Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Utopistin Palmzweig im Interview

"Durchs Studium wurde ich aktiv"

Sie ist noch nicht lange Utopistin, hat aber bereits die Petition an den Bundestag formuliert, mit der sie ein Verbot von Plastiktüten in Deutschland einfordert: Jenny Friedrich alias Palmzweig. Da Plastiktaschen einfach durch Stofftaschen ersetzbar sind und dadurch die Umwelt geschont wird, stellt Utopia den klugen Kopf hinter der Petition vor.


Utopia: Sie haben die Petition „Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Einkaufstüten/Plastiktüten in Deutschland verboten werden“ an den Bundestag auf den Weg gebracht. Wie kam es dazu?
Jenny Friedrich: Ein Flyer vom BUND-Freunde der Erde über den Film „Plastic Planet“ lag in meinem Bioladen aus. Ich habe mir die Homepage zu Hause angeschaut und da mich diese Plastetüten einfach nerven, ich mich schon immer an dieser Verschwendung gestört habe, habe ich diese Petition - ein wenig im Affekt - eingereicht.

Wie sind bislang die Reaktionen?
J. F.: Die Reaktionen reichen von „super Sache“ bis „unzureichende Petition" oder "ich unterstütze das nicht.“ Aber es haben immerhin schon 1100 Leute mitgezeichnet und das zeigt, dass doch Einige sehr dafür sind. Es gibt auch manche, die sagen, dass wir in einem freien Land leben und sie wollen nicht eingeschränkt werden. Sie möchten weiterhin die Tüten. Nun, wir leben in einem freien Land, aber dennoch gibt es so viele gedankenlose Menschen, die einfach nicht darüber nachdenken, dass Plastik umweltschädlich ist und sie selbst viel zu bequem sind.

Sie sind Studentin und Klavierbauerin – was studieren Sie?
J. F.: Ich studiere Landschaftsnutzung und Naturschutz an der Fachhochschule Eberswalde seit September 2009.

Und bauen Sie Klaviere aus nachhaltig angebautem Holz? Oder ist das kein Thema?
J. F.: Ich habe eine Ausbildung zur Klavier- und Cembalobauerin gemacht. Ich weiß das nicht genau, wie das in der Branche mit Nachhaltigkeit bei der Holzauswahl aussieht.

Bevor Sie Utopistin wurden, waren Sie da auch schon umweltpolitisch aktiv?
J. F.: Nein. Ich war nie aktiv in irgendeine politische Richtung. Mich hat das nie interessiert. Aber die Umwelt war schon immer wichtig für mich. Deshalb studiere ich auch endlich Naturschutz. Und durchs Studium wurde ich aktiv. Denn da weisen immer wieder viele Kommilitonen auf Aktionen hin. Und das ist sehr nützlich, um aktiv zu werden.

Was regt Sie beim Stichwort „Konsum“ auf?

J. F.: Ich muss da immer an meinen ersten und letzten Einkauf in einem Real-Einkaufcenter denken. Ich war völlig überfordert. Alles war so riesig von den Regalen über die Einkaufswagen bis zu dem Sortiment an Kartoffelbrei oder Reis. Wer braucht denn zehn verschiedene Reissorten? Und natürlich wird der ganze Megaeinkauf in Tüten zum Auto getragen… Also bei dem Wort Konsum rollen sich mir echt die Fußnägel nach oben.

Haben Sie ein grünes Vorbild? Was ist für Sie ein nachhaltiges Projekt?

J. F.: Vielleicht Madjid Abdellaziz und sein Projekt „Desert Greening“ (Wüstenbegrünung durch integrale Umweltheilung) in Algerien. Ein nachhaltiges Projekt bedeutet für mich, dass die Natur und die Landschaft so wenig wie möglich verändert wird, Arbeitsplätze sollten langfristig geschaffen werden, der Ressourcenverbrauch sollte möglichst gering sein. Dabei sollte man immer an kommende Generation denken. Das ist wichtig, wenn es um Nachhaltigkeit geht.

Wie umweltfreundlich leben Sie persönlich?
J. F.: Oh, im Moment ist mein Wasserverbrauch ziemlich hoch. Das muss ich zu meiner Schande gestehen. Aber sonst habe ich kein Auto und ich werde mir auch keines zulegen, es sei denn es fährt mit Druckluft und ist aus nachwachsenden Rohstoffen. Natürlich achte ich auf meinen Plastikverbrauch, was gar nicht leicht ist. Ich kaufe viele Dinge ökologisch ein. Ich lese keine Zeitung, weil ich mir den Müll nicht antun will und die Umwelt braucht nicht auch noch meinen Papiermüll.

Warum sollen sich Utopisten mit Ihnen vernetzen?
J. F.: Wenn ich noch einmal eine besser formulierte Petition starte, kann ich auf die Kontakte zurückgreifen. Anders herum können mich andere Utopisten auf Ihre Aktionen aufmerksam machen. Es entsteht einfach ein Netzwerk von Gleichgesinnten. Natürlich informiere ich mich auch über die anderen über den Stand der Bewegung, was sehr wichtig ist, denn ich bin ja noch nicht so lange dabei.

