Green Area

Zeigt her Eure (grünen) Kleider!


Sie ist zum vierten Mal durch die deutsche Hauptstadt getobt: die Fashion Week. Konkret heißt das schmale Damen und geschniegelte Herren drehen sich im Blitzlichtgewitter, dazu Bussi-Bussi und Champagner satt. In Anbetracht der Glitzerroben und Pelzmäntelchen scheint Nachhaltigkeit exotisch. Mitnichten, denn im oberflächlichen Mode-Gewühl finden sich jede Menge Protagonisten für die gute Sache. Und "sustainability" (Nachhaltigkeit) ist längst "très chic" geworden. Die Fachmesse Premium, die parallel zu den Shows der Fashion Week in Berlin ihre Tore öffnete, widmet daher auch der wachsenden "grünen" Sparte seit mehreren Saisonen die "Green Area", einen eigenen grünen Bereich. Der stand unter dem Motto "Grün - die Farbe der Zukunft", worunter rund 50 Marken ihre Entwürfe für den kommenden Herbst präsentieren.

Bildergalerie

Green Area auf der Berliner Fashion Week 2009

Eine klare Struktur zeigt die Fläche leider nicht, die Anzahl der Hersteller ist wohl einfach noch zu klein. Dennoch, von Baby-Kleidung, über Turnschuhe, Hanfblusen und Abendkleider ist alles dabei. Das Schöne daran: Optisch erinnert kaum etwas an die düsteren Zeiten der Jute-Sack-Optik von grüner Mode. Stattdessen ideenreiche Designs, selbstbewusste Auftritte und Produkte, die die stilistische Konkurrenz der konventionellen Marken nicht scheuen müssen.
Kuyichi Herbst/ Winter 2009
"Bei Marken, die nur auf den Hype setzen, geht es gerade rapide nach unten - und bei uns immer nur nach oben", freut sich Christoph Dahn, Gründer der Agentur "Good True Beautiful" - "die Umsätze verdoppeln sich jedes Jahr. Die Krise ist großartig, denn viele Händler müssen innehalten, ihr Portfolio überdenken und nach Alternativen suchen. Nicht wenigen kommt dabei der Gedanke, es mit ,grün' zu versuchen." Tatsächlich war der Andrang am Stand von Dahns Zugpferd-Marke Kuyichi beachtlich. Das 2001 gegründete Jeans-Label aus Amsterdam wirbt mit den Worten "style conscious" (stilbewusst) und wird mittlerweile allein in Deutschland in mehr als 150 Shops verkauft. Kuyichi hat sich den Richtlinien des Fair Trade verschrieben und experimentiert mit alternativen Fasern aus Soja oder recyceltem PET. Jung und dynamisch in Szene gesetzt, müssen sich die lässigen Jeans und coolen T-Shirts von Kuyichi nicht hinter denen der Levi's und Lees dieser Welt verstecken.

Aber ebenso im gehobenen, konservativen Segment, steigt die Nachfrage beständig, weiß Dahn. In seinem Sortiment befindet sich daher für Lohas mit vollerem Geldbeutel unter anderem das Erfolgslabel Stewart & Brown, Entwürfe der Grand Dame Katherine E Hamnett und Edun, der Celebrity-Marke von U2-Sänger Bono und seiner Frau Ali Hewson. Gerade die edlen Seidenkleider und bestickten Blusen von Edun beweisen eindrücklich, dass sich "grün" und Stil tatsächlich bestens miteinander vertragen. Edun Herbst/ Winter 2009

Vom vielen Reden heiser dürfte nach den Fashio-Week-Tagen Ulrich van Gemmeren von Made-by gewesen sein, denn der Stand der 2004 in Holland gegründeten Initiative weckt reges Interesse. Made-by unterstützt Modeunternehmen bei der schrittweisen Verbesserung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen der gesamten Produktionskette ihrer Kollektionen. Marken wie Jackpot, Komodo, Nomad oder Makezenz nehmen die Beratung bereits in Anspruch. "Die Bestrebungen hin zu nachhaltiger Mode gibt es seit über 30 Jahren, es ist an der Zeit, dem Elend in den Fabriken ein Ende zu setzen", fordert van Gemmeren energisch. Transparenz fördert das von Made-by eingeführte Track & Trace-System. Das nur kurz erklärt: Über einen Code in der Kleidung erfahren Konsumenten, wo Ihr Kleidungsstück und von wem hergestellt wurde.

Dass "Bio" konkurrenzfähig ist, zeigt das Unternehmen "Global Detox" in Berlin, das sich auf fair gehandelte Biobaumwolle spezialisiert hat. Aus der jungen Vertriebsagentur "L'anima Fashion" hervorgegangen, richtet sich die Firma an Großkunden wie Hotels oder öffentliche Einrichtungen. Der Kunde kann aus einem breiten Produktsortiment wählen oder individuelle Designs in Auftrag geben. Aber auch die bereits fertig konfektionierten Produkte, sprich Kleidungsstücke, von Marken wie Ciel, DAA, Article 23 und des bezaubernden Eigenlabels So Pure der L'anima Fashion erfreuen sich positiver Resonanz. "Grüne Mode muss normal werden", fordert Marina Rudolph vom Hamburger Pionier-Unternehmen. "Wir spielen im selben Markt wie alle anderen und zahlen schließlich auch dieselben Standpreise." Tatsächlich war bei einigen Ausstellern Unmut zu vernehmen, weil die Green Area innerhalb der Messe immer wieder umgelegt wurde und schließlich an einem recht abgelegenen Eckchen stattfand.
Knowledge Cotton Apparel Herbst/ Winter 2009
"Knowledge Cotton Apparel" aus Kopenhagen hat sich deshalb gleich bewusst für einen Stand unter den "normalen" Marken entschieden. "Wir wollen uns über den Style definieren, die Tatsache, dass wir 100 Prozent zertifizierte Baumwolle benutzen und uns der Nachhaltigkeit verschrieben haben, ist für uns Standard", erklärt Gründer Mads Morup. Die farbenfrohe Streetwear für Männer kann sich ohnehin locker mit Anrainern à la Hummel, Diesel und Wrangler messen. Und womöglich ist dieser emanzipierte Schritt nach vorn genau der richtige, um das Nischendasein der nachhaltigen Mode zu beenden. Der Utopia-Besuch in Berlin hat gezeigt, dass die hübschen Kleidchen, Hosen und Pullover Begehrlichkeiten wecken können. Also los, kommt und zeigt Euch!

 

 

 

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