Emotion statt Intellekt
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Die Münchner Gastronomin Sandra Forster hat vor rund zwei Jahren in München das "Café King“ eröffnet, was eine Mischung aus Bar und veganem Bistro ist. Es gibt den Kaffee mit Sojamilch, daneben auch Bio-Limo, -Biere sowie -Weine und täglich wechselnde vegane Speisen. Zuvor leitete sie außerdem mehrere Jahre erfolgreich das „Zerwirk“: ein veganes Restaurant namens "Saf" mit einem Club. Die 35-Jährige hat vor kurzem zusammen mit der Münchner Blumenbar, einem ganz besonders feinen kleinen Verlag, „Das Vegane Kochbuch“ herausgegeben. Es soll kulinarische Anregung sein wie auch ein „Laboratorium für eine Küche der Zukunft“. Die Rezepte sind echte Gaumenfreuden – wir haben sie teilsweise nachgekocht und sind begeistert – und zudem von Fotografin Sarah Illenberger sehr besonders in Szene gesetzt. Utopia hat mit der Herausgeberin Sandra Forster über vegane Esskultur gesprochen – passend zum Welt-Veganer-Tag am 1. November.
Utopia: Sie schreiben in Ihrem Beitrag „Lächeln hilft“ im Buch, der Veganer müsse immer darauf achten, sich selbst und andere nicht zu nerven wegen der schwierigen Beschaffungslage. Kann eine Ernährungsart gut sein, die einen derart vor Probleme stellt?
Sandra Forster: Aber ja, aber es ist halt anstrengend. Ein Veganer muss immer sehr genau schauen, was er zu sich nimmt, denn in vielem sind tierische Produkte. In den meisten Suppen, in Salatdressings ist oft Rinderbrühe, im Kartoffelsalat Speck, in Gemüsesuppen oft Sahne, Butter ist in vielem und gerne versteckt sich Vollei in Gebäck oder Kuchen von Konditoreien. Es geht bis hin zum Waschmittel oder auch zur Kosmetik, für die oftmals Tierversuche gemacht wurden. Da muss halt jeder für sich entscheiden, inwieweit er das durchzieht. Auch auf Kosten von anderen, denn es erschwert das Leben etwa des Partners, der Eltern oder der Freunde. Vor allem beim Weggehen, bei Einladungen, beim Reisen. Also ich habe das aus diesen Gründen nicht immer hundert Prozent durchgezogen.
Beenden Sie bitte folgenden Satz: Ich werde schwach bei...
S. F.: ...Käse (lacht). Bei Käse gibt es einfach keinen adäquaten Ersatz, obwohl es bei allem anderen tolle Ersatzprodukte gibt. Es gibt leider nichts, was auch nur ansatzweise so schmeckt wie Käse!
Als ich selbst vor mehr als 20 Jahren über einen längeren Zeitraum vegetarisch gegessen habe, war es noch viel schwieriger, sich so zu ernähren. Da hat sich inzwischen sehr viel getan. Ist das für vegane Produkte auch so?
S. F.: Ja, es gibt mittlerweile jede Menge Sojabratlinge und das in jedem Supermarkt. Da hat sich wahnsinnig viel zum Positiven verändert.
Sie schreiben von einem „sexy Zugang“ zu veganem Essen – was verstehen Sie darunter?
