Vor nicht allzu langer Zeit wurde die Milch noch bis zur Türschwelle geliefert. Zudem gab es nur eine einzige Auswahl: Vollmilch in einer wieder auffüll- und recycelbaren Flasche. Heutzutage erscheint das Milchregal im Supermarkt länger denn je - von der Qual der Wahl einmal ganz abgesehen. Biomilch als auch Sojamilch aus biologisch einwandfreiem Anbau sind definitiv die beste Wahl, doch Utopia will beide Produkte einmal etwas genauer beleuchten.
Energieverbrauch und Emissionen
Fakt ist, Kühe stoßen sehr viel auf. Und wenn sie es tun, dann emittieren sie das hoch wirksame Klimagas Methan. Im Durchschnitt produzieren Biokühe weniger Milch als Kühe aus konventioneller Haltung. Auch fressen sie mehr Ballaststoffe, was wiederum maßgeblich für das Aufstoßen verantwortlich ist. Aus diesen Gründen wird bei Biomilch zehn bis 15 Prozent mehr Methan produziert als bei konventioneller Milch.
Wer sich dennoch für eine billigere Milch-Variante entscheiden möchte, dem sei noch folgendes Argument gesagt: Biolandbau generiert wesentlich weniger klimaschädliche Gase wie Lachgas und Kohlenstoffdioxid. Global gesehen liegt er somit dennoch deutlich unter den Emissionen von konventionellen Farmen. Leider gibt es noch nicht ausreichende Studien über den Zusammenhang von Klimagasen und dem Anbau von Bio-Sojamilch, jedoch hat eine Untersuchung zu Sojamehl ergeben, dass Lachgas produziert wird, wenn die Halme der Sojapflanzen biologisch abgebaut werden. Dies ist wiederum ein großes Problem weil Lachgas 298-mal mehr klimaschädlicher ist als CO2.
Kohlenstoffdioxid spielt auch eine große Rolle in der Klimabilanz, wenn das Soja aus Südamerika stammt. Weil wichtige Ökosysteme, wie im Amazonas Becken, für den Anbau von Sojasaat gerodet und abgeholzt werden, wird bei der Sojaproduktion in Brasilien die globale Erwärmung mehr als doppelt so schnell vorangetrieben. William Laurance vom Smithsonian Tropischen Institut in Panama sagt: „Der Amazonas verliert jährlich mindestens 500.000 Hektar Regenwald an den Sojaanbau. Dies würde pro Jahr rund 100 Millionen Tonnen CO2 generieren. Global gesehen ist das enorm.“
Unterdessen, besagt eine Studie von David Pimentel, einem Umweltwissenschaftler von der Cornell Universität in Ithaca/USA, dass Bio-Soja eine der energieeffizientesten Ernten liefert. Laut ihm werden circa zehn Kilokalorien fossiler Energieträger benötigt, um eine Kalorie Biomilch Protein herzustellen, aber dagegen nur 0.72 Kalorien, um die gleiche Menge Biosoja-Protein zu produzieren. „Nach meinen Berechnungen ist Biomilch bezüglich des Energieverbrauchs schlechter für unseren Planeten als Bio-Sojamilch“, sagt Pimentel.
Land- und Wassernutzung
Kühe als auch Sojabohnen verbrauchen etwa die gleiche Fläche. Ein Hektar Land kann rund drei Tonnen Bio-Sojabohnen oder Biomilch generieren. Auf der anderen Seite verlangt eine Tonne konventioneller Kuhmilch für die Produktion nach 560.000 Litern Wasser; eine Tonne konventionell produzierter Sojabohnen benötigt dagegen vier Mal so viel. Der Gesamtwasserabdruck von Sojamilch ist jedoch wesentlich höher, da Sojabohnen mit Wasser vermischt zur Sojamilch werden.
Die schmutzige Wahrheit
Nur weil Biomilcherzeuger generell eine niedrigere CO2-Bilanz gegenüber konventionellen Erzeugern haben, heißt dies nicht, sie seien schuldlos. Wenn Kuhmist von den Melkkammern als Dünger verwendet wird, endet er zumeist im lokalen Flusssystem. Dort bietet die plötzliche Fülle an Nährstoffen Algen die Möglichkeit der massiven Ausbreitung. Die Konsequenz sind Algenplagen und Fischsterben.
