Diffamieren würde ich meine Beleidiger dennoch nicht, da sie sich zu recht um ihren Schlaf und den Wertverlust ihres Hauses sorgen. Leider wurden einige so wütend, dass von einem offenen Diskurs im Habermaschen Sinne, nicht wirklich gesprochen werden konnte. Aber, die Maastrichter Windenergiegegner sind deshalb noch lange keine "Wutbürger". Denn Wutbürger ist ein mieser, diffamierender Begriff, der normales gesellschaftliches Engagement verunglimpft.
Heut will ich mal einige Begriffe klären, die im Kulturkampf der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielen. Der mieseste Kampfbegriff ist bekanntlich "Gutmensch". Das ist genial ausgedacht. Dadurch wird soziales und ökologisches Engagement mit einem Handstreich als naives, egoistisches, verlogenes Geheuchel weggeputzt. Natürlich habe auch ich bei "Gutmensch" die wütenden, aufgebrachten Diskutanten im Ohr, die ihre absolute Moral dem Andersdenkenden entgegen kreischen. Die waren insbesondere früher im links-alternativen Milieu zahlreich, werden aber weniger.
Hier in den Niederlanden haben die Rechtspopulisten übrigens einen ebenso genialen Kampfbegriff geprägt: "die linke Kirche". Das verbindet nun zwei Dinge, die auf den ersten Blick gar nicht zusammen passen wollen. Gemeint ist erst mal eine dominierende, rigide Ideologie, die anscheinend das Land lange beherrschte. Damit ist lustiger weise alles gemeint vom Klimaschutz über die Menschrechte, von der Integrationspolitik bis zur Theatersubvention. Alles eben verquere "Gutmenschen Ideologie". Und jeder, der diese Dinge noch für wichtig hält, ist gleich in der Verteidigung. Auch ein toller Kommunikationscoup. Wer möchte schon ein Gutmensch sein und zur linken Kirche gehören?
Vielleicht wäre es an der Zeit, mal einen Wettbewerb auszuschreiben für ähnliche Kampfbegriffe in die andere Richtung: "Autoheilige" vielleicht oder "Bankenknechte". Das sind dann eben Leute, die gut zu Autos und Banken sind. Oder "Wachstumsflüsterer". Das sind Leute, die an das Märchen glauben, Wirtschaftswachstum im heutigen Stil führe bei uns zu mehr Wohlstand. Oder anders gesagt: der jetzige Wohlstand habe unmittelbar etwas zu tun mit dem "gutem Leben". Ums gute Leben stritt ich am Samstag beim taz-Kongress*) im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Und da fiel mir auf, dass uns im Deutschen ein wesentliches Wort fehlt. Wie heißt einer, der das gute Leben einfach lebt? Mit einfach ist hier nicht gemeint, dass dies wirklich einfach ist. Das fängt wie gesagt beim Begriff an.
Da hilft nämlich der französische "Bon Vivant" nicht weiter. Der passt zu Gaulloise, Rotwein und Käse, ist aber in der Übersetzung als deutscher Bonvivant eine Spur zu hedonistisch. Ich meine ein prima wirtschaftlich nachhaltiges, soziales und doch auch kulturell-materiell anregendes Leben im Sinne einer ganz neuen europäischen Ökosex-Vision. Ist das ein Lohas? "Huuuih", würde sich der durchschnittliche taz-Kongress Besucher erregen: der Lohas ist doch wie der Bankenknecht und der Wachstumsflüsterer jemand, der an Kapital und Produktion nicht wirklich zweifelt. Der will doch nur ein bisschen mit Fairtrade und Bio spielen, um sich gut zu fühlen!
