Von Heidi Tiefenthaler
Utopia: Auf greentravelclub.info (gtc) soll der Urlauber „verlässliche grüne Anbieter“ finden. Die Kriterien für das ehc-Siegel (eco hotels certified) lesen sich aber ziemlich vage und nicht gerade anspruchsvoll. Darf jeder beim Greentravelclub mitmachen?
Ludwig Gruber: Nein, der Standard ist sogar sehr hoch. Wir haben mit unserem Anforderungsprofil in Europa gerade einmal 1700 Häuser recherchiert, die wir überhaupt kontaktieren wollen. Das entspricht nicht einmal einem Prozent der europäischen Hotellerie. Wir suchen bewusst Betriebe, die eine ökologische Grundqualität bieten, sich mit anderen vergleichen und weiterentwickeln wollen. Dafür muss ich aber beispielsweise erst einmal wissen, wieviel Heizenergie braucht denn das effizienteste Haus mit x Betten in der Höhenlage y? Erst dann kann ich zu einem vergleichbaren Haus sagen, du brauchst zuviel. Wir setzen auf das Erkennen von Zusammenhängen: Warum ist ein Haus soviel besser als das andere? Dann können wir anfangen zu entwickeln. Die jeweilige Gruppe bestimmt also den Standard selbst. Dadurch, dass wir weltweit die „Ökofreaks“ aufsammeln, haben wir aber von vornherein einen sehr hohen Standard. Diesen Betrieben brauchen Sie nicht mit dem Zeigefinger zu drohen.
Auf dem Reisemarkt gibt es bereits etliche Öko-Siegel und -Anbieter. Was ist neu an greentravelclub.info?
L. G.: Im Gegensatz zu den gängigen Siegeln oder Klassifizierungen setzen wir auf technisches Benchmark. Wir wollen den Ressourcenverbrauch von vergleichbaren Betrieben vergleichbar machen. Dabei geht es uns um eine ganzheitliche Betrachtung: Wieviel Ressourcen zieht ein bestimmter Betrieb von der Umwelt ab? So schauen wir beispielsweise nicht nur nach, wieviele Energiesparlampen ein Haus einsetzt, sondern ziehen auch die Qualität des Stroms in Betracht. Beides zusammen ergibt eine ganz andere Aussage über die Nachhaltigkeit, als wenn ich Kriterien einzeln bewerte – was bis jetzt der Ansatz von Umweltzeichen war.
Was uns aus der Geschichte der Biohotels heraus außerdem bei den vorhandenen Systemen fehlt, ist der Anspruch an die Lebensmittel. Wir sehen in Bezug auf den Ressourcenverbrauch einen großen Hebel in der Küche, sowohl was den Verbrauch, als auch die Qualität und die Transportwege anbelangt. Diesen Mangel wollen wir über einen Mindesteinsatz von Biolebensmitteln in der Küche und einem Anspruch an deren Regionalität beheben.
Und trotzdem haben sie den geforderten Anteil an Bio-Lebensmitteln im deutschen Sprachraum im Vergleich zu den Biohotels von 100 auf 50 Prozent, in allen anderen Ländern sogar noch weiter heruntergeschraubt. Warum?
L. G.: Das hat mehrere Gründe. Zum Ersten wäre es mit dem Anspruch 100 Prozent Bio überhaupt nicht möglich, Biohotels massenfähig zu machen – nicht einmal im deutschen Sprachraum. 100 Prozent Bio ist dermaßen schwierig für Hotels und deren Köche, dass es nur für eine kleine Gruppe umsetzbar ist. Zweitens – und dieser Punkt betrifft uns beim Projekt green-travelclub noch stärker – gibt es außerhalb des deutschen Sprachraums überhaupt keine Chance für ein Haus, 100 Prozent Bio zu fahren. Da fehlt einfach das Warenangebot. In der Türkei beispielsweise sind schon 50 Prozent eine Herausforderung. Die Hoteliers dort bekommen nur mit viel, viel Mühe diesen Anteil aus der Region zusammen. Wir könnten also keine überregionale Buchungsplattform anbieten, wenn wir den Bioanteil so hoch schrauben würden. Der dritte Punkt ist, dass es nach unserer Einschätzung ganz unterschiedliche Zielgruppen gibt. Es gibt Menschen, denen ist Bio sehr wichtig. Ihnen können wir keine Kompromisse zumuten und versuchen daher, ihnen die Biohotels zu kommunizieren. Und dann gibt es andere, die das mit dem Bioanspruch bei Weitem nicht so genau nehmen und ihren Urlaub überregionaler ausrichten. Ihnen bietet green-travelclub eine Auswahl internationaler Hotels, bei denen die Ökologie im Gesamten einen Stellenwert hat.



