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Global Organic Textile Standard (GOTS)

Global Organic Textile Standard (GOTS)
Siegel-Informationen

Weißes Hemd auf grünem Grund – für Naturtextilien ist das GOTS-Siegel,das am häufigsten vergebene Zertifikat. Der Standard steht für strenge ökologische Kriterien entlang der gesamten Produktionskette (mit Ausnahme des Einzelhandels).

Das Siegel wurde seit 2002 von Bio-Baumwollproduzenten, Textilindustrie, Nichtregierungsorganisationen und Zertifizierern entwickelt, mit GOTS 4.0 wurde am 1. März 2014 die aktuelle Version vorgestellt. Die Anforderungen wurden erhöht, dennoch wurde darauf geachtet, dass sie auch für Hersteller und Einzelhändler im Massenmarkt umsetzbar bleiben, um eine möglichst große Hebelwirkung erzielen zu können.

Kriterien

Grundsätzlich müssen alle Produkte, die das GOTS-Siegel tragen, zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen, es trägt dann die Bezeichnung „hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern“. Für die strengere GOTS-Kennzeichnung „Bio“ und „kbA/kbT“ ist ein Anteil von 95 Prozent erforderlich.

In den Textilien enthaltene chemische Stoffe müssen bestimmte Kriterien zur Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit erfüllen, giftige Schwermetalle, Formaldehyd, funktionelle Nanopartikel oder gentechnisch veränderte Organismen sind verboten, ebenso wie Accessoires aus PVC, Nickel oder Chrom.

Das GOTS-Zertifikat bezieht sich auf alle Herstellungs-, Transport- und Nutzungsphasen von Textilien, Veredelungsbetriebe müssen beispielsweise eine Kläranlage vorweisen, oder die Faserproduzenten nach Richtlinien für die ökologische Landwirtschaft wirtschaften, um eine Zertifizierung zu erreichen.

Auch die sozialen Bedingungen im Bereich der Lieferkette sind Teil des Siegels, hier müssen die Mindestkriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingehalten werden. Darüber hinaus gelten bestimmte Grenzwerte bei Rückständen zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Der Einsatz von Wasser und Energie muss entlang der Lieferkette dokumentiert werden, um die Umweltfolgen in diesem für die Textilproduktion besonders relevanten Bereich verbessern zu können.

Kontrolle

Alle Betriebe der Lieferkette müssen zertifiziert sein und sich einmal jährlich einer Vor-Ort-Inspektion unterziehen, damit Endprodukte das GOTS-Siegel tragen dürfen.

Nach Angaben von GOTS handelt es sich dabei sowohl um angekündigte als auch – speziell in Verdachtsfällen – um unangekündigte Kontrollen. Die Betriebsbesichtigungen werden von Akkreditierungsstellen durchgeführt, die die ISO/IEC-Richtlinie 65 für Produktzertifizierungssysteme erfüllen. Die Liste der zugelassenen Zertifizierer ist auf der GOTS-Website abrufbar.

Kritik

Das GOTS-Siegel ist in Sachen Umweltkriterien ein sehr weitgehendes Zertifikat, das nur wenig zu wünschen übrig lässt. Der Standard des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) geht an einigen Stellen noch über die GOTS-Kriterien hinaus, GOTS wird jedoch ebenfalls laufend weiterentwickelt (GOTS 4.0 muss von der Industrie seit 1. März 2015 umgesetzt worden sein).

Im Bereich der sozialen Standards orientiert sich das Siegel an den Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Diese gehen Kritikern nicht weit genug, etwa weil sie den Begriff der „existenzsichernden Löhne“ für nicht ausreichend definiert halten. Zudem lässt GOTS bislang Kriterien für Leder- und Fellprodukte außen vor – sieht man sich die Entwicklung der Modelandschaft an, gehört dieser Aspekt allein aus Tierschutzgründen eigentlich auch fest zur Textilbranche.

Fazit

Mit einem GOTS-zertifizierten Produkt kauft man ökologisch einwandfreie Kleidung. Wer Wert auf hohe Sozialstandards legt, kann sich am Label der Fair Wear Foundation orientieren