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Erinnert an den Chemieunterricht, ist aber ein spezielles Finanzprodukt. 2005 betrug der weltweite Umsatz dieser Papiere 1.400 Billionen Dollar, das waren sage und schreibe 5,6 Billionen Dollar pro Handelstag. Es geht u. a. um Termingeschäfte, was ein Beispiel illustriert: Der Hedgefonds „Amaranth“ spekulierte auf steigende Gaspreise. Dazu arbeitete er mit Derivaten, die ihm zu einem bestimmten Termin in der Zukunft einen festen Preis für Gas garantierten. Sein Pech: Die Gaspreise fielen – der Hedgefonds musste das Gas zum vereinbarten Preis kaufen, der aber über dem aktuellen Marktpreis lag. Amaranth hatte auf die gegenteilige Entwicklung gewettet – und auf diese Weise in einer Woche über fünf Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. ![]()
Ihr Name führt in die Irre: „to hedge“ heißt auf Englisch „absichern“ – das Gegenteil ist der Fall. Das liegt an zwei speziellen Strategien, mit denen Hedgefonds an den Finanzmärkten spekulieren, um maximale Renditen zu erzielen.
Stichwort „leverage“: Das englische Wort für „Hebel“ drückt aus, dass Hedgefonds das Kapital ihrer Anleger durch Kredite aufstocken können, um bei Spekulationsgeschäften einen größeren Hebel zu erreichen. Auf Pump Rendite erzielen – das geht auch leicht ins Auge.
Stichwort „Leerverkäufe“: Gewinne bei steigenden und fallenden Kursen – traumhaft, oder? Ein Hedgefonds leiht sich Aktien (Kurs 100 Euro / Stück) und setzt auf einen schwächelnden Markt. Dazu verkauft er jetzt die geliehenen Aktien und hofft, sie später zu einem niedrigeren Kurs erwerben zu können (Kurs 80 Euro / Stück). Gelingt die Spekulation, kann er aus der Kursdifferenz von 20 Euro die Zinsen für die Leihgabe zahlen – und einen schönen Gewinn abschöpfen. Aber auch diese Wette kann böse scheitern, wenn die Kurse steigen …![]()
Eine Anstalt, die den Finanzmarkt stabilisiert? Eine gewaltige Aufgabe, aber so ist es gemeint: Die Finanzmarktstabilsierungsanstalt (FMSA) ist die jüngste Behörde Deutschlands, die den Finanzmarktstabilsierungsfonds verwaltet. Da stecken die berühmten 480 Milliarden Euro aus Steuermitteln drin, um deutsche Banken zu retten. Bis zu 400 Milliarden Euro soll es als Bürgschaften geben; bis zu 80 Milliarden Euro können als Finanzspritze fließen.
Die FMSA hat ihren Sitz in Frankfurt, ihre Mitarbeiter kommen zum Teil von der Deutschen Bundesbank. Sie bearbeiten die Mehrzahl der Fälle, besonders heikle Fragen behandelt ein Lenkungsausschuss, in dem Vertreter der Bundesregierung, der Länder und der Bundesbank sitzen. Parlamentarische Kontrolle? Das Finanzministerium informiert neun Mitglieder des Haushaltsausschusses im Bundestag – niemand sonst darf zuhören, das Gremium tagt geheim. Es geht ja nur um „Peanuts“ …![]()
Es geht zu wie in Entenhausen: Die Banken horten Geld, statt es sich gegenseitig auszuleihen. Lieber schwimmen sie wie Onkel Dagobert in ihren Talern … und zum Stillstand kommt der Interbankenhandel. Darunter versteht man den weltweiten Handel der Banken untereinander – mit Aktien, Wertpapieren oder Devisen. Besonders betroffen sind Kredite, die für Banken überlebenswichtig sind.
Stichwort Refinanzierung: Um Geld an Kunden zu verleihen, muss sich eine Bank entsprechende Mittel besorgen. Das können Kundeneinlagen oder Schuldverschreibungen sein – aber auch Darlehen anderer Banken, die es üblicher Weise im Interbankenhandel gibt. Nur: Das Vertrauen zwischen den Banken ist zerrüttet, niemand weiß genau, welche faulen Kredite oder Wertpapiere im Safe der Kollegen liegen. Die Lücke am Geldmarkt schließt im Moment die Europäische Zentralbank (EZB), die den Banken täglich Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Die Wirtschaft braucht diese Liquidität als Schmieröl – sonst kracht der ganze Mechanismus zusammen.
Stichwort Kreditklemme: Klappt die Refinanzierung der Banken nicht mehr, können auch Unternehmen mit guter Bonität bei der Kreditvergabe leer ausgehen. Investitionen fallen aus, Arbeitsplätze verschwinden – die Krise des Finanzsektors hat die Realwirtschaft erreicht.![]()
Sie ist die „Mutter aller Finanzkrisen“: 2006 waren 23 Prozent aller Hypothekarkredite in den USA Subprime-Hypotheken - ein Volumen von rund 665 Milliarden Dollar. Die Banken vergaben diese Hypotheken, ohne genauer die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zu prüfen. Wer über das Internet seine Subprime-Hypothek abschloss, musste häufig weder Einkommen noch Vermögen nennen. Hinzu kam: In vielen Fällen waren in den ersten zwei Jahren keine oder nur niedrige Zinsen fällig. Dann schossen aber die Zahlungsverpflichtungen durch variable Zinsen in die Höhe. Die Folge: Der Pleitegeier begann über den amerikanischen Häuserbesitzern zu kreisen, als die Immobilienpreise in den Keller gingen.
Warum hat dann die Krise die ganze Welt erwischt? Die amerikanischen Banken konnten ihre Hypotheken zu so laxen Konditionen anbieten, weil sie das Risiko ausgelagert haben. Sie verkauften die Hypotheken gebündelt als Anleihen auf den Finanzmärkten, wo sie ihren Weg auch zu deutschen Banken gefunden haben. Die Blase am amerikanischen Häusermarkt platzte – und weltweit saßen die Banker auf faulen Wertpapieren.
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Als die Investment Bank Lehmann Brothers Pleite ging, waren auch deutsche Anleger direkt betroffen: Sie hatten Zertifikate dieser Bank gekauft, ein Zinssatz von sechs Prozent schien attraktiv zu sein. Jetzt fürchten die Anleger einen Totalverlust – und fühlen sich von deutschen Banken und Sparkassen falsch beraten. Denn rechtlich gesehen sind Zertifikate Schuldverschreibungen: Wird der Emittent dieser Papiere zahlungsunfähig (Lehman Brothers!), kann das investierte Kapital völlig verloren gehen. In diesem Fall greift kein Einlagensicherungsfonds.
Wie funktionieren Zertifikate? Sie zählen zu den Derivaten oder strukturierten Finanzprodukten. Zum Beispiel bildet ein Index-Zertifikat die Wertentwicklung eines Börsen-Index ab (DAX oder Dow Jones). Steigt der Index, gewinnt das Zertifikat im gleichen Umfang an Wert. Es gibt noch eine Vielzahl sehr unterschiedlich konstruierter Zertifikate – Derivate heißen sie, weil sie alle von einem Basiswert oder -papier abgeleitet worden sind.
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Foto: knallgrün/photocase


Die besten Ökobanken
Kommentare (2)
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http://kontext-tv.de/node/46
Und noch etwas kommt gut zur Geltung: Die Bankenwelt ist nicht gleichmässig organisiert und im Alltagsgeschäft gleich ausgerichtet.
Das könnte viele beruhigen, was ich jetzt uns allen wünsche!
Dank an alle für das Engagement. mehr weniger