Kommentare (28)
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Die Fragen haben den Herrn in die Enge getrieben - und er hat sich nicht aus der Lage herausreden können.
Wenn ich sowas schon lese: "höchstmöglich (nach Verfügbarkeit), Bevorzugung, Co²-Reduzierung, Senkung, Vergleichbarkeit". Es geht hier einfach nur um Relativität, nicht um den Absolutheitsanspruch: "dies ist der beste Anbieter - denn die anderen waren noch schlechter!"
Das Gleiche kennt man von einem bekannten Lebensmittel-Siegel, nämlich dem des DLG. Wenn ich sehe, WER alles DLG-prämiert ist, dann dreht sich bei mir so Einiges um. Fleisch und Wurstsalat von Aldi, Brot von Backwerk. Der Beste zu sein, ist keine Leistung. Leistung wäre es, gut zu sein!
zB haben wir in Spanien und Irland fast drei Jahre Hotels betreut, die trotz wildester Verrenkungen die 100% Bio nicht wirklich geschafft haben. Da wir mit den Biokontrollen vor Ort zusammen arbeiten, sehen wir auch gut, wenn sich das Angebot verbessert.
Im Non-Food Bereich ist es ähnlich. So gibt es in der Schweiz zB nicht flächendeckend Mülltrennung oder auch die Möglichkeit, Ökostrom zu kaufen.
Das neue Konzept - http://www.greentravelclub.info wird die Dynamik der Betriebe individuell mobilisieren, weil es gelingt, Gäste zu finden, die genau diese Ansätze honorieren. Mit entsprechenden Kunden können Produkte, Konzepte und Dienstleistungen geprägt und entwickelt werden.
Sollte jemand weitere, effektive Ansätze kennen, wie wir in Regionen außerhalb des deutschen Sprachraums ökologische Konzepte absichern und fördern können, haben wir großes Interesse!
wenn die Standards der Hotels die ihr auf eurer Seite anbietet nun ja... doch sehr unterschiedlich sind (was heißt Messung im Vergleich???), warum führt ihr dann auf der Info Seite des Hotels nicht einen Reiter ein (wie Hotel, Angebote, Anreise) mit den Kriterien die das Hotel bereits erfüllt?
DAS würde dem Kunden weiterhelfen, denn der Kunde sollte - ohne weitere aufwendige Recherche- in der Lage sein auf einen Blick zu sehen in welches Hotel er sich gerade einbucht.
Wenn der Überblick für den Verbraucher nicht klar und einfach erkennbar ist macht für mich keinerlei Plattform einen Sinn!!
Gruß, Corinna
noch eine Frage:
Inwiefern berücksichtigen Sie soziale Aspekte wie Mindestlöhne oder Arbeitsbedingungen für Saisonkräfte?
L. G.: Dafür suchen wir noch eine Lösung. Es muss auf jeden Fall ein dynamisches System sein. Bei gtc handelt es sich ja nicht um eine Vereinsstruktur wie bei den Biohotels, wo man gewisse Vorgaben machen kann. Bei gtc sind wir nur Systemgeber.
Was soll das heißen? Ihr entscheidet doch darüber wann ein Hotel auf eurer Plattform aufgenommen wird, oder etwa nicht?
Insofern könnt ihr auch entscheiden, dass das Hotel nicht in euren "Katalog" kommt, wenn es aus eurer Sicht keine fairen Arbeitsbedingungen bietet.
Ich verstehe sehr gut, dass es - besonders im Ausland- sehr schwer ist überhaupt Betriebe zu finden die von nachhaltigem Tourismus überhaupt schon einmal etwas gehört haben geschweige denn sich umstellen oder verpflichten möchten. ABER das sollte nicht dazu führen, dass Verbraucher hierzulande in die Irre geführt werden.
Bei offener und ehrlicher Kommunikation könnte nämlich jeder Verbraucher selbst entscheiden welche Kriterien ihm genügen (das geht aber nur, wenn es darüber informiert wird welche z.b. Hotels sich bereits an XY Werte halten)
http://www.diedenker.org/inhalte/viewtopic.php?t=914
Dennoch ist es wahrscheinlich gerade bei so relativ neuen Sachen wichtig, dass die Nutzer solcher Angebote nicht enttäuscht werden und sich somit womöglich ein schlechter Ruf verbreitet. Deshalb finden wir einen möglichst hohen Standard von Beginn an wichtig. Gut wäre außerdem, wenn auch soziale Kriterien (wie gute Bezahlung von Angestellten) mitberücksichtigt würden.
Falls jemand weitere Buchungs- oder Informationsplattformen zum Thema "grüner reisen" kennt, bitte unter dem Link oben posten!
