Die Haptik der Zunge
Bei Zeitschriften oder Büchern fühlt der Leser Unterschiede in der Papieroberfläche oder dem –gewicht, oder ob es sich um einen E-Book-Reader handelt. Diese Haptik, die neben der Optik ein Produkt attraktiv macht, gibt es auch für den Mund: Die Konsistenz von Lebensmitteln entscheidet neben dem reinen Geschmack darüber, ob dem Gourmet die Möhre mundet, oder ob er sie als „zerkocht“, „matschig“ oder „hart“ beiseiteschiebt.
In Fertigprodukten wiederum helfen Verdickungsmittel dabei, den Joghurt nicht zu wässrig, die Sahne durchgehend sämig oder den fettreduzierten Frischkäse vollmundig zu halten. Andere halten Kuchenfüllungen feucht oder machen Backwaren knuspriger. Von natürlichen Stoffen wie Pektin (E 440), Johannisbrotkern- (E 410) oder Guarkernmehl (E 412) reicht die Palette bis zu künstlichen Mitteln wie Hydroxypropyldistärkephosphat (E 1442) oder Acetyliertes Distärkeadipat (E 1422).
Das Deutsche Zusatzstoffmuseum nennt insgesamt 31 dieser kleinen Helfer, deren Einsatz insbesondere dann fragwürdig wird, wenn ohne großen Aufwand auf sie verzichtet werden kann. Das war zum Beispiel bei der Bio-Bio-Schlagsahne des Unternehmens Plus der Fall, wie die Verbraucherorganisation foodwatch Anfang 2010 verkündete: Auf die Kritik, das auch in Produkten mit dem EU-Biosiegel erlaubte Verdickungsmittel Carragen (E 407) einzusetzen, reagierte der Discounter prompt: Auf E 407 wurde verzichtet, stattdessen die Sahne mit der Aufschrift „Vor dem Öffnen gut schütteln“ versehen. Der Effekt – gleichmäßig verteiltes Milchfett – ist derselbe. Das Beispiel zeigt, dass Zusatzstoffe den Herstellern nicht einmal immer finanzielle Vorteile verschaffen, vielmehr sind sie auch an Orten zu finden, wo sie ohne spürbaren Nutzen nur Kosten verursachen.


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