Biofach 2012 – Lebensbaum
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besser: wissen - machen - kaufen
Utopia: Sie engagieren sich im Bereich Biokunststoffe und sind fürs Vermeiden von
Plastikverpackungen? Warum?
Steffen W. Kuhn: Bedingt durch meinen beruflichen Werdegang habe ich seit über zehn Jahren tagtäglich mit Kunststoffen zu tun. Kaum ein Mensch macht sich heute tatsächlich Gedanken darüber, welchen unaufhaltsamen Einzug das Material Kunststoff in unsere Zivilisation gehalten hat. Als ich dann erstmals die Auswirkungen und die Ausweitung der Produkte bewusst wahrgenommen habe und anfing, mich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen, da wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen kann! Die Vermüllung der Erde, der unachtsame Umgang mit dem Rohstoff Öl und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, damit auch unmittelbar für uns Menschen, ist so enorm, dass ich als einzelne Person und nun auch mit meinem Unternehmen begonnen habe, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Diese bedeuten jedoch nicht eine unrealistische Entfernung vom Material Kunststoff aus unserer heutigen Zeit, sondern vielmehr die Substitution eines allgegenwärtigen Produktes durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe.
Wie kam es zu der Idee und woher nehmen Sie Ihre Motivation?
S. W. K.: Zu der Idee bin ich vor etwa sechs Jahren gekommen. Damals wurde mir im Bereich eines Projektes ein Werkstoff demonstriert, den ich zuvor in meiner Laufbahn als Kunststofftechnik-Ingenieur noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Es handelte sich dabei um einen so genannten WPC-, einen Wood Plastic Compound. Dies ist ein Kunststoff, der zu etwa 50 Prozent mit Holzfaserzellulose gefüllt ist. Der Hintergrund dazu ist, Naturfaser in Kunststoffe zu integrieren, um zum einen den fossilen Rohstoff Öl einzusparen und des weiteren die mechanischen Eigenschaften zu verändern. Wir kennen das bereits aus dem Bereich der Glasfasern, in diesem Fall jedoch ist die Faser ein Naturprodukt, welches nachwachsend ist.
Wenige Jahre später wurde ich mit den Biopolymeren konfrontiert, die übrigens seit über 100 Jahren bekannt sind. Sie stellen mittlerweile eine deutliche Weiterentwicklung dieser Technologie dar. Hierbei gibt es zwei elementar wichtige Hintergründe: Das 100-prozentige Einsparen von Rohöl für die Technologie Kunststoff in naher Zukunft und das Herstellen von biologisch abbaubaren „Kunststoffprodukten“.
Meine Motivation ist sehr einfach: Es wurde in den vergangenen Jahren viel über die Verknappung von Rohöl diskutiert. Wir vermuten, dass diese fossile Ressource noch etwa 30 Jahre vorhanden sein wird. Da Rohöl die Basis für Kunststoffe ist, müssen wir uns also darauf einstellen, dass im Laufe der nächsten Jahre eine extreme Verteuerung einsetzen wird. Daher müssen wir Alternativen für diese Produkte finden und zwar heute! Weiterhin habe ich die Müllstrudel in den Weltmeeren gesehen und denke, es ist auch deshalb notwendig, biologisch abbaubare Materialien zu etablieren. Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden wir durch diese stetig wachsenden Müllstrudel und die damit einhergehenden Auswirkungen für die Pflanzen und Tierwelt mit extremsten Schäden rechnen müssen – wobei diese im Grunde schon heute immens sind. Die Auswirkungen wiederum werden sich nachhaltig auf die gesamte Menschheit auswirken. Denken Sie dabei an die Folgen für die Nahrungskette...
Sie sind auf der Biofach gewesen um beim Bioeinzelhandel für weniger Plastikverpackungen zu werben. Waren Sie erfolgreich?
S. W. K.: Es wäre vermessen, in diesem noch jungen Bereich von ausreichenden Erfolgen zu sprechen. Es wird leider, leider immer noch viel zu wenig in dieser Hinsicht getan. Die Rohstoffhersteller haben heute bereits vielerorts biologisch basierte oder auch biologisch abbaubare Rohstoffe in ihrem Sortiment. Sie verkaufen jedoch deutlich zu wenig davon, weil die Verarbeiter die Rohstoffe noch zu selten einsetzen oder nachfragen. Nachdem die Verarbeiter die Rohstoffe nicht stärker einsetzen und auch der Handel immer noch wenig nach den Produkten fragt, geht der alte Trott weiter. Der Einzelhandel wiederum beruft sich auf die fehlende Nachfrage des Marktes, also der Nachfrage von uns Konsumenten und sorgt sich nicht um die Beschaffung. Dies ist ein bisschen wie die Geschichte von der Henne und dem Ei, was war zuerst da?
Was wir allerdings als Erfolg verbuchen, ist das wachsende Interesse seitens der Endverbraucher, welche jedoch nur in kleinsten Schritten von dieser zukunftsweisenden Technologie Kenntnis erlangen. Und wir haben auch mit vielen innovativen Unternehmen und Verbänden sehr interessante und aussichtsreiche Gespräche geführt. Das Interesse ist groß und wächst. Was jedoch fehlt ist der Startschuss.
Kommentare (19)
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KayJay
schrieb am 28.02.2010 um 12:32 ¶andee
schrieb am 26.02.2010 um 12:02 ¶Kommentar schreiben
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