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Im Interview

"Man baut sich ja keine alte Kamelle"



Ein Haus, das zu hundert Prozent über Solarenergie versorgt wird – warum gibt es das erst jetzt?
Das erste 100-Prozenthaus wurde in Deutschland schon 2001 fertig gestellt: das Naturpark-Informationshaus in Zwiesel. Danach folgte das 100-Prozent-Sonnenhaus Lehner in Regensburg sowie im vergangenen Jahr das erste 100-Prozent-Mehrfamilienhaus in der Schweiz.

Aber auch 2001 ist noch nicht lange her...
Letztlich gibt es noch nicht ausreichend Vertrauen in die Technik, die eine vollständige Versorgung durch Solarenergie bewerkstelligen kann. Das liegt zum einen an der Solarbranche, die eine Versorgung von mehr als 20 bis 30 Prozent der Energie durch die Sonne ausschließt. Aber es liegt auch an den Medien, bei denen die Botschaft nicht angekommen ist, dass es jetzt schon mit den Techniken, die auf dem Markt sind, funktioniert.

Dann schließen wir jetzt die Bildungslücke. Wie funktioniert das 100-Prozenthaus?
Die Idee des Hauses ist, so sparsam wie möglich mit Energie umzugehen. Dazu braucht es eine gute Wärmedämmung, mindestens nach KfW-40-Standard. Bei einem 100-Prozenthaus ist die Dämmung noch höher, fast so hoch wie bei einem Passivhaus. Wir haben zudem größere Kollektorflächen und größere Speicher als bei einem normalen Sonnenhaus. Der Restbedarf wird zu mehr als fünfzig Prozent durch Solarenenergie abgedeckt. Diese Restenergie wird aus erneuerbarer Energie gespeist.

Dann ist ein 100-Prozenthaus eher ein 50-Prozenthaus?
Die Speerspitze ist das 100-Prozenthaus. In der Regel erreichen wir mit unseren Sonnenhäusern eine solare Deckung von 60 bis 70 Prozent. Das ist deshalb so, weil sich viele Bewohner noch eine klassische Feuerstelle, also zum Beispiel einen Kachelofen wünschen.

Dann ist das 100-Prozenthaus also eine Ausnahme...
Wer leistet sich im normalen Leben die Formel 1? Das 100-Prozenthaus ist wie gesagt die Speerspitze. Wenn man als Bauherr jedoch nach vorne schaut und jetzt schon die Preisentwicklung auf dem Energiemarkt beobachtet, wird man sich über kurz oder lang nach einer Alternative zum normalen Bauen umsehen müssen. Man baut sich ja keine alte Kamelle. Zudem bietet das Sonnenhaus die größtmögliche Unabhängigkeit von Energiekrisen.

Apropos Krise: Was passiert eigentlich, wenn die Sonne nicht scheint?
Dann passiert folgendes: Sie lehnen sich zurück, fühlen sich wohl und genießen die Sonnenenergie. Für jedes Haus wird ein individueller Speicher errechnet, der das Haus auch an sonnenfreien Tagen versorgt.

Das Sonnenhaus ist ein Fortschritt für klimafreundliches Bauen – was tun Sie
dafür, dass dieses Konzept möglichst viele Nachahmer findet?

Wir haben da verschiedene Aktionen. Es gibt immer wieder Schulungsseminare für Architekten, Energieberater und Handwerker. Außerdem gehen wir direkt an die Bauherren. Wir wollen den Markt anschieben und gleichzeitig stimulieren.

Ich hätte gerne ein Solarhaus oder möchte Solarenergie nutzen - was muss ich tun, an wen kann ich mich wenden?
Am besten informieren Sie sich regional: Gibt es schon Beispiele in Ihrer Region? Gibt es schon geschulte Architekten oder Handwerker in Ihrer Region? Und wenn dem nicht so ist, kommen Sie zu uns oder auf unsere Webseite, wir informieren unabhängig und produktneutral.


Foto: privat

Peter Rubeck, Geschäftsführer
am Sonnenhaus-Institut in Schleching www.sonnenhaus-institut.de

 

Stand: 22.05.2008 von

Kommentare (3)   abonnieren

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    schrieb am 22.05.2008 um 00:53
    ist bei Neubauten unsere absolute Empfehlung. Es lohnt sich schon bei den heutigen Energiepreisen sogar finanziell, vom nicht bezifferten Klimabonus mal abgesehen. In Rheinland-Pfalz wird das Energiegewinnhaus sogar speziell gefördert.
    Wir versuchen jeden Kunden davon zu überzeugen! Schauen Sie mal rein: http://www.objektraum.com
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    schrieb am 22.05.2008 um 11:45
    Das Heliotrop von Herrn Diesch in Freiburg ist bereits Anfang der 90er Jahre entstanden. Mit einem Gesamtkonzept, das den hier beschriebenen Häusern wahrscheinlich noch weit voraus ist. KfW40-Häuser mit Solaranlagen und großen Speichern als neu zu verkaufen ist Greenwashing - und die Redaktion ist auch noch darauf hereingefallen. Aber, besser so gebaut als konventionell mit Öl- oder Gasbrenner!
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    schrieb am 22.05.2008 um 22:46
    Ich bin doch sehr versucht zu behaupten dass hier das Prädikat "Greenwashing" in keinster Weise angebracht ist! Hier versucht meinem Empfinden nach niemand sich ein "Grünes Mäntelchen" umzuhängen und wenn doch dann wohl eher um die durch und durch grüne Seele zu betonen.
    Sollte das Heliotrop ebenfalls ein 100% Haus sein dann sind die, vermutlich etwas massenkompatibleren Häuser welche Herr Rubeck populär machen will doch trotzdem ein unterstützenswertes Projekt, oder?

    gruss Jonas
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