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Von Bettina Goldner
„Ökologischer Fußabdruck“ auf der Verpackung?
Werden wir bald auf der Verpackung eines Lebensmittels lesen können, wie stark es die Umwelt geschädigt hat, bis es ins Ladenregal gekommen ist? Das ist durchaus im Bereich des Möglichen und wird in Großbritannien ansatzweise schon praktiziert. Dort koordiniert der Carbon Trust die Berechnung und Deklaration des „ökologischen Fußabdrucks“ diverser Produkte, darunter auch Lebensmittel, und kennzeichnet diese mit dem „Carbon label“. Ziel des als unabhängige Gesellschaft von der britischen Regierung gegründeten Carbon Trust ist es, in Zusammenarbeit mit Verbänden und der Industrie die Treibhausgasemissionen zu senken und Technologien für eine „low carbon economy“ zu entwickeln.
Starten Sie links die Bildstrecke "10 Schritte für einen leichteren CO2-Rucksack"
Die Auszeichnung einer Ware mit dem „Carbon label“ verpflichtet den Hersteller, innerhalb von zwei Jahren den mit seinem Produkt verbundenen CO2-Ausstoß zu verringern. Andernfalls wird das Siegel aberkannt. Die ersten gekennzeichneten Erzeugnisse waren 2007 „Walkers Cheese and Onion Crisps“, gefolgt von „Innocent Smoothies“.48
Vergleichbare Initiativen gibt es mit CarbonCounted in Kanada49 und seit 2008 auch in Deutschland: Neun Unternehmen haben sich hier unter Trägerschaft von WWF, Öko-Institut, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und Thema1zum Product Carbon Footprint (PCF) Pilotprojekt zusammengeschlossen und erarbeiten einheitliche Erfassungsmethoden für den „ökologischen Fußabdruck“ von Waren und Dienstleistungen. Mit dem Ziel, „Reduktionspotenziale zu erkennen“, untersuchen die Unternehmen – unter ihnen auch große Hersteller von Lebensmitteln–, wie ausgewählte Konsumgüter und Dienstleistungen das Klima belasten. Reduktionspotenziale erkennen, das heißt Rohsto e einsparen und dadurch sowohl umweltfreundlicher als auch billiger produzieren. 50
Als erstes Ergebnis im Lebensmittelbereich hat die Firma Tchibo den ökologischen Fußabdruck von Kaffee vorgestellt. Die berechneten 59 bis 100 g CO2 pro Tasse Kaffee kämen weniger durch den weiten Transport der Kaffeebohnen zustande als durch den Anbau mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln, heißt es. 51
Ob die Waren eines Tages auch gekennzeichnet werden sollen, also ob der jeweilige so genannte Product Carbon Footprint (das produktspezifische CO2-Äquivalent) auf der Verpackung erscheint, wird derzeit noch diskutiert. Kritiker, etwa vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, befürchten, dass die Kennzeichnung nur Verwirrung stiften und Fehlvorstellungen auslösen wird. Ohnehin halten sie das Projekt für zu ambitioniert: „Am Beispiel einer tiefgefrorenen Pizza mit Thunfisch und Paprika als Belag müsste […] vom Anbau der Paprika und dem Fang des Thunfischs über deren Verarbeitung und Transport zur Pizzafabrik bereits eine sehr komplexe Erhebung erfolgen. Hinzu kommt der Aufwand für die Herstellung der Pizza sowie deren Transport und Lagerung bis hin zum Einzelhandel“, wird argumentiert. Darüber hinaus seien Transportweg sowie Art und Dauer der Lagerung kaum im Voraus zu berechnen.52
Auch der Deutsche Bauernverband hält den Carbon Footprint für einen falschen Ansatz, Emissionen in Landwirtschaft und Ernährung zu senken, und empfiehlt stattdessen eine „ausgewogene Ernährung mit hochwertigen regionalen und saisonalen Produkten“.53
Auf den kommenden Seiten: Bunter Chicoreé-Salat, Kohlrouladen, Spaghetti mit Zitronensauce und ein Orangen-Blechkuchen.
Aus:
Bettina Goldner: Umweltfreundlich vegetarisch. Genussrezepte mit CO2-Berechnungen. ISBN 978-3-7750-0561-6
1. Auflage, Klappenbroschur, 152 Seiten, 63 Farbfotos; 16,90 Euro.
Kommentare (3)
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inaktiver User 1038
schrieb am 03.12.2009 um 20:17 ¶heartwise_ch
schrieb am 01.12.2009 um 21:53 ¶Kommentar schreiben
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