Ausgeglüht!
7Am 1. September geht für die alte 75-Watt-Glühbirne in der EU das... mehr
Neulich ist meine Lieblingsjeans gerissen, Alterschwäche. Ich hatte schon mehrere „Rettungsnähte“ angebracht, aber jetzt war sie hin. Während ich noch trauerte, lief im Kopf schon mein persönliches Horrorszenario „Hilfe-ich-muss-eine-neue-Jeans-kaufen“ ab. Denn ist der Schnitt gut, gibt’s die Größe nicht mehr. Stimmt die Größe, sind Farbe oder Schnitt komisch. Ist die Farbe gut, passt der Schnitt nicht und so weiter. Ich hasse es.
Dieses Mal würde es mich sogar noch härter treffen, denn ich ö-korrigierte den Satz zu „Ich-muss-mir-eine-Öko-Jeans-kaufen!“ Seit ich mich mit nachhaltigem Lifestyle und strategischem Konsum beschäftige, weiß ich etwas mehr über „normale“ Jeans. Denn Jeans sind vielleicht die durstigsten Hosen überhaupt und mit einer Produktionsreise von zirka 19.000 Kilometern nicht selten in mehr Länder gelangt als der spätere Besitzer. Um eine (!) Jeans herzustellen, braucht man bis zu 40.000 Liter Süßwasser. Und damit das hochsensible Baumwollpflänzchen je zum fertigen Stoff wird, werden Unmengen von Chemiecocktails eingesetzt, die das Grundwasser vergiften – sogar dann, wenn die Pflanzen durch Genmanipulation gegen Ungezieferbefall und Co. resistent sein sollten.
Biobaumwolle macht schon hier einen großen Unterschied für die Umwelt und auch für die Menschen, die diese ungiftige Baumwolle anbauen. Der Wassereinsatz ist zwar nur geringfügig niedriger, aber da keine Pestizide eingesetzt werden dürfen, gibt es kaum Grundwasserverschmutzung und im fertigen Stoff sind auch keine üblen „Reststoffe“ mehr enthalten. Bio-Baumwolle wird auch nie in Monokulturen angebaut, sondern immer in Mischkulturen. Denn das Perfide beim Monokulturanbau ist, dass der Boden davon ausgelaugt wird und für die nächste Anpflanzung erst wieder mit neuen Chemiekeulen aufgepeppt werden muss.
Apropos Chemie. Wenn Jeans Schildchen wie „Easy-Wash“ oder „pflegeleicht“ haben, heißt das, dass Kunstharzfasern in den Jeansstoff eingelagert wurden, damit sie nicht verkrumpeln oder einlaufen. Diese Harze können aber Formaldehyd enthalten, das beim Bügeln oder wenn man schwitzt freigesetzt wird und in die Haut gelangen kann. Dieser Gedanke behagt nicht jedem.
Aus Umweltsicht sind übrigens dunkle Jeans am besten. Denn für den verwaschenen Used-Look wird der Stoff bei enormem Wassereinsatz mit Laugen, manchmal sogar chlorhaltigen Bleichmitteln behandelt.

Bei Jeans aus Organic Cotton ist das alles kein Thema, und neben den Umweltvorteilen gibt es auch noch soziale Pluspunkte. Denn Organic Cotton wird fast immer fair gehandelt, das heißt, die Farmer bekommen feste Abnahmegarantieren und werden anständig bezahlt. Auf dem globalen Baumwollmarkt ist das die Ausnahme, der Marktanteil von Bio-Baumwolle beträgt weltweit gerade mal 2 %.
Aber zurück zu meinem Jeans-Problem. Als Utopia-Produktredakteurin will ich mich mit gutem Beispiel voran stylen. Da es noch nicht so viele coole Jeansmarken gibt, ist das jetzt schön einfach: Howies, Kyuichi, Nudies, Katherine Hamnett, JJ Eco, Edun, Levis Eco ...
Am liebsten würde ich mir eine Howies von meinem persönlichen „Helden“-Label zulegen. Das ist ein englisches Label, das 1995 von Bike-begeisterten Sportsfreunden gegründet wurde und heute außer Jeans auch T-Shirts und Kindersachen herstellt. Wegen eines grauen Tab an ihren Hosen wurden sie von Levis verklagt und haben sich von diesem „Jeans-Multi“ aber nicht kleinkriegen lassen. Das gefällt mir. Das holländische Label Kuyichi und Nudies aus Schweden ist auf jeden Fall eine Anprobe wert. JJ Eco, eine skandinavische Marke, die außerdem auch günstig ist, fällt für mich leider aus, da es nur Modelle für die Herren der Schöpfung im Angebot hat.
