Mein ökorrekter Bio-Einkauf

Mein ökorrekter Bio-Einkauf - worum geht's?

Bio gibt ein gutes Gefühl. Man steuert seinen Einkaufswagen im Bewusstsein durch den Supermarkt, sich besser zu ernähren und die Kassen der richtigen Produzenten und Hersteller zu füllen. Seit die großen Discounter und Lebensmittelkonzerne aber gemerkt haben, dass sich mit den Bio- und Fair-Trade-Prädikaten Geld verdienen lässt, ist der Einkauf unübersichtlicher geworden. Es gibt mittlerweile eine verwirrend große Zahl von verschiedenen Siegeln, und sie prangen auch auf Waren, die schon vom Herstellungsaufwand zweifelhafte Biogüter sind. Und überhaupt: Nicht in jedem Fall ist ein Biolebensmittel auch wirklich besser als das konventionelle.

 

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1. Vor der Schiebetür

Bevor wir den Supermarkt betreten, haben wir uns natürlich einen Einkaufszettel gemacht. Nicht nur, um nichts zu vergessen, sondern um gleich zu überlegen, was man wirklich im Supermarkt holen muss. Auf einem Wochenmarkt bekommt man die meisten Dinge direkt von den Herstellern aus der Region. Wer ausschließlich die Anbieter aus der Umgebung mit seinem Kauf unterstützt, kann die von weit her eingeflogenen Tomaten an der Gemüsetheke liegen lassen. Auch das ist ökorrekt einkaufen.

2. Am Obstregal

Nun aber in den Supermarkt. In der Obst- und Gemüseabteilung sehen wir gleich nach, welche Produkte auch hier von regionalen Anbietern zu haben sind. Äpfel und Birnen zum Beispiel: Zwar gibt es immer wieder Behauptungen, dass ein Apfel aus Neuseeland CO2-sparender in den deutschen Supermarkt gelangen kann, als der Apfel vom Bodensee. Aber das sind reine Rechenexempel, die nur unter ganz bestimmten Umständen stimmen. Wenn etwa zwei Tonnen Äpfel aus Übersee eingeflogen werden, fällt der Co2-Austoß pro Apfel natürlich geringer aus, als wenn Bauer X einen einzigen Apfel mit seinem alten Laster zum Markt fährt. Kommt eher selten vor, deshalb immer besser zum Obst und Gemüse aus der Nachbarschaft greifen. Interessanter wird es bei der Frage: Bio-Apfel aus Neuseeland oder konventionelles Obst von nebenan? Auch hier gilt, dass der lange Transport in den meisten Fällen die Ökobilanz des Bioproduktes zunichte macht. Neuseeländer dürfen zugreifen, wir nehmen besser die Äpfel von nebenan.
Ein Vorteil der Globalisierung ist, dass man auch Obst und Gemüse in „bio“ bekommt, das hier nicht wächst: Kiwis, Mangos, Ananas, Artischocken, Süßkartoffeln oder Zuckerschoten zum Beispiel. Bio braucht Internationalität, sonst wird’s auf Dauer langweilig. Die einfache Formel lautet deshalb: Das, was hier wächst, kaufen wir auch von hier. Dafür müssen es im Winter ja nicht unbedingt Erdbeeren sein, und nicht jeden Tag Früchte aus den Tropen.

3. Am Tiefkühlschrank

Aufwändig produzierte Bio-Lebensmittel tragen ihr Siegel nur mit Abstrichen berechtigt. Denn das Prädikat Bio soll eigentlich auch berücksichtigen, wie umweltschonend der Produktionsprozess der Ware ist. Tiefkühlpizzen und Fertiggerichte werden mit hohem Energiebedarf hergestellt und müssen dann noch einmal erhitzt werden. Auch wenn sämtliche Zutaten auf der Pizza biologisch einwandfrei sind: Selber kochen ist besser als Fertigmenüs in den Ofen schieben – und meistens auch gesünder.

