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Utopia-Awards 2010

Die neuen Preisträger stehen fest!


Ausgewählt wurden die zehn Preisträger von der prominent besetzten Experten-Jury des Utopia-Stiftungskuratorium und durch das Publikum, das sich aus den Mitgliedern der Community, den Utopisten, und den Lesern der Partnermedien zusammen setzt.

Die Preisträger der ersten Kategorie, die am Donnerstagabend von Utopia in der Berliner Malzfabrik ausgezeichnet wurden, stellten die beiden Schauspieler Bettina Zimmerman und Hannes Jaenicke vor. Als Organisationen sahnten drei Urban Gardening Projekte den Utopia-Award gleich doppelt ab: Sie bekamen den Preis für "Nachhaltigste Organisation" von der Jury als auch vom Publikum. Als die beiden Vertreter der Prinzessinnengärten in Berlin den Award entgegen nahmen, sprachen sie die Hoffnung aus, dass sich zukünftig auch andere durch ihr städtisches Gartenkulturprojekt dazu angeregt fühlen, zunächst eher eigen und außergewöhnliche Ideen in die Tat umzusetzen. Während die Vertreterin der Münchner Krautgärten feststellte, dass diese Idee inzwischen immer mehr Anhänger finde. Auch die Stiftung Interkultur zählt zu den drei ausgezeichneten Urban Gardening Projekten.

Als nachhaltigstes Unternehmen des vergangenen Jahres hat sich die Jury für die Drogeriemarktkette "dm" ausgesprochen, weil in dieser unternehmerische Entwicklung mit sozialen und ökologischen Belangen in Einklang gebracht werde und dabei der Mensch im Mittelpunkt stehe – mit dieser Philosophie ist "Drogerie-Markt" seit fast 40 Jahren erfolgreich. Unternehmensgründer Götz Werner stehe auch persönlich für die Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft ein. Das Publikum wiederum, die Utopia-Community, für den Sportartikel- und Outdoorhersteller Vaude ausgesprochen, weil dieses Unternehmen Nachhaltigkeit und Transparenz in allen Bereichen bereits seit längerem realisiert.

In der Kategorie Produkte hat sich die Utopia-Jury für das Zeolith-Trocknungssystem für Geschirrspüler von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH ausgesprochen. Denn die Zeolith-Spüler sind 20 Prozent sparsamer als die Geschirrspüler der besten Energieeffizienzklasse A. Kann ein Geschirrspüler die nachhaltige Entwicklung beschleunigen? Die Jury des Utopia Awards 2010 beantwortete diese Frage mit einem klaren „Ja“: „Durch den Zeolith-Spüler wird ein neuer Effizienzwettbewerb bei den Haushaltsgeräten eröffnet“, sagte Jury-Vorsitzender Rainer Grießhammer vom Öko-Institut Freiburg. Und das Publikum? Es hat sich für "Sol-Arch2" des Architekten Jürg Wegmüller ausgesprochen. Das Plusenergiehaus in Matten ist ein energieeffizientes Gebäude, welches mittels Solarelementen mehr Energie produziert als von den Benutzern für Heizung, Warmwasser und Haushaltstrom übers Jahr benötigt wird. Es wurde zudem nach dem strengsten Minergie Standard gebaut. Dies bedingt ein eigenständiges, am niedrigen Energieverbrauch orientiertes Gebäudekonzept, welches auch den hohen Anforderungen der gesunden aber auch ökologischen Bauweise gerecht wird.

In der Kategorie Vorbilder entschied sich die Jury für Heffa Schücking, die sich seit 1992 mit ihrem Verein „Urgewald“ für die Interessen von Menschen, die unter den Folgen globaler Umweltzerstörung leiden. Im Vordergrund stehen dabei weniger symbolkräftige Aktionen als der hartknäckige Dialog in den Chefetagen von Politik, Banken und Unternehmen. Dort kommt die Wirkung Ihres Namens inzwischen jener einer Urgewalt ziemlich nahe. Wenn hierzulande Entscheidungen gefällt werden, die Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen im „globalen Süden“ zur Folge haben, schreitet Heffa Schücking ein. Mit ökonomischer Sachkenntnis und detailliertem Wissen über die lokale Situation benachteiligter Populationen fordert die studierte Biologin von den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft immer wieder einen anderen Weg. In ihrer Dankesrede rief sie dazu auf, dass doch alle am 6.11. "nach Gorleben" kommen mögen.

