Studien
Warum Lohas doch nicht die Welt retten
Lohas, die Klimaschädlinge
Lohasianer tragen mehr zum Klimawandel bei als der Durchschnittsbürger. Zu diesem Schluss kommt das Forscherteam um Stefan Gössling, Professor an der Fachhochschule für nachhaltigen Tourismus in Eberswalde. In einem in der "Taz" veröffentlichten Beitrag stellt Gössling heraus, dass Lohas durch ihren Lebensstil zwar das Klima in einigen Punkten entlasten. Die wirklich klimaschädlichen Lebensaspekte jedoch werden durch Lohas sogar noch intensiviert, ob sie wollen oder nicht.
Gemeinsam mit schwedischen Kollegen hat Gössling die Auswirkungen moderner Flugreisen auf das Klima untersucht. Der Zusammenhang zwischen Lohas und Klimaschädlichkeit erschließt sich aus den statistischen Eigenschaften der Gruppe. Zwei Merkmale seien bei ihr nämlich überdurchschnittlich hoch ausgeprägt: Bildung und Einkommen. Genau diese Merkmale weist auch die Gruppe der Vielflieger auf. Während der Unterschied zwischen extrem klimaschädlichen und extrem klimafreundlichen Lebensstilen etwa Faktor zehn für die Bereiche Essen, Wohnen und Konsum beträgt, so beträgt er für den Bereich Transport Faktor 100. Lohas ernähren sich zwar gern gut und möchten klimafreundlich leben, tragen aber vergleichsweise wenig zur Klimaentlastung bei. Sie wohnen großzügiger und sind mobiler. Das wird besonders deutlich in ihrer Reiselust, vorzugsweise in Entwicklungsländer. Und durch ebenjene Flugreisen, so Gössling, werde die ansonsten ja durchaus löbliche Lohas-Lebensweise ad absurdum geführt.
Klimaschutz als privates Engagement habe vergleichsweise geringe Auswirkungen auf das Klima. Daher dürfe diese Aufgabe nicht dem Einzelnen überlassen werden, schließt Gössling in seinem Beitrag. Im Bereich Transport liege hohes Einsparpotenzial, dem die Lohas durch ihre vielen Flugreisen nicht gerecht werden. Somit sei es weiterhin die Aufgabe der Politik, die Umsetzung des Klimaschutzes zu reglementieren und zu steuern.
Lohas, die Pharisäer
Ein bisschen Mülltrennung hier, ein paar Bio-Einkäufe dort – "Lohas bringen keine Opfer", kritisierte Cordula Krüger, Geschäftsführerin des Strategiebüros &Equity, in der vergangenen Woche in der "Süddeutschen Zeitung". Krüger stützt ihr Urteil auf Umfrageergebnisse, die Lohasianer mit Lifestyle-Pharisäern gleichsetzt. &Equity hatte die Studie "Lohas – Mythos und Wirklichkeit" im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durchgeführt und dazu 250 Personen befragt. Ihr Fazit: Lohasianer seien "unpolitisch", "ich-bezogen" und "konservativ". Die Welt schützen und bewahren wollen sie in erster Linie aus purem Egoismus. Wohlwollenden Bekenntnissen würden nicht im ausreichenden Maße Taten folgen. Der nur schwer einzugrenzenden Zielgruppe reiche es völlig aus, mit radikal empfängerorientierten Botschaften wie "Tu was! Mach was!" ein Gefühl der Einbezogenheit zu erlangen. Für Krüger ist der gesamte Lohas-Lebensstil eine einzige harmoniebedürftige Inszenierung: "Die wollen doch verarscht werden!"


Kommentare (10)
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lukita
schrieb am 20.09.2009 um 12:18 ¶käferchen
schrieb am 26.02.2009 um 21:52 ¶Kommentar schreiben
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