Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Utopistin Anne Wangrin im Interview

Die Abenteuerführerin

Die Hamburger Utopisten kennen Sie von der Socialbar. Sie betreibt außerdem noch Weltretter.org, ein Portal zur Suche von Unterstützung für Initiativen, hat vor kurzem das Urban-Camp in Hamburg mit auf die Beine gestellt und plant mit Hometown Glory noch eins drauf zu setzen. Eine derart aktive Utopistin muss Utopia einfach vorstellen.


Utopia: Die Hamburger Utopisten kennen Sie von der Socialbar, die Sie mitorganisieren. Sie betreiben außerdem noch Weltretter.org, ein Portal zur Suche von Unterstützung von Initiativen, vor kurzem haben Sie das Urban-Camp in Hamburg mit auf die Beine gestellt und starten demnächst mit Hometown Glory, wie schaffen Sie das alles?

Anne Wangrin: Ich arbeite immer nur an einem Projekt. So kann ich meine Kräfte konzentrieren und bin mit meiner ganzen Energie dabei, ohne mich zu verzetteln. Die Socialbar in Hamburg und das Urban-Camp entstehen in Teamarbeit. Meine Projekte bauen zudem aufeinander auf und bilden Synergien. Als die reine Online-Vernetzung zwischen Initiativen und Helfern auf Weltretter.org nicht perfekt lief, kam offline die Socialbar dazu. Bei der Socialbar konnten wir Initiativen für einen Abend praktisch helfen, und wollten das gerne auf ein ganzes Wochenende ausweiten. So entstand das Urban-Camp. Dabei ist mir erneut aufgefallen, dass es sozialen Initiativen schwer fällt, Aufgaben an Ehrenamtliche abzugeben. Mit Hometown Glory arbeite ich jetzt für mich an den Fragen: Wie organisieren Initiativen ehrenamtliche Helfer? Wie binden Sie diese langfristig ein? Und wie geben sie den Ehrenamtlichen einen Mehrwert? Womit sich der Kreis schließt, denn bei Weltretter.org können Initiativen, Helfer für einzelne Aufgaben suchen, und sie so einbinden.

Erzählen Sie uns von Hometown Glory.
A. W.: Hometown Glory ist mein aktuelles Projekt, das mir total viel Spaß macht! Ich bin jetzt von Beruf Abenteuerführerin. Denn Hometown Glory ist ein Reiseveranstalter für sozialen Abenteuerurlaub in der eigenen Heimatstadt, bei dem wir nicht die Stadtgebäude sondern die Menschen der Stadt kennenlernen. Während einer Tour durchkreuzt meine kleine Reisetruppe Hamburg und erlebt, welche Initiative, welche Hamburger Probleme lösen. Doch es geht nicht nur darum zu sehen, was andere schaffen. Es wird mit angepackt. Dabei können wir auf alternative Subkulturen, klassische Hilfsorganisationen treffen, genauso wie auf Social Businesses oder städtische Einrichtungen. Es wird gemeinsam im Team gewohnt, gekocht, gelebt, berichtet – und die Stadt verändert. Wir werden während der Tour zu einem Team und können so gemeinsam einfacher in neue Projekte einsteigen. Das Angebot bietet eine einfache Möglichkeit neue Kontakte aufzubauen – und richtet sich insbesondere an neue Einwohner und Menschen, die sich neue Perspektiven eröffnen möchten.