Vom Publikum wurde Jochen Stay gewählt, der für die Renaissance der tot geglaubten Anti-Atom-Bewegung steht. Der 45-Jährige arbeitet als Autor, Vortragsreisender, Organisator und Aktivist – vor allem im Atom-Widerstand. Und dessen Wiedergeburt ist Jochen Stay gelungen. Der ehemalige Hausbesetzer hat es geschafft, das Hippie-Image der Atomkraft-Gegner mit zeitgemäßen Mitteln aufzupolieren und jüngere Generationen als Mitstreiter gegen die Atomkraft und Ihre Lobby zu aktivieren. Mit der Anti-Atom-Kampagne „Ausgestrahlt“ setzt Jochen Stay vollends auf die Zauberformel des Web 2.0: mitmachen.

Eine Besonderheit hat es außerdem gegeben: Es wurde ein Sonderpreis ausgelobt für die APO 2.0., deren "Headquarter sich neuerdings in Stuttgart befindet", wie es Laudatorin Kirsten Brodde treffend auf den Punkt brachte. Stellvertretend für alle Menschen, die in den vergangenen Monaten auf die Straße gegangen sind. Eine Person aus dem Publikum hat den Preis stellvertretend für alle Aktivisten in ganz Deutschland für diese "Außerparlamentarische Opposition" entgegen genommen.       


Stand: 28.10.2010 von

Kommentare (5)   abonnieren

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    schrieb am 30.10.2010 um 18:20
    Zuerst Glückwünsche für alle Gewinnerinnen und Gewinner. Die meisten Entscheidungen kann ich nachvollziehen. Aber manche nur bedingt.

    Zum Beispiel finde ich zwar dm Drogeriemarkt im Vergleich zu anderen Drogerieketten vorbildlich, aber die Aussage im Text, dm sei als "nachhaltigstes Unternehmen des vergangenen Jahres" anzusehen, halte ich doch für sehr übertrieben, pardon.

    Den Publikumsgewinner dieser Kategorie, das Unternehmen Vaude, halte ich ebenfalls für vorbildlich im Vergleich zu vielen anderen, aber auch da ist für mich ein Problem, dass - wenn ich richtig informiert bin - Vaude viele Sachen in extrem undemokratischen Staaten wie China und Burma / Myanmar herstellen lässt. Wie soll da bitte eine "faire" Produktion möglich sein? Sogar Inspekteure werden dort von Fabriken hinters Licht geführt, wie zum Beispiel der Dokumentarfilm China Blue belegt Ich weiß, dass es schwierig ist, einerseits auf dem Markt zu existieren, der Fairness überwiegend nicht gerade belohnt, und andererseits "faire" und außerdem ökologische Produktionsbedingungen zu gewährleisten, aber China und Burma, das geht mir doch ein bisschen zu weit, wenn ein Unternehmen einen so hohen Anspruch hat und sogar einen Preis gewinnt.
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    schrieb am 09.11.2010 um 12:16
    Die Christliche Initiative Romero hat in ihrer jüngsten Studie die Arbeitsbedingungen namhafter Outdoor-Hersteller einzeln überprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass Image und Realität der Outdoor-Branche weit auseinander klaffen. In der Studie ist auf Seite 34 auch ein Profil über Vaude enthalten, http://www.ci-romero.de/fileadmin/download/ccc/CCC_Outdoor_Profile_3_2010.pdf

    Es stimmt, dass Vaude seine Produkte in China und Burma herstellt sowie in Vietnam, Thailand, Tunesien und Litauen. Die Produktion konzentriert sich vom Volumen her eindeutig auf China. Vaude hat einen Verhaltenskodex entwickelt, der auf lokale Arbeitsgesetze verweist und sich verpflichtet, grundlegende Arbeitsstandards einzuhalten. Leider wird sich aber nicht explizit auf die ILO-Kernarbeitsnormen bezogen, so dass z.B. Organisationsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen (sprich gewerkschaftliche Aktivitäten) in dem Kodex des Unternehmens nicht enthalten sind. Sieht die Formulierung von Arbeitsnormen insgesamt aber noch akzeptabel aus, mangelt es in praktischen Bereichen wie Kodexumsetzung, Monitoring und Verifizierung. Vaude ist weder Mitglied in einer Multi-Stakeholder-Initiative (also einer Initiative zur Einhaltung sozialer und ökologischer Normen, die nicht nur von Unternehmen, sonder auch von Gewerkschaften und NGOs getragen wird), noch in einer Monitoring-Initiative. Vaude hat angekündigt, dieses Jahr noch der Multi-Stakeholder-Initiative Fair Wear Foundation (FWF) beizutreten. Der Beitritt steht allerdings noch aus.
  • gelöscht am 09.11.2010 um 12:18 von dieCCC
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • gelöscht am 09.11.2010 um 12:19 von dieCCC
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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    schrieb am 09.07.2011 um 10:39
    welche geschirrspüler sind das denn genau?
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