht so einfach zu handhaben. je nach blutungsmenge ist es überhaupt nicht praktisch. bei ein paar tropfen pro tag ist es easy (dann frage ich mich allerdings, weshalb überhaupt ein moooncup). aber bei stärkerer blutung ist es eine sehr blutige sache. zuhause geht das noch, aber und unterwegs!? auf öffentlichen toiletten (autobahn ....) mit blutverschmierten händen bis zum handgelenk ans waschbecken laufen, ist weder angenehm noch hygienisch. auch im büro, restaurant ... möchte ich nicht mit blutberschmierten händen neben den anderen frauen am waschbecken stehen. wie gesagt, auch hygienetechnisch ein echtes problem.
    zwei freundinnen von mir hatten es auch ausprobiert, die haben beide auch gleich wieder damit aufgehört, aus denselben gründen.
    und ganz besonders "schön" wirds dann bei unisex-toiletten mit gemeinsamem waschbecken ... :-( mehr weniger
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    schrieb am 30.11.2013 um 08:27
    Also ehrlich gesagt, finde ich es keine lustige Vorstellung einen Plastikbecher, der dann auch noch ein Vacuum erzeugt in mich einzuführen, das kann doch nur wieder eine Idee sein von einem Mann. Zudem Plastik bleibt Plastik und der will auch entsorgt werden. Wohlmöglich noch in der Toilette, wie viele Frauen das machen (was ich absolut nicht nachvollziehen kann, denn auf jeder öffentlichen Toilette gibt es dafür "Plastik"säckchen um sie zu entsorgen, und zu Hause wird wohl keiner eine Überschwemmung wollen), und anstatt Tampon landet dann so ein Becher in der Toilette? Dann bleibe ich doch lieber bei einem Biotampon...... mehr weniger
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