Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Utopist Hannes Offenbacher im Interview

„Viele Ideen kommen nie zur Entfaltung“


Utopia: Sie sind Gründer des nachhaltigen Ideenstudios „mehrblick“ und arbeiten daran, Unternehmen, Vor- und Querdenker interdisziplinär vernetzen. Mühsam oder „magic“?

Hannes Offenbacher: Es ist immer eine Herausforderung den Weg der Konvention zu verlassen und etwas aufzubauen, das es in dieser Form noch nicht gibt. Der Umstand, dass den meisten Menschen heute die Phantasie für Neues fehlt, macht das Ganze zum Abenteuer. Der Mensch ist darauf trainiert, Dinge in bestehende Fächer im Kopf einzuordnen. Das ist bei einem Ideenstudio wie „mehrblick“ nicht immer leicht. Für uns im Team bleibt es natürlich „magic“, vor allem jetzt nach den ersten Jahren, wo aus der zarten Idee ein wachsendes Unternehmen wird.
 
Utopia: Ihr Motto lautet „Besser geht’s immer.“ Haben Sie ein Beispiel für uns?

H.O.: Das Motto begleitet mich schon viele Jahre. Ich würde mich nicht als Perfektionisten sehen, aber ich bin Fan von Qualität, von durchdachten Dingen und Konzepten, von intelligenten Umsetzungen. Da wir heute unter ständigem Zeitmangel leiden und dazu noch eine wenig entwickelte Feedback-Kultur etablieren konnten, kommen viele gute Ideen nie zur Entfaltung ihres Potentials. Schafft man es aber einen Raum zu schaffen, der sowohl Zeit als auch eine offene und entwicklungsorientierte Kultur des Verbesserns fördert, dann kommt man in dieses tolle Gefühl von „Besser geht’s immer“.
Man kann das bei Projekten, Produkten, aber auch bei seinem eigenen Blog anwenden. Dabei ist es wichtig, nicht in ein krampfhaftes, verbissenes Besser-sein-wollen zu rutschen. Das blockiert nur. Es ist aber auch kein einmaliger Prozess, sondern eine Art von Grundeinstellung zur Arbeit und Glaube an die eigenen Potentiale.

Utopia: Sie haben bei einer grünen Fee drei Wünsche frei.

 H.O.: 1. Wunsch: Sie zaubert den gesamten derzeit im Ökosystem vorhandenen Müll der Menschheit weg oder führt ihn in Form von sauberen Rohstoffen zurück ins Ökosystem.
2. Wunsch: Es gibt plötzlich ein politisches System ohne Parteien und mit einer Kultur, welche die besten Köpfe anzieht. Es zählt wieder der Auftrag für das Volk und nicht für Interessensgruppen und jeder Politiker / jede Politikerin kann maximal drei Amtsperioden im Bundestag arbeiten. Dann geht es zurück in die normale Gesellschaft.
3. Wunsch: Sie schafft das kurzfristige Profitdenken ab und ersetzt es durch eine ganzheitliche, entspannte Lust am schöpferischen Gestalten.

Utopia: Was regt Sie auf beim Stichwort „Konsum“?

H.O.: Der Dualismus, der aktuell von einigen zu radikal gezeichnet wird. Konsum ist per se nichts Schlechtes. Mit dieser Radikalposition kann man keine Systeme ändern. Es braucht ein systemisches Verständnis und schlaues Vorgehen, um Missentwicklungen zu korrigieren.

Utopia: Was machen Sie beruflich?

H.O.: Ich bezeichne mich selbst als Ideenarchitekt und in erster Linie bin ich Unternehmer. Mich treibt die Lust am Kreieren, am Ausdenken von neuen Projekten und das Basteln an nachhaltigkeits-innovativen Startups. Etwas mehr am Boden formuliert würde ich sagen, ich betreibe ein IdeenStudio & Inkubator in Wien – mit dem Ziel, Geburtsort für Ideen, Projekte und Startups zu sein, die eine nachhaltige Entwicklung fördern.

Seite 1 / 2
Thema: Serie: Utopisten-Interviews, Stand: 23.08.2010 von

Kommentare (13)   abonnieren

alle Kommentare (13)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 21.12.2012 um 08:47
    Toll!!
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 27.08.2010 um 12:37
    lieber jbm,

    die welt scheint crazy, aber
    reg dich nicht auf

    poste bei facebook oder "gefällt mir"-geschichten

    aber eigentlich (!) ist das problem,

    keiner will seine fehler dauernd vorgehalten bekommen

    du sicherlich auch nicht

    (blöd sind die wenigsten Leute, unflexibel und ängstlich die meisten)

    also

    laß es, alle zu tadeln

    deswegen hasst man ja seine Lehrer

    mach´s selber besser, nutz deine energie und freude am bilder und so machen indem du etwas positives draus strickst

    wir werden die zukunft leben, die wir uns gestalten

    hilf bitte mit

    konstruktiv

    positive grüße

    felix mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 27.08.2010 um 00:00
    Hallo JBM!
    Das klingt interessant! Könntest du noch mal konkret sagen, an welchen Punkten du nicht weiter kommst bzw. was genau jetzt dein Problem ist, vor dem du ja zustehen scheinst!?

    Grüße Encore
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 26.08.2010 um 23:26
    Danke an Encore, danke an Sathya,

    Bedanke mich für die Unterstützung der Idee von bildwiese.de

    Flexibel und offen soll es weitergehen. Alles ein Entwicklungsprozess.

    Lade Interessierte ein mitzumachen.

    Meine Frage dazu: Wie bekommen wir die Themen aus den Bereichen der "Bekenner" heraus auf die normale Straße. Raus aus der Virtualität häufig Gleichgesinnter in die Realität des ganz normalen Wahnsinns ? mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 26.08.2010 um 12:44
    Titel der Sendung : UtopiaLive *.*

    Sehr schöne Vorschläge lieber Thomas !

    Danke für dein Vertrauen.
alle Kommentare (13)
Kommentar schreiben
(5000/5000)
Mehr zu Serie: Utopisten-Interviews
  1. „Modeschmuck ist oft eher Sondermüll“ „Modeschmuck ist oft eher Sondermüll“

    Scherben, Steine, Deckel – im Leben von Utopistin „greenhero“ Carola Seifert dreht sich fast alles um „Resteverwertung“: Sie stellt modernen, umweltfreundlichen Schmuck und Tischwäsche her, die sogar vom berühmten New Yorker Kaufhaus Bergdorf Goodmann geschätzt wird. Utopia hat mit ihr gesprochen.

  2. „Mit Fairtrade habe ich meine Mission gefunden“ „Mit Fairtrade habe ich meine Mission gefunden“

    Ist „fairtrade“ besser als „bio“? Die Utopistin „Fairtradefreak“ alias Lena Reiner nutzt Ökostrom, Waschnüsse, fährt selten Auto und ist Veganerin. Lesen Sie das Interview mit der Fotografin der Utopia-Konferenz!

  3. "Burnout ist nur zu heilen, wenn man sich um 180° dreht" "Burnout ist nur zu heilen, wenn man sich um 180° dreht"

    Der aktive Utopia-Blogger "Richard-Burgenlandler" im Interview