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EU-Bio-Siegel

EU-Bio-Siegel
Siegel-Informationen

Das deutsche Biosiegel mit sechs Ecken kennzeichnet bereits seit 2001 Produkte, die der EG-Öko-Verordnung genügen. Es wurde vom EU-Bio-Logo abgelöst, einer Ährenform aus EU-Sternen auf grünem Grund, das Zeichen ist seit 2012 mit Kontrollstellencode und der Herkunftsangabe der Zutaten vorgeschrieben. Das deutsche Siegel wird aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads von vielen Herstellern parallel weiterverwendet, aktuell (Juni 2014) tragen 68.572 Lebensmittel diese Siegel. Mit ihnen dürfen nur Erzeugnisse oder Produkte ausgezeichnet werden, die aus ökologischer Landwirtschaft stammen und deren Erzeuger oder Verarbeiter die Kriterien für ökologischen Landbau einhalten, so wie sie das EU-Recht definiert. Mit einer Ausnahme: Fünf Prozent eines Produkts dürfen aus konventioneller Landwirtschaft stammen, wenn die Zutaten nicht in ökologischer Qualität am Markt verfügbar sind.

Kriterien

Das EU-Biosiegel hat zum Ziel, den ökologischen Landbau zu fördern, der – in aller Kürze – zwei Vorteile gegenüber dem konventionellen hat: Eine höhere Artenvielfalt und mehr Tierschutz durch weniger belastende Anbau- und Haltungsmethoden sowie Lebensmittel, die weniger Schadstoffen ausgesetzt sind.

Im Mittelpunkt steht die Forderung nach größtmöglicher Kreislaufwirtschaft mit geschlossenen Nährstoffzyklen, mineralische Stickstoffdünger etwa sind ebenso wie chemisch-synthetische Pestizide verboten. Stattdessen sollen Fruchtfolgen und mechanische Verfahren den Pflanzenschutz sicherstellen, ebenso sind Naturstoffe wie Pflanzenöle und Mikroorganismen zugelassen. Auch Gentechnik ist untersagt, Produkte dürfen mit maximal 0,9 Prozent gentechnisch veränderten Substanzen belastet sein.

Artgerechte Tierhaltung ist ebenfalls vorgeschrieben, die Hauptmotivation für deutsche Verbraucher, auf das Biosiegel zu achten. Dazu zählen beispielsweise ein größeres Platzangebot, biologische Futtermittel und das Verbot von Antibiotika zu anderen als medizinischen Zwecken, etwa der Leistungssteigerung.

Bei verarbeiteten Lebensmitteln sind zudem nur eingeschränkt Zusatzstoffe erlaubt, derzeit 49 statt der 316 in konventionellen Produkten zugelassenen. Dabei muss es sich um natürliche Aromen oder -extrakte handeln, die aus natürlichen Rohstoffen gewonnen werden, sie müssen aber nicht zwingend von einem anderen Lebensmittel stammen.

Kontrollen

Um das Siegel nutzen zu dürfen, müssen Erzeuger wie Händler nachweisen, dass sie ökologisch wirtschaften bzw. in der Lage sind eine Vermischung von Bioware mit konventionellen Rohstoffen zu vermeiden und die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Nach der ersten Prüfung, bei der ein Kontrolleur den Betrieb begutachtet – übrigens sogar den kleinen Online-Händler, der zugekaufte und verschweiste Ware im Keller lagert –  werden die Nutzer des Siegels mindestens einmal jährlich kontrolliert, ungefähr jeder fünfte Besuch erfolgt unangemeldet.

Kritik

Die Siegel von Ökoverbänden gehen meist weiter als die Vorgaben für das staatliche Biosiegel, für Kritiker stellt die Bioähre daher eine Art „Bio light“ dar – schließlich sind unter ihrem Dach europaweite Anbauinteressen versammelt. Ein Beispiel: Die Samen für EU-Bioprodukte können konventionell sein, wenn es nicht ausreichend Bioqualität am Markt gibt. Gentechnik oder chemische Vorbehandlung sind allerdings ausgeschlossen.

Insbesondere beim Tierschutz werden die Unterschiede zu den Anbauverbänden deutlich, der Begriff „artgerechte Haltung“ ist alles andere als eindeutig – auch konventionelle Landwirte würden vermutlich nicht explizit zugeben, dass sie ihre Tiere „nicht artgerecht“ halten: Das Biosiegel erlaubt etwa die doppelte Zahl der pro Fläche erlaubten Legehennen oder Masthühner als die drei größten deutschen Bioverbände Bioland, demeter und Naturland. Die Biosiegelrichtlinien machen zudem keine Angaben zur Entfernung des Schlachthofs. Während Transporte bei Bioland, demeter und Naturland auf maximal vier Stunden oder 200 Kilometer festgelegt wurden, kann ein Schwein mit EU-Biosiegel eine Fahrt durch halb Europa hinter sich haben.