Wie waren die bisherigen Reaktionen?
A. W.: Großartig. Ich hatte bisher noch bei keinem Projekt so einheitlich positives Feedback wie bei Hometown Glory. Social Entrepreneurs, soziale Initiativen, Hausfrauen, Künstler, Senioren und Jugendliche hatten alle direkt eine Vorstellung davon und haben mich mit ihren Ideen unterstützt. Um auf möglichst viel gefasst zu sein, habe ich eine erste Test-Tour durchgeführt. Besonders gefreut hat mich der langfristige Erfolge des Probelaufs: Es sind neue Freundschaften entstanden und ich weiß von mindestens drei Initiativen, dass die Teilnehmer nach der Tour Kontakt gehalten und geholfen haben. Außerdem wurde deutlich, dass das Team hervorragend als Netzwerker unter den Initiativen fungiert und verschiedene Ansätze verbindet. Aber auch Schwierigkeiten des Konzeptes zeigten sich. So sagten Initiativen direkt vor Tourbeginn ab, weil kein Hilfsbedarf mehr bestand, und das Programm musste kurzfristig geändert werden. Darauf müssen die Teilnehmer gefasst und ein Plan B vorhanden sein. Wir können nur helfen, wo Unterstützung gewünscht wird.

Die nächste Tour heisst "Sozialer Abenteuerurlaub für Singles". Können Sie schon einen Vorgeschmack geben?
A. W.: Da ich mit meinem Business am Anfang stehe, ist für mich jede Tour ein Abenteuer. Die Initiativen, Unterkünfte und Routen sind für mich genauso neu, wie für die Teilnehmer. Aber wir halten jede Tour in unserem Blog fest. Was wir bei der ersten Tour erlebt haben, kann jeder im Blog nachlesen. Der Blog soll in erster Linie zusätzliche Öffentlichkeit für die einzelnen Projekte schaffen und weitergeben, welche Unterstützung wo gebraucht wird.

Ist das Konzept auch franchisefähig?
A. W.: Auf jeden Fall. Ich würde mich riesig freuen, wenn in anderen Städten Hometown-Glory-Touren entstehen. Da ich selbst mitten in der Gründung bin, kann ich zur Zeit keine Best Practice–Erfahrungen weitergeben. Aber, interessierte Veranstalter können gerne mit mir zusammen daran arbeiten. Damit es gewisse Standards gibt, die verschiedenen Städten sich austauschen und Best Practices dokumentiert werden, plane ich langfristig eine globale Orga, und damit ein Lizenmodell.

Seite 1 / 2
Thema: Utopisten-Interviews, Stand: 23.09.2010 von

Kommentare (49)   Kommentare abonnieren

alle Kommentare (49)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 17.02.2011 um 18:18
    Hm, ich wollte mich mal bei Schütze melden; inaktiver User ...
    Hat er/sie/es denn Hilfe gefunden?
  • gelöscht am 03.02.2011 um 16:53 von admin
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • gelöscht am 03.02.2011 um 16:53 von admin
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • gelöscht am 03.02.2011 um 16:53 von admin
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • gelöscht am 03.02.2011 um 16:52 von admin
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
alle Kommentare (49)
Kommentar schreiben
(5000/5000)
Mehr zu Wirtschaft & Politik
  1. "Kauf-nix-Tag": Kaufen Sie Nichts! "Kauf-nix-Tag": Kaufen Sie Nichts!

    Kaufen Sie doch einfach mal: Nichts

  2. Mit dem Geigerzähler in den Supermarkt? Mit dem Geigerzähler in den Supermarkt?

    Der Dioxinskandal verunsichert die Verbraucher. Sogar eine IPhone-App wurde entwickelt, um vergiftete Eier im Supermarktregal zu identifizieren. Wird der Supermarkt der Zukunft zum Areal der Unsicherheit?

  3. Bundeswehr: Erst wird das Öl knapp, dann die Nahrung Bundeswehr: Erst wird das Öl knapp, dann die Nahrung

    Das Dokument klingt nach Science-Fiction, tatsächlich handelt es sich um ein bisher wenig beachtetes Forschungs-Szenario der Bundeswehr: „Peak-Oil“ – was passiert, wenn das Öl knapp wird, fragt die Studie. Der Zusammenbruch des globalen Wirtschaftssystems und eine Nahrungsmittelkrise sind nur zwei der möglichen Gefahren.