Darauf zu setzen, dass viele Partner dann von sich aus höhere Standards einhalten (wie auch bei den Bio Hotels) mag zwar positiv gedacht sein, bringt dem Verbraucher allerdings nicht viel, weil er- wenn er wirklich interessiert ist- wieder Stunden im Internet zubringt, um rauszubekommen, ob das Hotel seiner Wahl jetzt n ur die Mindestkrieterien erfüllt oder sich doch an Höherem orientiert.
Für mich ist so eine Plattform daher nicht wirklich hilfreich!!
meinst Du diese Bio-Hotels:
www.biohotels.info
Weißt Du, wo man die Standards einsehen kann?
Die werden ja immerhin von Bioland empfohlen und von ACERT ect. zertifiziert.
Allerdings weiß ich auch, daß nur ein bestimmter Anteil an Lebensmitteln wirklich Bio sein muß.
Ich habe schon mit mehreren Restaurant-Betreibern gesprochen, die auch wirklich engagiert sind.
Sie meinen, es sei fast unmöglich einen Betrieb komplett Bio-Zertifiziert zu führen, weil die Belieferung so schwierig ist.
Und dann wären natürlich noch Themen zu erfüllen, wie baubiologisch errichtet, nur Bettwäsche aus Bio-Baumwolle ect...
Ich glaube, da gibt es noch keinerlei Standards, nach denen die Betriebe sich richten können.
Klar, daß das Greenwashing-Trittbrettfahrer auf den Plan ruft.
Kennst Du Plattformen, wo nur streng zertifizierte Hotels aufgeführt sind?
Bzw. gibt es bessere Standards für Hotels, als Bio-Hotel?
Gruß, Regina
entschuldige, dass ich erst jetzt antworte!!
Zuerst einmal: ja, ich meine die www.biohotels.info
Das Interview (mit dem Geschäftsführer) was ich im Kopf hatte als ich den oben stehenden Kommentar geschrieben habe finde ich leider nicht mehr.
Aber interessanterweise scheut sich das UN ja noch nicht einmal auf seiner eigenen Seite zuzugeben, dass Ihre Kriterien mehr als lapidar sind.
Schau mal hier: http://www.biohotels.info/de/ueber-uns/werte/
zusätzlich steht hier auch noch: http://www.biohotels.info/de/ueber-uns/
Auf dieser Seite zu schreiben 100% Bio ist in meinen Augen Betrug und Blendung der Kunden.
Es ist mir klar, dass es sehr schwer ist gewisse Richtlinien zu erfüllen, aber biohotels schreibt den Hotels ja noch nicht einmal vor in XY Jahren nach Beitreten des Vereins z.b. auf nachhaltige Umweltmanagementsysteme umzusatteln. Es geschieht alles auf freiwilliger Basis und angeblich auf Druck innerhalb des Vereins... AH JA!!
Ich recherchiere gerade viel in diesem Bereich für meine Masterarbeit und sowas macht mich einfach wütend.
Gruß, Corinna
Wird die Masterarbeit irgendwo zu lesen sein?
Mich interessiert das Thema aus diversen Gründen und ich komme immer wieder mit (Bio-)Gastronomen ins Gespräch.
Als Händler für Bio-Spezialitäten würde ich jederzeit 100% Bio befürworten.
Ich sehe aber ein, daß das für die Gastronomie, Hotelerie fast nicht machbar ist, weil die flächendeckende Beschaffung nicht gegeben ist.
Ein Bio-Gastronom aus der Schweiz hat uns nur ein Beispiel erzählt:
Wenn er Hirsch auf die Speisekarte setzen möchte, dann muß dieser Hirsch, der bei ihm in nächster Nähe (wild) erlegt wurde, über 100 km in eine Bio-Metzgerei geschafft werden zum verarbeiten und dann zurück.
Sonst darf der Hirsch nicht als Bio verkauft werden.
Wenn es in Graubünden schon so schwierig ist, wo über 50% der Landwirte biozertifiziert sind, kann man ausrechnen, wie es anderswo noch schwieriger ist.
Es ist ein Teufelskreis. Ohne flächendeckende Verfügbarkeit (regionaler) Bio-Produkte und deren Verarbeiter können die Gastronomen nicht planen. Ohne entsprechende Nachfrage stellen sich die Bio-Produzenten und Verarbeiter nicht auf die schwierige Kundschaft Gastronomie ein.
Deshalb bin ich ausnahmsweise mal froh, wenn wenigstens auf niedrigem Niveau einfach angefangen wird.
