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Für Schöpfungsgläubige war diese Rechnung ein Geschenk des Himmels, schien sie doch zu beweisen, dass der Kosmos nicht durch natürliche Prozesse entstanden sein konnte, sondern nur durch das Walten Gottes. Die Naturwissenschaftler aber ersannen einen Ausweg. Womöglich, so ihre Überlegung, gibt es nicht nur einen Kosmos, sondern Myriaden davon, die ein übergeordnetes Multiversum bilden. Darauf weist die so genannte Stringtheorie (von englisch „string“ = Saite) hin. In diesem Ideengebäude gelten die Elementarteilchen als winzige eindimensionale Fäden, die aber heftig schwingen. Je nach Frequenz und Schwingungsmodus bilden sie die bekannten Teilchen wie Proton oder Elektron. Nur: Für die Formeln der Theorie gibt es bis zu 10500 verschiedene
Lösungen. Womöglich beschreibt jede davon ein eigenes Universum. In jeder dieser kosmischen Blasen herrschen andere Naturkonstanten und -kräfte. Sprich: Es ist doch Zufall, dass eines der Universen eine lebensfreundliche Konstellation bietet. Und wir existieren ausgerechnet in diesem, einfach weil die anderen es nicht möglich machen.
Die Theorie erlaubt es, dass die einzelnen Universen unabhängig voneinander existieren könnten, sie könnten aber auch durch Quanteneffekte auseinander hervorgehen. Die Frage nach dem Ursprung, so kontern wiederum die Deisten, werde dadurch aber nicht beantwortet, sondern nur zurückverlagert an den Beginn des Multiversums, wo es dann eine „Ur-Singularität“ gegeben haben müsste. Oder in die
Ewigkeit, denn vielleicht gibt es das
Universum schon seit unendlich langer Zeit. Dann aber muss man seinen Ursprung nicht mehr erklären.
So wogt die Debatte zwischen Gottgläubigen und Atheisten hin und her. Eine Art Kompromiss ergibt sich aus der Auffassung des niederländischen Philosophen Baruch Spinoza, der die Meinung vertrat, „das Göttliche“ manifestiere sich in allen Erscheinungen der Welt; somit sei das Universum gleichbedeutend mit Gott. Albert Einstein zum Beispiel bekannte einmal: „Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit dem Schicksal und den Handlungen der Menschen abgibt.“ Einstein dachte auch darüber nach, ob dem Schöpfer damit nicht auch Grenzen gesetzt sind: „Was mich eigentlich interessiert, ist, ob Gott die Welt hätte anders machen können, das heißt, ob die Forderung der logischen Einfachheit überhaupt eine Freiheit lässt.“ Ist Gott aber der Weltenschöpfer, muss die Frage erlaubt sein: „Woher kommt er, wer hat ihn geschaffen?“ Für Gläubige ist der Fall klar. Er hat seinen Grund in sich selbst: Gott kommt von Gott. Diesen Schluss zog schon Aristoteles mit seinem „ersten Beweger“. Der antike Philosoph dachte ihn als unbewegt, so dass er selbst keine Bewegungsursache mehr erfordert.
Diese lapidare Antwort genügt den Naturalisten nicht. Sie versuchen, die Entstehung des Universums auf natürliche Prozesse zurückzuführen. Viele Physiker etwa glauben, am Anfang habe ein so genanntes Quantenvakuum gestanden – ein Zustand reiner Energie also, frei von Raum, Zeit und Materie. Irgendwann
änderte eines der darin irrlichternden Quantenfelder zufällig seinen Energiezustand. Diese Quantenfluktuation führte zum Urknall. Dies wäre wohlgemerkt keine „creatio ex nihil“ (Schöpfung aus dem Nichts), denn Quantenfelder sind auch im Vakuum vorhanden.
Fantastischer noch ist die Schöpfungsgeschichte, die der US-Physiker John Richard Gott ersann (sein Nachname ist nur Zufall). Darin erschuf sich das Universum quasi selbst. Und zwar aus einer geschlossenen Zeitschleife. Es hätte dann
einen Anfang, aber keinen ersten Moment: Die Raumzeit gleicht
einem Stamm, von dem ein Ast
abzweigt, der dann aber selbst zur Wurzel des Stamms wird. Dieses endlose Kreisen der Zeit wurde durch eine Quantenfluktuation unterbrochen, wodurch in einem ersten Urknall ein Universum in eine raumzeitliche Existenz sprang, von dem sich weitere Universen – darunter auch unseres – abspalteten.
Solche Theorien könnten jedoch allenfalls erklären, wie das Universum entstand. Warum es entstand, bliebe dennoch offen. Würden wir die Antwort kennen, wüssten wir auch, ob unser All auf übernatürliche Weise erschaffen wurde oder natürlich entstand. Das hat auch der britische Physiker Stephen Hawking erkannt. „Wenn ich wüsste, warum das Universum entstand“, erklärte er, „würde ich alles wirklich Wichtige wissen.“
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BUCHTIPPS: 
Hans Küng: Der Anfang aller Dinge. Piper. 246 Seiten, 18,90 €.

