„Der Konsument unterschätzt seine Macht“
33Mit „Wut allein reicht nicht!“ wird der Schauspieler und... mehr
besser: wissen - machen - kaufen
Von Jan Berndorff
Das darf einem nicht entgehen, wenn Yvon Chouinard für einen Pressetermin extra nach München kommt, statt in den Steilwänden Patagoniens zu klettern, vor Hawaii Wellen zu reiten oder in Sibirien Fische zu fangen. Die meiste Zeit des Jahres ist der Gründer des Outdoor-Bekleidungs- und Ausrüstungsherstellers Patagonia unterwegs. Nicht auf Dienstreise im Privatjet, sondern zu Fuß in der Wildnis, um Abenteuer zu erleben. Erfolgreich ist seine Firma trotzdem. Und zudem leuchtendes Vorbild in Sachen Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Selbst Manager von Weltkonzernen wie Walmart oder Nike klopfen in Ventura, Kalifornien, an die Tür der Patagonia-Zentrale und fragen Chouinard um Rat. Was ist das Geheimnis seines Erfolgs?
Im Patagonia-Geschäft in München-Schwabing steht ein Pulk von Leuten, die das ebenfalls wissen wollen. Chouinard wird sein Buch vorstellen. Es heißt: „Lass die Mitarbeiter surfen gehen!“ Eine kleine Bühne mit ein paar Dutzend Stühlen davor ist aufgebaut. Eine Leinwand zeigt Bilder aus dem wilden Patagonien. Chouinard hat sich zwischen die Leute gemischt, plaudert, knabbert an einem Kanten Brot und fällt nicht weiter auf mit seinen knapp 165 Zentimetern Körpergröße, in Jeans und dunkler Steppweste.
Das Pressegespräch beginnt. Ein Potpourrie aus Anekdoten des Mannes, der eher aus Versehen Unternehmer wurde. Noch heute verbringt er mehr Nächte unter freiem Himmel als im Bett. Feine Gesellschaft ist ihm zuwider. „Ich hänge lieber mit Surfern und Herumtreibern ab als mit Geschäftsleuten.“
Lange trieb er sich selbst herum, statt ordentlich in die Schule zu gehen. „Die Geschichtsstunden waren eine gute Gelegenheit, zu üben, den Atem anzuhalten, um tiefer nach Hummern tauchen zu können.“ Auch zu Hause ließ er sich selten blicken. Stattdessen lebte er in der Natur, von Fischen, Beeren, Wurzeln. Als 24-Jähriger kam Chouinard sogar einmal 18 Tage in den Knast von Arizona wegen „Herumstreunens ohne festes Ziel“.
Niemals wäre es ihm in den Sinn gekommen, Unternehmer zu werden: „Mich heute als solcher zu outen, ist so, als müsste ich zugeben, Alkoholiker zu sein. Ich habe diesen Beruf nie respektiert. Denn Unternehmer müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, Feinde der Natur zu sein, heimische Kulturen zu zerstören, von den Armen zu nehmen und den Reichen zu geben und die Erde mit dem Abwasser ihrer Fabriken zu vergiften.“
Profit zu machen lag gar nicht in seiner Absicht, als er Anfang der 60er Jahre seine ersten Verkäufe tätigte. Er war einer der weltbesten „Big-Wall“-Kletterer der Welt – also einer von der Sorte, die riesige Steilwände meistern. So hoch, dass sie an einem Tag nicht zu schaffen sind. An Haken und Seilen in einer Hängematte übernachten diese Verrückten mitten in der Wand oder steigen in tiefer Dunkelheit weiter, nur im Licht ihrer Stirnleuchte. Das erfordert nicht nur Tollkühnheit, sondern auch bombenfestes Material. Und weil die damals üblichen Felshaken aus Europa in seinen Augen nichts taugten, kaufte Chouinard Hammer und Amboss und schmiedete seine Pitons selbst – den ersten aus dem Schneideblatt eines Mähdreschers. Diese Haken waren nicht nur härter, sondern auch wiederverwendbar, weil sie mit einem Handgriff aus dem Fels lösbar waren. Später, als sich herausstellte, dass sie tiefe Risse im Fels verursachten, stellte er die Produktion ein. Damals aber sprach sich seine Erfindung schnell herum. Und so schwang der Naturbursche immer häufiger den Hammer, fertigte auch Karabiner und andere Utensilien und machte ein kleines Geschäft auf, um seine Touren zu finanzieren. Es wuchs, und immer mehr Weggefährten stiegen mit ein. Zusammen entwickelten Sie neue Ideen – auch für Kleidung.
Kommentare (14)
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eco-logic
schrieb am 23.02.2012 um 10:51 ¶inaktiver User 14802
schrieb am 19.08.2010 um 10:49 ¶Kommentar schreiben
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