Ein Satz zum Schluss…
J. F.: Ich bin trotz der vielen furchtbaren Dinge, die auf der Erde geschehen dankbar, dass ich in dieser wichtigen Zeit auf diesem Planeten weilen darf.

Thema: Utopisten-Interviews, Stand: 03.03.2010 von

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alle Kommentare (11)
  • schrieb am 21.03.2010 um 12:00
    Die Frist der Petition läuft noch bis zum 31. März:
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=9937
  • schrieb am 09.03.2010 um 05:37
    Eberswalde ist echt eine schöne Brutstätte für gesellschaftliche Change Agents! Da gibt's echt viele tolle Leute...
  • schrieb am 08.03.2010 um 14:52
    Hallo Miteinander,

    ich habe die Petition unterzeichnet. Danke für das Einstellen.
    Wollte selbst eine Petition eröffnen, in der es allerdings um die PET-Flasche geht, die von Coca-Cola seit 1990 auch in Deutschland eingeführt wurde. Mittlerweile nicht nur von Coca-Cola genutzt. Die Plastikflaschen, aus der wir DIREKT das Vergnügen haben, mit den giftigen Stoffen, Hormonen und Nervengifte in Berührung zu kommen und in Kürze in uns aufnehmen.
    Die PET-Flasche habe ich neben der Plastiktüte wirklich vermisst. Denn besonders sind die Schwangeren, Babys und Kinder sind davon betroffen. Wo doch lieber die leichte und bequeme PET-Flasche genommen wird, weil sie nicht kaputt geht. Besonders im Sommer durch das Erhitzen des Plastiks, können sich diese Stoffe gut lösen und in die Flüssigkeit gelangen.
    Die Östrogene im Plastik können zur Impotenz führen. In unseren Flüssen gibt es mittlerweile Fische, die Zwitter sind oder mutierte Geschlechtsorgane haben.
    Antimon ist ein toxisches Schwermetall, das ähnlich giftig wie Arsen ist und bei der Produktion der PET-Flasche eingesetzt wird. Dieses Antimon, dass zu schweren Vergiftungen des Blutes führen kann, wird ebenfalls an den Flascheninhalt weitergegeben. In einer PET-Flasche 30x höher als in einer Glasflasche!
    Durch die Nervengifte kommt es vorallem im Bereich der Leber zu Toxikationen, die sich als Kopfweh, Verdauungsstörungen und Hautauschlägen, Magenerkrankungen, Vergiftungen im Blut, Durchblutungsstörungen, Konzentrationsabnahme, Abgeschlagenheit und Kreislaufstörungen äussern können. Desweiteren zu Störungen im vegetativen Nervensystems mit der Folge, dass die Regulation der Organe gestört werden kann, woraus mit der Zeit die unterschiedlichsten Krankheiten entstehen können.

    Wir haben auf Glasflaschen umgestellt. Auch die Flaschen die wir mitnehmen. Da wir das Glück haben, dass wir in einem Ort wohnen, in dem es viele Quellen gibt, fühlen wir das Wasser nun in die Glasflaschen ab. Der Geschmack ist deutlich besser.
    Hier haben wir unsere Glasflaschen bestellt. Auch für unseren Sohn - nach 1 Jahr ist sie immer noch ganz.
    http://www.emil-die-flasche.de/idee/

    Vielleicht können wir unsere Petitionen zusammentun :o) mehr weniger
  • schrieb am 07.03.2010 um 21:45
    Dass die Plastiktüte als "Fetisch" der Umweltbewegung tatsächlich einmal diese massiven Auswirkungen haben würde... Also das Zeug muss weg: Vermeiden wir sie wo es nur geht und untstützen die Petition.
    Ein wirkliche Perle in dem Beitrag ist aber nach meinem Geschmack die Erwähnung von Madjid Abdellaziz und sein Projekt „Desert Greening“. Schauts Euch an. mehr weniger
  • schrieb am 05.03.2010 um 10:30
    In der Petition hat Frau Friedrich die Begründung folgendermaßen formuliert:

    "Kunstoffe schädigen die Umwelt. Sie gehen in Wasserkreisläufe, Nahrunksketten über und sind auch in unserem Blut zu finden. Plastiktüten, die man in allen Einkaufshäusern kaufen kann, werden nur einmal benutzt und dann vielleicht noch, um den Plastikmüll darin zu entsorgen. Warum können denn nicht Tüten aus natürlichem Kunststoff verkauft werden? Oder, was wäre mit einer Werbekampagne für den guten alten Stoffbeutel."

    Ich ärgere mich, wenn ein so wichtiger Text nicht in gutem Deutsch und ohne Schreibfehler verfasst wird. In der gegenwärtigen Form wirkt er nachlässig und wie "gewollt, aber nicht gekonnt" - SkeptikerInnen überzeugt man so nicht. Frau Friedrich sagt selbst, dass sie die Petition im Affekt verfasst hat - sorry, aber dafür finde ich die Angelegenheit einfach zu wichtig! Wir brauchen bei Umweltschutzkampagnen nicht nur Emotionen, sondern auch Köpfchen - sonst spielen wir den Gegnern in die Hände, die meinen, wir seien naive und weltfremde Leute, die selbst als Studierende nicht mal richtig schreiben können. mehr weniger
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