Ich überzeichne natürlich. Richtig ist, gut fühlen ist was anderes als gut leben. Und gut kaufen reicht natürlich auch nicht. Nicht weinen liebe Lohas, auch "Ökosexfreund" ist als Begriff natürlich viel zu einseitig auf grün gerichtet. Wahrscheinlich brauchen wir was ganz unverbraucht Schlichtes: jemand, der gut lebt, ist ein "Gutleber". Weiblich die "Gutleberin". Ich weiß, das klingt ein bisschen nach guter Leber, aber etwas Besseres habe ich im Moment nicht im Angebot. So möchte ich den Begriff "Gutleber" heute offiziell in den deutschen Diskurs einführen. Dazu wird Euch/Ihnen, also dem Schwarm, ein besserer Schmarrn einfallen. Ich bitte um Wortmeldungen, liebe Lohas, Gutmenschen und Bankenknechte.
*) taz-Kongress zum 20. Geburtstag der taz-Genossenschaft unter dem Motto: "Das gute Leben"


Kommentare (20)
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http://www.utopia.de/blog/leben-mit-schweinehunden/stop-mal-stop-mal-stop
Und anstatt auf das französische könnte man auch auf das Spanische oder quechua zurückgreifen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sumak_kawsay
Ich würde daher einen Begriff wählen, der allen Menschen gerecht werden kann, könnte zum Beispiel "Menschen in Bewegung" sein. Wer im Augenblick verharrt und sich nicht mehr bewegt ist Tod. (siehe auch Goethe, Wette mit dem Teufel).
Wenn ich mir aber die Frage nach meinen Zielen stelle, sollte ich umdenken!
Für eine Veränderung des Bewußtseins der Mehrzahl der Bürger macht es Sinn diese Veränderung MIT meinen MITMENSCHEN GEMEINSAM zu gestalten.
Jeder Mensch entwickelt sich und niemand ist fertig auf die Welt gekommen, oder?
Da möchte ich schon etwas polarisieren: Unvernünftler und Vernunftwesen.
Oder Nachplapperer und Selberdenker.
Auch Marionette und Aufrechtgeher.
"Der Zerstörnicht", "Die Zerstörnichte" (nicht zu verwechseln mit der "Zerstör-Nichte", die von Grund auf böse ist!).
Ich gebe zu, die Begriffe sind noch ausbaufähig... ;-)
Spaß bei Seite, anstatt die Kategorisierung fortzuführen, würde ich die Sache auch eher aus sozialwissenschaftlicher Sicht deuten:
Es handelt sich bei dieser Namensgebung um eine Essentialisierung der Identität eines Gegenübers, nämlich des oder der kulturell fremden "Anderen" (kulturell im weitesten Sinne, als kulturelle Denk- und Verhaltensmuster). Indem jemand seinem Gegenüber einen Namen gibt, schreibt er dessen Eigenschaften fest bzw. er naturalisiert sie, weil "die Natur dasjenige verkörpert, über das sich nicht politisch verhandeln lässt." (Zierhofer 2003: 202). Ähnlich wurde - und wird - das z..B. mit Frauen gemacht, die häufig als emotionale, irrationale, im Großen und Ganzen als "naturnahe Wesen" präsentiert werden. Was einen bestimmten Zweck hat: "Denn dieser 'Sachverhalt' war immer wieder zur Legitimation des Ausschlusses von Frauen aus zentralen Bereichen der Kultur, insbesondere aus Bildung, Politik und aus leitenden Positionen in der Wirtschaft behauptet und herangezogen worden" (ebd.: 194).
Martin Unfried möchte ja einen schlichten, "unverbrauchten" Namen finden. Ich glaube aber es wird schwer einen nicht-essentialistischen Eigennamen zu finden, bzw. ihn zu behalten, denn ein neues Wort wird in gesellschaftlichen Diskursen sogleich mit Bedeutung gefüllt.
Das eigentlich Sinnvolle ist doch eher, die essentialistischen Begriffe zu dekonstruieren, was Martin ja auch gemacht hat: "Gutmensch" --> "Dadurch wird soziales und ökologisches Engagement mit einem Handstreich als naives, egoistisches, verlogenes Geheuchel weggeputzt."
