Er reißt mit, ohne ein großartiger Rethoriker zu sein – durch die schiere, reine Kraft der Gedanken, die er vorträgt. Wenn – nur als Beispiel – Al Gore recht hat und die Überbevölkerung das größte Problem unserer Zeit ist, dann müssten wir bei jedem Kind, das wir sehen, erschreckt zusammenzucken. Das ist ein Fehler unserer Kultur: "Wir haben gelernt, dass der Mensch das Problem der Welt ist", sagt Braungart. Und das ist falsch. Es liegt an der falschen Ausrichtung unserer Lebensweise. Menschen sind die einzigen Lebewesen, die Müll produzieren, nicht selten auch noch hochgiftigen Sondermüll. Braungart will das ändern.
Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough hat Braungart das Designprinzip Cradle-to-Cradle entwickelt (Wiege zu Wiege), ein Prinzip, in dem es nur zwei Arten Materialien in der Produktion gibt: Solche, die verbraucht werden wie Schuhsohlen, Autoreifen und T-Shirts, müssen biologisch abbaubar sein – Nahrung für andere Lebewesen. Solche, die nur benutzt werden wie Fernseher, Waschmaschinen oder Fenster, müssen ohne Qualitätsverlust recyclebar sein. Im Ergebnis gäbe es keinen Müll mehr. Und dann würde dieser Planet auch 20 Milliarden Menschen ernähren können. Kinder wären eine reine Freude statt einer Bedrohung. "Umfassende Schönheit" nennt Braungart seine Vision. Und dagegen ist Nachhaltigkeit wirklich nur ein langweiliger erster Schritt.
Der Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart als Video
Das neue Buch von Michael Braungart und William McDonough: "Die nächste industrielle Revolution"
Berichte über einige Firmen, die bereits nach Cradle-to-Cradle-Prinzipien produzieren:


Kommentare (12)
abonnieren
(utopia kriegts ja immer noch nicht gebacken, dass man auch null punkte geben kann)
> freiheit 2.0
McDonough kann man auch hören:
http://sic.conversationsnetwork.org/shows/detail3142.html
Großartig!
So bleibt darüber nachzudenken, wie das hier Gehörte mit dem hier seit einem Jahr Vollführten zusammengehen kann.
Die Tatsache sich immer nur auf einen Punkt zu beschränken ist aber nicht richtig, Produkte so zu produzieren ist vollkommen richtig, trotzdem sollten wir währenddessen auch auf Nachhaltigkeit achten. Beide Wege zusammen führen zum Ziel und nicht nur einer...
DAS WÄRE ZU EINFACH.
Er tut dies ehrenamtlich. Danke dafür.
Es ist gut zu wissen, dass man von einem Menschen unterstützt wird, der da ist, wann immer man ihn braucht.
Die Botschaft der Cradle-to-cradle-Strategie ist einfach und genial: Machen wir es wie die Natur, dann brauchen wir uns nicht zu sorgen!!! Denn die Natur ist in sich nachhaltig!!!! Alles greift ineinander, man muss nur den Gedanken zu Ende denken ...
(Es wird übrigens noch klarer, wenn man seine Bücher liest.)
Je mehr Länder, Organisationen und Menschen an der Umsetzung arbeiten, desto besser .... Holland ist schon im Boot.
Braungart's Auftritte finde ich hingegen peinlich. Nicht nur, dass er durch Verwerfung von Begriffen wie Nachhaltigkeit versucht ein bisschen schriller rüberzukommen.
Viel schlimmer finde ich, dass er die Zeit, die vergeht, bis alles nach dem Öko-Effektivitäts-Konzept produziert wird, schlicht ausklammert und durch ständige Anfeindungen Vermeidungsstrategien auch für die "Übergangszeit" als überflüssig und unnütz erscheinen läßt.
Was wir bis dahin in Verbundprodukten verbrauchen und vergiften kann später kaum noch alles in Kreisläufe überführt werden. Aber diese Erkenntnis ist dem Professor wohl zu Industriefeindlich, als das er sie aussprechen würde.
Heute habe ich mit Studenten an der School of Economics die Cradle to Cradle Design Prinzipien besprochen. Braungart ist dabei, ein aehnlich geniales Designprinzip einzufuehren wie Ford damals. "Schnellere Pferde" ist eine lineare Extrapolation innerhalb desselben Systems, wie 'mehr Recycling' und bestaetigt das Prinzip Muell. Das alte System hat zu viele Loecher, und es kreiert das Problem mit. Wenn unsere Auffassung von Nachhaltigkeit Verschmutzung und Muell bestaetigt und am Leben haelt, muss ein ganz anderes, wesentlich intelligenteres und attraktiveres Design her. Quantensprung eben, wie damals vom Pferd zum Auto.
http://www.c2ccertified.com/
Ich hatte die Möglichkeit, Braungart ein wenig kennenlernen zu können. Seine Art zu denken finde ich sehr erfrischend.
Endlich mal jemand, der aufzeigt, dass wir keine Lebewesen sind, die vor lauter Schuldgefühlen nicht mehr aus den Augen sehen dürfen, sondern jemand, der sich Gedanken macht, wie man durch eine andere Herangehensweise an die ganze Umweltproblematik die Schwierigkeiten in den Griff bekommen kann.
Ich hoffe, dass so schnell wie möglich immer mehr und mehr Firmen das Cradle-to-Cradle-Konzept auf sich übertragen, damit wir schuldfrei und dennoch nachhaltig leben können.
http://www.utopia.de/gruppen/cradle-to-cradle-design-262