Studie zum Wasserverbrauch
Täglich 25 Vollbäder
„Umgelegt auf die Einwohnerzahl hat jeder Deutsche einen täglichen Wasser-Fußabdruck von 5288 Litern, was etwa 25 Badewannenfüllungen entspricht“, sagte WWF-Experte Martin Geiger als er am Montag in Frankfurt eine Studie zum Wasserverbrauch Deutschlands präsentierte. Und das, obwohl der direkte Wasserverbrauch von Privatpersonen in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf gerade einmal 124 Liter pro Tag zurückgegangen ist. Jedoch bei der Studie wurde nicht nur der direkte Wasserverbrauch berücksichtigt, sondern auch das in Lebensmitteln und Industriegütern enthaltene “virtuelle Wasser“: Wasser, das im In- oder Ausland bei der Herstellung eines Produkts verdunstet, verschmutzt oder verbraucht wird. Rund die Hälfte des deutschen Wasserbedarfs wird demzufolge über ausländische Produkte importiert.
Damit führt die Bundesrepublik, obwohl sie in einer wasserreichen Region der Erde liegt, jedes Jahr rund 80 Milliarden Kubikmeter Wasser ein und zählt neben den USA und Japan zu den größten Wasserverschwendern weltweit. Oft gehe dies zu Lasten von Ländern, in denen ohnehin Wassermangel herrscht. Insgesamt hat Deutschland laut der Studie der Umweltstiftung einen jährlichen Wasser-Fußabdruck von rund 160 Milliarden Kubikmetern – das ist mehr als das dreifache Volumen des Bodensees.
„Wasserverbrauch ist nichts schlechtes, sondern ein natürlicher Vorgang“, erklärt Martin Geiger. „Es kommt aber immer darauf an, wann, wo und wie viel Wasser aus der Natur entnommen wird.“ Mit einem Anteil von knapp drei Vierteln des Gesamtverbrauchs beanspruche die Landwirtschaft am meisten Wasser, so das Fazit des WWF. Deutlich schlägt sich im Agrarsektor der hohe Fleischkonsum nieder: mehr als 50 Milliarden Kubikmeter Wasser finden allein in der Viehzucht Verwendung. Etwas weniger als ein Viertel gehe auf das Konto der Industrie. Und von den täglich 5300 Litern Wasser pro Einwohner würden lediglich 124 Liter direkt pro Kopf - etwa beim Waschen oder Kochen - genutzt.
Besonders alarmierend sei, dass der Großteil dieses Wasser-Fußabdruckes von importierten Waren wie etwa Kaffee oder Baumwolle herrührt, die oft aus Ländern kämen, die unter Wassermangel oder hohen Umweltbelastungen leiden. Dies gelte für Brasilien, Indien oder Indonesien, aber auch für Länder am Mittelmeer wie etwa Spanien, Italien oder die Türkei, in denen im Sommer lange Trockenperioden herrschen. “Hier fehlt das Wasser, das wir in Deutschland verbrauchen“, sagt WWF- Wasserexpertin Dorothea August. Ganze Ökosysteme seien in Gefahr.
Auf diese Gesetzmäßigkeiten müssten sich vor allem Landwirtschaft und Industrie ein- und ihre Produktionsprozesse auf eine effiziente Wassernutzung umstellen. Die Politik solle, forderte der WWF, einen Rahmen für den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser setzen. Deutschland sei in der Pflicht und habe die Verantwortung, bei Importgütern auf deren Wasserverbrauch im Herkunftsland zu achten. Die sozialen und ökologischen Folgen des deutschen Wasser-Fußabdrucks gelte es zu reduzieren. Das meiste Wasser führe Deutschland über Agrar-Güter aus Brasilien mit 5,7 Milliarden Kubikmetern Wasser ein sowie von der Elfenbeinküste mit 4,2 Milliarden und aus Frankreich mit 3,5 Milliarden Kubikmeter.
Aus Brasilien werden große Mengen an Kaffee und Soja für die Futtermittelindustrie nach Deutschland geliefert. Laut Geiger zählt Brasilien zwar zu den regenreichsten Ländern dieser Erde, "trotzdem gibt es dort eine Wasserkrise." Grund dafür sei eine unkontrollierte Wasserverschmutzung, die als Hauptursache für viele ansteckende Krankheiten gelte. Der WWF kritisierte die Importe aus den Ländern Brasilien, Indonesien, Indien, der Türkei, Spanien und Italien, denn man könne in der Regel davon ausgehen, dass die Hälfte der aus dem Ausland stammenden Erdbeeren oder Zitrusfrüchte mit Wasser aus illegalen Brunnen produziert würden. Wasserintensive Agrarwirtschaft in Regionen wie der Serengeti in Afrika oder dem Zuflussgebiet des Mekong in Asien hätten drastische Auswirkungen auf die ökologische Vielfalt und die Bevölkerung.
Von der Bundesregierung forderte der WWF, dass sie die Entwicklungszusammenarbeit nutze, um Anreize für eine maßvolle und legale Bewässerung zu setzen. Es gehe nicht darum, die Produktion einzustellen, sondern sie effektiver zu gestalten. Von den Unternehmen wiederum forderte der WWF, dass sie verstärkt Regionen mit effizienter Wassernutzung bei ihrer Rohstoffproduktion vorziehen sollten. Und an die Verbraucher gerichtet war die Botschaft zu einem geringeren Wasserverbrauch beizutragen, indem weniger Fleisch konsumiert werde und der Warenkorb mit Produkten der Saison und Region gefüllt werden solle. Die „durstigsten“ Produkte seien Baumwolle, Rindfleisch, Reis und Zucker. Außerdem werde derzeit an einem Etikett gearbeitet, das beim Einkaufen deutlich machen solle, wie viel Wasser bei der Produktion von Lebensmitteln, T-Shirts oder Gegenständen verbraucht wurde.
Der jährliche Wasserverbrauch Deutschlands nochmal nach Sparten:
- private Haushalte: 5,5 Mrd. m³
- Industrie: 36,4 Mrd. m³
- Agrar-Sektor: 117,6 m³
Zum World Wide Fund for Nature im Web: www.wwf.de
Foto: photocase/ MMchen, utopia
Ein klarer Fall: Warum Deutschland ein Wasser-Importland ist – mit interaktiver Grafik


Kommentare (14)
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sternenstaub
schrieb am 22.04.2010 um 00:05 ¶Werner Witschi
schrieb am 10.12.2009 um 08:00 ¶Kommentar schreiben
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