Seit wie vielen Jahren wird eigentlich schon – jährlich wiederkehrend – über eine Maut auf Deutschlands Straßen diskutiert? Entschuldigung für die vermeintlich unangemessene Wortwahl: Eine Diskussion, vor allem eine politische, zeichnet sich unvermeidlich durch Diskutierende aus, die ernstgemeinte Interessen vertreten.
Und man kann sich nicht ganz sicher sein, ob man von Ernsthaftigkeit reden darf, wenn nicht einmal bis zur eigenen Parteispitze hinauf wirklich daran geglaubt wird, dass Peter Ramsauers (CSU) jüngste Erleuchtung in Sachen PKW-Maut in absehbarer Zeit umgesetzt werden könnte. Die Süddeutsche Zeitung bezweifelt sogar, dass Ramsauer selbst tatsächlich davon überzeugt ist, mit möglichen mautlichen Mehreinnahmen die Finanz-Schlag-Löcher in seinem Verkehrsetat stopfen zu können.
Die Zeit nimmt Ramsauer immerhin ein wenig ernster und beschäftigt sich mit inhaltlichen Mängeln seines Konzepts. Für seinen Vorschlag, im Gegenzuge der Maut die ökologisch unsinnige Kfz-Steuer abzuschaffen (wer sein Auto nur wenig bewegt, zahlt genauso viel wie sein vielfahrender Nachbar, der das gleiche Modell besitzt), bekommt er sogar ein Lob. Von diesem bleibt aber nicht mehr viel übrig: für den Plan, eine Jahresvignette einzuführen gibt es nämlich wieder Schelte. Während die Kfz-Steuer wenigstens zwischen sparsameren Autos und großen Abgasschleudern unterscheide, wäre der Preis für die Vignette für alle Modelle gleich. Sie erhöhe lediglich die Einnahmen der Regierung, da sie auch von Ausländern gekauft werden muss, die auf deutschen Autobahnen fahren wollen.
In der Tat eine Debatte ohne Folgen. Deutschlands Straßenkampf muss ernsthafter geführt werden. Vielleicht mit einem anderen Streitpunkt? Wir zumindest vermissen eine Diskussion um das Tempolimit auf Deutschen Autobahnen. Wir haben nämlich keine Lust, weiterhin im Land der unbegrenzten Geschwindigkeit zu leben – nirgendwo sonst auf der Welt – wo es solide ausgebaute Verkehrsnetze gibt – darf man auf den öffentlichen Straßen so schnell fahren, wie man möchte. Und deshalb finden auch nur in Deutschland tempogeile Autobahntouristen ihr Urlaubsziel:
Selbstverständlich wäre das Tempolimit auch eine vernünftige Möglichkeit für den mobilitätsgetriebenen Klimaschutz. Greenpeace meint zum Beispiel, dass es innerhalb des Verkehrssektors keine andere gibt, die so einfach und schnell einen so großen Beitrag leisten kann. Zur Begründung nennt die Umweltorganisation unschöne Zahlen:
Ab einem Tempo von etwa 100 km/h steigen Spritverbrauch und CO2–Ausstoß überproportional. Mit 150 km/h wird schon um die Hälfte mehr verbraucht, als mit 100 km/h; mit 200 km/h sogar noch um das Doppelte mehr als bei 100 km/h.
Der höhere Benzinverbrauch ist vermutlich auch der Grund, warum in Großbritannien jüngst der absurde Vorschlag gemacht wurde, das Tempolimit auf Autobahnen anzuheben(!), um die schwächelnde Wirtschaft des Landes anzukurbeln. So, wo wir schon dabei sind, fodern wir für Deutschland lieber gleich ein Tempolimit von 120 km/h anstatt 130, oder?
Und welche Vermisstenanzeige würden Sie aufgeben? Schreiben Sie uns an: vermisst@utopia.de


Kommentare (28)
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Wer schon einmal die deutsche Autbahn Richtung Österreich, Schweiz und Italien verlassen hat kennt das. Plötzlich fährt man ganz eintspannt seine 120 km/h. Keiner überholt, regt sich auf, drängelt, lässt die Lichthupe aufblitzen, es gibt nicht mal Elefantenrennen. Alle halten ihre Spur ein, beim überholen fährt man auf die linke Seite und schert gleich wieder rechts ein um den linken Fahrstreifen frei zu halten.
So entspannt kenne ich das von Schweizer Autobahnen. Kaum wieder zurück in Deutschland geht das gedrängel, überholen und rennen wieder los.
Die Deutschen sind einfach nicht entspannt. Für viele bedeutet das uneingeschränkte Tempolimit gar ihre Freiheit. Arm, wer seine Freiheit mit dem Rasen auf der Autobahn definiert.
Gerade habe ich in den Nachrichten zum Thema Ernährung gehört, das den Deutschen beim Kauf von Lebensmitteln der Preis am wichtigsten ist, danach erst kommt die Qualität. Fast schämt man sich in diesem Land zu leben, oder?
Ich finde, das ist eher eine Einstellungssache - rücksichtslose Fahrer gibts überall (auch bei den Radfahrern).
