Wie grün ist die Wintersportindustrie? - ISPO Winter 2008/2009
Die Messe soll in diesem Jahr durch Ausgleichsmaßnahmen vollständig klimaneutralisiert werden, und auch der einmal jährlich auf der Messe vergebene Volvo Design Award, der für besonders viel versprechende Produktdesigninnovationen verliehen wird, hat bei dieser ISPO Winter grüne Vorzeichen. Das Motto, dem die Preisverleihung folgt, wechselt in jedem Jahr und heißt diesmal "Eco Design".
Nominiert sind 36 von insgesamt 302 Bewerbern in den Kategorien Ski-, Board-, und Outdoorequipment, Kleidung, Wheelers, Accessoires und Konzepte. Ihre Produkt- und Konzeptideen folgen mehr oder weniger nachhaltigen Kriterien, zum Beispiel Wiederverwertbarkeit der Rohstoffe, ressourcenschonende Herstellung oder die Verwendung umweltfreundlicher Materialien.
Betritt man das Volvo-Forum im ICM, dem Ort der Verleihung, dreht sich alles um Nachhaltigkeitsaspekte – sofern moderne Produktions- und Nachfragestrukturen dies zulassen. Neue formbare Materialien halten Einzug in die Produktionen, seien es formgepresste Pflanzenfasern für leichte Koffer und Behälter oder "Bioplastik" aus erdölfreier, ökologischer Produktion. Die nachhaltige Berücksichtigung der Lebenszyklen von Produkten hält Einzug in das Produktdesign – eine Vortragsreihe mit prominenten Rednern aus der Nachhaltigkeitsbranche macht deutlich, dass grünes Design heute kein schnelles Lippenbekenntnis mehr ist, sondern eine reale Alternative zum konventionellen Produktdesign.
"Cradle to Cradle" nennt Professor Michael Braungart seine Vorstellung von einem optimalen Produtdesign. Er ist der wissenschaftliche Leiter des Hamburger Umweltinstituts und Mitglied der Award-Jury. "Was man bisher unter nachhaltiger Produktion versteht, läuft noch zu stark nach dem Von-der-Wiege-bis-ins-Grab-Prinzip", erklärt Braungart. "Eine wirklich nachhaltige Produktion erzeugt überhaupt keine Reststoffe, sondern folgt dem Kreislauf von der Wiege bis zur Wiege. Diese Art zu produzieren ist möglich - das wird zum Teil schon an den eingereichten Vorschlägen der Nominierten deutlich."
Auch wenn die ISPO eine von vielen Messen mit zigtausenden nützlicher und unnützer Gegenstände ist, mit hunderttausenden von Menschen, die durch riesige Hallen und Räume tapern – es macht sich Aufbruchsstimmung bemerkbar auf der ISPO. Die Richtung: grün.
"Schade, dass man das von einer Messe auf dem Münchner Messegelände nicht natürlicherweise erwartet", bedauert Tobias Gröber, Bereichsleiter für Konsumgüterveranstaltungen bei der Messe München und ISPO-Chef. "Als das Messegelände in den achtziger Jahren gebaut wurde, hat man bereits den Umwelt-Aspekt berücksichtigt", erklärt Gröber. "Wir haben hier ein 70.000 Quadratmeter großes Solardach für die Stromversorgung, zwei eigene Blockheizkraftwerke für die Wärmeversorgung, und für einen Großteil der Wasserversorgung nutzen wir Regenwasser-Sammelanlagen – und das schon seit beinahe zwanzig Jahren." Gröber zeigt sich begeistert angesichts des spürbaren Wandels hin zur Nachhaltigkeit. "Wir sind da auf dem richtigen Weg. Die Hersteller machen sich zunehmend Gedanken darüber, dass man ihr Equipment nicht nutzen kann, wenn die Umwelt kaputt geht, und stellen ihre Produktion um." Das einzige, was Gröber nach wie vor Sorgen macht, ist das alte Problem aller Messeveranstalter – der Müll.
Als am Dienstag Abend die Gewinner des Volvo EcoDesign Awards bekannt gegeben werden, ist die Stimmung unter den Händlern und Ausstellern ausgelassen. Es liegt nur noch ein weiterer Messetag vor ihnen, es ist Zeit zu feiern. Und es ist Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Die Sieger des EcoDesign Awards werden ihren frisch erlangten Ruhm dazu nutzen, ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen weiter auszubauen. Und sie werden Akzente setzen, Impulse geben. Die Sportartikelindustrie verändert sich. Zugunsten einer neuen Denkweise, die noch für Jahrzehnte das Bild der Industrie verändern wird.
Hier die Gewinner des Volvo EcoDesign Awards auf der ISPO Winter 2008/2009:
Kategorie Ski Equipment: Grown aus Deutschland
für den Grown Ski, der zu 100 Prozent mit grüner Energie hergestellt wird und ohne Plastik, Karbon und CO2 auskommt.
Kategorie Outdoor Equipment: Outdry aus Italien
für die Footwear Waterproofing Technology, einem atmungsaktiven Versiegelungssystem für Schuhe, das mit ausschließlich umweltfreundlichen Bestandteilen hergestellt wird.
Kategorie Board Equipment: Salomon Snowboards aus Frankreich
für das Snowboard "Sickstick", ein nachhaltig produziertes Bambus-Snowboard.
Kategorie Apparel: Klättermusen aus Schweden
für die wind- und regendichte Outdoor-Jacke "Einriede" aus 100 Prozent kontrolliert biologisch angebauter Baumwolle.
Kategorie Wheelers: Essedum aus Deutschland
für einen Golfcaddy, den man als Anhänger an sein Fahrrad hängt.
Kategorie Accessories: Biogolftee aus Österreich
für Golf-Tees aus Weizenstärke, die man einfach kompostieren kann. Nach sieben Wochen sind sie weg.
Kategorie Concepts: Schöner Boot Fahren aus Deutschland
für ein Konzept für ein aus Modulbauteilen bestehendes Segelboot aus Birkenholz.
Überraschend wurde am Schluss der Veranstaltung der Sonderpreis "Eco Brand of the year" für besonders herausragende Markenqualität verliehen, und zwar an: Patagonia aus den USA
für ihre vollständig reycelte und weiter recycelbare Performance-Jacke "Women's Powder Bowl Jacket".


Kommentare (4)
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Gundula
schrieb am 31.01.2008 um 23:20 ¶Kommentar schreiben
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