Utopia: Der Veggie-Tag ist Ihr Thema - wie sind Sie darauf gekommen?
Gerhard Fischer: Inspiriert wurde ich natürlich von Gent, der ersten europäischen Stadt, die den Veggie-Tag einführte. Zu diesem Zeitpunkt ungefähr bin ich auch auf Utopia gestoßen und fand diese Plattform ideal, dieses Thema über Blogs und einer eigenen Gruppe "Initiative Veggie-Tag" zu unterstützen. Habe dann ein Konzept zur Durchführung einer solchen Initiative entwickelt, übrigens auch quasi verifziert über die Utopia-Gruppe "Entwicklungspool für Innovationen zum Klimaschutz ".
Welche Erfolge gibt es schon? Wie ist die Reaktion darauf?
G. F.: Das Echo bei Utopia ist bisher sehr positiv, die Anzahl der Gruppenmitglieder ist relativ schnell gewachsen. Da ich auch VEBU-Mitglied bin, habe ich mit dem Geschäftsführer, Sebastion Zösch, Kontakt aufgenommen und dort sind inzwischen Logo und Folder, die aus der Gruppe entstanden sind, aufgenommen worden, man findet sie dort auf der neu kreierten Web-Seite (http://www.donnerstag-veggietag.de/start.html) des VEBU.
In der Umsetzung solcher Initiativen, und diese soll deutschlandweit initiiert werden, da liegt natürlich das Problem. Initiativen vor Ort ins Leben zu rufen, ist natürlich zentral kaum möglich, da diese Initiativen Kommunen- und Ortskenntnis benötigen, aber Unterstützung kann ich da immer geben, wenn gewünscht.
Deutlich stelle ich ein Süd-Nordgefälle fest, bedeutet mehr Interesse ist im nördlichen Teil oberhalb der Mainlinie zu finden. Hoffe, dass mich meine süddeutschen Landsleute nicht blamieren und nachziehen.
Einen weiteren kleinen Erfolg sehe ich auch in der Umsetzung meiner Anregung, einen persönlichen Veggie-Tag von Utopisten auf der Utopia-Webseite präsentieren zu lassen.
Wie sind Sie denn Vegetarier geworden?
G. F.: Leider bin ich kein Vegetarier von Kind auf, die Zeiten (50-ziger Jahre) damals waren anders, da wusste man eigentlich nur, dass Grün eine Farbe ist. Spass beiseite, ich bin "Quereinsteiger" seit circa 15 Jahren und habe mich langsam in das Thema eingepasst. Wichtig dabei, meine Frau und ich haben das quasi im Doppelpack gemeistert. Das erleichtert natürlich vieles - Essen, Diskussion.... Richtig klick hat es allerdings erst gemacht, als ich mich intensiv mit dem "ganzheitlichen Bewusstsein" beschäftigte, erst da kamen Ratio und Gefühl zusammen und das hat mir dann auch relativ leicht den Weg zur veganen Ernährungsweise geebnet. Heute ist der ethische Aspekt für mich der Wesentlichste, vegan zu leben.
War das schwer?
G. F.: Die Umstellung auf die vegetarische und heute auf die vegane Ernährungsweise war kein Problem. Ich selbst koche leidenschaftlich gerne und ich muss sagen, seit der Umstellung schmeckt es mir noch besser (manchmal schlecht für die Figur). Da ja vegan essen und vegan leben nicht dasselbe sind, tue ich mir im "veganen Leben" noch etwas schwerer, sprich eben auch keine aus Tierprodukten erzeugten Kleider, Möbel ..... Wir haben vieles noch, was wir nicht gleich wegwerfen möchten - wäre auch wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Utopist Gerfi im Interview


Kommentare (32)
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Kommt mir bekannt vor. Vor allem wenn dann Argumente genannt werden wie "kann ich mir nicht leisten", "was soll ich denn dann essen" etc., da frage ich mich, warum die Menschen nicht ihre grauen Zellen benutzen, die sie unbestreitbar haben. Im Grunde ist es nur Bequemlichkeit und Faulheit, die unsere Umwelt und uns selbst zerstören, denn alles resultiert am Ende aus diesen beiden Faktoren. mehr weniger
Ich bin zwar nicht gläubig, und weder Veganer noch Vegetarier noch Kalorienzähler, ich weiss nicht mal wie oft Fleisch bei mir auf dem Tisch kommt, es ist aber auf keinen Fall täglich. Wie wäre es wenn man den Leuten das Kochen und Essen neu beibringen würde? Scheinbar ist es abhanden gekommen.
Eine abwechlungsreiche selbstgemachte Geschmacksküche würde uns schon weiter bringen glaube ich.
Wieso muss sich die Industrie immer einmischen? Weil der Konsument immer bequemer wird, so bequem , daß er nicht mal mehr weiss WAS er ißt, einige Vegetarier bestimmt auch, es ist doch ein Markt oder ? Sowas nenne ich noch nicht strategisch konsumieren. mehr weniger
(Ich kann ja selbst nicht glauben, dass es noch immer Leute gibt, die TÄGLICH Fleisch essen, aber irgendwoher müssen die horrenden "Verbrauchs"-Zahlen ja kommen.)
Hier auf Utopia sind die meisten halt einen bis viele Schritte weiter, weshalb ich dem Urheber empfehle, die hiesige Kritik oder Diskussionen über Konsequenz nicht zu schwer zu nehmen. ; ) (Finde es übrigens toll, dass auch Leute jenseits der 50 so aktiv sind! Wie oft hört man so Sachen wie "Ich bin zu alt für Weltverbesserung".)
Aus Tierrechtsperspektive kann man natürlich argumentieren, dass das Zeitverschwendung, Gewissensberuhigung, letztendlich Systemstabilierung ist. Finde ich ebenso berechtigte Gedanken, dennoch neige ich dazu, daran zu glauben, dass auch eine grundlegende Änderung sich schrittweise vollziehen kann. Wichtig ist, nicht stehen zu bleiben. Sobald es realistisch wird, die fleischfreie Woche und das vegane Wochenende planen. ; ) mehr weniger