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Vermisstenanzeige der Woche

Der Milchautomat

Die Vermisstenanzeige der Woche gibt Raum für Themen oder Dinge, die fehlen. Weil wir sie vergessen haben oder weil es sie noch nicht gibt, aber geben sollte. In dieser Woche vermissen wir den Milchautomaten und zwar deshalb ...


An einem Milchautomaten kann man nach Einwurf seiner Groschen Milch zapfen. Die Menge bestimmt der Kunde selbst, die Flasche hat er entweder gleich selbst mitgebracht oder kauft sie als Pfandflasche dazu. Der Milchautomat ist der Schrecken aller Tetrapack-Hasen, denn er steht wirklich für Nachhaltigkeit. Er ist ein Symbol für Müllvermeidung und kam leider zu spät.

Mitte der Neunziger Jahre hat es der Milchautomat kurz in die Supermärkte der Republik geschafft - aber leider hatte das Milchmädchen die Rechnung gemacht. Zwar waren die Zeiten, in denen Peter Lustig Kindern beibrachte, mit Tupperdosen einkaufen zu gehen, um dann den Plastikmüll demonstrativ an der Kasse abzuladen kaum vorbei, aber die Stimmung war kaum merklich bereits gekippt. Man war schon dabei, jedes Joghurtbecherchen, jede Zahnpastatube und ja, jede Milchpackung fein säuberlich und mit grünem Gewissen in den Gelben Sack zu sortieren. Das war das Aus für den Milchautomaten im Supermarkt - denn warum mühsam zapfen, wenn Recycling doch so einfach und scheinbar umweltfreundlich ist.

Auf dem Land hat der Automat seine Nische trotzdem gefunden: Rohmilchliebhaber zapfen immer noch an "Milchtankstellen" und glaubt man Gerüchten, soll es auch in Österreich noch den ein oder anderen Automaten geben. Wir finden, es ist Zeit für einen zweiten Auswilderungsversuch! Wir wollen den Milchautomaten da zurück, wo er wirklich Sinn macht, im Supermarkt. Wie wär's wenn die Bio-Märkte schon mal anfangen?

Und wo wir schon dabei sind, warum nicht mal wieder die Latzhose aus dem Schrank holen und mit Tupperdosen und Einkaufsnetz dem inneren Öko-Revoluzzer etwas Freilauf gönnen?

 

Und welche Vermisstenanzeige würden Sie aufgeben? Schreiben Sie uns an: vermisst@utopia.de

Stand: 23.09.2011 von

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    schrieb am 27.09.2011 um 10:07
    @Kerstin: Ja das gibt es noch, sogar besser! in meiner alten Schule, in der ich vor einem Jahr abgeschlossen habe, wird genau das angeboten. Sogar in Bio!! Verpackung allerdings "Bio-Plastik", also kompostierbar.
    Die Milch ist erhältlich in pur, Schoko oder Erdbeere.. und ist übrigens sehr lecker! :-D mehr weniger
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    schrieb am 27.09.2011 um 08:43
    100% super. Danke für den Artikel wußte garnicht das es sowas mal gab. Ich hole im Sommer um frischen Schichtkäse zu machen mit meiner Milchkanne immer Milch beim Bauern (2 Dörfer entfernt). Ist total super und zu empfehlen Milchkanne hinstellen am Abend und am nächsten Tag abholen und Geld liegen lassen. Funktioniert klasse und es kommt der bestimmt beste Schichtkäse raus. Roh mag ich die Milch leider nicht weil ich Sie so nicht vertrage (keine Milch) aber ansonsten ist das sicher eine tolle Alternative für alle die Milch auch so lecker finden. In meiner Kindheit gab es in der Schule immer eine Milchpause in denen jeder seine vorher bestellte Milchflasche (Erdbeer, Schoko, Vanille oder normal) bekommen hat welche in der vorherigen Woche bestellt wurde. Die Milch war in Glasflaschen, ich glaube á 0,5l abgefüllt und wurde vom Hausmeister in jeden Klassenraum zur Pause gebracht. Gibt es sowas noch? mehr weniger
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    schrieb am 24.09.2011 um 00:11
    Also bei mir in der nähe gibt es einen. Nur ist es nicht so in der Nähe bzw. nicht gerade auf einem meiner Wege, dass ich dort öfters vorbei komme.

    Habe es vor kurzem auch erst zum ersten Mal ausprobiert. War super lecker die Milch. Ich hatte etwas Bedenken, wie mein Körper die Rohmilch vertragen würde, habe aber keinerlei negative Auswirkungen gespürt. mehr weniger
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    schrieb am 23.09.2011 um 22:33
    Milchautomat kenne ich auch noch. Wäre sehr wünschenswert, wenn das zurückkommt (auch wenn ich inzwischen keine Milch mehr kaufe). Und als nächstes dann gleich wieder Selbst-Zapfen von Flüssigwaschmittel (inzwischen hab ich zwar anderes, aber ...) und Wandfarbe in Pfandeimern (gab's früher im Biobereich alles mal, alles wieder verloren ...).

    Das Selbstzapfen hat gegenüber der befüllten Pfandflasche den Vorteil, dass die Flasche dann nicht mit so scharfen Mitteln industriell gereinigt werden muss, aus rechtlich hygienischen Gründen. mehr weniger
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    schrieb am 23.09.2011 um 22:22
    Wow!
    War leider vor meiner Zeit - aber das gehört zu den zahlreichen Sachen, die so genial gewesen wären, aber leider vom Konsumenten selbst abgewählt wurden... schade darum
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