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Tipp für Einsteiger

Fragen und Antworten für grüne Geldanleger



1. Zu welchem Institut soll ich gehen?

Wenn es um Sparprodukte und Festgelder oder Ähnliches geht, gibt es neben den beiden großen „Alternativbanken“ GLS Gemeinschaftsbank eG und UmweltBank AG, die bereits Milliardengröße erreicht haben, noch zwei kleinere Institute, die Steyler Bank GmbH („Missionssparen“) und die „Ethikbank“, die keine eigenständige Bank, sondern die Filiale einer Volksbank ist. Nicht alle dieser Banken vermitteln auch Investmentfonds bzw. können Börsengeschäfte (Aktien etc.) abwickeln. Den Kauf solcher Fonds oder Aktien kann man – wenn man weiß, was man will – auch über seine Hausbank oder (spesengünstiger) über so genannte Diskontbanken durchführen lassen, bei denen nicht der volle Ausgabeaufschlag bzw. günstigere Transaktionsgebühren verrechnet werden.

2. Kann ich das Konto bei meiner alten Bank behalten, wenn ich eine Umweltbank mit meiner Altersvorsorge betraue?

Ja – die alternativen Banken verstehen sich ohnehin meist als „Zweitbank“ und sind oft froh, wenn sie keine Arbeit mit Lohn- oder Girokonten haben.

rüstung atom

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Welche Anlagemöglichkeiten soll ich ausschließen?
Waffen- und Rüstungsindustrie, Krieg führende Staaten, Atomkraft, auch Alkohol, Tabak und Tierversuche sind zu vermeiden.

4. Wie kann ich darauf überhaupt Einfluss haben?
Entweder man sucht sich einen Investmentfonds aus, der genau diese „Negativkriterien“ - oder noch ein paar mehr - bei der Auswahl seiner Aktien bzw. festverzinslichen Papiere beachtet (bleibt noch das Restrisiko, dass so ein Fonds in Einzelfällen dies nicht einhält). Oder man prüft vor jedem Einzelinvestment das betreffende Unternehmen, in das man investieren will, selbst auf Herz und Nieren, was in der Regel sehr zeitaufwändig ist.

5. Gibt es auch eine „grüne“ Riester-Rente oder einen Bausparvertrag?
Im Bereich der Riester-Renten gibt es – z.B. von der Oeco Capital Lebensversicherung (Hannover) – auch mehrere „grüne“ Varianten, bei den Bausparverträgen nicht.

6. Wie finde ich einen guten Berater, und woran erkenne ich ihn überhaupt?
Es gibt in Deutschland neben den „Alternativbanken“ mehr als 50 Berater(firmen) die sich auf grüne Investments spezialisiert haben, eine Übersicht dazu (mit Kontaktdaten/Internet) findet sich im Jahrbuch „Grünes Geld“, Kapitel Finanzdienstleister. Allerdings ist für den Laien auf den ersten Blick meist nicht erkennbar, wie gut die Beratungsqualität ist. Viele leben von Provisionen der vermittelten Produkte, andere bieten eine Beratung gegen ein Stundenhonorar an, kaum einer empfiehlt z.B. einzelne Aktien, sondern großteils nur bestimmte Fonds oder andere Produkte, mit denen – für den Berater – mehr zu verdienen ist. Ein Patentrezept, wie man einen guten Berater finden kann, gibt es leider nicht: Am besten man vergleicht zuerst einmal mehrere, bevor man sich entscheidet.

7. Was sind die wichtigsten Punkte, über die ich mit dem Berater sprechen soll?
Neben den eigenen Bedürfnissen (Laufzeit, Risikoneigung, Zweck, Verfügbarkeit des Geldes etc.) und Ansprüchen (Kriterien, wo - und wo nicht - das Geld eingesetzt werden soll) sollte man sich auch alle Gebühren, Honorare und das Kleingedruckte erklären lassen. Gängige Gebühren sind z.B. die Ausgabeaufschläge von Investmentfonds, die bis zu 5% der veranlagten Summe betragen können, aber auch die „unsichtbaren“ Gebühren wie z.B. die jährlichen Fonds-Managementgebühren (z.B. 2%), die automatisch vom Wert des Fondsanteils abgezogen werden, können ins Gewicht fallen, vor allem in Zeiten, in denen auf den Aktienmärkten ohnehin kaum positive Renditen zu erzielen sind. Damit man nicht auf überhöhte Gebühren oder gar „Abzocker“-Methoden hereinfällt, sollte man sich zumindest auch das Kapitel „Anlegerschutz“ zu Gemüte führen.

8. Gibt es schon Langzeiterfahrungen mit „grünen“ Geldfonds?
Ja, seit 1928 mit dem ersten dieser Fonds in den USA, seit 15 bis 20 Jahren mit vielen verschiedenen Fonds im deutschsprachigen Raum.

