Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Kurzportrait

Michael Braungart


 

Er reißt mit, ohne ein großartiger Rethoriker zu sein – durch die schiere, reine Kraft der Gedanken, die er vorträgt. Wenn – nur als Beispiel – Al Gore recht hat und die Überbevölkerung das größte Problem unserer Zeit ist, dann müssten wir bei jedem Kind, das wir sehen, erschreckt zusammenzucken. Das ist ein Fehler unserer Kultur: "Wir haben gelernt, dass der Mensch das Problem der Welt ist", sagt Braungart. Und das ist falsch. Es liegt an der falschen Ausrichtung unserer Lebensweise. Menschen sind die einzigen Lebewesen, die Müll produzieren, nicht selten auch noch hochgiftigen Sondermüll. Braungart will das ändern.

Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough hat Braungart das Designprinzip Cradle-to-Cradle entwickelt (Wiege zu Wiege), ein Prinzip, in dem es nur zwei Arten Materialien in der Produktion gibt: Solche, die verbraucht werden wie Schuhsohlen, Autoreifen und T-Shirts, müssen biologisch abbaubar sein – Nahrung für andere Lebewesen. Solche, die nur benutzt werden wie Fernseher, Waschmaschinen oder Fenster, müssen ohne Qualitätsverlust recyclebar sein. Im Ergebnis gäbe es keinen Müll mehr. Und dann würde dieser Planet auch 20 Milliarden Menschen ernähren können. Kinder wären eine reine Freude statt einer Bedrohung. "Umfassende Schönheit" nennt Braungart seine Vision. Und dagegen ist Nachhaltigkeit wirklich nur ein langweiliger erster Schritt.

 

Der Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart als Video

Das neue Buch von Michael Braungart und William McDonough: "Die nächste industrielle Revolution"

 

Berichte über einige Firmen, die bereits nach Cradle-to-Cradle-Prinzipien produzieren:

Hermann Miller

Nike

Triumph

Earth Buddy

Remondis

Stand: 26.11.2008 von

Kommentare (12)   abonnieren

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    schrieb am 26.11.2008 um 20:51
    Vielen Dank, sein Vortrag war das Stärkste Stück während des Utopia-Kongresses plus Award. Ich bin froh, in Berlin dabei gewesen zu sein. Ich verfolge inzwischen, was er sonst publiziert und tut.
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    schrieb am 26.11.2008 um 23:48
    darum null punkte.

    (utopia kriegts ja immer noch nicht gebacken, dass man auch null punkte geben kann)
    > freiheit 2.0
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    schrieb am 27.11.2008 um 09:17
    ... wenn auch manchmal zu provokativ. Bei den Firmen wie Nike darf man nicht vergessen, dass a) erst ein verschwindend kleiner Prozentsatz wirklich ökologisch umgesetzt wird, b) die Turnschuhe noch immer von zarten Kinderhänden aus China, bzw. Wanderarbeiterinnen um 14 bei enorm schlimmen Bedingungen hergestellt werden, siehe z.B. die Dokumentation <a href="http://www.filmefuerdieerde.ch/Wissen-weitergeben/Filme-und-Themen/China-Blue/">China Blue</a> oder die Angaben der <a href="http://www.evb.ch/p52.html">Erklärung von Bern</a>. Auch wenn sie mit Cradle to Cradle experimentieren, gibt noch kein "buy". :) Wir haben übrigens die grösste Cradle2Cradle Videoclip-Sammlung im Netz zusammengesucht, falls <a href="http://www.filmefuerdieerde.ch/index.php?article_id=197>Lust</a>
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    schrieb am 27.11.2008 um 17:02
    Was bewerte ich? Wenn es um Braungart geht, gibt es keine fünf Sterne. Die wiedergegebene Argumentation ist nicht schlüssig: Gores Kritik richtet sich nicht gegen Kinder, sondern auf ein Problem, dass damit zusammenhängt. Her mit den Kindern dieser Welt!! Ebensowenig umöglich ist es, dass Menschen keinen "Müll" produzieren. Betrachtet man Konzentrationen unter dem Aspekt des chemischen Gleichgewichts (Sek.II), so ist Wachstum niemals unendlich. Einfacher gesagt: Die Ansätze sind utopisch. Auf der anderen Seite ist es genau das, was wir hier so lieben. Und so bewerte ich den Beitrag an und für sich. Der ist zweifelsohne großartig: Es kommt eben immer darauf an, was man aus den Sachen macht.

