Biosprit erhöht den Verbrauch?
1Biosprit erhöht den Verbrauch? Dabei hat schon Henry Ford 1908 sein... mehr
Quelle 1: Die Müllwerker selbst
Bei uns im Haus (ein typisches Mietshaus in der Münchener Innenstadt) stehen Tonnen in drei Farben: Schwarz (Restmüll), Braun (Bio) und Blau (Papier). Wertstoffe (Grüner Punkt) müssen wir gesondert zur Wertstoffinsel bringen. Die Mülltonnen im Hinterhof werden jeweils an zwei Tagen geleert: Dienstag und Mittwoch. „Wo bringen Sie die Biotonne hin“, frage ich frühmorgens mit investigativem Reporterblick einen der Männer. „In die Kompostieranlage“. „Und wo ist die?“, will ich wissen. „Gibt mehrere“, sagt der Mann, ohne mich anzugucken, springt auf den Wagen und ist weg.
Zumindest weiß ich jetzt: Die Biotonne wird nicht in die Restmüllanlage gefahren. Das ist doch schon mal was. Oder nicht?
Quelle 2: Die Münchener Stadtreinigung
Anruf bei Herrn Grundler vom Münchener Abfallwirtschaftsbetrieb.
„Wo bringen Sie meinen Biomüll hin?“
„Der größte Teil kommt in unsere Fermentationsanlage nach Freimann. Außerdem arbeiten wir mit einem privaten Betreiber einer Fermentationsanlage zusammen.“
„Und was passiert dort?“
„Da wird dann aus Ihrem Abfall Biogas gemacht, das der MAW dann verkauft.“
„Wie bitte? Sie verdienen an meinem Biomüll?“
„Ein Teil der Erlöse geht in Form von niedrigen Müllgebühren an Sie zurück. Die Münchener haben im bundesweiten Schnitt extrem niedrige Müllgebühren. Die privaten Sortieranstrengungen lohnen sich also für die Haushalte.“
Zugegeben, ich bin ein bisschen überrascht. Was sagt Herr Grundler aber zu dem Gerücht, bereits getrennter Müll werde wieder zusammen gekippt? Er könne zwar nur für München sprechen, aber dieses Gerücht sei Schmarrn. „Das macht doch schon ökonomisch überhaupt keinen Sinn. Würde der Müll wieder zusammen gekippt, hätte wohl niemand in die neue Kompostieranlagen der Stadt investiert. Und es könnte auch gar kein Restmüll darin verbrannt werden – sie würden also leer stehen. Das gleiche gelte fürs Altpapier, das viel zu wertvoll sei, als dass man es nicht gesondert verwerten würde. Wenn etwas zusammen gekippt würde, dann unsachgemäß getrennter oder stark verschmutzter Müll. Je besser die Haushalte vorsortieren, desto effektiver das System.
Wenn jemand nur dann an meinem Müll verdient, wenn er sachgemäß getrennt ist, hat er zumindest einen guten Grund, ihn nicht einfach wieder zusammen zu kippen, denke ich.
Quelle 3: Das Bayerische Institut für Angewandte Umweltforschung und -technik
Rufen wir mal bei einer unabhängigen Stelle an. Das Bayerische Institut für Angewandte Umweltforschung und -technik (bifa) hatte im vergangenen Jahr eine Studie zu den Optimierungspotenzialen der bayerischen Abfallwirtschaft verfasst, mit dem Ergebnis, dass noch viel zu viel Müll durch die Haushalte falsch getrennt würde. Die Fehlwürfe in der Wertstofftonne machen immer noch einen höheren zweistelligen Prozentsatz aus. Und in der Reststofftonne landet noch immer ein großer Teil an Wertstoffen. Laut bifa sollte die Frage nicht lauten, ob der Müll wieder zusammengeworfen werde, was trotz hochmoderner Sortieranlagen nicht die Regel sei, sondern wie er durch die Haushalte noch besser getrennt werden könne. Wenn ein ganzer Container Wertstoffe etwa durch Essensreste verunreinigt wurde, ist eine Säuberung trotz moderner Maschinen kaum noch effizient zu bewerkstelligen – dann werden die getrennten Wertstoffe eben doch als Restmüll verbrannt. Wertstofftonnen mit offensichtlichen Fehlwürfen nehme die Müllabfuhr deshalb gar nicht mit – in diesem Fall muss der Besitzer der Tonne den Inhalt neu sortieren. Die bifa spricht sich ganz klar für das Mülltrennen aus: „In zahlreichen Untersuchungen konnten wir belegen, dass Mülltrennen, so wie es in Deutschland betrieben wird, ökologisch vorteilhaft ist“, betont bifa-Geschäftsführer Dr. Siegfried Kreibe.
Fazit
Wenn Ihr Kollege wieder mal erzählt, Mülltrennen sei eine sinnlose Beschäftigungstherapie, dann antworten Sie wie folgt: In der Regel (und in München auf jeden Fall) macht Mülltrennen sehr viel Sinn, es ist umweltfreundlich, kostensparend und ressourcenschonend, wenn man es richtig macht. Und wenn wirklich einmal in Deutschland getrennter Müll zusammengekippt wird, wie es Reportmagazine im Fernsehen von Zeit zu Zeit berichten, dann rechtfertigt das noch lange nicht, die Weltverschwörung der Müllmafia hinter jeder Tonne zu vermuten und der privaten Mülltrennung Lebewohl zu sagen. Das ist dann eher eine faule Ausrede.
Lesen Sie dazu auch:
Was gehört wo rein? Das Who-is-Who Ihrer Mülltonne
Der große Müllratgeber auf Utopia
Das Gerücht (Teil 1): Ein Porsche Cayenne braucht 65 Liter im Stadtverkehr - stimmt das?
Fotos: DSD
Die Finanzkrise hat die Unternehmen bei Geschäftsreisen drastisch sparen lassen: ...
mehr
Kommentare (23)
abonnieren
Unplugged
irlandfan
Unplugged
schrieb am 17.02.2010 um 22:04Darin steht , wie mit Biomüll, Wertstoffen, Restmüll etc. verfahren wird.
Soweit so gut.
Restmüll:
„Der über das Restmüllgefäß erfasste Abfall wird im Müllkraftwerk Weißenhorn (MKW) thermisch behandelt. Mit modernster Technik und höchst effizienter Rauchgasreinigung wird umweltfreundliche Energie erzeugt.“ Quelle: Unterallgäuer Umweltzeitung 2010
Aber ist das alles:'
1991 ging das MKW in Betrieb
1997 ! gab es eine Untersuchung zur Wärmeleistung
2007 Machbarkeitsstudie und Feststellung es könnten 1500 Einfamilienhäuser
beheizt werden (15 Megawatt Wärmeleistung sind möglich)
2010 immer noch keine Nutzung der Fernwärme (nach 19 Jahren!)
Sind das nicht ca. 18.000 Tonnen sinnlose CO2-Emission pro Jahr und das seit 19 Jahren !
Ganz zu schweigen, dass die Müllgebühren durch höhere Erlöse gesenkt werden könnten.
Wie war das noch:
"... Mit modernster Technik und höchst effizienter Rauchgasreinigung wird umweltfreundliche Energie erzeugt.“
Schade dass diese zum großteil in die Luft geblasen wird.
Thomas J. Steffens
ein Direktquerdenker ;-))
Thomas J. Steffens
schrieb am 12.01.2010 um 17:44Kommentar schreiben
Bitte neu registrieren oder anmelden um einen Kommentar zu schreiben.