Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Buchrezension und Verlosung: „No More Bullshit“

Was wird aus dem Occupy Vermächtnis?


Wer beim Aufschlagen von „No More Bullshit“ polemische Propaganda und gesellschaftsfeindliche Parolen erwartet, der liegt erstens falsch und hat zweitens Occupy nie verstanden - oder vielleicht gar nicht zu verstehen versucht? Stattdessen erwarten den Leser gewaltige, innovative Bildsprache, wie man sie von der Genie-Fabrik Adbusters gewohnt ist und Aufsätze von Größen der internationalen Wissenschaft. Seinem Untertitel „Die Zukunftswerkstatt für die 99 Prozent“ wird dieses Buch mehr als gerecht. Es ist ein aufrüttelndes, intellektuelles Werk, das mit allen Konventionen einer wissenschaftlichen Publikation bricht und doch weit gehaltvoller und motivierender ist als gängige Lehrwerke.

„Hey, ihr angehenden Unternehmensführer, Investmentbanker und Politik-Bürokraten da draußen!“

Der Ansatz des Buchs wird schnell klar: Dieses Buch richtet sich nicht primär an den Durchschnitts-Bürger, der sich eine reizend subversive Abendlektüre wünscht. „No More Bullshit“ ist gemacht für die Entscheider und Denker von Morgen, für die „Mem-Krieger“, für – so steht es auf den ersten Seiten – „die nächste Generation von Ökonomen, die nichts mehr dem Zufall überlassen wird.“ Altersgrenzen gelten hier nicht, mit der nächsten Generation ist sicherlich nicht nur der akademische Nachwuchs gemeint. Wie heißt es so schön? Man ist so jung, wie man sich fühlt denkt. In den ersten und letzten Kapiteln wird dennoch explizit die universitäre Ausbildung junger Wirtschaftswissenschaftler thematisiert. Die Indoktrination jener, die später einmal in Chefsesseln und Beratergremien sitzen werden.


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No More Bullshit Occupy Cover Riemann Verlag

Diskutieren Sie mit über das Occupy Vermächtnis und gewinnen Sie eines von drei Exemplaren von "No More Bullshit". Die Bücher werden bis zum 18.12.2012 unter allen teilnehmenden Kommentatoren verlost.

Lasn, Kalle [Hrsg.], 2012: No More Bullshit. Die Zukunftswerkstatt für die 99 Prozent. München: Riemann. ISBN 978-3-570-50145-0


„Geben wir es zu, unsere Glaubenssätze bringen uns um“

Klare Zielscheibe des gesamten Werkes aber ist das neoklassische Wirtschaftsmodell. Jene Strömung, die mit ihrer Abstraktionsgeilheit, ihren realitätsfernen Modellen und Annahmen die letzten Jahrzehnte des globalen Wirtschaftssystems bestimmt und in den Abgrund getrieben hat. Zurecht fragen in „No More Bullshit“ Professoren und ehemalige Weltbankökonomen, wie man nur so lange an die Annahme der „rationalen Wirtschaftssubjekte“ glauben konnte. Fragen Sie sich selbst – entscheiden Sie immer rein nach den Gesetzen der Vernunft? Endlich, und doch viel zu spät, wird das perverse Gebot vom ewigen Wachstum von seinem Sockel gestoßen und bloßgestellt. Rechnungen werden angestellt, die schon längst zum Kern der Wirtschaftslehre gehören sollten: Was dieses Leben wirklich kostet. Wieviel die Umwelt wert ist, die wir gratis ausbeuten und zerstören. Ob die Wirtschaft noch für den Menschen da oder es nicht längst umgekehrt ist. Ob Schulden und Zinsen wirklich ein nötiger Bestandteil einer funktionierenden Wirtschaft sind.

„Eine neue Geschichte finden, eine neue Story erzählen“

Wir können Ihnen diese Fragen nicht simpel beantworten, Ihnen nicht die einfache Lösung auf diese Rechnungen präsentieren. Das wollen wir auch nicht und „No More Bullshit“ tut es genau so wenig. Die endgültigen Antworten zu finden, das ist der Auftrag der „neuen Generation an Ökonomen“. Diese neue Generation wird das Vermächtnis von Occupy sein. Ein Vermächtnis, dessen Bedeutung wir heute noch gar nicht abschätzen können.


Was wird aus dem Occupy-Vermächtnis? Können wir uns eine Welt vorstellen, in der Wirtschaft ohne Wachstum funktioniert, eine Finanzwelt ohne Zinsen – wie soll sie funktionieren? Könnten wir uns für immer vom Konzept der Schulden verabschieden? Wären wir bereit, die wahren Kosten eines Autos, die Umweltverschmutzung bei der Rohstoffförderung, der Produktion und während des Gebrauchszeitraums, zu tragen?

Stand: 05.12.2012 von

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    schrieb am 19.05.2013 um 17:39
    viele in unserer gesellschaft, bzw, in unseren westeuropäischen gesellschaften und nordamerika, allen voran die amerikaner, profitieren von der ausbeutung der übrigen welt und allen voran multinationale konzerne. die anhänger der occuppy-bewegung sind zahlenmässig einfach zu gering, damit sich etwas ändert. im gegenteil: auch hier wird vom unterdrückerischem konzept der kriminalisierung durch anhänger gesellschaftskonformer gruppen, polizei, staat genauso gebrauch gemacht, wie es konzerne tag für tag auf der ganzen welt tun. Die zeltplätze werden einfach konfisziert und die leute in gewahrsam genommen, damit die broker und die geschäftemacher so weitermachen können wie bisher. mehr weniger
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    schrieb am 29.01.2013 um 10:44
    Das wäre super für unser umweltpädaogisches Wochenende für MultiplikatorInnen in diesem Jahr!
    WIr fangen gerade damit an, für weniger Fleischkonsum (oder den kompletten Verzicht) auf unseren Veranstaltungen zu werben. Der Pilot ist war am letzten Wochenende. Konkrete Tipps zum Reste verwerten aus dem "Taste the waste"-Kochbuch wären eine tolle Ergänzung! mehr weniger
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    schrieb am 16.12.2012 um 21:25
  • gelöscht am 14.12.2012 um 11:29 von Charli12439
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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    schrieb am 13.12.2012 um 17:32
    für mich ein ganz klarer Beleg für die Strahlkraft der Occupy Bewegung: ohne Occupy wäre die Finanztransaktionssteuer nicht wieder zu einem so wichtigen Thema geworden. Selbst Nationsmutti Merkel hatte ja über ihre Einführung nachgedacht. Auch wenn das Nachdenken bei den wirklich wichtigen Fragen dann meist nicht zu entsprechenden konsequenten Entscheidungen bei ihr führt... mehr weniger
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