Allerdings soll dann bitte auch nicht mit 100%-Bio geworben werden, da gebe ich Dir vollkommen recht.
in der Hinsicht stimme ich dir vollkommen zu und mir ist klar wie schwierig oder manchmal auch unmöglich es ist sich an - manchmal utopische- Richtlinien zu halten!
Mir geht es auch mehr um das Thema Transparenz!
Wenn dem Kunden erklärt wird warum die Einhaltung gewisser Richtlinien schwierig ist, dann kann er selbst entscheiden ob das in seinen Augen besser als nichts ist. (Das ist im Übrigen meist auch meine Meinung!)
Ich fühle mich nur betrogen, wenn mir jmd. etwas verkaufen möchte was er augenscheinlich nicht bieten kann!
Bei den Biohotels kann ich allerdings wirklich nicht verstehen warum die Richtlinien so niedrig sind. Hier muß ich nochmal wiederholen, dass ich nicht verstehen kann warum diese nicht verpflichtet werden innerhalb einer Zeitspanne zumindest auf nachhaltige Umweltmanagementsysteme umzustellen??
Und du wirfst mit deiner obigen Beschreibung ja noch eine weitere Frage auf: Ist es überhaupt möglich ein Hotel zu 100% mit Bio- Lebensmitteln zu versorgen oder handelt es sich bei diesem Prädikat auch wieder um Augenwischerei??
Wie gesagt: es geht mir mehr um das Thema Transparenz, denn das ist meiner Meinung nach u.a. ein Grund warum Verbraucher auf Bio umsteigen. Weil sie vermehrt um den Produktlebenszyklus wissen möchten...
Aber leider sind natürlich bei dem Boom viele Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen worden...
ps. Du bist Händler für Bio- Spezialitäten? Hast du eine Webseite? Wie kann ich mir das vorstellen??
ja, die Webseite für unseren Großhandel heißt: http://www.berggenuss.de
Dann haben wir noch eine Seite http://www.bio-berggenuss.de
Dort gibt es eine Sammlung mit 2000 Bio-Adressen aus den Bergen und sonstige Infos über Bio-Berglandwirtschaft.
Ganz neu haben wir dieses Jahr das Thema Genusswandern aufgegriffen und zwei Reisen in Graubünden geführt.
Dort haben wir verschiedene Betriebe besichtigt, fast durchweg Bio.
Wenn Du Zeit hast, kannst Du Dir ja den PDF-Bericht durchlesen über die Reise mit den Slow Food-Mitgliedern.
In Graubünden gibt es schon reine Bio-Gastronomie. Wie gesagt, die haben eine hohe Bio-Flächendeckung, da geht das.
Unser Ziel ist es, die Webseite mit den Infos noch ausführlicher und besser geordnet zu führen.
Dann könnte ich mir vorstellen, dort auch eine Rubrik mit ausschließlicher Bio-Gastronomie / Hotellerie zu führen.
Gruß, Regina
Ich bin ziemlich betroffen über eure Diskussion. Ich habe die BIO-Hotels gegründet und betreue den Verein seither. Die Standards sind: generell Biolebensmittel in der Küche und bei den Getränken. Ausnahmen können in Einzelfällen vom Vorstand genehmigt werden - das betrifft zB Getränke in den Bar (zB Campari) oder zB einen nicht-zertifizierten Käse von einer Alm aus der Nachbarschaft. Wir reden von einigen Produkten, die ca 1.500 Artikeln gegenüber stehen, die im Hotel in Bio-Qualität beschafft werden und das über Jahre. Dazu gibt es viele Mitglieder (mehr als die Hälfte, die keinerlei Ausnahmen wollen). Hier von "Betrug" usw zu sprechen ist sehr befremdend.
Noch dazu fordern Gäste oftmals weit mehr konventionelles Angebot, als die Hoteliers bereit dazu sind (aus Überzeugung!!!).
Weil eben nicht alle Gäste gleich sind und die gleichen Wünsche haben oder gar das gleiche Angebot honorieren.
Darüber hinaus versuchen wir, in den Bereichen Zimmerkosmetik und Spa- bzw Beauty (Naturkosmetik) alle verdächtigen Produkte zu eliminieren, was angesichts der Produktqualitäten und Etikettierungen wirklich eine Herausforderung ist.
Glaubt ihr wirklich, dass es Zufall ist, dass weder eine Hotelkette (Marriott & Co) oder eine der vielen Angebotsgruppen (Wellnesshotels, Familienhotels usw) sich in diesen Bereichen überhaupt nicht engagiert?
