Kirsten Brodde schreibt in ihrem Buch Saubere Sachen aus dem Jahr 2009: "Sicher ist: Ein Drittel aller Chemikalien weltweit landet in der Kleidung - die meisten davon sind allerdings nie für den Hautkontakt vorgesehen gewesen." Ein Drittel aller Chemikalien weltweit - das muss man erst mal verdauen. Die trendigen Hemden und Kleider in den hochglänzenden Auslagen unserer Modegeschäfte lassen davon nichts erahnen. Nichtsdestotrotz bringen sie aus ihrer Herstellung einen unsichtbaren Rucksack voll krebserregender Gifte, Allergene und zerstörter Ökosysteme mit. Das ist nicht nur ethisch untragbar, durch Hautkontakt wirken sich diese Schadstoffe auch direkt auf unsere Gesundheit aus.
Wir haben für Sie die sieben Kleidungs-"Todsünden" heraus gesucht und sagen Ihnen, wie es anders geht:
Fashion-Showroom Sommerspecial:
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Krebserregende Motivdrucke
Die Bilderflut auf Kleidungsstücken ist ein nie enden wollender Quell von Problemfällen. Enthüllungen wie der Ökotest Bericht über krebsverdächtige Stoffe in Kinderschlafanzügen sorgen dabei nicht gerade für Entspannung.
besser:machen
Natürlich könnte man auf Drucke verzichten. Das wäre aber ganz schön langweilig. Wer wie wir nicht aufs Motiv verzichten will, der achtet auf umwelt- und gesundheitsverträgliche Drucktechniken. Zum Beispiel mit PVC-freien Siebdruckfarben in der deutschlandweit ersten und einzigen "IVN Best"-zertifizierten (siehe "Siegel" weiter unten) Textildruckerei RK Textil. -
Chrom in der Lederherstellung
80% des weltweit produzierten Leders werden mit Chrom gegerbt. Das meist verwendete dreiwertige Chrom (III) ist zwar für den Träger gesundheitlich unbedenklich, nicht jedoch für die Umwelt. Die entstehende Schlacke kann dem Wasserkreislauf nicht wieder zugeführt werden und wird leider noch viel zu selten recycelt. In manchen Fällen wird jedoch nach wie vor die sechswertige Variante Chrom (VI) benutzt, bei dem sich die Bilanz um einiges verschlimmert. Chrom (VI) ist hoch toxisch, erbgutverändernd und wirkt als starkes Allergen. Es gefährdet nicht nur die Arbeiter in der Herstellung sondern kann auch über Hautkontakt in den Körper des Trägers gelangen. Mehr dazu erfahren Sie in einem Ökotest Bericht zu Lederhandschuhen.
besser:machen
Ganz einfach: Nur naturgegerbtes (mit pflanzlichen Stoffen) Leder ist gutes Leder. Obendrein könnte man auch mal über einen kompletten Lederverzicht zum Wohl der Tiere nachdenken. -
Schadstoffhaltige Färbung
Der modische Mann von heute trägt "all black" und das Kleine Schwarze ist in der Frauenwelt seit jeher ein Klassiker. Dumm nur, dass schwarz die mit Abstand am stärksten schadstoffbelastete Färbung in Textilien ist. Ist diese Färbung minderwertig und kann sich, wie es z.B. bei Kunstfaser oft der Fall ist, nicht mit dem Stoff verbinden, wird sie beim Hautkontakt durch Schweiß ausgewaschen und gelangt in den Körper. Dort kann die Farbe Hautreizungen und sogar Allergien hervorrufen.
besser:machen
Kunstfasern sollte man wenn möglich aus dem Weg gehen. Trotz werbewirksamer PET-Recycling-Programme ist der Grundstoff immer noch Erdöl. Garantiert bedenkenlose Färbung enthält Cradle to Cradle zertifizierte Kleidung. Sie muss vollständig kompostierbar und umweltfreundlich sein. Kirsten Brodde hat dazu einen Blog-Eintrag verfasst. -
Bleichstoff Chlor
Chlor ist billig und effektiv. Nicht nur in puncto Bleichen, sondern auch bei der Zerstörung der Gesundheit der Arbeiter und der Verpestung der Abwässer.
besser:machen
Bei den wirklich vertrauenswürdigen Bio-Klamotten-Siegeln sind schädliche Chemikalien wie Chlor und oben genannte Schadstoffe wie Chrom, Weichmacher, etc. in der Produktion verboten. Der IVN BEST Standard des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V. ist dabei das strikteste und verbietet optische Aufheller kategorisch. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist weiter verbreitet und nur minimal durchlässiger, bestimmte optische Aufheller sind erlaubt.
