Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Utopist Thomas Meiseberg im Interview

„Ich bin kein Einzelkämpfer“


Utopia: Sie sind Umwelt- und Erlebnispädagoge - das klingt spannend. Erzählen Sie doch kurz ein wenig mehr über diesen Beruf!

Thomas Meiseberg: In der Erlebnispädagogik geht es meist mehr darum Dinge über sich selbst zu erfahren, Grenzen zu testen, zu erfahren, wie man sich in Grenzsituationen verhält, wie man in Teams zusammen arbeitet. Da wird viel geklettert, kooperativ gespielt, Probleme und Aufgaben gelöst. Beides lässt sich manchmal gut miteinander verbinden, führt aber meist sehr unabhängigen Herangehensweisen.

Meist handelt es dabei um die Verknüpfung mitunter sehr unterschiedlicher Denkansätze und Aufgabenstellungen. Als Umweltpädagoge ersinne ich immer wieder Angebote für Schulen und außerschulische Gruppen. Dabei geht es darum interessante Medien und Methoden mit klassischen Umwelt- aber auch wirtschafts- und sozialpolitischen Themen zu verbinden. Wir gestalten gemeinsam mit Schülern spannende, interaktive Ausstellungen zum Thema Ernährung und Landwirtschaft, Müll und Konsum, Energie und Klimaschutz, Wasser etc., vermitteln dabei Medienkompetenz durch gemeinsame Recherchen, professionelle Aufarbeitung und Präsentation. Die Arbeit mit den meist jugendlichen TeilnehmerInnen macht viel Spaß, fördert sehr viel Interessantes zu Tage und bringt den TeilnehmerInnen sehr viel Lob und Anerkennung, aber auch Erkenntnisgewinn und neue Einsichten.

Beruflich und in Ihrem Blog befassen Sie sich mit Ideen für nachhaltige Zukunftsgestaltung. Was ist daraus Ihre bisher wichtigste Erkenntnis?

T.M.: Unsere augenblickliche Lebensweise ist nicht nachhaltig. Klimawandel und Ressourcenkrise verlangen grundlegende Veränderungen in unseren Produktionsmustern und Lebensstilen. Dabei wird durch den einen oder anderen Verzicht trotzdem ein mehr an Lebensqualität entstehen.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen zählt, dass die Menschen, mit denen wir zusammen arbeiten teils sehr gute Ideen für eine neue, sehr kreative Lebensgestaltung mitbringen oder in unseren Workshops und Projekten entwickeln. Gerade Kindern und Jugendlichen ist eine intakte Umwelt sehr wichtig, sie sind bereit sich dafür zu engagieren und viel dafür zu tun. Verzicht ist hier für die meisten kein Problem. Eine Zukunft in einer autofreien Stadt gehört zu den beliebtesten Ideen, Ausbau von Nahverkehrssystemen, solare Energien werden als wichtig angesehen, technischer Fortschritt spielt eine große Rolle. Es bestehen jedoch auch grundlegende Ängste, es könnte sich alles verändern, Dinge passieren, die unser Leben vollständig aus den Angeln heben. Konservative Werte stehen hoch im Kurs: die Konzentration auf ein traditionelles Familienbild zum Beispiel. Der Austausch mit den Utopisten hat hier einen ganz besonderen Wert, da er über Bande mit unseren jugendlichen Zukunftsexperten verknüpft ist. Sie lesen die Ideen der Utopisten und lernen daraus, erschaffen ihrerseits Szenarien, die dann hier im Blog wieder auftauchen und mit den die Utopisten konfrontiert werden.

Welchen Gegenstand aus dem „Heute“ würden Sie gerne für eine nachhaltige neue Zukunft retten oder in diese mitbringen?

T.M.: Super Frage, die stellen wir natürlich auch immer. Die Zubereitung von gutem Essen ist wichtig, also vermutlich eine gute Pfanne oder ein sehr gut eingearbeitetes Küchenmesser. Vielleicht aber auch etwas weiter vorne im Prozess angesetzt – Geräte zur Gartenarbeit: eine Hacke oder eine Panga (kleine afrikanische Kurzmachete). Es geht dabei um wichtige Kulturtechniken in einem postfossilen Zeitalter.