Die Familien der BIO-Hotels haben einzigartiges geleistet in den 10 Jahren und legen jedes Jahr noch beachtliches drauf. Wer das bestreitet, hat wirklich wenig Einblick.
für www.greentravelclub.info gilt übrigens ähnliches, nur auf niedrigerem Niveau weil wir vor allem die Betriebe fördern wollen, die in Regionen sind, in denen 100% Bio undenkbar ist oder die auf dem Weg zu diesem anspruchsvollen Zustand mit ihren Unternehmen sind und eben noch Zeit brauchen. Ich kann nicht entdecken, wo wir jemanden täuschen würden.
Bin aber interessiert daran, wo ihr konkret Verdacht schöpft.
Liebe Grüße aus Tirol!
Ludwig
schön, daß Du Dich einklinkst in die Diskussion!
Ich persönlich habe keinen Verdacht geschöpft sondern habe ja geschrieben, daß mir die Schwierigkeiten bekannt sind und ich bin froh bin, um jeden der anfängt.
Ich habe große Achtung vor dem Mut und dem Durchhaltevermögen, daß nötig ist, eben weil ich einige Akteure kenne bzw. selbst einen Bio-Handel betreibe.
Curly meinte, auf Eurer Homepage steht irgendwo, die Hotels seien 100% Bio.
In dem Punkt kamen Zweifel auf.
Gruß nach Tirol,
Regina
In "echt" ist der MINDESTANSPRUCH zB im Katalog so formuliert:
Seit 10 Jahren mit Sicherheit genießen!
Mindeststandards des Vereins „Die BIO-Hotels“ für Speisen und Getränke:
Unser Ziel war es und ist es, mit den besten Lebensmitteln zu arbeiten. Alle BIO-Hotels bieten darüber hinaus zumindest ein vegetarisches Menü. Die Speisen werden handwerklich und natürlich zubereitet, deshalb werden auch keine Mikrowellengeräte eingesetzt. Grundsätzlich stammen in einem BIO-Hotel alle verwendeten Produkte aus zertifizierter, biologischer Landwirtschaft. Die Verarbeitung unterliegt der lückenlosen Bio- Kontrolle – von der Erzeugung bis zum Verzehr – nach den jeweiligen Ländergesetzen bzw. der EU-Bioverordnung sowie den Richtlinien des Vereins „Die BIO-Hotels“. Regionale Produkte, insbesondere in Biolandqualität, werden bevorzugt.
Vereinzelte Ausnahmen sind nach Genehmigung durch den Vorstand möglich. Das gilt z.B. bei wenigen Getränken, vor allem für den Barbereich, für die regionale Wildsammlung (z.B. Kräuter, Pilze) sowie für den regionalen Wildfang bzw. die Jagd. Diese konventionellen Ausnahmen sind für die Gäste deutlich sichtbar zu machen.
Stand: 1.1.2011 – aktuelle Informationen unter www.biohotels.info
Damit ist diese Gruppe einzigartig und wir haben bei keinem einzigen Hotel eine Beschwerde von Gästen vor Ort, dass Deklarationen, Ausnahmen oder Infos unbefriedigend wären. NICHT EINE.
Wenn es Beschwerden zur Produktqualität oder Zweifel gab, war innerhalb weniger Tage die Biokontrolle zur Stichprobe vor Ort und vier Betriebe wurden deshalb berechtigter Weise ausgeschlossen. Da war Betrug im Spiel und der Verein hat richtig reagiert. Alle anderen leben ihre Visionen und Überzeugungen und akzeptieren sogar die Kontrollen dazu (in den meisten Ländern freiwillig).
Insgesamt interessant: ein Biobauer wird weit kritischer begutachtet und viel schneller mit Argwohn (von schlechter Energie wie oben will ich gar nicht anfangen) konfrontiert, wie ein konventioneller.
Parallelen scheint es mit den BIO-Hotels zu geben.
Wer Fertigfood (in der Gastronomie) oder Chemie (in der Landwirtschaft) einsetzt, scheint immer unverdächtiger zu sein, wie jemand der das nicht möchte.
Die Richtlinien der BIO-Hotels sind weder utopisch (Curley) noch sind sie unrealistisch, sondern eine gewachsene Überzeugung, dass es geht, dass wir Gäste damit erfreuen und als Unternehmer ein gutes Gefühl haben.
Das wollen wir uns durch komische Gäste, die ihr Missmutpäckchen vor allem im Urlaub ausleben nicht vermiesen lassen und suchen daher vehement nach Biofans, die einfach eine feine Zeit erleben wollen ohne Erbsenzählen gegen Endorphine zu tauschen und die das Engagement und die Qualität schätzen können, weil sie es sehen, verstehen und honorieren...
Stimmt...muß auch so sein, weil er ja ein gewisses Versprechen gibt und der Verbraucher einen Vertrauensvorschub leistet, wenn er mehr für Bio zahlt, ohne wirklich kontrollieren zu können, ob seine Hoffnung auf ein besseres Produkt auch wirklich erfüllt wird.