Die wichtigsten Siegel für Kleidung
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Formaldehyd in knitterfreien Textilien
Für die Bügelfaulen haben wir leider eine Hiobsbotschaft: Der Stoff, der Hemden knitterfrei macht, ist Formaldehyd. Und diese Chemikalie ist krebserregend, hautreizend und verursacht Allergien. Dieser Artikel bietet weitere Informationen.
besser:machen
Auch hier gilt: Augen auf! Hinweise wie "Vor dem ersten Tragen waschen!" sind Indikatoren für einen erhöhten Formaldehyd-Gehalt. Mit knitterfrei ist dann vielleicht Schluss, aber Bügelfalten sahen sowieso schon immer besser aus! -
Umweltkiller-Import NPE
Das Tensid NPE ist hierzulande verboten, wird in den klassischen Textilproduktions-Ländern (China, Bangladesh, Indien, Taiwan, etc.) aber weiterhin verwendet. In der Kleidung gelangt es zu uns und fließt beim ersten Waschgang ins Abwasser. Dort bildet sich aus NPE der Umwelt- und Hormonschädling Nonylphenol. Greenpeace hat dazu bereits mehrere Berichte veröffentlicht, zuletzt "Schmutzige Wäsche" im März 2012.
besser:machen
Auf die Gefahr hin protektionistisch zu klingen: NPE und viele der obig genannten Probleme lassen sich umgehen, indem man lokal produzierte Kleidung kauft. Außerdem wird durch die verkürzten Transportwege das Klima geschützt und, da die Produzenten oft kleine Betriebe sind, der wirtschaftsnotwendige Mittelstand gestärkt. -
Tödliche Vintage-Optik
Used-Look bei Jeans ist kein Inhaltsstoff im eigentlichen Sinn. Die Abreibungen auf der Jeans werden jedoch oft durch Sandstrahlung erzeugt und diese gehört zum Schlimmsten, was die Textilindustrie an Verfahren hervorgebracht hat. Bei der Bestrahlung der Jeans mit Quarzsand entsteht Feinstaub, der extrem gesundheitsschädlich für die Arbeiter ist. So sehr, dass damit zahlreiche Todesfälle direkt in Verbindung gebracht werden und die Technik zum Beispiel in der Türkei 2009 verboten wurde. Sandstrahl-Used-Look ist ethisch absolut unvertretbar! Mehr Infos finden Sie in diesem Ökotest-Artikel zu Sandstrahl-Jeans.
besser:machen
Wer auf abgetragen steht, der kauft seine Jeans entweder Second-Hand oder geht mit neuen Hosen einen Monat auf Wanderurlaub. Sie werden sehen: Selbstverdientes Vintage sieht noch viel besser aus als gekauftes!
Fazit: Welche Klamotten darf ich noch tragen?
Öko-modisches Shopping:
So einfach ist das leider nicht. Selbst das Bio Siegel GOTS erlaubt optische Aufheller in seiner Produktionskette. Komplette Chemikalienfreiheit ist im Textilgewerbe heute kaum mehr anzutreffen. Wer aber sucht, der wird sicher auch fündig - eine "Gute Frage" könnte helfen.
Wenn die Chemikalienphobie nicht ganz so weit geht, dann gilt trotzdem: Achten Sie auf vertrauenswürdige Siegel mit hohem Anspruch (IVN BEST, GOTS, etc.) und kaufen Sie möglichst lokal.
Eine viel versprechende Alternative ist der Cradle to Cradle Ansatz, demzufolge ein Produkt vollkommen kompostier- und recyclebar sein muss. Trigema behauptet, die Farbe für das oben genannte schwarze T-Shirt sei praktisch essbar. In vielen Fällen noch als "utopische Alternative" einzustufen, bei der Kleidung bereits Realität. Auf in die Zukunft!





Bio-Jeans mit fairem Anspruch
Kommentare (13)
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Das positive an dem ganzen ist: ich kaufe schon seit langem gebrauchte Kleidung, viel im Sektor "Ökorrekt" und bin froh um mein Gefühl, das Richtige getan zu haben.
So ein Kleidertauschprojekt täte jeder Stadt gut. Wo sind sie denn alle?
Im übrigen habe ich diesen Beitrag sofort bei Facebook gelinkt- das geht uns allen was an!
Weiter so!
Tymmi mehr weniger
Das war wohl mal wieder nötig zum Kopf einschalten. Passiert MIR sicher nicht mehr. Das H&M Interview fand ich übrigens auch sehr dürftig in den Aussagen. Wo sind denn da die konkrreten kurzfristigen Zielsetzungen? Und warum ist H&M nicht dauerhaft hier bei Utopia im Dialog mit den (kritischen) Kunden? mehr weniger
http://www.bild.de/regional/stuttgart/wolfgang-grupp/feiert-affenstarke-party-zum-70--geburtstag-24950064.bild.html (Stimmt trotz bild-Link, war nur zu faul, einen anderen Link zu suchen)