4. Am Kaffeeregal

Kein Supermarkt kann es sich noch leisten, nicht wenigstens eine Kaffeesorte aus fairem Handel anzubieten. Fair Trade bedeutet nicht nur angemessene Bezahlung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern, sondern beinhaltet auch umweltschonende Produktionsverfahren und Naturschutz. Außerdem werden Teile des Gewinns in die Entwicklungshilfe gesteckt. Nicht nur Kaffee, auch Bananen, Datteln, Fruchtsäfte, Schokolade, Kakao, Tee, Zucker und eine Vielzahl anderer Lebensmittel gibt es in der fair gehandelten Variante. Wie bei den Bioprodukten sind sie durch Siegel gekennzeichnet. Allerdings bedeutet Fairer Handel nicht gleich, dass es sich um ein biologisch produziertes und verarbeitetes Produkt handelt. Deshalb auch bei den Waren des Fairen Handels auf die Biosiegel achten.

5. Zu den Sonderangeboten

Auch die Billig-Discounter bieten bei Obst und Gemüse mittlerweile Bio an, und das naturgemäß sehr günstig. Doch niedrige Discountpreise bergen das Risiko, dass die Erzeugnisse nicht so in den Laden kommen, wie es für alle Beteiligten der Produktions- und Vetriebskette wünschenswert wäre. Das betrifft nicht nur die Qualität der Ware und den Produktions- und Lieferprozess, sondern auch Aspekte wie die Arbeitsbedingungen und Vergütung der Hersteller. Ohne die Discounter unter einen Generalverdacht zu stellen, sollte man das beim Einkauf von besonders günstigen Biowaren bedenken.

6. An der Fleischtheke

Qualität hat ihren Preis, und ein ganzes Hähnchen für zwei Euro kann nicht gut sein – das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Man sollte sich seine Gesundheit etwas kosten lassen: Lieber weniger Fleisch, dann aber direkt vom Biometzger. Wenn der nicht in der Nähe ist, am besten ganz verzichten – nicht nur dem eigenen Wohlbefinden zuliebe, sondern auch, weil man der Industrie durch Nichtkauf am einfachsten und effektivsten signalisiert, was man nicht will.
Die Fleischproduktion beansprucht besonders viele Ressourcen. Weniger Fleischkonsum bedeutet auch eine Entlastung für die Umwelt. Wenn es aber gar nicht anders geht, dann vergewissern Sie sich beim abgepackten Fleisch, das es aus der Region stammt – und versuchen Sie, die Finger von den „Billigbillig!“-Angeboten zu lassen, auch wenn es nur für die Suppe ist. Billiges Fleisch ist nicht umsonst billig. Hier ein kleiner Appetitanreger: Mariniertes Grillfleisch oder stark vorgewürzte Tiefkühlware (Giros, Cevapcici, etc.) ist oft altes Fleisch im neuen Gewand. Das deutsche Lebensmittelgesetz erlaubt es Produzenten, bereits unverkäufliche Ware entsprechend aufbereitet wieder in den Handel zu geben. Mjam, mjam.

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  • copyflat
    schrieb am 12.02.2009 um 21:53


    Wieso gehst Du in einen Supermarkt?



    Hast Du nicht den saisonalen Kalender von http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/downloads/saisonkalender.pdf und den Luxus eines Öko-Regional-Bauer-Lieferservices?
    Brodowin




  • Victor Hahn
    schrieb am 04.12.2008 um 19:54
    In grossen und ganzen finde ich den Beitrag ganz gut, wenn auch etwas subjektiv angehaucht.

    Aber bitte Herr Schweissfurth, jetzt machen Sie doch endlich einmal mit dem Mythos Flugware Schluss. Wenn Ananas und Mangos wirklich alle per Flugzeug transportiert würden, könnten wir uns das wohl kaum bezahlen. Die kommmen in der Regel mit dem Schiff. (Das allerdings wertvolleres und leichter verderbliches Obst, wie zum Beispiel Himbeeren per Flugzeug transportiert werden, kann ich an dieser Stelle nur bestätigen).

    Liebe Utopisten, bitte nicht alles glauben was gesagt wird. Lasst uns unseren (hoffentlich) gesunden Menschenverstand gebrauchen und Meinungen (die eventuell als Tatsachen dargestellt werden) hinterfragen.
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