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Vermisstenanzeige der Woche

Tempolimit auf deutschen Autobahnen

Die Vermisstenanzeige der Woche gibt Raum für Themen oder Dinge, die fehlen. Weil wir sie vergessen haben oder weil es sie noch nicht gibt, aber geben sollte. In dieser Woche vermissen wir ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen und zwar deshalb ...


Seit wie vielen Jahren wird eigentlich schon – jährlich wiederkehrend – über eine Maut auf Deutschlands Straßen diskutiert? Entschuldigung für die vermeintlich unangemessene Wortwahl: Eine Diskussion, vor allem eine politische, zeichnet sich unvermeidlich durch Diskutierende aus, die ernstgemeinte Interessen vertreten.

Und man kann sich nicht ganz sicher sein, ob man von Ernsthaftigkeit reden darf, wenn nicht einmal bis zur eigenen Parteispitze hinauf wirklich daran geglaubt wird, dass Peter Ramsauers (CSU) jüngste Erleuchtung in Sachen PKW-Maut in absehbarer Zeit umgesetzt werden könnte. Die Süddeutsche Zeitung bezweifelt sogar, dass Ramsauer selbst tatsächlich davon überzeugt ist, mit möglichen mautlichen Mehreinnahmen die Finanz-Schlag-Löcher in seinem Verkehrsetat stopfen zu können.

Die Zeit nimmt Ramsauer immerhin ein wenig ernster und beschäftigt sich mit inhaltlichen Mängeln seines Konzepts. Für seinen Vorschlag, im Gegenzuge der Maut die ökologisch unsinnige Kfz-Steuer abzuschaffen (wer sein Auto nur wenig bewegt, zahlt genauso viel wie sein vielfahrender Nachbar, der das gleiche Modell besitzt), bekommt er sogar ein Lob. Von diesem bleibt aber nicht mehr viel übrig: für den Plan, eine Jahresvignette einzuführen gibt es nämlich wieder Schelte. Während die Kfz-Steuer wenigstens zwischen sparsameren Autos und großen Abgasschleudern unterscheide, wäre der Preis für die Vignette für alle Modelle gleich. Sie erhöhe lediglich die Einnahmen der Regierung, da sie auch von Ausländern gekauft werden muss, die auf deutschen Autobahnen fahren wollen.

In der Tat eine Debatte ohne Folgen. Deutschlands Straßenkampf muss ernsthafter geführt werden. Vielleicht mit einem anderen Streitpunkt? Wir zumindest vermissen eine Diskussion um das Tempolimit auf Deutschen Autobahnen. Wir haben nämlich keine Lust, weiterhin im Land der unbegrenzten Geschwindigkeit zu leben – nirgendwo sonst auf der Welt – wo es solide ausgebaute Verkehrsnetze gibt – darf man auf den öffentlichen Straßen so schnell fahren, wie man möchte. Und deshalb finden auch nur in Deutschland tempogeile Autobahntouristen ihr Urlaubsziel:

Selbstverständlich wäre das Tempolimit auch eine vernünftige Möglichkeit für den mobilitätsgetriebenen Klimaschutz. Greenpeace meint zum Beispiel, dass es innerhalb des Verkehrssektors keine andere gibt, die so einfach und schnell einen so großen Beitrag leisten kann. Zur Begründung nennt die Umweltorganisation unschöne Zahlen:

Ab einem Tempo von etwa 100 km/h steigen Spritverbrauch und CO2–Ausstoß überproportional. Mit 150 km/h wird schon um die Hälfte mehr verbraucht, als mit 100 km/h; mit 200 km/h sogar noch um das Doppelte mehr als bei 100 km/h.

Der höhere Benzinverbrauch ist vermutlich auch der Grund, warum in Großbritannien jüngst der absurde Vorschlag gemacht wurde, das Tempolimit auf Autobahnen anzuheben(!), um die schwächelnde Wirtschaft des Landes anzukurbeln. So, wo wir schon dabei sind, fodern wir für Deutschland lieber gleich ein Tempolimit von 120 km/h anstatt 130, oder?