Und so ist das bei Euren BIO-Hotels eben auch.
Ich betone noch mal, ich selbst finde das Konzept super und die Richtlinien ausreichend.
Ich wäre nur vorsichtig mit dem Begriff 100%, solange es nur 98% sind.
Vielleicht bin ich tatsächlich ein Erbsenzähler geworden.
Puh...jetzt Urlaub in einem schönen BIO-Hotel im Schnee, das wäres...;-)
Schönen Nachmittag!
Ludwig
Ich bin Bio Überzeugungstäterin und koche seit 25 Jahren mit Bioprodukten, seit ca 1991 ausschließlich. Es gibt aber ein paar Produkte, die sind nicht biozertifizierbar und die will ich aber trotzdem, wie zum Beispiel die Wildkräuter, die meine Mutter manchmal sammelt. Oder die selbstgemachte Marmelade aus Weißdorn, Schlehe, Kornelkirsche. Wildsammlungen können nur sehr schwer zertifiziert werden und Fleisch von Wildtieren nur dann, wenn sie eingesperrt werden und damit kontrolliert werden kann, was das Tier gefressen hat.
Für die Pflanzen ist es möglich mit hohem Aufwand eine Zertifizierung zu beantragen, bestimmte Bäume auf Karten einzutragen, 3 Jahre zu warten bis die "Umstellungszeit" vorbei ist und hoffen, dass in der Zwischenzeit keiner die Bäume fällt, beim Fleisch geht das gar nicht und meiner Meinung nach leben Tiere am besten in Freiheit. Auf diese Produkte habe ich in den letzten Jahren verzichtet, aber es tut mir leid darum, so dass ich wahrscheinlich näxtes Jahr wieder Ausnahmen beantragen werde.
Was den Biowareneinsatz anbetrifft, ja, es ist möglich 100 % zu arbeiten. Wir können nicht starre Speisekarten machen, sondern müssen mal flexibel mit den Lieferungen umgehen - bei uns gibt es eh Buffets, da ich aus der Landwirtschaft komme und das Problem gut kenne.
Das heißt aber für die Kunden auch ich bekomme nicht immer genau das, was ich will, wann ich will, denn wir passen uns der Natur an und nicht sie uns.
Was die Kollegen anbetrifft, so möchte ich einfach sagen, schaut sie Euch an, nehmt Kontakt auf, ich bin froh und stolz, mit diesen Menschen gemeinsam in einem Verein zu sein, in dem Menschen ihre ganze wirtschaftliche Existenz unter ökologische Prämissen stellen. Und wenn da mal was daneben geht, kommt es mir darauf an zu wissen warum. War es Betrug oder ein Versehen oder Unfähigkeit mit der Bürokratie umzugehen? Und ja, wir haben auch schon Häuser abgestraft wegen Einsatzes konventioneller Lebensmittel, denn unser Ruf und der ehrliche Wunsch, so ökologisch wie möglich auf dem Tisch zu sein ist uns wichtig und wer das nicht einhält hat im Verein nichts zu suchen.
Was die Umweltmanagementregeln anbetrifft, ja, wir sind nicht perfekt und haben auch nicht für alles eine Lösung. Und es gibt Häuser, die sind baubiologisch federführend, Häuser, die sind sozial ganz vorne dran, Häuser die energiepolitisch supergut sind und Neueinsteiger, die all das noch nicht sind. Aber ich freue mich über jeden der anfängt und wir entwickeln weiter, ich bin gespannt, was wird.
Dir Ludwig bin ich sehr dankbar für Deine gute Betreuung unseres Vereins und wünsche Dir mit dem green travel club alles Gute, denn ich will, dass wir mehr werden, mehr 100% ige, aber auch mehr Einsteiger !
ich habe leider zur Zeit keine Zeit mich an dieser Gesprächsrunde zu beteiligen, werde aber definitiv noch fundierter zu deinen Angriffen Stellung nehmen.
Ich möchte an dieser Stelle nur kurz zum Ausdruck bringen wie schockiert ich darüber bin in welcher Form du mit kritischen Verbrauchern umgehst. Einen Verbraucher, der nachfragt, hier als Erbsenzähler zu bezeichnen finde ich a) eine Frechheit und b) auch nicht klug in Bezug auf den generellen Umgang mit Kunden und im besonderen im Bereich von Social Media.
MFG, Corinna Lettini
Das tut mir leid, wenn du dich angegriffen fühlst. Ich sehe aber weder Fragen an mich im laufenden Thread, noch dass ich Verbraucher bzw Gäste angegriffen hätte. Lass uns einmal drüber reden, wenn du Zeit dazu hast.