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Stand: 01.06.2010 von

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    schrieb am 25.03.2012 um 22:21
    Ja, da stimme ich dir zu. Viele reden nur und jammern (das können wir Deutschen besonders gut ;) ), aber ändern nichts. Glücklicherweise habe ich mich von dieser Weltsicht abgewandt, nehme meine Leben wieder selbst in die Hand und möchte nachhaltig mitgestalten.

    Daher danke ich dir für deinen letzten Satz.
    "Utopia ist eine sehr inspirierende Plattform. Der Weg aus der Netzwelt heraus in die Wirklichkeit ist jedoch wichtig: Utopien austauschen und konkretisieren ist gut, wir dürfen jedoch das Leben nicht vergessen."
    Genau so sehe ich das auch, aber manchmal muss ich mich daran erinnern und mal wieder offline sein. Vielleicht wage ich wirklich mal das Experiment, schalte Internet, Handy etc. ab und mal sehen, ob ich dann immer noch Probleme mit sozialem Rückzug (außerhalb des Internets) habe.

    Nächtliche Grüße von einer, die wieder Hoffnung für utopische Ideen geschöpft hat mehr weniger
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    schrieb am 03.06.2010 um 14:51
    ... und einen Hinweis habe ich noch: manchmal ist Tun einfach wichtig. Gründet Transition Town Initiativen und baut eure Stadt aktiv neu!
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    schrieb am 03.06.2010 um 12:48
    SUPER! Genau sowas will ich auch schon lange machen; Wenn ich mit meinem Kulturwissenschaftsstudium fertig bin, wollte ich Menschen zu autonomen Denken anspornen und Philosophiekurse in Kulturzentren geben um Kinder, Jugendliche und Migranten zu erreichen. Das werde ich ganz sicher mit einer Umwelt-und Erlebnispädagogik verbinden.
    Ganz toll! mehr weniger
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    schrieb am 03.06.2010 um 12:01
    Ja so siehts leider (noch) aus. Wir alle, die Mehrheit muss es erst noch realisieren, haben es in der Hand obe es allen Menschen (und Tieren!) gut geht - oder nur wenigen "zu gut" und vielen andern schlecht.
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    schrieb am 03.06.2010 um 10:35
    Thomas Meiseberger sagt: "Er sei kein Einzelkämpfer!!" Hier mag das vielleicht stimmen, wenn man es so liest, aber er ist erst mal nur für sich ein Einzelkämfer!! Denn wenn er keiner währe, dann könnte er das doch gar nicht machen, was er macht!! Es währe in der heutigen Zeit wünschenswert, nich allein kämpfen zu müssen, aber wenn es ans Eingemachte geht, kämpft man an der Front allein!! Im ersten Moment mag es vielleicht toll sein, mit jemandem zusammen zu kämpfen!! Je länger aber bestimmte Kämpfe dauern, und sich politisch so gesellschaftlich nichts rührt, was nützt einem dann der schönste Kampf, oder die beste Idiologie?? Wir haben hier in Hamburg in den letzten 24 Jahren viele Kämfe gekämpft, haben zwar keinen da von gewonnen, aber trotzdem sind immer posetive Dinge da durch entstanden!! Weil einige Menschen von der erste, bis zur letzten Minute zusammen gestanden haben!! Man muß sich doch nur die Debatte um Hartz IV anschauen!! Das geht vielen am A.... vorbei, weil sie meinen, die sollen doch bleiben, wo sie sollen, nämlich in der untersten Schublade dieser Gesellschaft!! Gestern wurde zum Beispiel darüber berichtet, das während der WM in Südafrika, keine Obdachlosen und Bettler die Touristen oder Gäste unangenehm auffallen!! Auf so etwas kann ich verzichten, weil wir meinen, nur mir gehört die Zukunft!! Solche Zukunftsidiologen braucht dieser Planet nicht, sonst muß ich mir einen anderen suchen!!

    Erich Heeder
    (Stadtteilkünstler,Objekte,Performer,Autor, und Dichter aus Hamburg) mehr weniger
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