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Handy-Strahlung

Wie gefährlich ist Ihr iPhone?


Von Mareicke Kaiser

Ein Top-Smartphone mit hohen Strahlungswerten

Zu hohe Signalstärken waren der Grund für negative Schlagzeilen des iPhones - zahlreiche User sind wegen seiner Strahlung verunsichert. Das iPhone zählt wohl zu den beliebtesten Smartphones und seine Strahlungswerte liegen im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Werte. Allerdings erwartet man von einem Top-Smartphone auch Top-Werte. Und die hat das iPhone nicht: Die SAR-Werte liegen im unteren Drittel der Strahlungs-Rankings, zwischen 0,62 und 1,1. Nach Angaben eines Schweizer Großhändlers für Mobilfunkbedarf ist das iPhone 3G sogar unter den Top 20 der Handys mit der größten elektromagnetischen Strahlung. Der Konkurrent LG dagegen bietet ein Smartphone mit einem SAR-Wert von nur 0,34 an.

Die Strahlungsbelastung durch Mobiltelefone wird von den Herstellern als SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate) in Watt pro Kilogramm Köpermasse angegeben. Dieser ist das Maß für die Absorption von elektromagnetischen Strahlen in biologisches Gewebe. Das heißt, es wird die Erwärmung des menschlichen Gewebes gemessen, welche bei sechsminütiger Nutzung der maximalen Sendeleistung beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung entsteht. Der Grenzwert für Handys liegt in Europa bei einem SAR-Wert 2. In den USA und in Kanada ist dieser Wert 20 Prozent niedriger bemessen: Nur Geräte die einen SAR-Wert von 1,6 oder weniger erreichen, werden für den Markt freigegeben.

Die World Health Organization, die Mobilfunkprovider und auch das Bundesamt für Strahlenschutz sind sich in ihrer Zurückhaltung einig. Bei den aktuellen Grenzwerten, gäbe es nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft keinerlei gesundheitliche Gefährdung für Handynutzer. Garantieren kann das jedoch keiner. Experten empfehlen, das Festnetz dem Handy vorzuziehen, da die Strahlenbelastung selbst bei schnurlosen Telefonen wesentlich geringer ist. Nach Möglichkeit sollte ein Headset verwendet werden, um zu vermeiden, dass sich das Mobiltelefon direkt am Körper befindet. Das Schreiben einer Kurzmitteilung anstelle eines Telefonats und die Aufbewahrung des Geräts in einer Umhängetasche, helfe ebenfalls die Strahlungseinwirkung auf den Körper zu minimieren. Außerdem sollte man nur bei gutem Empfang im Freien telefonieren - nicht in Auto, Bus oder Bahn.

Die Anzeige der Signalstärke: fehlerhaft

Was das iPhone noch gefährlicher macht: Die Anzeige der Signalstärke im Display arbeitet fehlerhaft. Es werden bessere Empfangswerte angezeigt als vorhanden sind. Ist der Empfang schlecht, muss das Smartphone mit einer höheren Sendeleistung arbeiten. Der User ist also wegen des scheinbar guten Empfangs mehr Strahlung ausgesetzt, als es bei tatsächlich gutem Empfang der Fall ist. Das heißt nicht, dass die SAR-Werte faktisch noch schlechter sind als angegeben, da sie ohnehin die maximale Sendeleistung des Mobiltelefons beschreiben. Dem gesundheitsbewussten Nutzer gelingt es jedoch kaum, die Strahlungsbelastung durch sein iPhone zu minimieren. Mit einem entsprechenden Update des Herstellers sollte das Problem der fehlerhaften Displayanzeige allerdings gelöst sein.

 

Ein weit besserer Lösungsansatz wäre die Strahlungs-App. Diese könnte verdeutlichen, wie viel Strahlung aktuell vom Smartphone ausgeht. Doch genau diese App hat Apple aus Angst vor Benutzerirritationen abgelehnt. Die Umweltorganisation Environmetal Working Group kritisiert dieses Vorgehen scharf: Apple habe Milliarden damit verdient, jedem jederzeit Informationen verfügbar zu machen. Jetzt hätten sie Angst, dass iPhone-Benutzer sich über Strahlung informieren.

Welche Gefahren langfristig durch die permanenten Strahlenbelastungen der Smartphones entstehen, wird sich erst in den kommenden Jahrzehnten herausstellen. Die Problematik der Strahlenbelastung und deren mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit müssen weiterhin kritisch beobachtet und untersucht werden. Die Erhebung des SAR-Wertes bei maximaler Belastung passt nicht zur Nutzung der Smartphones als ständige Informationsdienstleister. Diese werden meist in den Händen gehalten werden und befinden sich nicht in direkter Nähe des Kopfs. Hier müssen die Messstandards dem Userverhalten angepasst werden.