Zu imanoli: uns war wichtig, dass auch Biolebensmittel eine Rolle spielen, weil wir von der Biolandwirtschaft überzeugt sind. II. wollen wir Atomstrom kategorisch ausschließen. Beides ist in fast allen Umweltzeichen zu wenig vertreten. Weiters war uns wichtig, dass unsere Zertifizierung (http://www.e-h-c.info) auch kontrolliert wird. Deshalb spannen wir diesen Anspruch mit der gesetzlichen Biokontrolle zusammen und kriegen so ein dichteres System. Reicht das als Antwort?
OK, besten Dank! Dann geht ehc noch wesentlich weiter! Ist somit wohl eher für den deutschen bzw europäischen Markt gedacht, oder?
Mit ehc könnte das gehen - wir müssen das aber erst in diesen Regionen umsetzen. Wir sind dran!
Ich kann aber auch Corinna gut verstehen, wenn sie sagt, wir brauchen mehr Transparenz, denn man kann nicht beliebig viele Abstufungen mit Zertifikaten abdecken, damit für jeden Anspruch was passendes dabei ist. Man kann sich nur eine begrenzte Anzahl an vertrauenswürdigen Zertifikaten merken. Wenn man nun aber in einer Region mehrere Hotels mit gleichem Zertifikat zur Auswahl hat, würde es den Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen helfen, wenn mehr Details zu den Hotels vergleichbar aufgelistet würden. Z.B. welche nur die Mindeststandards für dieses Zertifikat erfüllen, welche deutlich ambitionierter sind und bei welchen viele Ausnahmen gemacht werden (mit Begründung). Oder vielleicht auch welche Verbesserungen und Fortschritte die einzelnen Hotels in den letzten Jahren gemacht haben. Eine hohe Transparenz führt auch zu mehr Wettbewerb und einer schnelleren Entwicklung. Wenn ein Hotel in einer bestimmten Region z.B. anfängt Bettwäsche aus Biobaumwolle einzuführen und das auf der Vergleichswebseite als Übertreffen der Mindestanforderung des Zertifikats aufgelistet wird, würden vielleicht andere Hotels auch schneller nachziehen und es nachmachen.
Ein Zertifikat stellt die Gemeinsamkeiten bestimmter Hotels heraus, einen kleinstern gemeinsamen Nenner so zu sagen. Um einem mündigen Bürger allerdings eine Auswahl zu ermöglichen, was einen Wettbewerb bzw. schnelle Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit schafft, bedarf es auch einer Herausstellung von Unterschieden. Und dafür braucht man Transparenz und eine vergleichende Gegenüberstellung, so dass man sieht welche Hotels die Mindeststandards in welcher Hinsicht übertreffen.
Folgende Informationen könnten einfach kontrolliert und verglichen werden: Anzahl der Mitarbeiter und Zimmer, Mindest- sowie Höchstgehalt und durchschnittliche Arbeitszeit der Mitarbeiter, CO2-Emission, Wasserverbrauch und Abfallmenge jeweils pro Hotelgast, Anteil an Biolebensmitteln und vegetarischer Kost, Biobettwäsche, Biowaschmittel
Diese Angaben könnten auf freiwilliger Basis erhoben werden. Der mündige Kunde kann dann ganz nach seinem persönlichen Anspruch ein Hotel auswählen das z.B. viele Angaben macht oder eines das wenige oder keine zusätzlichen Angaben macht und nur die Mindestanforderungen des Zertifikats erfüllt und dafür vielleicht günstiger ist oder mehr Wellness verspricht.
Genau das ist es was ich ausdrücken wollte und ich denke den Wunsch nach Transparenz und Ehrlichkeit kann ein UN dem Verbraucher nicht absprechen!
Der Wunsch nach Transparenz ist absolut in unserem Sinne! Die BIO-Hotels versprechen Bioqualität bei Speis und Trank und neuerdings Naturkosmetik. Nicht mehr und nicht weniger. Deine Worte oben waren:
"Ich fühle mich nur betrogen, wenn mir jmd. etwas verkaufen möchte was er augenscheinlich nicht bieten kann!
Bei den Biohotels kann ich allerdings wirklich nicht verstehen warum die Richtlinien so niedrig sind."
und das hat mich betroffen gemacht.
Ich weiß nicht, was die BIO-Hotels versprechen und nicht halten sollten und zweitens, was an dem Anspruch des Vereins so "niedrig" sein soll, wenn es auf der ganzen Welt keine weitere Gruppe gibt, die ähnliches einzuhalten bereit ist.
Dein Argument "Ehrlichkeit" lässt ja nicht drauf schließen, dass du das so erkennst....