Indem man die Sprache als machtgeladenen Diskurs entlarvt und die dahinter verborgenen Absichten aufzeigt - der Gegner soll durch den Begriff herabgesetzt werden - , entsteht Raum um den Blick auf andere Argumente/Aspekte zu richten: Also z.B. auf den Klimawandel, fossile Ressourcen, soziale Ungleichheit.
Der Wert von Martins Beitrag liegt für mich daher nicht in der Möglichkeit neue Namen zu finden, sondern darin die Diskurse über Nachhaltigkeit zu dekonstruieren, d.h. offen zu legen, um die Art und Weise, wie über Nachhaltigkeit geredet oder wie sie symbolisiert wird, kritisieren zu können. Ich habe in meiner Diplomarbeit über etwas ähnliches geschrieben und zwar über "Muster der Naturalisierung in den Werbelandschaften der Milchwirtschaft". Es geht darum, dass in der Werbung ein Raum produziert wird, in dem die Kühe glücklich sind, auf saftigen Wiesen weiden und von traditionsbewussten Bauern gehegt und gepflegt werden, während die vorherrschenden Produktionsweisen sich besser durch (gentechnisch veränderte) Futterpflanzen, wie Soja, Mais oder Getreide, einen hohen Input fossiler Rohstoffe, sowie industrialisierte, rationalisierte Tierhaltung kennzeichnen lassen. Es geht hier also um die Naturalisierung/Normalisierung der Produktionsweise, um zum Verkauf anzuregen und von den nicht-nachhaltigen Praktiken abzulenken bzw. sie beizubehalten.
Entschuldigt bitte, ich will hier eigentlich keinen Roman verfassen, aber ich möchte nur noch einmal klarstellen, dass die eigentlich Arbeit darin liegt, zu verstehen, wie über Nachhaltigkeit geredet wird, damit der Blick frei für das Wesentliche bleibt, obwohl das "Wesentliche" freilich veränderlich ist und immer wieder neu ausgehandelt wird. Wichtig ist es, als individueller Akteur (oder Teil eines Kollektivs) im Rahmen der eigenen Macht am Aushandlungsprozess kritisch teilzuhaben. In diesem Sinne ende ich mit einem Zitat von Michel Foucault (1988 [1982]: 10):
„My role – and that is too emphatic a word – is to show people that they are much freer than they feel, that people accept as truth, as evidence, some themes which have been built up at a certain moment during history, and that this so-called evidence can be criticized and destroyed.“
Referenzen:
FOUCAULT, MICHEL (1988 [1982]): Truth, power, self: An Interview with Michel Foucault. October 25 1982. In: MARTIN, LUTHER H.; GUTMAN, HUCK & PATRICK H. HUTTON (Hrsg.): Technologies of the self. A seminar with Michel Foucault. Massachusetts: 9–15.
ZIERHOFER, WOLFGANG (2003): Natur - das Andere der Kultur? Konturen einer nicht-essentialistischen Geographie. In: Gebhardt, Hans; Reuber, Paul; Wolkersdorfer, Günter (Hrsg.): Kulturgeographie - Aktuelle Ansätze und Entwicklungen. Spektrum, Berlin: S. 193-212.
Das sehe ich auch so!
Diese ganze Kategorisierung bringt uns meiner Meinung nach nicht wirklich weiter. Denn: Wer entscheidet über gut und böse, richtig und falsch? Letztes Jahr hatte ich das ja auch schon mal thematisiert: http://www.utopia.de/blog/beitrag/warum-ich-kein-gutmensch-sein-will
Ich glaube, Viele von uns (Menschen ganz allgemein) sehnen sich einerseits danach, zu einer Gruppe zu gehören und tragen deshalb auch gerne die Bezeichnung dafür öffentlich vor sich her ("Deutscher", "Konservativer", "LOHA", "Linker") usw. Sie können dadurch auch die Dinge, die sie selbst für prägend und identitätsstiftend an ihnen halten, einfach und prägnant zum Ausdruck bringen.