Auch kann der Kuhmist die obere Erdschicht versäuern, was wiederum zu Unkrautplagen, Versalzungen als auch Grundwasserkontamination führen kann. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass die Biosojabohnenproduktion Wasser wie Erdschichten nur geringfügig beeinträchtigt. Jedoch kann die Produktion von Sojabohnen, sei sie Bio oder konventionell, durchaus zur Versäuerung der oberen Erdschicht beitragen, da die Pflanzen selbst leicht säuerlich sind.
Der Schuldspruch
Selbst wenn Sojabohnen weit mehr Wasser als Milchfarmen für die gleiche Menge an Produkt benötigen, gewinnen sie dennoch um Haares Breite, nämlich mit weniger Emissionen, niedrigerem Energieverbrauch und geringerer Verschmutzung. Jedoch gilt auch, Bio ist nicht gleich Bio. Achten Sie im Idealfall darauf, Sojamilch aus deutschem Anbau zu beziehen. Auch lässt sich mit dem Kauf einheimischer und lokaler Produkte die persönliche CO2-Bilanz minimieren. Vermeiden Sie aber tunlichst Sojamilch, die mit Bohnen aus Südamerika produziert wurde. Unser Klima wird es Ihnen danken.
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Kommentare (156)
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soja kann sehr wohl auf einer fläche in norddeutschland oder im amazonas viel besser abschneiden als kuhmilch. aber ich würde doch gerne mal ne rechnung sehen wenn das sojafeld ne neigung von 15° 30° und 45° hat.
alles schöne theoretische zahlen von irgendwelchen schönen ausgesuchten ackerflächen. realtitätsfremd und nicht fertig gedacht.
da wird der aralsee dem ackerbau geopfert, der hat mit rindern jahrtausende lang bestand gehabt, und all die vielen anderen beispiele. sicher ist rinderhaltung nicht das ernährungsziel schlechthin, aber es ist für viele flächen das einzige sinnvolle. ne gute weide bringt immer bessere erträge als ein schlechter acker. nur weil die mit ihren musteracker super ergebnisse erzielen, mit einsatz von unmengen dünger und spritzmittel, kann das kein massstab sein.
weite striche von sachsen anhalt haben sie die felsabdeckung durch humus auf 15cm herunter gewirtschaftet, sogar dort haben sie "noch" gute ergebnisse ausser es regnet mal ne woche nicht. aber es gibt ja bewässerung und noch ne ladung chemie dann wird das schon was, ansonsten springt der staat ein und verteilt grosszügig gelder. wir sind daran zu arbeiten dass auch die elbe nicht mehr in hamburg ankommt weil das wasser vorher verteilt werden muss.
eine sinnvolle verteilung von viehwirtschaft und ackerbau, auf den entsprechenden böden, ist das einzige was bestand hat, alles andere ist ne frage von jahrzehnten bis das in die hose geht. mehr weniger
Osteoporose ist kein Calcium, sondern ein Magnesiumthema.
Ich bin nicht emotional, sondern sehe es einfach auch aus einem anderen Blickwinkel.
Wenn Kühe in jeder Form der Fütterung und Haltung problematisch für das ökologische Gleichgewicht sind, warum hat die Natur sie dann erschaffen udn warum schlachten wir sie dann nicht einfach alle ab und bauen auf den Weiden Soja an?
Weder Fleischesser noch Käseesser und schon gar nicht Veganer haben mehr oder weniger gesundheitliche Probleme, wenn sie nicht auf ein Gleichgewicht in ihrer Ernährung achten.
