Emotion statt Intellekt
8Von der populären Wissenschaftlerin zur Aktivistin: Die 76-jährige... mehr
Herr Smid, Al Gore sagt, um die Welt vor dem Klimawandel zu retten, gibt es eine einfache Lösung: "Put a price on carbon" - was bedeutet das eigentlich?
Karsten Smid: Das bedeutet, dass die Kosten für einen CO2-Ausstoss dem angelastet werden, der sie verursacht. Das ist das Verursacherprinzip. In den USA ist das eine andere Sache als in Europa, hier haben wir schon den Emissionshandel. Seit 2005 werden die energieintensiven Unternehmen verpflichtet, CO2 Zertifikate für ihren Schadstoffausstoß vorzuweisen. Ein Unternehmen wie zum Beispiel RWE verursacht pro Jahr 150 Millionen Tonnen CO2 und muss dementsprechend Zertifikate zukaufen. Einen Preis für CO2 gibt es dann auch; er wird an der Leipziger Strombörse gehandelt und liegt aktuell bei 25 Euro pro Tonne.
Was halten Sie denn vom Emissionshandel?
In der Theorie halte ich den Zertifikatshandel für richtig und sinnvoll. Wir Umweltverbände unterstützen das Verursacherprinzip. Allerdings gibt es Probleme in der Praxis. In der ersten Phase des Emissionshandels, die seit 2005 läuft, wurden die Zertifikate kostenlos zugeteilt. Die Zertifikate für die deutsche Energieindustrie wurden mit 10 Milliarden Euro pro Jahr mit Steuermitteln subventioniert. Die Energiekonzerne waren aber so dreist, die vollen Kosten an den Verbraucher weiterzugeben. Da wurden erhebliche Fehler gemacht.
Welche Fehler waren das?
Erstens: Die Menge der zugeteilten Zertifikate war zu hoch. Es konnte sich kein realer Preis bilden. Zweitens: Die kostenlose Zuteilung; die Zertifikate wurden nicht versteigert. Die Kosten wurden nicht dem Verursacher angelastet. Drittens: Die Fehllenkung. Diejenigen, die am meisten CO2 in die Luft pusten, haben kostenlos am meisten Zertifikate erhalten. Das ist nicht im Sinne des Erfinders.
Wie sieht ein idealer Emissionshandel aus?
Eine Versteigerung zu 100 Prozent. Die Zuteilung mit Zertifikaten muss in den kommenden Jahren zudem deutlich reduziert werden. Erst so wird das Instrument des Emissionshandels zum Klimaschutzinstrument. Und es darf keine Sonderregelungen wie jetzt für Kohlekraftwerke geben.
Wäre es nicht auch sinnvoll, alle Waren mit einem CO2-Preis zu versehen, um so das Kaufverhalten zu steuern?
Man sollte sich keinen falschen Illusionen hingeben: Der Hauptausstoß an CO2 wird von den energieintensiven Branchen wie die Energiewirtschaft verursacht. Also sollen diese auch dafür zahlen. Wenn es sich letztlich auch auf die Verbraucherpreise auswirkt und klimafreundliche Stromlieferanten damit im Vorteil sind, habe ich nichts dagegen.
Karsten Smid ist Öl- und Klima-Experte
bei Greenpeace Deutschland.
Foto: © Karsten Smid / Greenpeace
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Kommentare (8)
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jonathangauss
ambitionierter Student
jonathangauss
schrieb am 28.07.2008 um 22:191. auf das EU Ziel von max 2°C Erwärmung ausgelegt ist
2. die Zertifikate bis 2020 KOMPLETT per Auktion gehandelt werden sollen - so wie es Karsten Schmid vorschlägt.
Außerdem - wer den Klimawandel leugnet, verkennt wohl die Empirie. Die Forschergemeindschaft ist sich sehr einig in dieser Frage - nur über die Auswirkungen und die "richtige" Strategie wird noch debatiert.
Und zu den Ergebnissen des PIK - in der Wissenschaft gibt es immer einen Diskurs.
anonym
anonym
schrieb am 25.07.2008 um 00:31Was den Klimawandel angeht, will ich mal ein paar Fragen in die Runde werfen. Selbst wenn der Klimawandel nicht existiert, was spricht dagegen, die damit verbundenen Maßnahmen umzusetzen? Was spricht dagegen energetisch unabhängiger zu werden? Spricht irgendetwas dagegen seine Bedürfnisse und seinen Lifestyle zu überdenken?
Nach Kontradieff entwickelt sich die Wirtschaft in einer ansteigenden Wellenform. Jeder Boom entsteht nach seiner Theorie mit der Durchsetzung einer Innovation in der Gesellschaft. Schaut euch die Lage doch mal an: Unser Kapitalismusmonster braucht neues Futter, wir dümpeln gerade rum! Egal wie künstlich der nächste Boom ist, aber warum nicht zugunsten der Natur?
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