Andererseits sehnen wir uns auch alle nach Individualität, nach Abgrenzung, nach Einzigartigkeit und nach Differenzierung. Es gefällt uns nicht, wenn wir von Anderen einer Gruppe zugeordnet werden, der wir uns vielleicht gar nicht oder nur geringfügig zugehörig fühlen. Es gefällt uns aber auch manchmal nicht, wenn wir einer Gruppe pauschal zugeordnet werden, obwohl wir uns im Grunde sehr wohl mit ihren Zielen oder zumindest den Haupt-Thesen identifizieren können. Wir möchten es genauer haben, möchten "Untergruppen" bilden, wo Schwerpunkte oder tatsächliche Widersprüche zum Ausdruck kommen und wollen differenzierter herausarbeiten, wofür wir genau stehen und was wir genau wollen. Das ist natürlich dann nicht mehr so leicht in einen einzigen Begriff zu packen und daher ist ein solcher Versuch dann auch zum Scheitern verurteilt.
Ich persönlich möchte bei der Begriffsbildung weniger auf die Frage, wer nun "gut" , wer "böse" oder wer "besser" und wer "schlechter" lebt/denkt/arbeitet usw. antworten. Diese Polarisierung halte ich für unglücklich. Meine Begriff wäre eher "Bewusstheits- und Verantwortungs-Streber" oder sowas in der Art. Wir alle sind uns in unterschiedlichem Maße über unsere Handlungen, deren Konsequenzen und unsere Verantwortung in diesem Gefüge bewusst. Dazu beurteilen wir die Wirkungen unterschiedlich, bewerten Dinge moralisch-ethisch auf unterschiedliche Weise und gewichten unterschiedlich. Das ist sehr individuell und Manche von uns finden schon den Prozess des Sich-Bewusstwerdens, des Hinterfragens der eigenen Werte und Gewichtungen als große Herausforderung und wir alle kennen Menschen, die (scheinbar) mit diesem Prozess wenig anfangen können. Der nächste Schritt nach einer solchen "Bewusstwerdung" könnte eine Veränderung der inneren Haltung sein, eine Veränderung der inneren Gewichtungen und natürlich auch daraus folgend eine Veränderung des eigenen Verhaltens, ob beim Einkauf oder bei der Nutzung von Infrastruktur etc.
Was uns hier bei Utopia (und anderswo) daher meines Erachtens vereint, ist weniger die Frage nach unseren tatsächlichen Handlungen (chic und trendy oder schlicht und genügsam), sondern eher die Frage nach unserer inneren Haltung und den vorangegangenen inneren Prozessen vor dieser Handlung. Wenn man mit sich selbst authentisch umgeht und bereit ist, verantwortlich zu handeln, kann man zu dem einen wie dem anderen Ergebnis kommen (für oder gegen Windparks, für oder gegen chic und trendy) und hat für seine Entscheidung gute Gründe. Das ist meines Erachtens wesentlich für unsere Zukunft und das ist urdemokratisch ("der Mensch ist ein vernunfbegabtes Wesen, das mündig an der Gestaltung seiner Umwelt teilhaben kann und soll"). Ob wir dann den Weg mit oder ohne Windparks gehen, das mag man sachlich diskutieren können, aber wir respektieren und dann dabei und können davon ausgehen, dass unser Gegenüber genau wie wir selbst gute und aufrichtige Gründe für seine Entscheidungen und Überzeugungen hat.