In Deutschland kommt noch dazu, dass es durch die vielen Autohersteller halt auch eine starke Lobby gibt, den Verkehr weiterhin autofreundlich zu gestalten.
Nach einem Besuch im benachbarten Ausland, gibt es immer einen enormen Kulturschock, wenn wir wieder im eigenen Land sind.
Warum aber nur sind immer die Anderen( die Raser, die Uninformierten, die Billgheimer) in der Überzahl?
Die Zerstörungskraft sollte für das Tempolimit ausschlaggebend sein: http://einewelt.beepworld.de/tempo.htm
Tempo und Zerstörungskraft
Excel datei http://einewelt.beepworld.de/files/autocw.xls
auf Facebool habe ich hierher verlinkt, weil wichtig! http://www.facebook.com/eurolore
relaxte AutofahrerInnen wirken fuer mich eh viel souveraener.
Sehe ich nicht so.
Eine Streckenabhängige Maut würde zu "oftmals zusätzlich "verbrauchte" insbesondere auch 'versiegelte' Fläche" für Mautstationen führen siehe Frankreich oder Italien, zusätzliche Staus vor den Stationen .... 1000ende Autos im Schritttempo mit laufenden Motoren.
Abgesehen davon bringt eine Flächendeckende Maut den Verkehr auf die Autobahn und nicht auf die Bundes oder Landesstraßen, wo dann bei entsprechendem Verkehrsaufkommen Umfahrungen um Ortschaften gebaut werden müssen ... siehe Versiegelung von...
Ein Tempolimit würde sich allein daraus ergeben, wenn die Autoindustrie Autos bauen würde die nicht 150 oder mehr PS unter der Haube haben.
@Grasmuecke
Eine Temporeduzierung ergibt sich in Österreich alleine schon aus dem Umstand, dass ständig an den Autobahnen gebaut wird, das heißt meist Tempo 80 über viele Km.
Am besten du fährst, wenn’s erlaubt ist mit 100 da gibt’s keinen Stress, musst niemanden überholen und kommst auch ans Ziel. Außerdem ist es im Auto nicht so laut, da kann man getrost Ö1 hören.
Das wird es auch bei Tempo 100 oder Tempo 80 (wie auf Landstraßen) geben. Das löst das Problem nicht.
Pauschale Regeln führen zu unmündigen und unaufmerksamen Verkehrsteilnehmern.
"Ab einem Tempo von etwa 100 km/h steigen Spritverbrauch und CO2–Ausstoß überproportional. Mit 150 km/h wird schon um die Hälfte mehr verbraucht, als mit 100 km/h; mit 200 km/h sogar noch um das Doppelte mehr als bei 100 km/h."
-> mit den Zahlen, die genannt werden, steigt der Verbrauch nicht überproportional, sondern proportional (so, wie es oben steht, verbraucht man um die Hälfte mehr, wenn man um die Hälfte schneller fährt, und doppelt so viel, wenn man doppelt so schnell fährt - das ist nicht nur proportional, sondern sogar linear!). Klar verbraucht man "unsinnig viel mehr" - aber zumindest laut der genannten Werte nicht "überproportional"!
Wahrscheinlich war die Intention, zu sagen, daß man bei 150km/h um die Hälfte mehr verbraucht als wenn es sich um eine lineare Entwicklung handeln würde - aber dann sagen Sie es doch auch so!
Tempo und Zerstörungskraft
Excel datei http://einewelt.beepworld.de/files/autocw.xls
Die blauen zahlen dürfen angepasst werden, dann wird ganz rechts das TNT-Äquivalent angezeigt, welches man besteuern sollte! Das könnte einen Anreuz schaffen Fahrzeuge wieder leichter zu bauen!
in die berechnung sollte das Gewicht des Fahrzeuglenkers mit pauschal 90 kg zum Lehrgewicht hinzugefügt werden!
Wozu auch?
Argument Unfälle:
Die meisten Unfälle in D passieren auf Landstraßen.
Und die die auf Autobahnen passieren, sind oft in Folge unangepasster Geschwindigkeit.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der BAB liegt meines Wissens bei unter 120km/h. Die Autos wurden in den letzten Jahren immer Stärker. Trotzdem gibt es so wenige Unfalltote wie noch nie seit es nennenswerten Autoverkehr gibt..
Wer bei Limit 130 im Nebel 100 fährt ist eben noch immer zu schnell.
Und wenn ein LKW in das Stauende knallt dann tut er das auch bei Tempolimit.
Warum soll ich bei freier Strecke 130 fahren und evtl. einschlafen statt konzentriert 180-200?
Und wer sich hier über ständige Drängler und Hektik beschwert sollte evtl. auch mal den eigenen Fahrstil überdenken. Immer schön rechts rüber fahren ist nicht nur in der Schweiz erlaubt!
Ach ja, in den CH und I kann man so schön angenehm und entspannt fahren.
Erstens will hier jemand wirklich den italienischen Fahrstil in D-Haben? Da würde sich aber so mancher ziemlich umschauen.
Zweitens: Wir leben in Deutschland und hier ist eben alles, nicht nur auf der Straße, etwas hektischer.