Und welche Vermisstenanzeige würden Sie aufgeben? Schreiben Sie uns an: vermisst@utopia.de

Thema: Auto & Elektromobilität, Stand: 07.10.2011 von

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    schrieb am 28.12.2011 um 11:55
    Eine streckenabhängige Maut wäre (mit entsprechender Überwachung (!) durchaus möglich - ganz ohne die dummen italienischen monsterhaften Mautanlagen oder die deutsche LKW-Kontrolle. Jedes Fahrzeug und jede Auf/Abfahrt mit einem Sender/Empfänger versehen und z.B. das Finanzamt oder wär auch immer, könnte monatlich eine Rechnung schicken, bzw. abbuchen. Die Strecke, mit dem Fahrzeugtyp verrechnet, anstelle der pauschalen Kfz-Steuer und es gäbe Fairness und manche Fahrt weniger.
    Andererseits wohl bald auch wieder mehr Nutzer von Schleichwegen und Menschen, denen das Auto vom Gerichtsvollzieher eingezogen wird, weil sie ihre Fahrten nicht bezahlt haben...

    Ansonsten ist es eine Schande. Selbst Leute, die in den Neunzigern noch den Fuß vom Gas nahmen (hessischer Ozon-Alarm) brettern heute mit Kleinwagen oder Limousine mit 130, 140 und mehr.

    Der Autobahn-Tourismus stellt zwar nur eine Promille-Zahl dar, gleichzeitig auch eine große Gefahr und anteilige Verschwendung. Amis, Engländer, Araber und neuerdings Chinesen kommen nur hierher, um das Land rasend zu durchqueren!

    http://www.tollwut-events.de/Autobahntourismus.html

    Ganz so einfach ist es in den Nachbarländern aber auch nicht. Wo die Italiener sicher sind, dass nicht geknipst wird, überholen sie auch bei 8 Spuren rechts mit 150 und mehr und liefern sich jeden Morgen und Abend rennen bis vor die Maut-Station. Auf meiner Insel gibt es gar keine Autobahn, sondern nur Schnellstraße mit Tempo 90. Daran hält sich nur der Ape (weil er nicht mehr als 50 kmh schafft). Alle Anderen fahren meist 110 oder mehr... mehr weniger
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    schrieb am 16.12.2011 um 07:05
    Es ist doch klar, dass die Automobillobby dahinter steckt ! Bei einem Tempolimit
    würde mehr "Ruhe" auf der Autobahn sein. Der Zeitgewinn ist doch nicht sehr groß.
    Wählt die Partei, die für ein Tempolimit ist.
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    schrieb am 14.10.2011 um 00:13
    Ich kann das Gerede über Tempolimit nicht mehr hören! Wozu? Jeder Vielfahrer beobachtet, daß die meisten kaum noch über 120 km/h unterwegs sind. Die wenigen die deutlich schneller als mit > 200 km/h unterwegs sind fallen in der Umweltbilanz überhaupt nicht ins Gewicht. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung wäre in Deutschland einer Kastratation der Automobilwerke gleichzusetzen. Warum bauen wir wohl weltweit die besten
    Fahrzeuge? Weil Fahrwerke und Bremsen für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt sind und somit entsprechende Sicherheitsreserven auch bei niedrigen Geschwindigkeiten bieten.
    Leider gibt es eine Lobby die permanent für Geschwidigkeitsbegrenzungen sind. Ähnliche Leute setzen sich auch für Elektrofahrzeuge ein obwohl bisher keiun Strom für Fahrzeuge umweltfreundlich produziert werden kann. Deutsche Bürger macht Euch frei von Lobbyismus sonst ist es vorbei mit unserer wirtschaftlichen Überlegenheit in allen Bereichen. mehr weniger
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    GB
    schrieb am 13.10.2011 um 14:10
    Ich vermisse kein 130er Tempolimit.
    Wozu auch?