S. F.: Wir fanden es schon im „Zerwirk“ wichtig, dass es nicht trostlos, schmallippig, freudlos rüber kommt. Es war für uns immer ein politisches Statement. Ich meine, es macht einen Unterschied, ob jemand aus gesundheitlichen oder politischen Gründen Veganer ist. Dennoch soll es nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschehen so à la „Ihr müsst auch alle Veganer werden“, sondern was wir da kultivieren soll einfach zum Nachdenken animieren und ein wenig Informationen darüber wollten wir auch vermitteln, aber der Rest ist jedem selbst überlassen. Eben relaxt. Ich denke jedoch, dass darüber viele beginnen, sich bewusster zu ernähren, weil sie anfangen, gewisse Dinge nicht mehr zu essen oder bewusster ans Essen herantreten. Nicht einfach eine Wurst essen, die abgepackt im Supermarkt liegt, sondern lieber ganz bewusst ein Stück Fleisch essen. Oder bewusst reine Milch trinken, aber eben nicht Kaffee mit Milch und irgendwelchen Geschmacksnuancen. Grundsätzlich meine ich, dass jeder kleine Verzicht schon etwas bringt. Größer gedacht – also wenn mehr Menschen sich bewusster ernähren würden – dann könnten wir womöglich ohne Massentierhaltung auskommen, die sowohl ein ökologisches und moralisches Problem darstellt – zumindest für mich.
Ein Veganer spart durch seine Art zu essen jährlich im Vergleich zu Menschen, die Mischkost essen, satte zwei Tonnen CO2 ein. Sind Sie aus dem Grund Veganerin?
S. F.: Nur! Und weil mir die Tiere einfach leid tun – das sind Lebewesen. Für mich ist das schlicht eine politisch und ethische Katastrophe, die da abläuft. Wir haben darüber gestern in meinem Freundeskreis gesprochen, welches Tier könnte man denn rein theoretisch mit eigenen Händen umbringen? Da hört die Schmerzgrenze plötzlich für die meisten sehr, sehr schnell auf. Bei Fisch gibt es weniger Skrupel. Aber schon beim Huhn und Hasen... aber lassen wir das.
Klären Sie die Leute im „Café King“ auch darüber auf, dass Sie einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz allein durchs Essen leisten?
S. F.: Wir machen das bewusst nicht. Ich habe nämlich das Gefühl, dass viele dadurch überfordert sind. Hier im „King“ haben wir darüber gar nichts gesagt, die Leute essen dann etwas, dass kein Fleisch dabei ist fällt sehr schnell auf. Aber erst viel später kommt: „Ach, stimmt ja, da ist nichts Tierisches bei...“
Wie sind Sie selbst denn dazu gekommen?
S. F.: Zunächst war es für mich ein neues gastronomisches Konzept. Ich habe damals das „Zerwirk“ zusammen mit dem Michi Kern (ein bekannter Münchner Gastronom Anm. d. Red.) auf die Beine gestellt, der schon seit Jahren Veganer ist. Und aufgrund dessen, dass ich mich immer mehr damit beschäftigt habe, ist so eine Entwicklung in Gang gekommen – die noch nicht abgeschlossen ist – ich habe nach und nach immer mehr weg gelassen. Und umso mehr ich darüber gelesen habe, desto mehr habe ich mich vegan ernährt.
Was ist für Sie strategischer Konsum?
S. F.: Für mich ganz klar: Auf tierische Produkte verzichten, damit Massentierhaltung überflüssig wird.
Sandra Forster (Hrsg.): Das Vegane Kochbuch, Blumenbar Verlag, München 2009.
Bestellen mit diser ISBN 978-3-936738-53-7 beim lokalen Buchhändler Ihres Vertrauens.
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Auf Utopia gibt es eine Veganer-Gruppe – wer sich dort vertiefend austauschen möchte, der klicke bitte hier! Oder links auf den Button.
Foto: Photocase/ nailiaschwarz
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Kommentare (4)
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Gita
passionierte Bergsteigerin
Gita
schrieb am 31.10.2009 um 23:45h.yurén
überzeugter Besserwisser
h.yurén
schrieb am 31.10.2009 um 12:32aber als ich neulich stopfgänseleber im angebot eines nicht eben billigen, aber gut besuchten restaurants entdeckte, gab mir das doch zu denken. wie lange wird es noch dauern, bis die veganen angebote über die millionenstädte hinaus im land zu finden sind??
der prozess ist so langsam (um nicht zu sagen: lahm), dass die vegetarische lebensweise nicht in der fläche ankommt, von der veganen gar nicht zu reden, bevor der laden hier und überall zusammenbricht. schöne aussichten.
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