Natürlich gibt es Spinner. Die fahren aber auch heute schon bei Tempolimit zu schnell und werden es beim generellen Limit auch tun. Und wer erschrickt, wenn auf der BAB von hinten einer mit 200+ angerauscht kommt sollte evtl. mal nachdenken ob er wirklich auf die BAB gehört. Den letztlich muß der von hinten kommende aufpassen. Und die meisten tun das auch.
Argument Spritverbrauch:
Stimmt bei höherem Tempo läuft mehr durch die Einspritzdüse. Aber bei 200 3-4 mal so viel ist doch graue Theorie. Also ich stelle da bei mir im Extremfall einen Mehrverbrauch von höchsten ca. 50% fest. und das mit verschiedensten Autos. Wer AMS liest wird das bestätigt sehen (was hier vermutlich die wenigsten tun ;-).
Ok, meine CO² Bilanz leidet da. Aber ich geh jede Wette ein, dass ich im Vergleich zu einigen die Tempolimit fordern dafür aber 2 - 3 mal im Jahr nach Indien oder Südamerika fliegen nicht schlecht da stehe.
Übrigens sieht ein nur spärlich besetzter Zug hinsichtlich CO² Bilanz auch nicht sehr toll aus.
Und spätestens wenn ich zu 4 im Auto sitze wird es für die Bahn verdammt eng.
Abgesehen davon, dass z.B. ich als Pendler mit der Bahn mehr als doppelt so lange brauchen würde.
Ach ja, zum Argument nirgens auf der Welt gibt es sonst freie Fahrt:
Ja stimmt, na und. Wollen wir jetzt alles abschaffen was in keinem anderen Land so ist wie bei uns!?
Vielleicht sollte man einfach mal etwas entspanter an die Sache heran gehen und nicht immer den alten Käse aufwärmen.
Gruß,
Fahrzeuge? Weil Fahrwerke und Bremsen für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt sind und somit entsprechende Sicherheitsreserven auch bei niedrigen Geschwindigkeiten bieten.
Leider gibt es eine Lobby die permanent für Geschwidigkeitsbegrenzungen sind. Ähnliche Leute setzen sich auch für Elektrofahrzeuge ein obwohl bisher keiun Strom für Fahrzeuge umweltfreundlich produziert werden kann. Deutsche Bürger macht Euch frei von Lobbyismus sonst ist es vorbei mit unserer wirtschaftlichen Überlegenheit in allen Bereichen.
In welcher Welt lebt er?
Pressemeldungen des bsm zur weiteren Verbreitung
http://www.beepworld.de/members96/solarfest/bsm.htm
würde mehr "Ruhe" auf der Autobahn sein. Der Zeitgewinn ist doch nicht sehr groß.
Wählt die Partei, die für ein Tempolimit ist.
Münster --> Bruchsal mit Standardgeschwindigkeit 200: 2 h mit Stau
Hamburg --> Bruchsal höchstens 4h (ja, nachts damit man nicht in den Stau kommt. Wer ökologisch korrekt fahren möchte fährt sowieso immer nachts...)
Das ist mit 130 nicht möglich und der Mehrverbrauch lag bei höchstens 30 % (Freunde sind die selben Strecken gefahren allerdings über Tag - gleichwertige Fahrzeuge - nach Hamburg sieben Stunden) und die Kosten waren trotzdem (Hin- und Rückfahrt) noch günstiger als mit DB.
Einem Tempolimit kann ich als Vielfahrer nichts abgewinnen. Nicht nur wegen meiner eigenen verlorenen Zeit sondern auch durch die schwache Ökobilanz der Bahn und wenn man den Zeitvorteil nutzen muss, man per Flugzeug fliegen müsste, wodurch die Ökobilanz ganz den Bach runtergeht.
Andererseits wohl bald auch wieder mehr Nutzer von Schleichwegen und Menschen, denen das Auto vom Gerichtsvollzieher eingezogen wird, weil sie ihre Fahrten nicht bezahlt haben...
Ansonsten ist es eine Schande. Selbst Leute, die in den Neunzigern noch den Fuß vom Gas nahmen (hessischer Ozon-Alarm) brettern heute mit Kleinwagen oder Limousine mit 130, 140 und mehr.
Der Autobahn-Tourismus stellt zwar nur eine Promille-Zahl dar, gleichzeitig auch eine große Gefahr und anteilige Verschwendung. Amis, Engländer, Araber und neuerdings Chinesen kommen nur hierher, um das Land rasend zu durchqueren!
http://www.tollwut-events.de/Autobahntourismus.html
Ganz so einfach ist es in den Nachbarländern aber auch nicht. Wo die Italiener sicher sind, dass nicht geknipst wird, überholen sie auch bei 8 Spuren rechts mit 150 und mehr und liefern sich jeden Morgen und Abend rennen bis vor die Maut-Station. Auf meiner Insel gibt es gar keine Autobahn, sondern nur Schnellstraße mit Tempo 90. Daran hält sich nur der Ape (weil er nicht mehr als 50 kmh schafft). Alle Anderen fahren meist 110 oder mehr...