Ja, das scheint im Moment noch nicht überall gegeben zu sein (obwohl auch diese These recht kühn ist...), es scheint an vielen Stellen Menschen zu geben, denen dieses Bewusstsein fehlt, die gerne "das Denken Anderen überlassen" oder die sich nur sehr wenig informieren. Meiner Überzeugung nach ist das die große Aufgabe unserer Zeit, das zu ändern. Nicht "wir haben ein Neues Heilsmittel weil wir umweltbewusst und öko leben und Ihr müsst dem alle folgen, sonst seid Ihr böse" - das erzeugt keine wirkliche Veränderung. Vielleicht äußerlich, aber innerlich folgen dann wieder die Schafe den "Denkern" und wenn die dann mal eine neue Mode küren, folgen die Schafe eben der neuen Mode. Ich weiß keineswegs alles besser, keineswegs will ich, dass Menschen (Nachbarn, Freunde, Familie) mir "folgen" und einfach nur nachmachen, was ich tue, weil das so schön "in" ist oder so schön "gut". Ich möchte, dass alle diese Menschen sich selbst Gedanken machen und sich vielleicht manches Mal ganz genau für den gegenteiligen Weg entscheiden wie ich, aber dass sie es begründet und durchdacht tun. Dass sie sich inhaltlich mit mir auseinandersetzen können. Dass sie informiert sind über die Bedingungen, über die Konsequenzen und die Veränderungsoptionen. Dann kann ich auch gut damit leben, dass sie für Atomkraft sind oder gerne Flugreisen unternehmen.
Soweit mal mein Senf :-)
Gruß allen Diskutanden,
Helena
Gutmenschen aber, sind immer "irgendwie" hochwertiger engagiert. Meist von einem erhöhten Podest der Moral aus. Immer ausgeprägt individualistisch, immer abgrenzend zum Mainstream, immer mit erhobenen Zeigefinger bei gleichzeitiger Solidarität. "Seht her, ich möchte euch besseres Klima, Essen, Luft, etc. bringen und euch helfen auf meine Stufe zu kommen, denn ich verkörpere die Wahrheit und den Weg in unsere gemeinsame Zukunft." Früher hat man solche Menschen einfach Klugscheisser genannt aber das trifft es nicht.
Gutmensch ist einfach viel entlarvender. Das Gefühl ein moralisches Würstchen gegenüber solchen "Besseren" zu sein relativiert sich mit der spöttischen Bezeichnung, schafft Augenhöhe und damit Freiraum zur eigenen Entwicklung. Gutmensch als "Kampfbegriffe" zu bezeichnen impliziert zwei Dinge: Betroffenheit und Entlarvung: Es geht um den imaginären Gegner der meine moralische Erhöhung nicht erreicht.
Das sich dieser Begriff durchgesetzt hat liegt daran das ihn sehr viele Menschen als treffend empfinden. Und ja, Schubladen helfen immer, auch den sogenannten Individualisten die sich auf irgend eine Weise immer uniformieren um Gleichgesinnte erkennen zu können.
http://guttmensch.blogspot.de/2011/05/feindbild-gutmensch-co-ein-klassiker_29.html
In dem Beitrag werden etliche Zitate genannt, etwa vom rechtsradikalen Udo Voigt: "(Sarrazin) …will nicht, daß Deutschland sich selbst abschafft, und hält den Gutmenschen den Spiegel vors Gesicht. … Herr Sarrazin, helfen Sie uns jetzt, die Etablierten das Fürchten zu lehren!"
Frei nach Brecht sag ich da mal: Aus diesem warmen braunen Schoß kroch der "Gutmensch"
Und aus dem rechten Mief kommend hat sich der Begriff schrittweise im Mainstream etabliert. Ich glaube, er trifft aber eher selten den "Klugscheißer", der aus moralisch überhöhter Position mit dem Zeigefinger wedelt und häufiger den Menschen, der sich für Solidarität und eine gerechte Welt ohne Fremdenhass einsetzt.