Mehr Kaufkriterien als nur der SAR-Wert

Und nicht zuletzt: Andere Hersteller haben auch hübsche Smart-Phones. Neben dem SAR-Wert gibt es weitere grüne Kaufkriterien. Im aktuellen Elektronik-Ranking von Greenpeace (engl.) werden ökologische Eigenschaften wie Energieeffizienz, Toxizität und Rücknahme zum Recycling bewertet. Apple hat sich aus der Studie leider ausgeklinkt und das, obwohl das iPhone4 laut Apple inzwischen auf PVC, Brom in der Leiterplatte, Quecksilber im LCD-Display und Arsen im Displayglas verzichtet.

Thema: Green IT, Stand: 27.01.2011 von

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    schrieb am 12.09.2011 um 00:01
    Zitat von Apple aus "iPhone 4 Wichtige Produktinformationen"

    "Befindet sich das iPhone beim Telefonieren oder bei der drahtlosen Datenübertragung in einem Funknetz in der Nähe des Körpers, achten Sie darauf, dass das iPhone mindestens 15 mm vom Körper entfernt ist."

    http://manuals.info.apple.com/de_DE/iPhone_4_Wichtige_Produktinformationen.pdf

    Der SAR-Wert des iPhone des iPhone ist ja nun leider auch sehr hoch im Vergleich zu Modellen von z.B. Samsung.

    Lenny Kravitz nutzt ein cooles Retro Headset mit seinem iPhone.

    Die WHO hat am 31.05.2011 Handystrahlung also "möglicherweise krebserrend" eingestuft.

    "Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass bei intensiver Nutzung von Mobiltelefonen ein um 40% erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Glioms bestehen könnte.[1] Die Angaben stammen von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO, die auf eine Studie aus dem Jahr 2004 verwies.[2][3]"

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gliom

    Mehr Informationen zum Thema Mobilfunk und Gesundheit, Gesundheitsrisiko von Handy, Handystrahlung, Mobilfunksendern, GSM, UMTS, LTE, TETRA, DECT, WLAN

    http://www.mobilfunkstudien.de

    http://www.facebook.com/Mobilfunk.und.Gesundheit mehr weniger
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    schrieb am 02.02.2011 um 16:46
    An sich ist gegen innovative Ideen nichts einzuwenden, wenn sie das Leben leichter machen und einem b.B. Zeit geben, sich mit wirklich dem Sinnvollen im Leben zu beschäftigen, z.B. "offline" mit Menschen zu sprechen & darüberhinaus nachhaltig zu sein etc.
    Ob das iphone wirklich zu sinnbringenden Innovationen gehört, wage ich zu bezweifeln.
    Wer wahrhaftig in sich ruht, hat keinen Stress, sondern schafft sich geschickt Freiräume ohne Telefon.
    Wer wahrhaftig in sich ruht, managt sein Umfeld so ohne sich unentbehrlich zu machen.
    Wer wahrhaftig in sich ruht, braucht keine Statussymbole.
    Vielleicht ist iphone besitzen ja wie "Rauchen", Suchtgefahr inklusive. mehr weniger
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    schrieb am 01.02.2011 um 21:02
    SAR-Werte der iPhones sind:
    iPhone (1. Generation) 0,62
    iPhone3G 0,88
    iPhone3GS 1,1
    iPhone4 0,93
    (Angaben vom Bundesamt für Strahlenschutz
    http://www.bfs.de/de/elektro/oekolabel.html
    etwas runterscrollen)

    hier kann Smartphones nach Strahlungswerten auflisten lassen:
    http://www.ewg.org/cellphoneradiation/Get-a-Safer-Phone?phone_function=PDA mehr weniger
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    schrieb am 31.01.2011 um 17:12
    1. Klar, wir lesen Eure Kommentare. Kommen nur leider oft nicht so schnell zum Antworten, wie wir das selber wollen.

    2. zu den Iphone-Artikeln ist im Newsletter der Zusammenhang erklärt: wir wollen mit diesem Schwerpunkt über die Licht- und Schattenseiten des iPhones berichten.
    Mag schon sein, dass es nicht das Lieblingsspielzeug von allen ist, aber immerhin von vielen. Und viele wollen eins. Die gilt es aufmerksam zu machen.

    @Tachy: der Vorwurf der Ignoranz schmerzt.

    Eigene Beiträge findest Du zum Beispiel leicht über Deine Aktivitätsanzeige: http://www.utopia.de/profile/Tachy/aktivitaet mehr weniger
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    schrieb am 31.01.2011 um 12:36
    Naja,

    ich weiss auch nicht, ob Utopia unsere Kommentare überhaupt noch liest. Seit damals im Zuge eines "Redesigns" von der Forenstruktur auf die Gruppenstruktur in der Community umgebaut wurde (was ja, wie jeder sieht, in diesem heillosen Chaos endete), schaue ich selbst kaum noch auf Utopia rein. Man findet nichts mehr, eigene Beiträge gehen im unsortierten Chaos unter.

    Wen wundert es, wenn die Berichterstattung ähnlich ignorant und chaotisch wirkt wie der ganze Webauftritt?

    Der User steht ja hier gar nicht mehr im Mittelpunkt. mehr weniger
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