Gerhard Börner: Schöpfung ohne Schöpfer. DVA. 232 Seiten, 19,90 €.

Ulrich Walter: Zuhause im Universum. Rowohlt. 160 Seiten, nur noch antiquarisch.

HÖR-CD: Hans Küng: Gott als Anfang? Komplett-Media. 85 Minuten, 12,95 €.
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Zuerst erschienen bei unserem Medienpartner:



Kommentare (6)
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Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.
Douglas Adams
Was hat mir der Artikel gebracht? Außer Verwirrung und etwas totgeschlagener Zeit nicht viel. Persönlich empfinde ich die Suche nach Gott und seiner Verantwortlichkeit für die Welt als mühsam und überflüssig. Die Lösungen, die derzeit von Nöten sind, finden sich sicher nicht im Urknall und schon gar nicht in einem "Schöpfer". Wir sind Gott, weil wir Schöpfer und Zerstörer in einem sind. Ob wir eine intelligente Spezies sind, wie im Artikel geschrieben, wird die Zukunft zeigen.
Herzliche Grüße
Horst
http://www.utopia.de/user/36762/meine-welt
Und dabei hätten 1240 Zeichen für "10 hoch 10 hoch 123" ja schon genügt!
gott lässt sich nicht beweisen. seine nicht-existenz allerdings auch nicht. was bleibt ist der glaube. ob jemand glaubt, ist etwas persönliches, subjektives.
für mich selbst steht die frage nach gott auf der selben stufe wie die frage nach der existenz von einhörnern, feen & zwergen. ich persönlich glaube nicht an sie.
schwer ist es für gläubige zu erklären, warum es all das leid auf erden gibt. denn wenn gott allmächtig, allwissend & allgütig ist, dann klingt das nach einem sehr grausamen gott, wenn z.B. die kleine anna an krebs leidet, "masthühner" nach einem 6-wöchigen höllenleben evtl. bei lebendigem leib getötet werden...
problematisch wird es auch, wenn gläubige durchsetzen, dass die evolutionstheorie nicht mehr an schulen gelehrt wird...
Christen, Juden und Islam haben einen Ursprung: Abraham. Dessen Geschichte ist jedenfalls im AT die von Israel. Wohin also starker Glaube und Auserwähltheit von Gott führt, kann jeder in den Nachrichten über Israel sehen. Wer glaubt, das sei ein Versagen der Jetztzeit: das AT ist voll von ähnlichen Konflikten.
Wer Gott an den Anfang stellt um etwas zu erklären, muss sich fragen lassen, wie dann Gott entstehen konnte. Gott aus Gott bzw der Unendlichkeit ist auch auf das Universum anwendbar, von der der Urknall vielleicht nur 1 Ereignis von vielen darstellt.
Unsere Welt ist schlecht genug, um sich nicht auf Gott zu verlassen. Nachhaltiges Handeln und Forschung unerlässlich.