100g Emmentaler haben 1000 mg Calcium, 100 g Tofu max. 150 mg Calcium - das mti den Allergien und Lactoseintoleranz: ich habe andere Erfahrungen in meiner Praxis gemacht. Lactoseintoleranz ist ein Enzymdefekt oder Mangel (geht also vom Verdauungssystem aus - vorzugsweise Leber und Ileum), eine Allergie ist eine REaktion des Immunsystems auf Fremdeiweiß (in dem Fall Kuhmilcheiweiß) und beide Symptomkomplexe kann man wunderbar schulmedizinisch differenzieren (auch naturheilkundlich). Dann dürften die Menschen mit Lactosintoleranz auch ökologisch bedenklich sein, denn sie sondern in ihren reaktiven Zeiten auch ganz schön viel CO2 über ihren Darm ab... für mich ist Soja - alleine nährstofftechnisch betrachtet - kein vollwertiger ERsatz für Milchprodukte, aber wer es mag und verträgt, kann es in die Ernährung einbauen. Fleisch kann durch Vollwertgetreide ersetzt werden, aber Hülsenfrüchte alleine genossen können weder das hochwertige Eiweiß von Fleisch, von Milch und von Eiern ersetzen. Man müsste Hüfrü immer mit anderen Pflanzlichen Eiweißquellen kombinieren, um eine hohe biologische WErtigkeit zu erzielen. Ich hab auch 2 Jahre vegan gelebt, und bin seit über 20 Jahren Vegetarierin... wie schaut es denn mit Ziegen aus? Ziegenmilch kommt der Muttermilch am Ähnlichsten - sind Ziegen auch ökologisch bedenklich? Und Schafe? Sind nicht den meisten Sojaplantagen ABschnitte vom Regenwald zum Opfer gefallen? Was ist mit GEnsoja? Stell Dir vor, alle Menschen, die zurzeit Milchprodukte verzehren, steigen auf Soja oder Reismilch oder anderen "Ersatz" um... Ich hab nicht Naturwissenschaft studiert, aber ich hab ein bisserl Hausverstand und durch meine Ausbildungen auch ein wenig Einblick bekommen... zur GEsundheit der Veganer: ich hab Studien gelesen, dass Veganer mehr Herzinfarkte haben und erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko (durch mögliche Unterversorgung an Vit. D und Eisen) - LGH mehr weniger
Meidet Deine vegetarische Mutter denn Kuhmilch und warum?
(weil Du schreibst, sie sei Vegetarierin und hat eine Sojaallergie - wie zeigt sich diese übrigens? Wenn Du mir antworten magst)
LG Heidi
ja, sicher gibts Getreidemilch - aber warum wird die Kuhmilch immer so schlecht dargestellt?
Wir müssen sie ja nicht literweise runterwürgen, aber gute BIO Kuhmilch mit Heufütterung hat doch wertvolle Nährstoffe, die weder Soja- noch Hafer- noch Dinkelmilch oder Reismilch ersetzen können. Ein gesunder MItteleuropäer kann in moderaten Mengen Kuhmilchprodukte verzehren.
Eure Diskussion über CO2 Emission und Regenwaldrodung verstehe ich, bin da auch ganz bei Euch, aber ich sehe das ganze halt auch als Krankenschwester und Gesundheitsberaterin. Und was haben wir ökologisch davon, wenn alle Welt Kuhmilch meidet, weil Rinder angeblich mehr CO2 abstoßen (durch ihre Blähungen - würden die Bauern nicht vor vielen Jahren den Klee auszurotten versucht haben, würde das CO2 in den Gedärmen der Kühe besser gebunden, und würde man den Kühen nicht die Hörner abschneiden, würden sie auch ein ganz normaler Anteil der Natur sein), wenn wir Europäer Soja und Reismilch trinken, Tofu statt wertvollem Käse, der Calcium liefert (was der Tofu nur viel geringer anteilig hat)... der Mensch steht nun mal am Ende der Nahrungskette (GOtt sei Dank :) gibts keine Kannibalen in Ö und D)
Natürlich sinkt die Hochwassergefahr, wenn die Böden nicht so invasiv bearbeitet würden usw.
Ich bin voll dafür, dass wir das Leben mehr genießen, und wer KUhmilch mag, soll sie konsumieren und BIO Bauern fördern oder sich von mir aus eine eigene Kuh aus Muttertierhaltung zulegen :) - wer ist noch dafür? Heidi mehr weniger