Und genau hier wird’s dann doch noch schwer: Wo gibt es alle diese tollen Öko-Jeans hier vor Ort zu kaufen? Spontan fällt mir nicht eine Anlaufstelle ein. Also erstmal im Internet die Herstellerseiten nach „Storefindern“ zu durchforsten.
Wie soll Eco-Fashion sich je durchsetzen, wenn es so mühsam ist, sie zu kaufen? Vielleicht muss man es wie in den USA machen. Dort laufen gerade Aktionen mit den so genannten „Ihre Meinung ist gefragt“-Karten. Die Leute füllen diese Karten stapelweise aus, um sich mehr umweltfreundliche, grüne Produkte in den Läden zu wünschen. Keine schlechte Idee!
Illustration: Katharina Bitzl
Eine "Vorauswahl" der coolsten Öko-Jeans-Marken gibt's im Produkt-Guide:
Die Finanzkrise hat die Unternehmen bei Geschäftsreisen drastisch sparen lassen: ...
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Kommentare (15)
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Zebadger
Freund der gründlichen Wahrheiten
Zebadger
schrieb am 13.02.2010 um 21:59Was ich meine ist: Eine Jeans ist eigentlich eine sehr haltbare und langlebige Beinbekleidung, wenn man sie nicht für einen Used-Look zu 80% zerstört, bevor sie überhaupt im Laden hängt!
Für denselben mechanischen Nutzwert bräuchte man ohne "Used Look" viel weniger Baumwolle, viel weniger z.T. riskante Chemie, und viel weniger Blut, Schweiss, und Tränen (z.B. beim Schmirgeln und Sandstrahlen). In dem Zusammenhang ist Bio-Baumwolle ein Tropfen auf den heissen Stein, und lenkt von dem eigentlichen Problem ab. Das liegt bei den Designern und Modefirmen, die einen "Used Look" propagieren, statt den Verbrauchern ehrlich zu sagen: Egal wieviel Bio wir hier einbauen, Used-Look ist immer eine Schweinerei und Ressourcenverschwendung. Bitte kauft Neuwertiges, und pflegt es gut, damit es lange hält.
Aber dann würde die Jeans so lange halten, dass man lange keine Neue mehr braucht, Und das wollen die Modefirmen nicht, wäre ja schlecht für´s Geschäft.... Also verkaufen praktisch kaputte Ware und erzählen uns, das wäre "chic". Mahlzeit!
Wirklich ö-korrekt fände ich, wenn die redaktionellen Beiträge auch wirklich auf solche fundamental verkorksten Geschäftsmodelle hinweist. Sonst bleibt´s Geschmäckle, dass utopia.de vielleicht nur ein bisserl kritisch sein will, um grüngewaschene Marken nicht abzuschrecken...
poohsen
poohsen
schrieb am 03.02.2010 um 17:06Was ich aber vor allem sagen wollte:
Was ist so schlimm am Versandhanel? Ist es wirklich so schwer auf volle Einkaufszentren, die schlechte Luft und das Gerangel zu verzichten?
Häufig hört man das Argument, dass man den Stoff fühlen und die Farben bei richtigem Licht (also nicht nur auf dem Foto) sehen muss. Dann gibt's noch Modelleigenschaften, die nicht durch die Konfektionsgröße allein ausgedrückt werden können. Ja, stimmt alles, aber:
es stehen die Versandkosten (und evtl. Retourenkosten) den Parkplatzgebühren, ÖNV-Tickets und An- und Abfahrtzeiten gegenüber, die in der Regel aber nicht mitreingerechnet werden, wenn der Vergleich zwischen diesen beiden Bezugsquellen gemacht wird.
Bei manchen Onlineshops entfallen ab einem gewissen Preis sogar die Versandkosten. Wichtiger noch: viele bieten kostenloses Retouren an. Und schließlich sind Internetpreise meist niedriger als die Straßenpreise.
Was unvorhersehbare Eigenheiten bei Schnitten und Größenangaben betrifft: Hat man ein paar Lieblingsmarken, dann weiß man häufig auch um diese Eigenheiten bei der Bezifferung der Größen bei diesen Herstellern.
Das Erlebnis des "Shoppens" gibt's beim Versandhaus nicht mehr, das stimmt. Wer es tatsächlich so gerne mag, der wird nicht darauf verzichten wollen. Für alle, die evtl. grundlos die Onlineshops scheuen hätte ich aber den Rat: ausprobieren, es lohnt sich. Und wer sich ein wenig nach Bio und Fairtrade umschaut wird sehen wieviel sich in den letzten Jahren getan hat. Man muss sich nur das bisschen Extramühe machen und Neues kennenlernen, aber dazu sind die Besucher dieses Forums eh bereit, denke ich :)
p.
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