Zukunft erneuerbarer Energie (1)
Virtuelle Kraftwerke: Symphonie aus neuen Quellen
So einfach war das fossile Zeitalter: „Kohle kann ich auf einen Berg packen und verbrennen, wann ich will“, erklärt der Physiker Dr. Wolfram Krause. Und Energie aus Wind und Sonne? „Mal herrscht Überfluss, mal Mangel“, so der Physiker. Wolken schieben sich vor die Sonne, Wind gibt es als Sturm oder laues Lüftchen. Die Folge: Es ist schwierig, aus Erneuerbarer Energie genau so viel Strom zur Verfügung zu stellen, wie im Moment verbraucht wird. „Ein bilanzielles Problem“, wie Krause sagt. Und: „Die Einspeiser der Erneuerbaren Energie machen in kurzer Zeit große Sprünge.“ Das gefährde die Stabilität des gesamten Systems. Es sei denn, ein "virtuelles Kraftwerk" löst dieses Problem.
Mit diesem Lösungsansatz beschäftigt sich seit November 2008 das Projekt „eTelligence“, das Krause leitet. Er arbeitet für den Versorger EWE Oldenburg, der federführend in dem Projekt ist, an dem weitere fünf Partnern beteiligt sind. Dazu gehört auch das „Öko-Institut“.
Virtuelles Kraftwerk? „Wir wollen kleine Erzeuger koordiniert Strom produzieren lassen“, sagt Krause. Zu seinem Projekt in Cuxhaven gehören eine Biogas-, eine Photovoltaik-, eine Windkraftanlage – und zwei Kühlhäuser. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt des virtuellen Kraftwerks: Die Kühlhäuser werden als Verbraucher einbezogen, um die Stromproduktion zu steuern. „Im Sommer wird ein Bier, das man aus dem Kühlschrank nimmt, auch nicht sofort warm“, erklärt Krause und meint damit: Wenn die Windenergie-Anlage auf voller Kraft läuft, schöpft das Kühlhaus überschüssigen Strom ab, um Fleisch und Fisch stärker zu kühlen. Die Temperatur im Kühlhaus sinkt. Auf diese Weise entsteht ein Energiespeicher, bei schwachem Wind kommt das Kühlhaus mit weniger Strom aus. Denn für eine gewisse Zeit kann die Temperatur wieder steigen, ohne dass die Qualität der Kühlung leidet – so wie es auch beim kalten Bier im Sommer der Fall ist. „Mit diesem Verfahren lassen sich Prognosefehler ausregeln“, sagt Krause. Angebot und Nachfrage werden aufeinander abgestimmt, „Lastverschiebung“ nennen das die Experten. „Virtuelles Kraftwerk“ heißt diese Technologie, weil mehrere kleine Erzeuger und Verbraucher koordiniert arbeiten: „Wir haben dafür eine zentrale Computersteuerung, die über das Internet funktioniert“, erklärt Krause.
Warum sollte sich aber ein Kühlhausbetreiber an einem solchen System beteiligen? Krause: „Das Lastverschiebungspotential kann er verkaufen.“ Diese Dienstleistung bringt Geld ein, weil ein Windmüller daran interessiert ist, mögliche Prognosefehler beim Windaufkommen auszugleichen. Das ist der nächste Schritt im Projekt „eTelligence“, das einen regionalen Marktplatz für Erneuerbare Energie schaffen will.


Kommentare (25)
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c.wenger
schrieb am 11.10.2010 um 15:41 ¶Waldheim
schrieb am 03.04.2010 um 22:59 ¶Kommentar schreiben
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