Kontrastprogramm: Was Biowinzer anders machen
Ökologischer Weinbau arbeitet mit der Natur, nicht gegen sie. Biowinzer wissen, was sie biologisch aktiven Böden verdanken. Sie hegen das Bodenleben und zerstören es nicht durch Gifte und schwere Maschinen.
Bioweinberge erkennen Sie am Grün zwischen den Reben. Oft stehen Rosenstöcke am Zeilenanfang als Frühwarnsysteme für Pilzbefall. Auf vitalen Böden gedeihen vitale Reben, die ohne Kunstdünger auskommen. Biowinzer setzen auf Pflanzenstärkung mit natürlichen Pflegepräparaten, auf organische, schwerlösliche Düngemittel und auf Vorsorge statt Spritze. Genetisch veränderte Reben und Hefen sind Tabu. Auch der Bioweinbau kommt nicht ganz ohne Kupfer und Schwefel aus. Was ihn dabei vom übrigen Weinbau unterscheidet, sind sehr viel geringere Mengen.
Zeichensprache: Woran Sie Biowein erkennen
Wein darf nur unter Kontrolle eines staatlich autorisierten Instituts als Biowein gehandelt werden. Dessen Kontrollnummer auf dem Etikett ist obligatorisch: Auf einer deutschen Bioweinflasche steht etwa „de-039-öko-kontrollstelle“ oder „A-T-01-BIO“ auf einer aus Österreich.
Mindeststandards für das, was im Weinbau als ökologisch kontrolliert bezeichnet werden darf, regelt seit 1991 die EU-Verordnung Nr. 2092/91. Sie verbietet chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, leicht lösliche, mineralische Düngemittel und gentechnisch veränderte Organismen. Kupfer als Spritzmittel ist aber bis zu 30 Kilogramm pro Hektar in fünf Jahren erlaubt. Der Richtwert von 6 Kilo pro Hektar und Jahr kann also im Einzelfall deutlich überschritten werden!
Die Richtlinien privater Anbauverbände gehen in der Regel weit über diese Mindestanforderungen hinaus. So fordern sie etwa die Umstellung des gesamten Betriebs. Sie erlauben im Höchstfall die Hälfte der nach der EU-Öko-Verordnung zulässigen Kupfermengen. Ihre Richtwerte liegen ebenso beim Schwefeleinsatz sehr viel niedriger. Außerdem gelten bei den Anbauverbänden ökologische Vorschriften von der Rebe bis zur Flasche, also auch in der Weinbereitung und im Ausbau.
Anders als die Kontrollnummern sind Biosiegel bisher freiwillig. Auf den meisten Flaschenetiketten (auch von Sekt, Weinbrand oder Traubensaft) findet sich aber mindestens eins, auf vielen sogar mehrere (siehe auch Seite 3 dieses Artikels über Bio-Siegel).
Klimakonsum: Global denken, lokal trinken?
Wein hinterlässt auf seinem Weg von der Rebe in die Flasche “ökologische Fußspuren“. Es gibt zwar erste Belege dafür, dass Bioweinbau klimafreundlicher ist als konventioneller. Doch irrt sich, wer glaubt, heimischer Wein habe immer die bessere Klimabilanz als weitgereister. In Hamburg Biowein aus Übersee zu trinken statt beispielsweise welchen aus der Pfalz, könnte unterm Strich klimafreundlicher sein.
Wie Sie mit Bioweinkonsum Klimakilos abspecken können, ist allerdings noch nicht abschließend berechnet. In Großbritannien gibt es erste Initiativen, Produkten ein Klimalabel zu verpassen. In Deutschland arbeitet das Öko-Institut gemeinsam mit Unternehmen ebenfalls daran. Weingüter oder ganze Weinbaugebiete wie die Champagne kümmern sich um klimaneutrale Produktion.


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