Der Klimawandel-Rap


Lieder über Ökostrom, singende Superstars, die sich als Klimabotschafter produzieren, und auch das eine oder andere Musikvideo ist mittlerweile zu sehen. Zum Beispiel das der Multimedia-Initiative Polar-Palooza, das von der US National Science Foundation und der Nasa unterstützt wird. Unter dem Motto "Take AIM at Climate Change" - AIM steht hier für Adapt, Innovate, Mitigate (etwa Nachmachen, Erfinden, Vermindern) - rappen und singen sich die Protagonisten regelrecht in Rage für das edle Anliegen.



Die weltweite Hiphop-Gemeinde hat sich beim Thema Klimawandel bisher weitestgehend zurückgehalten. Das verwundert nicht. Die Insignien der HipHop-Megastar-Kultur - große Autos, exzessives Luxusleben, haufenweise Drogen, promiskuitiver Lebenswandel - sind nur schwer vereinbar mit Vokabeln wie "Verzicht", "Verantwortung" oder – noch schlimmer: "Nachhaltigkeit". Es sei denn, man kriegt einen ganz eigenen Dreh hin, wie zum Beispiel Thomas D. Obwohl, als echter Hiphop-Vertreter gilt der eigentlich schon lange nicht mehr. Dafür aber als Tieraktivist. Auch schön.



Dass jugendliche Rap- und Hiphopfans zur Schule gehen, auf ihre Mutter hören, keine Drogen nehmen und nicht als Gangster enden sollen, gehört zum guten Ton der "alten Schule". Schon in den Achtzigerjahren entdeckten US-Politik und Werbeindustrie die fantastischen Möglichkeiten, wie man junge Menschen manipuliert, in dem man sie in "ihrer Sprache" anspricht. Meistens gingen diese Versuche schief, weil der höchst eigenwillige Code, den die Jugendkultur entwickelt hatte, nur schwer zu adaptieren ist, wenn man der Bewegung nicht selber angehört. Besonders deutlich wird das am Beispiel "Rappende Chicken McNuggets".



Das ist auch der Grund, warum man stets vorsichtig sein muss mit Anbiederungsversuchen bei der MTV-Generation. Der schwierigste Teil dabei: die Ansprache. Im Nasa Klimawandel-Rap heißt es:

For real, all it takes is a couple degrees
Before floods, droughts, and hurricanes are not anomalies
And all these catastrophes become our new realities
Comin' down on the world just like the Sword of Damocles.


Perlen, die an Banalität nur schwer zu übertreffen, aber noch schwieriger ins Deutsche zu übersetzen sind. Das liegt daran, dass Englisch einfach besser funktioniert, um komplizierte Inhalte zu transportieren. Darum finden "Kids" heutzutage Dinge ja auch "cool" und nicht "kühl". Aber was soll's – einen Versuch machen wir trotzdem mal. Stellen Sie sich also vor, die folgenden Zeilen würden von, sagen wir: Bushido geschmettert.

In echt – nur noch ein paar Grad mehr
dann fallen Stürme und Fluten und so Zeug über uns her
Solche Katastrophen sind dann Wirklichkeit, Mann
und das Damokles-Schwert fällt auf uns runter dann.


Naja. Zugegeben, das ist wirklich noch schlechter. Aber Sie kriegen die Richtung: Ein ernsthaftes Anliegen kann man kaum in einem netten Lied verpacken oder rappen oder tanzen und dann ernsthaft erwarten, dass sich Dinge zum Guten ändern. Aber daran ist nicht Hiphop schuld. Sondern die Nasa.

>>> Mehr Infos auf der Website: TakeAIMatClimateChange.org

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