    Argument Unfälle:
    Die meisten Unfälle in D passieren auf Landstraßen.
    Und die die auf Autobahnen passieren, sind oft in Folge unangepasster Geschwindigkeit.
    Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der BAB liegt meines Wissens bei unter 120km/h. Die Autos wurden in den letzten Jahren immer Stärker. Trotzdem gibt es so wenige Unfalltote wie noch nie seit es nennenswerten Autoverkehr gibt..
    Wer bei Limit 130 im Nebel 100 fährt ist eben noch immer zu schnell.
    Und wenn ein LKW in das Stauende knallt dann tut er das auch bei Tempolimit.
    Warum soll ich bei freier Strecke 130 fahren und evtl. einschlafen statt konzentriert 180-200?

    Und wer sich hier über ständige Drängler und Hektik beschwert sollte evtl. auch mal den eigenen Fahrstil überdenken. Immer schön rechts rüber fahren ist nicht nur in der Schweiz erlaubt!
    Ach ja, in den CH und I kann man so schön angenehm und entspannt fahren.
    Erstens will hier jemand wirklich den italienischen Fahrstil in D-Haben? Da würde sich aber so mancher ziemlich umschauen.
    Zweitens: Wir leben in Deutschland und hier ist eben alles, nicht nur auf der Straße, etwas hektischer.

    Natürlich gibt es Spinner. Die fahren aber auch heute schon bei Tempolimit zu schnell und werden es beim generellen Limit auch tun. Und wer erschrickt, wenn auf der BAB von hinten einer mit 200+ angerauscht kommt sollte evtl. mal nachdenken ob er wirklich auf die BAB gehört. Den letztlich muß der von hinten kommende aufpassen. Und die meisten tun das auch.



    Argument Spritverbrauch:

    Stimmt bei höherem Tempo läuft mehr durch die Einspritzdüse. Aber bei 200 3-4 mal so viel ist doch graue Theorie. Also ich stelle da bei mir im Extremfall einen Mehrverbrauch von höchsten ca. 50% fest. und das mit verschiedensten Autos. Wer AMS liest wird das bestätigt sehen (was hier vermutlich die wenigsten tun ;-).
    Ok, meine CO² Bilanz leidet da. Aber ich geh jede Wette ein, dass ich im Vergleich zu einigen die Tempolimit fordern dafür aber 2 - 3 mal im Jahr nach Indien oder Südamerika fliegen nicht schlecht da stehe.

    Übrigens sieht ein nur spärlich besetzter Zug hinsichtlich CO² Bilanz auch nicht sehr toll aus.
    Und spätestens wenn ich zu 4 im Auto sitze wird es für die Bahn verdammt eng.

    Abgesehen davon, dass z.B. ich als Pendler mit der Bahn mehr als doppelt so lange brauchen würde.

    Ach ja, zum Argument nirgens auf der Welt gibt es sonst freie Fahrt:
    Ja stimmt, na und. Wollen wir jetzt alles abschaffen was in keinem anderen Land so ist wie bei uns!?

    Vielleicht sollte man einfach mal etwas entspanter an die Sache heran gehen und nicht immer den alten Käse aufwärmen.

    Gruß, mehr weniger
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    schrieb am 13.10.2011 um 14:05
    Die Zerstörungskraft sollte für das Tempolimit ausschlaggebend sein: http://einewelt.beepworld.de/tempo.htm
    Tempo und Zerstörungskraft

    Excel datei http://einewelt.beepworld.de/files/autocw.xls

    Die blauen zahlen dürfen angepasst werden, dann wird ganz rechts das TNT-Äquivalent angezeigt, welches man besteuern sollte! Das könnte einen Anreuz schaffen Fahrzeuge wieder leichter zu bauen!

    in die berechnung sollte das Gewicht des Fahrzeuglenkers mit pauschal 90 kg zum Lehrgewicht hinzugefügt werden! mehr weniger
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