P.S: Großes Dankeschön an ertpol für den spannenden Beitrag!
schön das man in Deutschland unangenehme Wahrheiten immer in die recht Ecke stellen kann damit man sich damit nicht auseinandersetzen muss. Ich meine mit Auseinandersetzung nicht pseudowissenschaftliches Mainstreamgeschwurbel oder politisch korrektes Ausblenden von Problemen. Sich hinter gesellschaftlich positiv besetzter Symbolik wie Solidarität oder "gerechte Welt" (oder besser noch "Weltfrieden" zu verstecken ist einfach Von welcher Solidarität sprichst Du beispielsweise? Auch die Rechten nehmen aus ihrer Sichtweise in Anspruch solidarisch zu sein. Daran kann man erkennen wie leer solche Begriffe sind. Anders ist es mit dem Begriff Gutmensch. Das ist eine Zustandsbeschreibung ähnlich dem Begriff "Besserwessie" Daher sind gerade die, die sich damit auseinandersetzen sollten am ehesten geneigt die braune Karte zu ziehen. Andernfalls müssten sie ja was an ihrem Weltbild ändern...
Ich kenne den Begriff Gutmensch seit über 20 Jahren.
Er hat in meinem Umfeld die Bezeichnung katholisch abgelöst.
Gemeint waren immer die Überzeichner, die verlogen ihr Engagement vor sich her tragen um sich über ihre Mitmenschen zu stellen und die eigenen Egoismen dahinter zu verstecken.
Natürlich wird diese Bezeichnung, wie viele andere auch, in anderem Zusammenhang verwendet.
So soll ich mich jetzt also dem Diktat der PC beugen weil Gutmensch mittlerweile auch zum "Wortschatz" der rechten Szene gehört.
Tu ich aber nicht!
Wo kommen wir denn hin wenn wir alles was die rechte Szene für sich entdeckt sofort fallen lassen als wenn wir uns die Finger verbrannt hätten?
Für mich bleibt ein Gutmensch ein armes Menschlein, dass ständig in der Angst lebt seine sorgsam gebastelte, filigrane, ihn umgebende Blase könne jederzeit zerplatzen. Solange er mir oder anderen nicht auf den Senkel geht sei ihm diese gegönnt. Wenn aber eine Nadel notwendig ist, darf sie sich auch gern im Wort Gutmensch verstecken.
Gutleber - was ich zwar sperrig aber auch witzig finde - bietet ja genau so Anlass zur Diskussion.
Eine Interpretation möchte ich dazu auch beitragen.
Während der Amtszeit eines gewissen Herrn Leber wurde die Bundeswehr erheblich auf gerüstet.
Beim nächsten Rüstungsgrossprojekt wird der Etat gutgelebert.
Dann hat auch Gutleber "ausgedient". Oder will sich jemand mit der Rüstungslobby gemein machen?
"Gutleber" wird es jedenfalls schwer haben, sich durchzusetzen. Da sind sich fast alle mal einig :)
Ego inside + emotional autark > bekennender Egoismus http://de.wikipedia.org/wiki/Egoismus
Jesus inside > Liebe outward bound - nicht immer, aber immer öfter.
Deshalb die Vorsicht vor "Gutmenschen" bzw. "Gutmenschentum"
Karl Marx wolte auch die Welt verbessern.........
"Vernunftsmensch" ist etwas sperrig - interessant ist aber der Gedanke, dass man seinen Kopf gebrauchen muss, um richtig zu handeln. Wenn man seinen Gefühlen, ergo Trieben freien Lauf lässt, ist dies für das Miteinander halt nicht gut.
"Richtigmacher" ist auch sperrig aber seien wir mal ehrlich: wir haben mit allen deutschen Wortschöpfungen ein emotionales Problem, daher geschieht dies ja auch zumeist im Englischen (ohne, dass wir die Muttersprachler um Erlaubnis bitten würden, not nice at all).
Also, wem's so besser gefällt:
Right.
Mr Right, Mrs Right, Ms Right.
Da gibt's schon? Sicher, aber halt nur im Englischen, bei uns noch nicht, aber die positive Belegung in USA und UK kann bei uns nicht schaden.