9. Wie haben sie sich in den Jahren entwickelt?
Je nach Schwerpunkt sehr unterschiedlich, 2007 lagen die Renditen bei den Öko-Aktien-Investmentfonds z.B. zwischen rund -13% (Dr. Hoeller Prime Values Dividend) und über +55% (SAM Smart Energy), im Schnitt bei +7,5%. Einen Durchschnitt aller x-tausend „konventionellen“ Aktienfonds kann man mangels eines entsprechenden Fonds-Index schwer berechnen, aber der konventionelle Aktien-Index „MSCI Welt“ der weltgrößten Unternehmen lag 2007 mit -1,8% im Minus.

10. Darf ich mit ethisch-ökologischen Anlagen auch kurzfristig spekulieren?

„Spekulieren“ kann man mit jeder Aktie – und es ist nicht verboten. Allerdings macht es wenig Sinn z.B. bei Fonds, deren Gesamtrendite durch den einmaligen Ausgabeaufschlag, den man ja nicht mehr zurückbekommt, gemindert wird: je kürzer man einen Fonds hält, umso mehr fallen diese Gebühren ins Gewicht. Aktienkursgewinne waren für Privatanleger bisher in Deutschland (in Österreich ist es bis dato immer noch so) steuerfrei, wenn man die Papiere mindestens 1 Jahr behalten hat; nur bei kürzeren Zeiträumen fiel eine „Spekulationssteuer“ auf die Gewinne an. Künftig, wenn (ab 2009) die sog. Abgeltungssteuer eingeführt ist, spielt die Behaltefrist für neu gekaufte Aktien keine große Rolle mehr: da wird in jedem Fall der Kursgewinn – wie jetzt schon Zinsen und Dividenden – automatisch besteuert werden.

11. Gibt es Banken und Sparkassen, die spezialisiert sind?
Die meisten Institute haben inzwischen mindestens ein „Öko“-Produkt, aber eine umfassende Beratung kann man bei Banken und Sparkassen in der Regel nicht erwarten. Da weiß der interessierte Kunde oft mehr als der Berater.

12. Gibt es verbindliche Siegel für grüne Geldanlagen, an denen ich mich orientieren kann?
Kaum! In Österreich haben einige Fonds vom Verein für Konsumenteninformation das „Umweltzeichen“ erhalten oder einige Vorsorgekassen das Gütesiegel der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik: www.oegut.at). Meist ist man auf Produktprofile bzw. -vergleiche bei Medien wie Finanztest, Öko-Invest oder Öko-Test angewiesen.
Von „Qualitätssiegeln“ im Finanzbereich sollte man sich nicht allzu viel erwarten, denn es können damit nur ganz wenige Aspekte, z.B. in Bezug auf die Transparenz oder die Managementqualität von Investmentfonds, dokumentiert werden. Auch bei „qualitätsgeprüften“ grünen Finanzprodukten sind finanzielle Verluste für den Investor nicht ausgeschlossen. Das im Mai 2008 eingeführte Transparenz-Logo – es wird von europäischen Dachverband für nachhaltige Geldanlagen (Eurosif) vergeben - für ökologisch orientierte Investmentfonds gewährleistet z.B. nicht, dass alle Aktien dieses Fonds auch tatsächlich „grün“ sind, sondern, dass das Management sich zur Transparenz verpflichtet hat und entsprechende Informationen bereitstellt.


Illustrationen: Miro Poferl

Thema: Grünes Geld & Finanzen, Stand: 01.07.2008 von

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    schrieb am 20.06.2011 um 21:36
    schon... die GLS versteht sich wohl nicht als Zweitbank, es gibt aber schon Banken (kleinere eben), die kein Girokonto anbieten. Zumindest damals im Frühjahr 2011, als ich mich informiert hatte, http://www.ethische-geld-anlage.de/geldanlage-banken/umweltbank, und hier war es z.B. laut dieser seite die Umweltbank! :-)

    So richtig überzeugt hat mich dann zum Weg-Wechseln von meiner vorigen Bank diese Seite: http://www.attac.de/aktuell/bankwechsel/bankenkritik/antworten/?L=2, die Antwortbriefe der Banken an attac waren so krass unterschiedlich... von "kennen wir nicht, wollen wir nicht, keine antwort" über blabla bis zu eben den handfesten negativlisten. das fand ich dann top =) mehr weniger
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    schrieb am 05.04.2011 um 03:39
    zu Punkt 3) die GLS Bank versteht sich als "Zweitbank"?! Verstehe nicht, wenn Banken wie die Ethik- oder die GLS Bank Girokonten anbieten, warum sie dann die Arbeit damit scheuen sollten. Wenn schon Bankenwechsel, dann gerne ganz!
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    schrieb am 17.01.2009 um 12:37
    Warum sind unter Punkt 3 keine Pharmafirmen erwähnt?Ich finde doch,daß Pharmafirmen genau anschauen muß,bevor man dort unter ökologischen Gesichtspunkten Geld anlegt.
  • gelöscht am 15.01.2010 um 12:58 von hauke_d
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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    schrieb am 14.07.2008 um 12:19
    Bis jetzt wusste ich nicht dass es "Umweltbanken" gibt, werde aber mal drüber nachdenken zu wechseln...
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