    McDonough kann man auch hören:
    http://sic.conversationsnetwork.org/shows/detail3142.html
    Großartig!
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    schrieb am 28.11.2008 um 02:04
    Fehler suchen, auf Schlüssigkeit überprüfen, wir sollten uns hüten. Die Überzeichnung ist hier doch Mittel zum Zweck. Erst wenn wir begreifen lernen, worum es eigentlich geht, können wir sinnvoll handeln. Jedenfalls spricht der Vortragende einmal laut und deutlich aus, was einige hier schon lange denken, nämlich, ein wenig strategischer Konsum allein wird es nicht richten. Ein ganz neues Bewusstsein muss entwickelt werden, gleichgültig, ob wir uns dafür schämen, dass wir so blöd sind oder nicht. Das wir es im Grunde sind, ist ja nicht von der Hand zu weisen, denn sogar die Zuhörerschaft, vermutlich in der Mehrzahl Utopisten, lachte zu häufig, wenn es dem Redner tiefster Ernst war. Dafür musste er an manch amüsant lakonischen Passagen durch lange Unterbrechungen Heiterkeit und Applaus abfordern.
    So bleibt darüber nachzudenken, wie das hier Gehörte mit dem hier seit einem Jahr Vollführten zusammengehen kann.
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    schrieb am 28.11.2008 um 08:45
    Wir Menschen haben das Problem in Kategorien zu denken. Wenn wir versuchen Ursachen oder auch Wege zu finden, beschränken wir uns viel zu stark immer nur auf einen Grund.

    Die Tatsache sich immer nur auf einen Punkt zu beschränken ist aber nicht richtig, Produkte so zu produzieren ist vollkommen richtig, trotzdem sollten wir währenddessen auch auf Nachhaltigkeit achten. Beide Wege zusammen führen zum Ziel und nicht nur einer...

    DAS WÄRE ZU EINFACH.
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    schrieb am 28.11.2008 um 14:13
    Ich hatte bereits mehrfach die Gelegenheit Michael Braungart zu treffen, da er uns (eine Bürgerinitiative) im Kampf gegen ein schlecht konzipiertes Ersatzbrennstoffkraftwerk begleitet.
    Er tut dies ehrenamtlich. Danke dafür.
    Es ist gut zu wissen, dass man von einem Menschen unterstützt wird, der da ist, wann immer man ihn braucht.

    Die Botschaft der Cradle-to-cradle-Strategie ist einfach und genial: Machen wir es wie die Natur, dann brauchen wir uns nicht zu sorgen!!! Denn die Natur ist in sich nachhaltig!!!! Alles greift ineinander, man muss nur den Gedanken zu Ende denken ...
    (Es wird übrigens noch klarer, wenn man seine Bücher liest.)

    Je mehr Länder, Organisationen und Menschen an der Umsetzung arbeiten, desto besser .... Holland ist schon im Boot.
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    schrieb am 28.11.2008 um 19:39
    Nichts gegen das Konzept der Öko-Effektivität. Das ist super!

    Braungart's Auftritte finde ich hingegen peinlich. Nicht nur, dass er durch Verwerfung von Begriffen wie Nachhaltigkeit versucht ein bisschen schriller rüberzukommen.

    Viel schlimmer finde ich, dass er die Zeit, die vergeht, bis alles nach dem Öko-Effektivitäts-Konzept produziert wird, schlicht ausklammert und durch ständige Anfeindungen Vermeidungsstrategien auch für die "Übergangszeit" als überflüssig und unnütz erscheinen läßt.

    Was wir bis dahin in Verbundprodukten verbrauchen und vergiften kann später kaum noch alles in Kreisläufe überführt werden. Aber diese Erkenntnis ist dem Professor wohl zu Industriefeindlich, als das er sie aussprechen würde.
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    schrieb am 30.11.2008 um 22:06
    Wie schauts aus mit dem Video?
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    schrieb am 01.12.2008 um 00:14
    "Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde." Henry Ford.

    Heute habe ich mit Studenten an der School of Economics die Cradle to Cradle Design Prinzipien besprochen. Braungart ist dabei, ein aehnlich geniales Designprinzip einzufuehren wie Ford damals. "Schnellere Pferde" ist eine lineare Extrapolation innerhalb desselben Systems, wie 'mehr Recycling' und bestaetigt das Prinzip Muell. Das alte System hat zu viele Loecher, und es kreiert das Problem mit. Wenn unsere Auffassung von Nachhaltigkeit Verschmutzung und Muell bestaetigt und am Leben haelt, muss ein ganz anderes, wesentlich intelligenteres und attraktiveres Design her. Quantensprung eben, wie damals vom Pferd zum Auto.
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    schrieb am 01.01.2009 um 11:27
    die bereits nach Cradle-to-Cradle-Prinzipien arbeiten, lässt sich hier einsehen:

    http://www.c2ccertified.com/

    Ich hatte die Möglichkeit, Braungart ein wenig kennenlernen zu können. Seine Art zu denken finde ich sehr erfrischend.
    Endlich mal jemand, der aufzeigt, dass wir keine Lebewesen sind, die vor lauter Schuldgefühlen nicht mehr aus den Augen sehen dürfen, sondern jemand, der sich Gedanken macht, wie man durch eine andere Herangehensweise an die ganze Umweltproblematik die Schwierigkeiten in den Griff bekommen kann.

    Ich hoffe, dass so schnell wie möglich immer mehr und mehr Firmen das Cradle-to-Cradle-Konzept auf sich übertragen, damit wir schuldfrei und dennoch nachhaltig leben können.
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    schrieb am 18.01.2011 um 11:47
    Es gibt übrigens auch eine Gruppe zum Thema:
    http://www.utopia.de/gruppen/cradle-to-cradle-design-262
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