"Ansprechen" können wir alles, nur richtig und nicht verdreht bitte!
tut mir leid, dass ich wieder einmal so lange gebraucht habe, um Stellung zu nehmen. Für ein fundiertes Kommentar nehme ich mir gerne Zeit- die habe ich nur leider selten.
Ich möchte doch ausdrücklich klarstellen, dass ich hier nichts verdrehe, sondern nur kritisch Eure Marketinginhalte hinterfrage!!!
Ich habe Anstoß an dem 100% Bio Slogan genommen den ich vor einigen Monaten noch auf Eurer Website unter : http://www.biohotels.info/de/ueber-uns/ finden konnte (s.o.)- dieser ist allerdings mittlerweile verschwunden.
Vielleicht ein Zeichen dafür, dass Verteidigungen gegenüber Kunden "die alles verdrehen" zu anstrengend geworden ist??
Um es noch einmal festzuhalten:
Ich finde Eure generelle Bestrebung gut!!! JEDOCH
bin ich auch ein sehr kritischer Verbraucher und z. B. als Argument heranzuziehen, dass die anderen Ketten/ Hotels keinerlei Bemühungen in Richtung Bio unterehmen ist für mich kein Argument!
Ich finde eine Diskussion mühsam, in der eine Partei vom eigentlichen Problem abweicht und eine generelle Verteidigungsstellung einnimmt und letzlich nicht auf die Kritikpunkte eingeht.
Als es z.b. um die 100% Bio Diskussion ging hast du das Folgende als Antwort gepostet:
"Ja Regina du hast Recht: auf http://www.biohotels.info/de/ueber-uns/ steht "100% Bio - das Leben pur genießen". Das ist unser Vision und sie ist überall dort lückenlos erreicht, wo es keine triftigen Gründe + Ausnahmegenehmigung des Vereinsvorstandes + Absprache mit der Biokontrollstelle gibt."
Dies mag eine gute Begründung sein, aber können wir uns darauf einigen, dass es eine Blendung des Verbrauchers darstellt mit 100% Bio zu werben, wenn du einen Dreizeiler brauchst,um die gesamten "Nebenwirkungen" zu beschreiben?
Weiter geht es beim Auszug der Mindestansprüche im Katalog die Du gepostet hast:
"Grundsätzlich stammen in einem BIO-Hotel alle verwendeten Produkte aus zertifizierter, biologischer Landwirtschaft. Die Verarbeitung unterliegt der lückenlosen Bio- Kontrolle – von der Erzeugung bis zum Verzehr – nach den jeweiligen Ländergesetzen bzw. der EU-Bioverordnung sowie den Richtlinien des Vereins „Die BIO-Hotels“. Regionale Produkte, insbesondere in Biolandqualität, werden bevorzugt."
Waurm wird hier von "alle verwendeten Produkte" gesprochen, wenn sich der Anteil- wie ja im Intereview steht- auf 50% beschränkt??
Ich freue mich auf eine Antwort von Dir in der Du nicht großzügig abschweifst sondern zu den zwei oben genannten Punkten Stellung beziehst!
Ps. Als Argumente gelten nicht: "Wir sind wenigstens besser als die anderen (=Konsenz einer deiner oben stehenden Antworten)" oder Erklärungen, dass es schwer ist 100% Bio zu schaffen, denn das ist mir klar und darum geht es mir in dieser Diskussion auch überhaupt NICHT.
Pps.: Unklug finde ich auch sich negativ über die kritische Haltung der Verbraucher zu äußern wie hier bei einer deiner Antworten: "Insgesamt interessant: ein Biobauer wird weit kritischer begutachtet und viel schneller mit Argwohn (von schlechter Energie wie oben will ich gar nicht anfangen) konfrontiert, wie ein konventioneller.
Parallelen scheint es mit den BIO-Hotels zu geben.
Wer Fertigfood (in der Gastronomie) oder Chemie (in der Landwirtschaft) einsetzt, scheint immer unverdächtiger zu sein, wie jemand der das nicht möchte."
Und eine ganz schlechte Idee ist es so zu reagieren wie hier:
"Die Richtlinien der BIO-Hotels sind weder utopisch (Curley) noch sind sie unrealistisch, sondern eine gewachsene Überzeugung, dass es geht, dass wir Gäste damit erfreuen und als Unternehmer ein gutes Gefühl haben.
Das wollen wir uns durch komische Gäste, die ihr Missmutpäckchen vor allem im Urlaub ausleben nicht vermiesen lassen und suchen daher vehement nach Biofans, die einfach eine feine Zeit erleben wollen ohne Erbsenzählen gegen Endorphine zu tauschen und die das Engagement und die Qualität schätzen können, weil sie es sehen, verstehen und honorieren... "